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Skeptic's Dictionary
 

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Pseudowissenschaft

Eine Pseudowissenschaft ist eine Ideenkonstellation, die auf Theorien beruht, die als wissenschaftlich ausgegeben werden, es aber nicht sind. Eine Theorie ist wissenschaftlich, wenn (und nur wenn) sie eine Reihe von empirischen Phänomenen erklärt und auf sinnvolle Art und Weise empirisch getestet werden kann. Wissenschaftliches Testen schließt meistens die Ableitung empirischer Voraussagen aus der Theorie ein. Um Sinn zu machen, müssen diese Voraussagen, zumindest im Prinzip, widerlegbar sein; diese Eigenschaft wissenschaftlicher Theorien wurde von Karl Popper „Falsifizierbarkeit" genannt. Eine pseudowissenschaftliche Theorie gibt vor, wissenschaftlich (d.h. falsifizierbar) zu sein, doch entweder ist die Theorie nicht wirklich falsifizierbar oder sie ist bereits falsifiziert, aber ihre Anhänger lehnen es ab, diese Falsifikation zu akzeptieren.

Pseudowissenschaftler behaupten, ihre Theorien basierten auf empirischen Belegen, und manchmal verwenden sie sogar wissenschaftliche Methoden, obgleich ihre Auffassung, was ein kontrolliertes Experiment ausmacht, unzureichend ist. Viele Pseudowissenschaftler genießen es, auf die Konsistenz (den inneren Zusammenhang) ihrer Theorien mit den bekannten Tatsachen oder den vorausgesagten Konsequenzen hinzuweisen, aber sie erkennen nicht, dass diese Konsistenz gar nichts beweist. Es ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, dass eine gute wissenschaftliche Theorie den Tatsachen nicht widerspricht. Eine Theorie, die dies tut, ist ganz offensichtlich keine gute wissenschaftliche Theorie; aber daraus folgt nicht, dass eine Theorie, die mit den Fakten im Einklang ist, automatisch eine gute Theorie ist. So wird zum Beispiel „die Wahrheit der Hypothese, dass die Pest von bösen Geistern verursacht wird, nicht bestätigt von der Richtigkeit der Schlussfolgerung, dass man die Seuche vermeiden kann, wenn man sich von den bösen Geistern fernhält." 1

Mehrere Eigenschaften von Pseudowissenschaftlern und –wissenschaft treten wiederholt auf:

    1. Die Neigung, Theorien vorzuschlagen, die als wissenschaftlich vorgebracht werden, aber in keinster Weise sinnvoll empirisch getestet werden können; d.h. die Theorie ist konsistent mit jedem nur denkbaren Ereignis, und keine aus ihr abgeleiteten Voraussagen könnten sie jemals falsifizieren. Oder die Theorie wird in Begriffen von nicht empirisch zugänglichen Elementen formuliert – siehe etwa Dianetik.

    2. Die sture Weigerung, eine Idee im Angesicht überwältigender Beweise aufzugeben, und der Gebrauch von Ad-Hoc-Hypothesen, um Gegenbeweise hinwegzuerklären.

    3. Die selektive Verwendung von Daten: Die Neigung, sich auf bestätigende Ergebnisse zu beschränken und widerlegende Ergebnisse zu ignorieren.

    4. Die Verwendung von persönlichen Anekdoten als Beleg.

    5. Der Mangel an Bedenken angesichts des Mangels an Beweisen, die die eigene Theorie stützen würden.

    6. Die Verwendung von Mythen oder Geschichtsrätseln, um Theorien zu stützen, mit denen dann die Mythen oder Rätsel hinwegerklärt werden. Siehe etwa Erich von Däniken oder Kreationismus.

    7. Leichtgläubigkeit, insbesondere im Bereich Paranormales, Übernatürliches oder Außerirdisches.

     

    Im Rahmen des Skeptischen Wörterbuchs fallen von den bisher fertig gestellten Einträgen die folgenden mehr oder weniger in den Bereich der Pseudowissenschaft:

    Alchimie
    Anthropometrie
    Anthroposophie
    Dianetik
    Erdstrahlen
    Graphologie
    Kraniometrie
    Kreationismus
    Lawsonomie
    Psychoanalyse
    Psychohistorie
    Sindologie
    Theologie
    Vitalismus
    Welt-Eis-Lehre
    Zermatismus

    Die Grenze zur Pseudogeschichte und vor allem zur alternativen Medizin ist oft fließend.

    Pseudowissenschaften sollten nicht mit Fiktiven Wissenschaften verwechselt werden.

 

Anmerkungen

    1. W.I.B. Beveridge, The Art of Scientific Investigation (New York: Vintage Books, 1957), p. 118.

     

Literaturtips (englisch)

Friedlander, Michael W. At the Fringes of Science, (Boulder, Colorado: Westview Press, 1995).

Dawes, Robyn M. House of Cards - Psychology and Psychotherapy Built on Myth, (New York: The Free Press, 1994).

Gardner, Martin. Fads and Fallacies in the Name of Science (New York: Dover Publications, Inc., 1957).

Gilovich, Thomas. How We Know What Isn't' So: The Fallibility of Human Reason in Everyday Life (New York: The Free Press, 1993).

Glymour, Clark and Douglas Stalker."Winning Through Pseudoscience," in Philosophy of Science and the Occult, edited by Patrick Grim. 2nd ed. (Albany: State University of New York Press, 1990), pp. 75-86.

Gould, Stephen Jay. Ever Since Darwin, (New York: W.W. Norton & Company, 1979).

Radner and Radner, Daisie and Michael. Science and Unreason (Belmont, California: Wadsworth Publishing Co., 1982).

Sagan, Carl. Broca's Brain: Reflections on the Romance of Science (New York: Random House, 1979).

Sagan, Carl. The Demon-Haunted World - Science as a Candle in the Dark (New York: Random House, 1995).

Shermer, Michael. Why People Believe Weird Things : Pseudoscience, Superstition, and Other Confusions of Our Time (W H Freeman & Co.: 1997).

Singer, Margaret Thaler and Janja Lalich. Crazy Therapies (San Francisco: Jossey-Bass, Inc., 1996).

Spanos, Nicholas P. Multiple Identities and False Memories: A Sociocognitive Perspective (Washington, D.C.: American Psychological Association, 1996).

 

 

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