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Ad-Hoc-Hypothesen

Eine Ad-Hoc-Hypothese ist eine Hypothese, die aufgestellt wird, um Fakten wegzuerklären, die die eigene Theorie zu widerlegen scheinen. Ad-hoc-Hypothesen kommen häufig in paranormaler Forschung und unter Pseudowissenschaftlern vor. ESP-Forscher sind dafür bekannt, die feindseligen Gedanken von Beobachtern dafür verantwortlich zu machen, das Ablesen empfindlicher Messgeräte unbewusst zu erschweren. Die negativen Wellen, sagen sie, machen es ihnen unmöglich, ein erfolgreiches ESP-Experiment zu wiederholen. Die Wiederholung eines Experimentes ist grundlegend für seinen Wert. Natürlich kann kein ESP-Experiment jemals scheitern, wenn man diesen Einwand ernst nimmt. Wie auch immer die Resultate ausfallen, man kann jederzeit sagen, sie seien von paranormalen Kräften verursacht worden, entweder von denen der Testpersonen oder denen der übrigen Anwesenden.

Martin Gardner berichtet von einem absurden Höhepunkt dieser Art des Denkens bei dem Paraphysiker Helmut Schmidt, der Kakerlaken in eine Schachtel sperrte, in der sie sich selbst Elektroschocks verpassen konnten. Man sollte annehmen, dass Kakerlaken es nicht schätzen, geschockt zu werden und sich selber nicht mehr Schocks geben würden, als Zufallsraten angeben; weniger, falls Kakerlaken aus Erfahrung lernen können. Die Kakerlaken gaben sich selbst mehr Schocks als statistisch erwartet. Schmidt zog daraus den Schluss, dass er, "weil er Kakerlaken hasse, es vielleicht seine PK (Psychokinese) war, die den Ablauf beeinflusste!" (Gardner, S. 59)

Ad-hoc-Hypothesen finden häufig Verwendung bei der Verteidigung der pseudowissenschaftlichen Theorie der Biorhythmen. So gibt es sehr viele Menschen, die nicht den vorausgesagten Mustern der Biorhythmen entsprechen. Anstatt diese Tatsache als Gegenbeweis zur Theorie zu akzeptieren, wird eine neue Klasse von Menschen erschaffen: die Arhythmischen. Kurz, wann immer die Theorie nicht zu funktionieren scheint, werden die Gegenbeweise systematisch ignoriert. Verteidiger der Biorhythmus-Theorie behaupteten, sie könne verwendet werden, um das Geschlecht eines ungeborenen Kindes genau vorauszusagen. W.S. Bainbridge, Professor für Soziologie an der Universität von Washington, hat jedoch demonstriert, dass die Chance, das Geschlecht eines ungeborenen Kindes mittels Biorhythmus korrekt vorauszusagen, bei 50% liegt, was dem Werfen einer Münze gleichkommt. Ein Biorhythmus-Experte versuchte ohne Erfolg, das Geschlecht der Kinder in Bainbridges Studie - basierend auf Bainbridges Material - vorherzusagen. Die Ehefrau des "Experten" schlug eine interessante Ad-hoc-Hypothese vor: Unter den Fällen, bei denen die Theorie falsch war, befänden sich etliche Homosexuelle mit unbestimmter sexueller Identität!

Astrologen haben oft eine Schwäche dafür, statistische Daten und Analysen zu verwenden, um uns mit dem wissenschaftlichen Anspruch der Astrologie zu beeindrucken. Es versteht sich, dass eine wissenschaftliche Analyse des Datenmaterials sich nicht immer für den Astrologen auszahlt. In diesem Fall kann der Astrologe das Material dem astrologischen Paradigma anpassen, indem er die Ad-hoc-Hypothese aufstellt, dass diejenigen, die nicht in das Schema passen, anderen, unbekannte Einflüssen unterliegen, die dem Einfluss der dominanten Planeten entgegenwirken.

Die Verwendung von Ad-hoc-Hypothesen ist nicht auf Pseudowissenschaft beschränkt. Ein anderer Typ von Ad-hoc-Hypothese tritt in der Wissenschaft auf, wenn eine neue wissenschaftliche Theorie aufgestellt wird, die einer etablierten Theorie widerspricht und die keine grundlegende Erklärung hat. Eine Ad-hoc-Hypothese wird verwendet, um zu erklären, was die neue Theorie nicht erklären kann. Alfred Wegener konnte zum Beispiel bei seiner Theorie der Kontinentaldrift nicht erklären, wie sich die Kontinente bewegen. Die Schwerkraft wurde als Motor der Bewegung vorgeschlagen, obgleich es keine wissenschaftlichen Belege für diese Idee gab. Tatsächlich konnten Wissenschaftler aufzeigen, dass Gravitation eine zu schwache Kraft ist, um die Bewegung von Kontinenten zu erklären. Alexis du Toit, ein Verteidiger von Wegeners Theorie, hielt radioaktives Abschmelzen des Ozeanbodens an Kontinentalgrenzen für den Mechanismus der Kontinentbewegung. Stephen Jay Gould bemerkte dazu, dass "diese Ad-hoc-Hypothese kein Jota zur Plausibilität von Wegener Spekulation hinzufügte." (Gould, S. 160)

Schließlich und endlich nennt man das Ablehnen von Erklärungen, die den Glauben an okkulte, übernatürliche oder paranormale Kräfte verlangen, zugunsten von einfacheren und plausibleren Erklärungen die Anwendung von Occam's Rasiermesser. Das ist nicht dasselbe wie eine Ad-hoc-Hypothese. Nehmen wie zum Beispiel an, ich erwische Sie dabei, wie Sie eine Armbanduhr aus einem Laden mitgehen lassen. Sie sagen, Sie hätten sie nicht gestohlen. Ich bitte Sie, Ihre Taschen zu leeren. Sie stimmen zu und holen eine Armbanduhr hervor. Ich sage "Aha! Ich hatte Recht. Sie haben die Uhr gestohlen!" Sie antworten, Sie hätten die Uhr nicht gestohlen, aber Sie geben zu, dass sie nicht in Ihrer Tasche war, als wir den Laden betraten. Ich frage Sie, wie Sie sich erklären, dass die Uhr in Ihre Tasche gekommen ist, und Sie behaupten, Sie hätten Telekinese verwendet: Sie hätten Ihre Gedanken dazu benutzt, die Uhr aus einer Vitrine in Ihre Tasche zu befördern. Ich fordere Sie auf, dies mit einer anderen Uhr zu wiederholen, und Sie stimmen zu. Doch wie sehr Sie sich auch bemühen, es gelingt Ihnen nicht, eine Uhr auf magische Weise in Ihrer Tasche erscheinen zu lassen. Sie sagen, der Erfolgsdruck sei zu groß oder es gebe zu viele Negativwellen in der Umgebung, als dass Sie Ihre Kräfte benutzen könnten. Damit haben Sie eine Ad-hoc-Hypothese angeboten, um das wegzuerklären, was wie ein klarer Gegenbeweis Ihrer Behauptung aussieht. Meine Hypothese - die Uhr ist in Ihrer Tasche, weil Sie sie gestohlen haben - ist keine Ad-hoc-Hypothese. Ich habe mich entschieden, eine plausible Erklärung einer unwahrscheinlichen vorzuziehen. In ähnlicher Weise verhält es sich mit meinen Kopfschmerzen: Habe ich die Wahl, dass sie entweder von selber verschwanden oder weil eine Krankenschwester ihre Hände über meinem Kopf hin- und herbewegte und dabei ein Mantra sang, entscheide ich mich immer für Ersteres.

Es ist immer vernünftiger, Occam's Rasiermesser anzusetzen als spekulative Ad-hoc-Hypothesen aufzustellen, nur um die Möglichkeit eines übernatürlichen oder paranormalen Ereignisses aufrechtzuerhalten.

 

Weiterführende Literatur (englisch)

Gardner, Martin. The Whys of a Philosophical Scrivener (New York: Quill, 1983).

Gould, Stephen Jay. Ever Since Darwin (New York: W.W. Norton & Company, 1979).

 

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