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Erich von Däniken (*1935) Der Begriff "Prähistorische
Astronauten" bezieht sich auf die spekulative Annahme, außeriridische Besucher aus dem All seien verantwortlich für die ältesten Zivilisationen der Erde. Der berüchtigtste Vertreter dieser Vorstellung ist Erich von
Däniken, Autor mehrerer Bestseller über dieses Thema. Sein Buch "Erinnerungen an die Zukunft" etwa, ist ein Rundumschlag gegen die Erinnerungsleistungen und die Fähigkeiten der Menschen des Altertums. Von
Däniken behauptet, dass Mythen, Kunst und gesellschaftliche Strukuren der ersten Zivilisationen von Astronauten eingeführt wurden, die von einem anderen Stern kamen. Somit stellt er nicht nur das Erinnerungsvermögen
unserer Vorfahren in Frage, sondern auch ihre Fähigkeit zur Entwicklung von Kultur und Zivilisation überhaupt. Vorgeschichtliche Menschen entwickelten ihre Kunst- und Technikfertigkeiten demnach nicht selbst, sondern
lernten sie von Besuchern aus dem Weltall. Wie steht es mit den Beweisen, die von Däniken für seine Behauptungen vorgelegt hat? Einige von ihnen erwiesen sich als Fälschungen. So zeigte Däniken Fotos von
Töpferarbeiten, die seinen Angaben zufolge bei einer archäologischen Ausgrabung gefunden worden seien. Die Keramiken zeigten fliegende Untertassen und stammten angeblich aus biblischer Zeit. Die Reporter von
"Nova", einer seriösen US-Dokumentarsendung, spürten jedoch den Töpfer auf, der diese vermeintlich antiken Töpfe gefertigt hatte. Sie konfrontierten von Däniken mit ihren Beweisen, die den Betrug belegten.
Seine Antwort darauf: Der Schwindel sei gerechtfertigt, da manche Menschen eben nur dann glaubten, wenn sie Beweise sähen! ("The Case of Ancient Astronauts", Ausstrahlungsdatum 8. März 1978) Bei den meisten
dieser "Beweise" des Autors von Däniken handelt es sich jedoch einfach um windige Argumente und Irrtümer. Von Däniken beginnt schlicht bei der Annahme, es habe diese Astronauten gegeben - und zwingt danach
archäologischen Fundstätten und alte Mythen in dieses Konzept. In Nazca, Peru, erklärt von Däniken beispielsweise große Tierzeichnungen in der Wüste zu einem uralten außerirdischen Flughafen. Der Umstand, dass die
Linien der Zeichnung als Startbahnen für irgendein reales Flugzeug untauglich wären, da sie viel zu eng zusammen liegen, wird von ihm bequemerweise ignoriert. Die Möglichkeit, dass sich diese Zeichnungen auf die
Wissenschaft oder die Mythologie der Einheimischen beziehen könnten, wird nicht in Betracht gezogen. Häufig greift von Däniken auch auf Pseudo-Dilemmata als Argumentationshilfe zurück, etwa nach dem Muster:
"Entweder wir erklären diese Daten durch die Annahme, dass diese primitiven Idioten all das selbst gemacht haben, oder wir akzeptieren die wesentlich plausiblere Idee, dass sie Hilfe von außerordentlich
fortgeschrittenen Völkern erhielten, die von anderen Planeten gekommen sein müssen und Technologien, wie etwa die Antischwerkraft besaßen." Die meisten seiner Kritiker weisen darauf hin, dass die Menschen des
Altertums eben nicht die hilflosen, imkompetenten, vergesslichen Wilden waren, die von Däniken aus ihnen macht - denn sie müssten immerhin in der Lage gewesen sein, sowohl die Sprache, als auch die Anweisungen ihrer
außerirdischen Lehrer zu verstehen: nicht gerade einfach! Es ist wahr: Wir wissen noch nicht genau, wie die Alten manche ihrer erstaunlichen technischen Leistungen vollbracht haben. Wir fragen uns immer noch, auf welche
Weise die alten Ägypter riesige Obelisken in der Wüste errichteten, wie Steinzeitmenschen riesige Monolithen bewegen und sie in Dolmen oder Reihengräbern verarbeiten konnten. Wir staunen, ob der riesigen gemeißelten
Köpfe auf der Osterinsel und fragen uns, wer sie hergestellt hat, warum sie aufgestellt wurden. und wieso ihre Erschaffer die Insel verlassen haben. Eines Tages finden wir vielleicht Antworten auf diese Fragen, aber sie
werden höchstwahrscheinlich von der Wissenschaft gegeben werden, nicht von pseudowissenschaftlicher Spekulation. Die Beobachtung von Menschen in Papua-Neuguinea, die noch heute im Stadium der Steinzeit-Kultur leben, und
in deren Lebensumgebung man riesige Steine auf den Gräbern findet, hat uns einen Hinweis darauf gegeben, wie die Menschen der Vorgeschichte ähnliche Leistungen mit wenig mehr als Pflanzenseilen, hölzernen Hebeln und
Schaufeln, sowie ein wenig Kreativität und viel Muskelkraft erbracht haben könnten. Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass das Gedächtnis unserer Vorfahren so viel schlechter gewesen sei als das unsere, und dass
sie sich daher nicht genau genug an die Außerirdischen hätten erinnern können, um präzisere Beschreibungen ihrer Besuche weiterzugeben. Es gibt keine Belege für die Annahme, dass alte Mythen und religiöse Geschichten
verzerrte und unvollständige Erinnerungen an Altertums-Aliens seien, aufgezeichnet von prähistorischen Priestern. Die Belege allerdings, die dagegen sprechen, und für die Annahme plädieren, dass prähistorische oder
"primitive" Menschen durchaus intelligent und geistreich gewesen seien - sind hingegen überwältigend. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Besucher aus dem All vor einigen tausend Jahren auf der Erde
landeten und mit unseren Vorfahren in Verbindung traten. Aber es ist doch weitaus wahrscheinlicher, dass unsere Vorfahren für ihre Kunst, Technologie und Kultur selbst verantwortlich zeichneten. Warum also sollte man
auf eine Erklärung zurückgreifen, wie sie von Däniken gibt? Sie mag vielleicht durch den Reiz des Mysteriösen viele Menschen ansprechen - aber sie ergibt keinen Sinn, da sie vielem widerspricht, was wir bereits über die
Welt unserer Vorfahren wissen. Die Theorie der "Götter aus dem All" ist überflüssig: Wir können sie getrost über die Klinge von "Occams Rasiermesser" springen lassen. Anmerkung des Übersetzers:
Auch der 1996 verstorbene bekannte Astronom Carl Sagan meinte: "Unsere Vorfahren waren keine Trottel. Sie hatten vielleicht keine Hochtechnologie, aber sie waren so clever wie wir, und manchmal verbanden
sie Hingabe, Intelligenz und harte Arbeit miteinander, um Ergebnisse zu erzielen, die sogar uns noch beeindrucken." (Sagan, Carl: Broca's Brain. New York 1974. S. 63). Ein weiterer Kritiker von Dänikens ist
der Bühnenmagier James Randi, der auf einen weiteren und wenig beachteten Aspekt der Astronautengötter-Theorie hinweist, nämlich auf den darin verborgenen Rassismus. Randi: "Die vielleicht die größte Schwachstelle
in den von Däniken vertretenen Argumenten besteht darin, dass er, - obwohl er die wunderbaren Errungenschaften von braun-, gelb- oder schwarzhäutigen Menschen anführt und seinen Zweifeln Ausdruck verleiht, sie könnten
dies [...] ohne außerirdische Hilfe geschafft haben, - er doch an keiner Stelle Stonehenge, die Kathedrale von Chartres oder das Parthenon oder irgendeines der Weltwunder der weißen Rasse erwähnt." (Randi, James:
The Supernatural A-Z. London 1995. S. 319). Leserkommentar |