Homöopathie

Schwerer Pfusch "Arzneimittelprüfung"


8.6.2003

15.5.2003
Die Homöopathen beklagen sich, die wissenschaftliche Welt würde ihnen ja ach so Böses tun. "Die Wissenschaft", sagen sie, "wird uns nicht gerecht."

Doch man muß die Homöopathie (und damit die Homöopathen !) nicht einmal an den Maßstäben der Wissenschaft messen. Warum nicht? Weil die Homöopathen sogar nach ihren eigenen Maßstäben auf der ganzen Linie total versagen. DAS kann man beweisen.

Am 6. Mai 2003 fand in Bremerhaven im Vortragssaal des Deutschen Schiffahrtsmuseums ein Vortrag statt, veranstaltet durch die DHU (Deutsche Homöopathie-Union), einem Hersteller von Homöopathika. In den folgenden Tagen konnte man in mehreren Bremerhavener Apotheken kostenlos ein kleines "Homöopathisches Repertorium" erhalten. So wurde es während der Veranstaltung angekündigt, und so war es auch.

Dieses "Homöopathische Repertorium" erwies sich als "Homöopathisches Repetitorium, Ausgabe 2002", herausgegeben von der DHU.

Bereits 2001 hatte ich über die Ausgabe von 1994 berichtet:

Ein Vergleich zwischen beiden Ausgaben ist überaus aufschlußreich.

So heißt es in der "Ausgabe 1994" :

In der "Ausgabe 2002" dagegen : In beiden ist der deutliche Vermerk

Dennoch wurde während der Veranstaltung für Laien das Repertorium angekündigt und in den Apotheken auch an Laien ausgegeben.

Im Gegensatz zur Ausgabe von 1994 fehlt in der von 2002 eine markante Angabe, nämlich jene über die Arzneimittelprüfungen.

Hahnemann, der Erfinder des religiösen Wahnsinns Homöopathie, schreibt in seinem "Organon der Heilkunst", 6te Auflage, von Dr. S. Hahnemann", Ende Februar 1842:

Für diese "Symptomen-Aehnlichkeit" benötigt man Symptome, ermittelt durch "Arzneimittelprüfungen" an GESUNDEN Menschen. Das ist die unabdingbare Grundlage der Homöopathie.

Also, sollte man erwarten dürfen, gibt es für jedes homöopathische Mittel eine große Menge an Arzneimittelprüfungen, um die Symptome genau zu erforschen. Ein Blick in das "Repetitorium" DHU von 1994 spricht jedoch Bände :


Die Liste...

In der mit Javascript verpesteten Web-Site der DHU sind rund 1600 von der DHU verkaufte Arzneimittel aufgeführt. Eine Angabe über die Arzneimittelprüfungen konnte ich nicht finden. Auch im "Repetitorium, Ausgabe 2002" ist zu den einzelnen Arzneimitteln keine Angabe zur Arzneimittelprüfung. In der Ausgabe von 1994 jedoch sind diese Hinweise zu finden.

Ich habe am 15.5.2003 aus der Web-Site der DHU (http://www.dhu.de) nach Alphabet sortierte Arzneimittellisten heruntergeladen und daraus die folgende Liste von Arzneimitteln erstellt. Auf der linken Seite habe ich die im DHU-"Repetitorium, Ausgabe 1994" angegebene Notiz zur Arzneimittelprüfung eingetragen. Laut dem DHU-"Repetitorium, Ausgabe 1994" bedeuten

Wie Sie sehen, gibt es für mehr als die Hälfte der Mittel nicht einmal eine Angabe, ob überhaupt eine einzige Arzneimittelprüfung existiert.

Und es gibt Vermerke, daß es zu Arzneimitteln KEINE Arzneimittelprüfung gibt!


Die Arzneimittelprüfungen

Selbst wenn es zu einem Arzneimittel Arzneimittelprüfungen geben sollte: Was sagt eine solche Arzneimittelprüfung aus?

Hierzu mehrere Zitate aus dem Fundus dessen, was im WWW verfügbar ist.

Fall 1

(Gezipptes Beweisstück: http://www.ariplex.com/ama/ama_m245.zip)

Ein Mittel unter dem Kopfkissen. Dieses Mittel ist aber eines zum Einnehmen!

Weiter im gleichen Text:

Sie werden jetzt sicherlich einwenden, das seien ja nur 2 kurze Zitate aus einem großen Text. Deswegen nun zum weiteren Quellenstudium ein ungekürzter Text:

Fall 2

(Gezipptes Beweisstück: http://www.ariplex.com/ama/ama_amp2.zip)

Irgendwelche Leute nehmen ein Mittel oder legen es sich unter das Kopfkissen - wie es ihnen gerade so einfällt. Dann schreiben sie auf, was ihnen gerade so einfällt.

Natürlich können sie nur das aufschreiben, was SIE gerade so denken. Worüber wird ein Physiker denken? Worüber wird eine Kindergarten-Erzieherin denken? Worüber wird ein Hausmeister denken? Wovon wird jeder von ihnen träumen?

Jeder Mensch ist ein Spiegel SEINER Umwelt. Seine Gedanken können nur das wiedergeben, was er in seiner Umwelt erlebt. Ein Millionär in Saus und Braus hat sicher andere Wünsche und Empfindungen als ein ebensogesunder, aber völlig verarmter Arbeitsloser. Wie sind die Gedanken nach einem Fußballspiel? Wie sind sie nach einer Steuerhöhung? Was löst ein grauenhafter Kriminalfilm im Fernsehen aus?

"Das Sein bestimmt das Bewußtsein." sagte Karl Marx.

Karl Marx hat er recht.

Ein besonders barbarisches, aber eben typisches (!) Beispiel finden wir in http://www.homoeopathieforschung.de/caninum.htm, das ich in http://www.ariplex.com/ama/ama_hund.htm beschrieben habe: "excrementum caninum", das heißt Hundekot.

Fall 3

(gezipptes Beweisstück: ama_kot.zip)

All das hat jemand empfunden und aufgeschrieben. Aber WER!? Ein Millionär? Eine Putzfrau? Ein Busfahrer? Eine Verkäuferin? Eine Hausfrau, die ihr Seelenheil im Lesen von Arzt-Romanen sucht?

Weitere Punkte in diesem Text:

 
In einem Witz zeigt ein Psychiater dem Patienten Bilder mit Klecksen auf Papier und fragt ihn, woran ihn jedes Bild erinnert:
"Das hier?"
"An meine Waschmaschine."
"Das hier?"
"An meine Waschmaschine."
"Und das hier?"
"An meine Waschmaschine."
Der Psychiater ist irritiert, gibt aber nicht auf. Also noch ein Versuch:
"Und dieses hier?"
"An meine Waschmaschine."
"Warum in aller Welt denken Sie bei allem an Ihre Waschmaschine!?"
"Weil der Schlauch geplatzt ist."

Das gleiche gilt bei den Arzneimittelprüfungen. Und es ist kein Witz, sondern blutiger Ernst, denn zum Beispiel die Beschreibungen im Fall 3 (Arzneimittel "excrementum caninum") sind Teil der Web-Site einer gewerblich betriebenen Homöopathie-Praxis!

Fall 4
Das Ende einer Maus

Aus der gleichen Quelle wie im Fall 2 stammt folgende "Arzneimittelprüfung":

(Gezipptes Beweisstück: http://www.ariplex.com/ama/ama_amp3.zip)

In seinem "Repertorium" zum Fall der beendeten Maus führt Klaus Löbisch unter anderem auf:
(Die Angaben "p1", "p5", etc sind Abkürzungen für "Person 1", "Person 5", etc.)

Alles Dinge, die auf eine Maus projiziert sind. Und um nichts anderes handelt es sich: um Projektionen! Wie Karl Marx sagte: "Das Sein bestimmt das Bewußtsein!"

Lesen Sie die "Arzneimittelprüfung" in ihrer vollen Länge
(http://www.homoeopathie-wichmann.de/Provings/Mus%20musculus.htm)
und staunen Sie, welche Brosamen zu einer Maus, und wie diese Projektionsmaus zu einem "Arzneimittel" stilisiert werden.

Vergessen Sie dabei bitte nicht, daß auch dieses Beispiel Teil einer gewerblich betriebenen Web-Site eines Heilpraktikers ist, also Menschen sich in ihrer Krankheit auf diesen Heilpraktiker und seine Worte - und damit auch auf die Worte dieser "Arzneimittelprüfung" - verlassen!:

 

Sinn der Arzneimittelprüfung

Die Arzneimittelprüfung hat einen Sinn. Sie ist laut Hahnemann das Fundament der Homöopathie. Ohne Arzneimittelprüfung keine Symptomenliste für das Repertorium. Ohne Symptomenliste kann ein Mittel nicht zugeordnet, also auch nicht gefunden werden. Jedenfalls laut Hahnemann. Und Hahnemann ist das Maß aller Dinge, denn Hahnemann ist der Erfinder der Homöopathie.

Bei dem Vortrag "Homöopathie: Möglichkeiten und Grenzen" am 6. Mai 2003 in Bremerhaven im Vortragssaal des Deutschen Schiffahrtsmuseums war der Veranstalter die DHU (Deutsche Homöopathie Union, Karlsruhe), in Kooperation mit Bremerhavener Apotheken. Vortragsredner war Dr. med. Mirko Berger.

In seinem Skript und während des Vortrags erklärt Mirko Berger unter anderem:

Einer der Höhepunkte von Mirko Berger's Vortrag war das Bekenntnis, daß es zu "cardiospermum" und anderen homöopathischen Arzneimitteln keine Arzneimittelprüfung gibt.

Ein Vergleich des eingangs genannten Buches "Homöopathisches Repetitorium", das in der Version von 2002 nach dem Vortrag in den Apotheken verteilt wurde, mit der Ausgabe von 1994 zeigt, daß im Jahr 2002 kein Hinweis mehr auf Azrneimittelprüfungen existiert (siehe oben). 1994 jedoch sind Arzneimittel wie cardiospermum, symphytum", etc angegeben als ohne Arzneimittelprüfung.

Die Ausgabe von 2002 verleitet zu der Vermutung, daß seit 1994 die noch fehlenden Arzneimittelprüfungen gemacht worden sein könnten. Das Bekenntnis von Dr. med. Mirko Berger zeigt jedoch, daß dem offensichlich nicht so ist.

Hier liegt also ein schwerer Verstoß gegen die Prinzipien der Homöopathie vor. Wohlgemerkt: gemessen an den Maßstäben der Homöopathen selbst!

So weit, so schlecht.

Außerdem muß man fragen, wie es angehen kann, daß im Jahr 1994 die DHU Arzneimittel als homöopathisch vertrieben hat, die nach den Grundlagen der Homöopathie nicht als solche eingesetzt werden dürfen.

Bitte denken Sie daran, daß ohne Arzneimittelprüfung keine Symptomenliste und damit auch keine Zuordnung per Repertorium möglich ist!

So weit, so schlecht.

Die Homöopathen lassen keine Gelegenheit aus, um den Unterschied zwischen "Schulmedizin" und Homöopathie" hervorzuheben. Auch Dr. med. Mirko Berger schlägt mit Wucht in diese Kerbe. Ich wiederhole seine Aussage (siehe auch oben) aus seinem Vortrag und zitiere aus seinem Vortragsskript:

Die Brisanz dieser Aussage wird deutlich, wenn Dr. med. Mirko Berger in seinem Vortrag und in seinem Skript als Mittel bei Heuschnupfen empfiehlt:

Wie kann er das tun, wo es doch zu "cardiospermum" nach seinen eigenen Aussagen keine Arzneimittelprüfung gibt, also keine Einträge im Repertorium geben kann!?

So weit, so schlecht.

In seinem Vortrag und in seinem Skript behauptet Dr. med. Mirko Berger auch folgendes:

Tatsache ist aber, daß es in der Homöopathie KEINE "bewährten Mittel" gibt!

Die Homöopathie, so behaupten die Homöopathen, richte sich nach den INDIVIDUELLEN Gegebenheiten jedes einzelnen Kranken. "Eine Medizin für alle", das verstößt gegen die elementaren Grundlagen der Homöopathie.

Ich kann Ihnen dieses Credo der Homöopathie gerne wiederholen:

Das ist (siehe oben) geschrieben von Dr. med. Mirko Berger. Die "bewährten Mittel" sind ein krasser Verstoß gegen das Fundament der homöopathischen Lehre.

So weit, so schlecht.

Ein weiterer Punkt ist dies:

Die böse wissenschaftliche Medizin (diffamiert als "Schulmedizin") kann nicht heilen, sondern nur unterdrücken. "Unterdrücken", das ist Terror, das ist Knechtschaft, das ist schlecht. Ja, WIRKLICH HEILEN!, das kann nur die Homöopathie.

Vortrag und Skript von Dr. med. Mirko Berger:

Wie, wenn nicht durch Symptome, werden bei den "bewährten Arzneimitteln" diese "bewährten Arzneimittel" bestimmt!?

Wo, bitte, ist da der Unterschied zwischen den "bewährten Arzneimitteln" der Homöopathen und den nach Symptomen bzw Krankheiten herausgesuchten Medikamenten der wissenschaftlichen Medizin!?

Dr. med. Mirko Berger empfiehlt in seinem Vortrag und in seinem Skript als HOMÖOPATHISCHES Mittel bei Heuschnupfen:

Die Homöopathie kennt keine VERSCHIEDENEN Krankheiten, sondern nur EINE EINZIGE URSACHE DES KRANKSEINS: die "Verstimmung der Lebenskraft". Also KANN es in der Homöopathie keine Zuordnung "bewährte Mittel" geben.

Um es noch deutlicher zu machen:

Eine solche "kollektive Diagnose" ist nichts anders als

- und das ist nichts anderes, als das, was Dr. med. Mirko Berger ""bewährte Mittel" nennt.

So weit so schlecht, denn da ist noch immer offen die Frage nach den fehlenden Arzneimittelprüfungen.

Ohne Arzneimittelprüfung kann ein Arzneimittel nicht als solches anerkannt werden. Oder etwa doch!?!?!?

Eine weitere Frage ist die der Wirksamkeit. Wenn, wie Dr. med. Mirko Berger es tut, Arzneimittel als "bewährt" bezeichnet werden (obwohl noch nicht einmal Arzneimittelprüfungen vorliegen), dann MUSS diese Bewährung durch Studien belegt sein. Wie kann es aber angehen, daß Homöopathen ungeniert Mittel propagieren, verkaufen und anwenden, bei denen es keine derartigen wissenschaftlich validen Studien gibt?

Ich weise darauf hin, daß es diese Studien nicht gibt. Tatsache ist nämlich, daß die Homöopathen behaupten, daß man die Homöopathie (und damit ihre Mittel) nicht mit wissenschaftlichen Verfahren überprüfen kann. Damit stehen die Homöopathen vor dem Dilemma:

So oder so: Homöopathie ist und bleibt ein Schwindel - und das, bitteschön, gemessen an den Grundlagen und Maßstäben der Homöopathie selbst!

Aribert Deckers


[1]
Dieser Punkt ist besonders brisant, weil gewisse Ärzte und Kliniken Homöopathika gezielt als Placebos einsetzen.


Über den Wahnsinn Homöopathie

* [ Homöopathie : Die Königin der Heilerkunst ]
* [ Tödliche Gefahr Homöopathie ]
* [ Tödliche Gefahr Homöopathie: Bißwunden ]
* [ Tödliche Gefahr Homöopathie: Falschbehandlung bei Asthma ]
* [ Danke, Herr Homöopath! ]
* [ Homöopathische Kindesmißhandlung ]
* [ Hundescheiße als Arzneimittel ] 
* [ Homöopathie : Halstuch und Lachesis ]
* [ Repertorium hydrargyrum: Wie man Kranken Quecksilber verkauft ]
* [ Maliciosa der Homöopathie ]
* [ Homöopathie - Die No-Medicine Medicine ]
* [ Mein Schwur ]
* [ Arzneimittelrätsel ]
* [ "Petze!" ]
* [ Neuordnung der Mikrobiologie ]
* [ Der Fall Christian Grießhammer ]
* [ Der Fall Bea Soldat-Braun ]
* [ Der Fall Christian Peter Dogs ]

* [ Samuel Hahnemann : "Das Organon der ächten Heilkunst" ] 

externe Links zu Dokumentationen anderer Autoren:
Martin Lambeck: 
* [ Eine Revolution der Physik? Die Unterstützung der Homöopathie ] 
* [ und ähnlicher Therapierichtungen durch die Krankenkassen      ]
* [ http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2001/3/homoeopathie.html ]

Dr. William.E.Thomas MD: 
"Homeopathy - Historical Origins and the Present" 
(Melbourne, 1995)
* [ Hahnemann's Allergy to Quinine                   ]
  [ http://www.angelfire.com/va/quinine/allergy.html ]
* [ The Vis Vitalis Triumphant                   ]
  [ http://www.angelfire.com/va/quinine/vis.html ]
* [ Homeopathy Dissected                             ]
  [ http://www.angelfire.com/va/quinine/dissect.html ]
* [ Is Homeopathy A Cult?                         ]
  [ http://www.angelfire.com/va/quinine/cult.html ]
* [ Toxicity, Efficacy & Mode of Action in Homeopathy ]
  [ http://www.angelfire.com/va/quinine/toxicity.html ]

Treffliche Artikel der TAZ 
* [ Colin Goldner: Autodidakten und Beutelschneider ] 
* [ Colin Goldner: Heilpraktiker - Die Qualifikation ]

 


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