"Das Organon der ächten Heilkunst"
30.6.2001
Warum das "Organon", das entsetzliche Machwerk des Pfuschers und Betrügers Hahnemann in voller Länge auf die Web-Site stellen? Sehr einfach: Damit die Öffentlichkeit endlich sieht, was für ein ungeheuerlicher Betrug seit 200 Jahren an der Menschheit begangen wird.
Vorab ein paar Fundstücke, auf daß sie der Wahrheitsfindung dienlich seien.
Unsortiert. Die entsprechenden Passagen im "Organon" habe ich hervorgehoben.
: paragraph 248
Schuld sind immer die Anderen!
Das heisst: Wenn der Arzt auch die allerbeste Medizin und diese in groessten verduennung benutzt, und sie hilft nicht, dann sind die Lebensumstände schuld. Eine perfide Ausrede. Denn es ist natürlich NIE der Arzt und es ist erst recht NIE seine Methode schuld. Schuld sind immer die Anderen...
Statt eine als wirksam erkannte arznei wieder zu verwenden, wird durch obige Regel das chaos perfekt: Der Arzt muss JEDES mal von neuem ALLE medikamente durchkramen. Ein voellig hirnloses Herumstochern, das Zeit, und damit Menschenleben kostet.
Der eine Patient reagiert auf die homöpathische Arznei so, der andere anders:
Damit redet sich Hahnemann aus allem heraus, denn es ist ja NICHTS eindeutig festzulegen.
Dadurch, dass Hahnemann alles, was das kreucht und fleucht, als Arznei verwendet, ist alles, was da kreucht und fleucht als Nahrung verboten, denn es wuerde die Wirkung des vom Herrn Arzt VERORDENETEN HOMOEOPATHISCHEN Arzneimittels behindern. Aber wovon soll ein Kranker denn leben? Nur von Wasser!?
Ein Beispiel mehr dafuer, dass Hahnemann selbst mit dem Wissen SEINER Zeit haette erkennen MUESSEN, was fuer einen Unsinn er verbricht. Ein Beispiel auch dafuer, dass seine folgenden Nachbeter nicht klar denken. Und erst recht ein Armutszeugnis fuer die heutigen Nachbeter!
Die Homöopathen reden immer von "Kenntnissen" ihrer Zunft. Nun, wer DIESE obige "Kenntnis" geschickt einzusetzen wußte, konnte seines Erfolgs sicher sein. Das "Recht der ersten Nacht" war ja auch eine der so praktischen Möglichkeiten, sich das Weibervolk gefügig zu machen. Und dies jetzt sogar per Rezept des Arztes, für das gemeine Volk... Und dann auch noch als Recht der Frauen...
Wie man sieht, ist die Geilheit der heutigen Tage keine neue Erfindung. Hahnemann hat den Geschlechtstrieb schon vor 200 Jahren geschäftlich zu nutzen gewußt.
Nanu? Ploetzlich STEIGENDE DOSEN???
Da der wahre Heilkünstler bei ganz einfachen, einzeln und unvermischt
angewendeten Arzneien schon findet, was er nur irgend wünschen kann,
(künstliche Krankheitspotenzen, welche die natürlichen Krankheiten
durch homöopathische Kraft vollständig zu überstimmen, sie
für das Gefühl des Lebensprincips auszulöschen und dauerhaft zu
heilen vermögen,) so wird es ihm nach dem Weisheitsspruche:
"daß es unrecht sei durch Vielfaches bewirken zu wollen, was durch
Einfaches möglich," nie einfallen, je mehr als einen einfachen
Arznei-----
stanzen, zusammengesetzten Neutral- und Mittelsalze, so wie die im
Schooß der Erde entstandnen, geschwefelten Metalle und die, durch Kunst
in sich stets gleichbleibenden Verhältnissen zusammengesetzten
Verbindungen des Schwefels mit Laugensalzen und Erden (z.B. geschwefeltes
Natron, geschwefelte Kalkerde), so wie die, aus Weingeist und Säuren
durch Destillation verbundenen Aether-Arten, könne sammt dem Phosphor als
einfache Arznei-Substanzen vom homöopathischen Arzte angenommen und bei
Kranken gebraucht werden. Hingegen sind jene, durch Säuren bewirkten
Auszüge der sogenannten Alkaloiden aus den Pflanzen, großer
Verschiedenheit in ihrer Bereitung unterworfen (z.B. Chinin, Strichnin,
Morphin) und können daher von dem homöopathischen Arzte nicht als
einfache, sich gleichbleibende Arzneien angenommen werden; zumahl da er an den
Pflanzen selbst, in ihrer natürlichen Beschaffenheit (Chinarinde,
Krähenaugen, Opium) schon alles besitzt, was er zum Heilen von ihnen
bedarf. Ueberdieß sind ja die Alkaloiden nicht die einzigen
Arznei-Bestandtheile der Pflanzen.
stoff als Heilmittel auf einmal einzugeben, schon deßhalb nicht, weil, gesetzt auch, die einfachen Arzneien waren auf ihre reinen, eigenthümlichen Wirkungen, im ungetrübten, gesunden Zustande des Menschen vöIIig ausgeprüft, es doch unmöglich vorauszusehen ist, wie zwei und mehrere Arznei-Stoffe in der Zusammensetzung einander in ihren Wirkungen auf den menschlichen Körper hindern und abändern konnten und weil dagegen ein einfacher Arzneistoff bei seinem Gebrauche in Krankheiten, deren Symptomen-Inbegriff genau bekannt ist, schon vollständig und allein hilft, wenn er homöopathisch gewahlt war, und selbst in dem schlimmsten Falle, wo er der Symptomen-Aehnlichkeit nicht ganz angemessen gewählt werden konnte, und also nicht hilft, doch dadadurch nützt, daß er die Heilmittel-Kenntniß befördert, indem durch die in solchem Falle von ihm erregten neuen Beschwerden diejenigen Symptome bestätigt werden, welche dieser Arzneistoff sonst schon in Versuchen am gesunden menschlichen Körper gezeigt hatte; ein Vortheil, der beim Gebrauche aller zusammengesetzten Mittel wegfällt (1).
Nun fragen Sie sich bitte (und natürlich erst recht die Homöopathen), wie denn HEUTE, wo wir die Bakterien und Viren fast mit Vornamen kennen, es möglich sein kann, daß noch immer Hahnemann, dieser Totalversager des 18. Jahrhunderts, nachgebetet und seine hirnverbrannten Ideen an Menschen praktiziert werden.
Das heisst: Hahnemann benutzt ABSICHTLICH Dosierungen unterhalb einer erkennbaren Giftigkeit. Er weiß sehr wohl, daß durch die Erhöhung der Dosis die Giftwirkung selbstverständlich steigt.
Ist dieses schon verückt genug, so fragen Sie sich bitte, wie verrückt ein Arzt sein muß, der HEUTE diese Dinge an seinen Patienten verübt. Ich würde dies nicht schreiben, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte!
Hinweis:
Der Text aus Hahnemann's Buch ist sehr schwer zu lesen: Zum einen schreibt Hahnemann sehr schwülstige, verworrene Sätze, zum anderen sind die Fußnoten über mehrere Seiten verteilt.
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unter dem Titel: "Organon der rationellen Heilkunde".
Kein Geschäft ist nach dem Geständnisse aller Zeitalter einmüthiger für eine Vermuthungskunst (ars conjecturalis) erklärt worden, als die Arzneikunst; keine kann sich daher einer prüfenden Untersuchung, ob sie Grund habe, weniger entziehen, als sie, auf welcher das theuerste Gut im Erdenleben, Menschengesundheit sich stützt.
Ich rechne mirs zur Ehre, in neuern Zeiten der einzige gewesen zu seyn, welcher eine ernstliche, redliche Revision derselben angestellt, und die Folgen seiner Ueberzeugung theils in namenlosen, theils in namentlichen Schriften dem Auge der Welt vorgelegt hat.
Bei diesen Untersuchungen fand ich den Weg zur Wahrheit, den ich allein gehen mußte, sehr weit von der allgemeinen Heerstraße der ärztlichen Observanz abgelegen. Je weiter ich von Wahrheit zu Wahrheit vorschritt, destomehr entfernten sich meine Sätze, deren keinen ich ohne Erfahrungsüberzeugung gelten ließ, von dem alten Gebäude, was aus Meinungen zusammengesetzt, sich nur noch durch Meinungen erhielt.
Die Resultate meiner Ueberzeugungen liegen in diesem Buche.
Es wird sich zeigen, ob Aerzte, die es redlich mit ihrem Gewissen und der Menschheit meinen, nun noch ferner dem heillosen Gewebe der Vermuthungen und Will-
Soviel warne ich im Voraus, daß Indolenz, Gemächlichkeit und Starrsinn vom Dienste am Altare der Wahrheit ausschließt, und nur Unbefangenheit und unermüdeter Eifer zur heiligsten aller menschlichen Arbeiten fähigt, zur Ausübung der wahren Heilkunde. Der Heilkünstler in diesem Geiste aber schließt sich unmittelbar an die Gottheit, an den Weltenschöpfer an, dessen Menschen er erhalten hilft, und dessen Beifall sein Herz dreimal beseligt.
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Die alte Medicin (Allöopathie), um Etwas im Allgemeinen über
dieselbe zu sagen, setzt bei Behandlung der Krankheiten theils (nie vorhandne)
Blut-Uebermenge
(plethora), theils Krankheits-Stoffe und Schärfen voraus,
läßt daher das Lebens-Blut abzapfen und bemüht sich die
eingebildete Krankheits-Materie theils auszufegen, theils anderswohin zu
leiten (durch Brechmittel, Abführungen,
Speichelfluß, Schweiß und Harn treibende Mittel, Ziehpflaster,
Vereiterungs-Mittel, Fontanelle, u.s.w.), in dem Wahne die Krankheit dadurch
schwächen und materiell austilgen zu können, vermehrt aber dadurch
die Leiden des Kranken und entzieht so, wie auch durch ihre Schmerzmittel, dem
Organism die zum Heilen unentbehrlichen Kräfte und Nahrungs-Säfte.
Sie greift den Körper mit großen, oft lange und schnell
wiederholten Gaben starker Arznei an, deren langdauernde, nicht selten
fürchterliche Wirkungen sie nicht kennt, und die sie, wie es scheint,
geflissentlich unerkennbar macht durch Zusammenmischung mehrer solcher
ungekannter Substanzen in eine Arzneiformel, und bringt so, durch langwierigen
Gebrauch derselben neue, noch zum Theil unaustilgbare Arznei-Krankheiten dem
kranken Körper bei. Sie verfährt auch, wo sie nur kann, um sich bei
dem Kranken beliebt zu erhalten (1) mit Mitteln, welche die
Krankheits-Beschwerden
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1) Zu gleicher Absicht erdichtet der gewandte Allöopath vor allen Dingen
einen bestimmten, am liebsten griechischen
Es scheint das unselige Hauptgeschäft der alten Medicin zu sein, die Mehrzahl der Krankheiten, die langwierigen, durch fortwährendes Schwächen und Quälen des ohnehin schon an seiner Krankheitsplage leidenden, schwachen Kranken und durch Hinzufügung neuer, zerstörender Arzneikrankheiten, wo nicht tödtlich, doch wenigstens unheilbar zu machen, - und, wenn man dies verderbliche Verfahren einmal am Griffe hat, und gegen die Mahnungen des Gewissens gehörig unempfindlich geworden, ist dieß ein sehr leichtes Geschäft!
Und doch hat für alle diese schädlichen Operationen, der
gewöhnliche Arzt alter Schule seine Gründe vorzubringen, die aber
nur auf Vorurtheilen seiner Bücher
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Namen für das Uebel des Kranken, um ihn glauben zu machen, er kenne diese
Krankheit schon lange, wie einen alten Bekannten, und sey daher am besten im
Stande sie zu heilen.
Diese Unheilkunst, welche seit einer langen Reihe von Jahrhunderten in dem
Vorrechte und der Macht, über Leben und Tod der Kranken nach
Willkühr und Gutdünken zu verfügen, wie eingemauert fest sitzt
und seitdem einer, wohl zehnmal größeren Anzahl von Menschen das
Lebensziel verkürzte, als es je die verderblichsten Kriege
gethan, und viele Millionen Kranke kränker und elender machte, als sie
ursprünglich waren - diese Allöopathie habe ich in der Einleitung zu
den vorigen Ausgaben dieses Buches näher beleuchtet. Jetzt werde ich
bloß ihren geraden Gegensatz, die von mir entdeckte (nun etwas mehr
vervolIkommnete), wahre Heilkunst vortragen (1).
Mit dieser (der Homöopathik) ist es ganz anders. Sie kann jeden
Nachdenkenden leicht überzeugen, daß die Krankheiten der Menschen
auf keinem Stoffe, keiner Schärfe, d.i. auf keiner Krankheits-Materie
beruhen, sondern daß sie einzig geistartige (dynamische) Verstimmungen
der geistartigen, den Körper des Menschen
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1) Vorher wird man Beispiele angeführt finden, zum Beweise, daß
wenn man in ältern Zeiten hie und da auffallende Heilungen verrichtete,
es immer durch Mittel geschah, die der damals eingeführten Therapie
zuwider, dem Arzte von ungefähr in die Hände gerathen, im Grunde
aber homöopathisch waren.
Hienach ist die Homöopathik eine ganz einfache, sich stets in ihren Grundsätzen so wie in ihrem Verfahren gleichbleibende Heilkunst. Wie die Lehre auf der sie beruht, erscheint sie, wohl begriffen, in sich völlig abgeschlossen und dadurch allein hülfreich. Gleiche Reinheit in der Lehre wie in der Ausübung, sollten sich von selbst verstehn und jede Rückverirrung in den verderblichen Schlendrian der alten Schule, (deren Gegensatz sie, wie die Nacht der Gegensatz des Tages ist) völlig aufhören, sich mit dem ehrwürdigen Namen Homöopathik zu brüsten.
Paris, Ende Februar 1842.
Samuel Hahnemann.
So lange es Menschen gab, waren sie auch einzeln, oder in Menge Erkrankungen ausgesetzt von physischen oder moralischen Ursachen her. Im noch rohen Naturzustande bedurfte man der Hülfsmittel wenige, da die einfache Lebensweise wenige Krankheiten zuließ; mit der Bildung der Menschen im Staate wuchsen die Veranlassungen zum Erkranken und das Bedürfniß von Hülfe dagegen, in gleichem Maße. Aber von da an (bald nach Hippokrates, also seit drittehalb Tausend Jahren) gaben sich Menschen mit Behandlung der sich mehr und mehr vervielfältigten Krankheiten ab, die diese Hülfe mit dem Verstande und mit Vermuthungen auszuklügeln sich von ihrer Eitelkeit verführen ließen. Unzählige, verschiedene Ansichten über die Natur der Krankheiten und ihrer Abhülfe entsprangen aus den so verschiedenen Köpfen und das theoretisch von ihnen Ausgeheckte hießen sie Systeme (Gebäude) wovon jedes den übrigen und sich selbst widersprach. Jede dieser spitzfindigen Darstellungen setzte Anfangs die Leser in ein betäubendes Erstaunen ob der unverständlichen Weisheit drin und zog dem System-Erbauer eine
Menge, die naturwidrige Klügelei nachbetender Anhänger zu, deren keiner jedoch etwas davon zum bessern Heilen brauchen konnte, bis ein neues, dem erstern oft ganz entgegengesetztes System jenes verdrängte und sich wieder auf kurze Zeit Ruf verschaffte. Keines aber war mit Natur und Erfahrung im Einklange; es waren theoretische Gewebe feiner Köpfe aus angeblichen Consequenzen, die in der Ausübung, im Handeln am Krankenbette, ihrer Subtilität und Naturwidrigkeit wegen nicht gebraucht werden konnten und nur zu leeren Disputir-Uebungen taugten.
Nebenbei bildete sich, von allen diesen Theorien unabhängig, ein Cur-Wesen mit ungekannten, gemischten Arzneisubstanzen gegen willkührlich aufgestellte Krankheits-Formen, nach materiellen Hinsichten eingerichtet, mit Natur und Erfahrung im Widerspruche, begreiflich daher schlechten Erfolgs - alte Medicin, Allöopathie genannt.
Ohne die Verdienste zu verkennen, welche viele Aerzte um die Hülfswissenschaft der Medicin, um die Naturkenntnisse in der Physik und der Chemie, um die Naturgeschichte in ihren verschiedenen Zweigen und der des Menschen im Besondern, um die Anthropologie, Physiologie und Anatomie u.s.w. sich erwarben, habe ich es hier nur mit dem praktischen Theile der Medicin, mit dem Heilen selbst zu thun, um zu zeigen, wie die Krankheiten bisher so unvollkommen behandelt wurden.
Tief jedoch liegt unter mir jener handwerksmäßige Schlendrian, das kostbare Menschenleben nach Recepttaschenbüchern zu kuriren, deren noch fortwährende Erscheinung im Publikum, leider, noch immer ihren häufigen Gebrauch erweiset. Ich lasse sie als Skandale der Hefe des gemeinen Arztvolkes ganz unberücksichtigt. Ich rede bloß von der bisherigen Arzneikunst,
die sich wissenschaftlich dünkt, eingebildet auf ihre Alterthümlichkeit.
Diese alte Arzneischule bildete sich viel darauf ein, vorgeben zu können, daß sie allein den Namen "rationelle Heilkunst" verdiene, weil sie allein die Ursache der Krankheit aufsuche und hinwegzuräumen sich bemühe, auch nach dem Vorgange der Natur in Krankheiten verfahre.
Tolle causam ! ruft sie wiederholt. Aber bei diesem leeren Rufe blieb es. Sie
wähnten nur, die Krankheits-Ursache finden zu können, fanden sie
aber nicht, da sie nicht erkennbar und nicht zu finden ist. Denn da die
meisten, ja die allermeisten Krankheiten dynamischen (geistartigen) Ursprungs
und dynamischer (geistartiger) Natur sind, ihre Ursache also nicht sinnlich zu
erkennen ist, so waren sie beflissen, sich eine zu erdenken, und aus der
Ansicht der Theile des normalen,
todten, menschlichen Körpers (Anatomie), verglichen mit den sichtbaren
Veränderungen dieser inneren Theile an Krankheiten verstorbener Menschen
(pathologische Anatomie), so wie aus dem, was aus der Vergleichung der
Erscheinungen und Funktionen im gesunden Leben (Physiologie) mit den
unendlichen Abweichungen derselben in den unzählichen
Krankheitszuständen (Pathologie, Semiotik) sich zu ergeben schien,
Schlüsse auf den unsichtbaren Vorgang der Veränderungen im innern
Wesen des Menschen bei Krankheiten zu ziehen - ein dunkles Phantasiebild, was
die theoretische Medicin für ihre prima causa morbi (1) hielt, die dann
die
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1) Dem gesunden Menschenverstande und der Natur der Sache weit angemessener
würde es gewesen sein, wenn sie, um eine Krankheit heilen zu können,
als causa morbi die Entstehungsursache derselben ausfindig zu machen gesucht
hätten, und so den Heilplan, der bei Krankheiten aus derselben
Entstehungs-Ursache sich hülfreich erwiesen,
nächste Ursache der Krankheit und auch zugleich das innere Wesen der
Krankheit, die Krankheit selbst, sein sollte - obgleich, nach dem gesunden
Menschenverstande, die Ursache eines Dinges oder eines Ereignisses nie
zugleich das Ding oder das Ereigniß selbst sein kann. Wie konnten sie
nun, ohne Selbsttäuschung, dieß unerkennbare, innere Wesen zum
Heilgegenstande machen und dagegen Arzneien verordnen, deren Heiltendenz ihnen
ebenfalls grösstentheils unbekannt war, und zwar mehre solch ungekannte
Arzneien zusammen gemischt in sogenannten
Recepten?
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auch bei jenen von demselben Ursprunge mit Erfolg hätten anwenden
können, wie z. B. bei einem Geschwüre an der Eichel nach einem
unreinen Beischlafe dasselbe Quecksilber hülfreich anzuwenden ist, wie
bei allen bisherigen venerischen Schankern - wenn sie, sage ich, von allen
übrigen chronischen, (unvenerischen) Krankheiten die Entstehungsursache
in einer frühern oder spätern Ansteckung mit Krätz-Miasm (mit
Psora) entdeckt, und für alle diese eine gemeinsame Heilmethode mit den
therapeutischen Rücksichten auf jeden individuellen Fall, gefunden
hätten, wo noch alle, und jede einzelne dieser chronischen Krankheiten
hätte geheilt werden können. Dann hätten sie mit Recht sich
rühmen mögen, daß sie die zum Heilen chronischer Krankheiten
allein brauchbare und fruchtbringende causam morborum chronicorum (non
venereorum) vor Augen gehabt, und, diese zum Grunde angenommen, solche
Krankheiten mit dem besten Erfolge heilen könnten. Aber alle die
Millionen chronischer Krankheiten konnten sie in den vielen Jahrhunderten
nicht heilen, weil sie deren Entstehung von Krätz-Miasm nicht kannten
(die erst durch die Homoeopathie entdeckt und hienach mit einer
hülfreichen Heilmethode versehen ward) und dennoch prahlten sie,
daß sie allein die primam causam derselben bei ihren Curen vor Augen
hätten und allein rationell heilten, ungeachtet sie von der allein
nutzbaren Kenntniß ihres psorischen Ursprungs nicht die mindeste Ahnung
hatten und so alle chronischen Krankheiten verpfuschten!
Doch lösete sich dieß sublime Projekt, eine innere, unsichtbare, apriorische Krankheitsursache zu finden, wenigstens bei den sich klüger dünkenden Aerzten alter Schule, in ein, freilich auch aus den Symptomen hergeleitetes Aufsuchen derselben auf, was etwa muthmaßlich als der generelle Charakter des gegenwärtigen Krankheitsfalles anzunehmen sei (2)? ob Krampf? oder Schwäche? oder Lähmung? oder Fieber? oder Entzündung? oder Verhärtung? oder Infarkten dieses oder jenes Theils? oder Blut-Uebermenge (Plethora)? Mangel oder Uebermaß an Sauer-, Kohlen-, Wasser- oder Stickstoff in den Säften? gesteigerte oder gesunkene Arteriollität, oder Venosität, oder Capillarität? relatives Verhältniß der Faktoren der Sensibilität, Irritabilität, oder Reproduktion? - Muthmaßungen, welche, von der bisherigen Schule mit dem Namen: Causalindication beehrt und für die einzig mögliche Rationalität in der Medicin gehalten, allzu trügliche, hypothetische Annahmen waren, als daß sie sich praktisch brauchbar hätten bewähren können - unfähig, selbst wenn sie gegründet hätten sein können, oder gewesen wären, das treffendste Heilmittel für den Krankheitsfall anzuzeigen, zwar der Eigenliebe des gelehrten Erdenkers wohl schmeichelnd, im darnach Handeln aber meist irre führend, und womit es mehr auf Ostentation, als auf ernstliche Findung der Heil- Indication angelegt war.
Und wie oft schien nicht z.B. in dem einen Theile des Organismus Krampf oder
Lähmung zu sein, wäh-
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1) Jeder Arzt, der nach so allgemeinen Charakteren kuriret, er affektire auch
noch so anmaßend den Namen eines Homöopathen, ist und bleibt in der
That ein generalisirender
Allöopath, da ohne die speciellste Individualisirung keine
Homöopathik denkbar ist.
rend in einem andern Theile anscheinend Entzündung statt fand!
Oder wo sollten, auf der andern Seite, die für jeden dieser angeblichen, allgemeinen Charaktere sicher helfenden Arzneien herkommen? Die sicher helfenden hätten doch wohl keine andern als die specifischen sein können, d.i. dem Krankheits-Reize in ihrer Wirkung homogene (1) Arzneien, deren Gebrauch aber von der alten Schule als höchst schädlich verboten (2) und verpönt war, weil die Beobachtung gelehrt hatte, daß, bei der in Krankheiten so hoch gesteigerten Receptivität für homogene Reize, solche Arzneien in den hergebrachten, großen Gaben lebensgefährlich sich erwiesen hatten. Von kleinern Gaben aber und höchst kleinen hatte die alte Schule keine Ahnung. Also auf geradem (natürlichstem) Wege durch homogene, specifische Arzneien durfte nicht geheilt werden, konnte auch nicht, da die meisten Wirkungen der Arzneien unbekannt waren und blieben, und wären sie auch bekannt, doch nie bei solchen generalisirenden Ansichten das treffende Heilmittel zu errathen möglich wäre. --------
Doch glaubte die bisherige Arzneischule, weil's ihr doch wohl
verständiger
deuchtete, wo möglich einen andern, geraden Weg zu suchen, als Umwege
einzu-
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1) Homöopatische genannt.
2) "Wo die Erfahrung uns die Heilkraft homöopathisch wirkender Arzneien kennen gelehrt hatte, deren Wirkungsart man sich nicht erklären konnte, da half man sich damit, sie für specifisch zu erklären, und mit diesem eigentlich nichts sagenden Worte ward das Nachdenken darüber eingeschläfert. Man hat aber längst schon die homogenen Reizmittel, die specifischen (homöopathischen), als höchst schädliche Einflüsse verboten." Rau: Ueb. d. homöop. Heilverf. Heidelb. 1824. S. 101, 102.
schlagen, noch Krankheiten direkt aufzuheben durch Wegschaffung der (angeblichen) materiellen Krankheits-Ursache - denn der gewöhnlichen Arzt-Schule war es fast unmöglich, sich bei Ansicht und Beurtheilung einer Krankheit und eben so wenig bei Aufsuchung der Cur-lndication von diesen materiellen Begriffen loszumachen und die Natur des geistigkörperlichen Organism's für ein so hoch potenzirtes Wesen anzuerkennen, daß die Abänderungen seines Lebens in Gefühlen und Thätigkeiten, die man Krankheiten nennt, hauptsächlich, ja fast einzig durch dynamische (geistartige) Einwirkungen bedingt und bewirkt werden könnten.
Durchaus sah die bisherige Schule jene durch die Krankheit veränderten Stoffe, die turgescirenden sowohl, als die sich absondernden, innormalen Stoffe für Krankheits-Erreger, wenigstens, wegen ihrer angeblichen Rückwirkung, als Krankheits-Unterhalter an und thut letzteres bis auf diese Stunde noch.
Daher wähnte sie Causal-Curen zu verrichten, indem sie diese
eingebildeten und vorausgesetzten, materiellen Ursachen der Krankheit
hinwegzuschaffen sich bemühte. Daher ihr emsiges Fortschaffen der Galle
durch Erbrechen bei gallichten Fiebern, ihre Brechmittel bei sogenannten
Magen-Verderbnissen (1), ihr
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1) Bei einer schnellen Magen-Verderbniß, mit stetem, widerlichem
Aufstoßen nach verdorbenen Speisen, gewöhnlich mit
Niedergeschlagenheit des Gemüths bei kalten Füßen und
Händen, u.s.w. ging der gewöhnliche Arzt bisher nur auf den
entarteten Magen-lnhalt los: ein tüchtiges Brechmittel soll ihn rein
herausschaffen. Gewöhnlich erreicht er diese Absicht mit weinsteinsauerm
Spießglanze, mit oder ohne
Ipecacuanha. Ist denn aber der Kranke darauf sogleich gesund, munter und
heiter? O nein! Gewöhnlich ist eine solche Magenverderbniß
dynamischen Ursprungs, durch Gemüths - Störungen (Gram,
Schreck,
fleißiges Auspurgiren des Schleims, der Spul- und Madenwürmer bei
der Gesichts-Blässe, der
Eß-Gier, dem
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Aerger), Verkältung, Anstrengung des Geistes oder Körpers
unmittelbar auf's Essen, - selbst oft nach mäßigem
Speise-Genuß erzeugt. Diese dynamische Verstimmung zu heben, sind diese
beiden Arzneien nicht geeignet, und eben so wenig das dadurch hervorgebrachte
revolutionäre Erbrechen. Und Brechweinstein und Ipecacuanha haben dann
noch überdieß aus ihren anderweiten eigenthümlichen
Krankheit-Erregungs-Symptomen Nachtheile für das Befinden des Kranken
hinzugefügt, und die Gall-Abscheidung ist in Unordnung gekommen, so
daß, wenn der Leidende nicht ganz robust war, er noch mehre Tage sich
auf diese angebliche Causal-Cur übel befinden
muß, trotz aller dieser gewaltsamen Herausschaffung des
vollständigen Mageninhalts. - Wenn aber der Leidende, statt solcher
heftigen und stets nachtheiligen Ausleerungs-Arzneien, nur ein einziges Mal in
hochverdünnten Pulsatille-Saft (an ein Senfsamen großes, damit
befeuchtetes Streukügelchen) riecht, wodurch die Verstimmung seines
Befindens im Allgemeinen und seines Magens insbesondre gewiß aufgehoben
wird, so ist er in zwei Stunden genesen, und hat er dann ja noch einmal
Aufstoßen, so ist es geschmack- und geruchlose Luft - der Mageninhalt
ist nicht mehr verdorben, und bei der nächsten Mahlzeit hat er wieder
seinen vollen, gehörigen Appetit; er ist gesund und munter. Dieß
ist wahre
Causal-Cur, jenes aber eine eingebildete, ist nur eine schädliche
Strapaze für den Kranken.
Ein selbst mit schwer verdaulichen Speisen überfüllter Magen erfordert wohl nie ein arzneiliches Brechmittel. Die Natur weiß hier den Ueberfluß am besten durch Ekel, Uebelkeit und Selbst-Erbrechen, allenfalls mit Beihülfe mechanischer Reizung des Gaumen-Vorhangs und Rachens, durch den Schlund wieder von sich zu geben, und dann werden die arzneilichen Nebenwirkungen der medicinischen Brechmittel vermieden - etwas Kaffee-Trank befördert den Rest im Magen vollends nach unten hin.
Wäre aber nach arger Üeberfüllung des Magens die Reizbarkeit des Magens zum Selbsterbrechen nicht zureichend oder verschwunden, so daß alle Neigung dazu,
Leibweh und den dicken Bäuchen der Kinder (1), ihr Aderlassen bei
Blutflüssen (2), und vorzüglich alle Arten
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unter großen Schmerzen des Epigastriums, erlösche, so wird in
diesem gelähmten Zustande des Magens ein solches Brechmittel bloß
eine gefährliche oder tödtliche Eingeweide - Entzündung zur
Folge haben, während eine öfter gereichte kleine Menge starken
Kaffee-Tranks die gesunkene Reizbarkeit des Magens dynamisch erhoben und ihn
allein in den Stand würde gesetzt haben, seinen, auch noch so
übermäßigen Inhalt von oben oder unten auszufördern. Auch
hier ist jene vorgebliche Causal-Cur am unrechten Orte.
Selbst die in chronischen Krankheiten nicht selten aufschwulkende, ätzende Magensäure wird, mit großer Beschwerde und dennoch vergeblich, heute mit einem Brechmittel gewaltsam ausgeleert und morgen, oder doch die nächsten Tage durch gleich ätzende Magensäure, und dann gewöhnlich noch in größerer Menge, ersetzt, während sie von selbst weicht, wenn ihr dynamischer Ursprung durch eine sehr kleine Gabe hochverdünnter Schwefelsäure, oder, wenn sie schon oft sich zeigte, besser, durch Gebrauch auch den übrigen Symptomen in Aehnlichkeit angemessener, antipsorischer Mittel in feinster Gabe heilkräftig aufgehoben wird. Und so giebt es mehre angebliche Causal-Curen der alten Schule, deren Lieblings-Bestreben ist, das materielle Produkt der dynamischen Verstimmung mit beschwerlichen Vorkehrungen mühsam und mit Nachtheil hinwegzuräumen, ohne die dynamische Quelle des Uebels zu erkennen und sie homöopathisch sammt ihren Ausflüssen zu vernichten, und so verständig zu heilen.
1) Umstände, welche bloß auf Psora-Siechthum beruhen und durch (dynamische) milde, antipsorische Mittel leicht geheilt werden, ohne Brechen oder Laxiren.
2) Ungeachtet fast allen krankhaften Blutflüssen bloß eine dynamische Verstimmung der Lebenskraft (des Befindens) zum Grunde liegt, hält dennoch die alte Schule eine Blut-Uebermenge für ihre Ursache und kann sich nicht enthalten, Aderlässe vorzunehmen, um den vermeinten Ueberfluß dieses Lebenssaftes fortzuschaffen; den ganz offenbar übeln Erfolg aber, das Sinken der Kräfte und die Hinneigung oder gar den Uebergang zum Typhösen
der Blut-Entziehungen (1) als ihres Haupt-lndikats bei Entzündungen, die
sie jetzt, eines bekannten Pariser
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sucht sie auf die Bösartigkeit der Krankheit zu schieben, mit der sie
dann oft nicht fertig werden kann - genug sie glaubt, wenn auch nun der Kranke
nicht aufkommt, eine Cur nach ihrem Wahlspruche, causam tolle, vollführt
und, nach ihrer Art zu reden, alles mögliche für den Kranken gethan
zu haben, es erfolge nun was da wolle.
1) Ungeachtet es vielleicht nie einen Tropfen Blut zu viel im lebenden menschlichen Körper gegeben hat, so hält dennoch die alte Schule eine angebliche Blut-Uebermenge für die materielle Hauptursache aller Blutflüsse und Entzündungen, die sie durch Ader-Oeffnungen (blutige Schröpfköpfe) und Blutegel zu entfernen und auszuleeren habe. Dieß hält sie für ein rationelles Verfahren, für Causal-Cur. In allgemeinen Entzündungs-Fiebern, im hitzigen Seitenstiche sieht sie sogar die coagulable Lymphe im Blute, die sogenannte Speckhaut für die materia peccans an, welche sie durch wiederholte Ader- Oeffnungen möglichst fortzuschaffen strebt, ungeachtet diese nicht selten bei erneuertem Blutlassen noch zäher und dicker zum Vorschein kommt. So vergießt sie Blut, wenn das Entzündungs-Fieber sich nicht legen will, oft bis zum nahen Tode, um diese Speckhaut, oder die vermeintliche Plethora wegzubringen, ohne zu ahnen, daß das entzündete Blut nur Produkt des akuten Fiebers, nur des krankhaften, immateriellen (dynamischen) Entzündungs-Reizes und letzterer die einzige Ursache dieses großen Sturmes in dem Adersystem sei, durch die kleinste Gabe einer homogenen (homöopathischen) Arznei aufzuheben, z. B. durch ein feines Streukügelchen zur Gabe, mit decillionfach verdünntem Akonit-Safte befeuchtet, unter Vermeidung vegetabilischer Säuren, so daß das heftigste Seitenstich-Fieber mit allen seinen drohenden Zufällen, ohne Blut-Verminderung und ohne die mindesten Kühlmittel schon in wenigen, höchstens in 24 Stunden in Gesundheit übergegangen und geheilt ist (eine Probe seines Blutes dann aus der Ader gelassen zeigt nun keine Spur von Speckhaut mehr), während ein sehr ähnlicher Kranker, nach jener Rationalität der alten Schule behandelt, nach mehr-
blutgierigen Arztes Vorgange (wie die Schafe dem Leithammel selbst in die
Hände des Schlächters) folgend,
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maligem Blutlassen, wenn er ja noch mühsam, nach unsäglichen Leiden,
vor der Hand dem Tode entrinnt, dann oft noch viele Monate durchzusiechen hat,
ehe er, abgezehrt, wieder auf die Beine kommt, wenn ihn nicht indeß (die
öftere Folge einer solchen
Mißhandlung) ein typhöses Fieber, oder Leukophlegmasie oder
eiternde Lungensucht hinrafft.
Wer den ruhigen Puls des Mannes eine Stunde vor Antritt des dem hitzigen Seitenstiche stets vorangehenden Frostschauders gefühlt hat, kann sich unmöglich des Erstaunens erwehren, wenn man ihn zwei Stunden darauf, nach Ausbruch der Hitze, bereden will, die vorhandene ungeheure Plethora mache ein vielmaliges Aderlassen dringend nothwendig, und fragt sich, welches Wunder die vielen Pfunde Blut, die nun weggelassen werden sollen, binnen dieser zwei Stunden in die Adern des Mannes gezaubert haben möchte, die er vor diesen zwei Stunden in so ruhigem Gange gefühlt habe? Nicht ein Quentchen Blut kann mehr in seinen Adern nun rollen, als er in gesunden Zeiten, und so auch vor zwei Stunden hatte!
Der Allöopathiker entzieht also mit seinen Aderlässen dem am hitzigen Fieber Erkrankten keine lästige Blutuebermenge, weil dergleichen gar nicht vorhanden sein konnte, sondern beraubt ihn der zum Leben und Gesundwerden unentbehrlichen, normalen Blutmenge und sonach der Kräfte - ein großer Verlust, den Arztes-Macht nicht wieder zu ersetzen vermag! - und steht dennoch in dem Wahne, eine Cur nach seinem (mißverstandenen) Wahlspruche: Causam tolle, vollführt zu haben, während doch hier die Causa morbi am wenigsten eine, nicht existierende Blut-Uebermenge sein konnte, sondern die einzige, wahre causa morbi ein krankhafter, dynamischer Entzündungs-Reiz des Blut-Systems war, wie die schnelle und dauerhafte Heilung des gedachten, allgemeinen Entzündungs-Fiebers durch eine oder zwei, unglaublich feine und kleine Gaben des diesen Reiz homöopathisch aufhebenden Aconit-Saftes beweist und in jedem solchen Falle beweist.
So schießt auch die alte Schule bei Behandlung der Lokal-Entzündungen fehl mit ihrem örtlichen Blutlassen,
fast in jedem krankhaft afficirten Theile des Körpers anzutreffen und
durch eine oft tödtliche Zahl Blutegel entfernen zu müssen
wähnt. Auf diese Weise glaubt sie ächte Causal-lndicationen zu
befolgen und rationell zu
kuriren. Ferner glaubt auch die alte, bisherige Arzneischule durch Abbindung
von Polypen, durch Ausschneidung, oder mittels erhitzender Local-Mittel
erkünstelte Vereiterung der kalten Drüsen-Geschwülste, durch
Ausschälung der
Balg-(Speck-Honig-) Geschwülste, durch Operationen der Pulsader-
Geschwülste, der Thränen- und Mastdarm-Fisteln, durch Entfernung der
skirrhösen Brust mittels des Schnitts, der Amputation eines
knochenfräßigen Gliedes, u.s.w., den Kranken gründlich geheilt
und Causal-Curen verrichtet zu haben, und glaubt es auch, wenn sie ihre
Repellentia in Anwendung bringt, die alten, jauchenden Schenkel-Geschwüre
(allenfalls mit Beihülfe gleichzeitiger, das Grund-Siechthum nicht
mindernder, bloß schwächender Abführungs-Mittel) durch
adstringende Umschläge, durch Blei-, Kupfer- und Zink-Oxyde austrocknet,
den Schanker wegbeizt, die Feigwarzen örtlich zerstört, die
Krätze mit Salben von Schwefel, Blei-, Quecksilber- oder Zink-
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vorzüglich durch die jetzt mit Broussaisischer Wuth angesetzte Menge
Blutegel. Die anfänglich davon
erfo]gende, palliative Erleichterung wird durch schnellen und vollkommenen
Heil-Erfolg keineswegs gekrönt, sondern die stets zurückbleibende
Schwäche und Kränklichkeit des so behandelten Theiles (auch oft des
übrigen Körpers) zeigt genugsam, wie fälschlich man die
örtliche Entzündung in einer örtlichen Plethora suchte und wie
traurig die Folgen solcher Blutentziehungen sind, - während dieser
bloß dynamische, örtlich scheinende Entzündungs-Reiz durch
eine gleich kleine Gabe
Aconit, oder, nach den Umständen, von Belladonna schnell und dauerhaft
getilgt und das ganze
Uebel, ohne solch unmotivirtes Blut-Vergießen, gehoben und geheilt
werden kann.
Oxyden von der Haut vertreibt, die Augen-Entzündungen mit Auflösungen von Blei oder Zink unterdrückt und durch Opodeldok, flüchtige Salbe, oder Räucherungen mit Zinnober oder Bernstein die ziehenden Schmerzen aus den Gliedmaßen verjagt; sie glaubt da überall das Uebel gehoben, die Krankheit besiegt und rationelle Causal-Curen ausgeführt zu haben. Aber der Erfolg! die darauf, bald oder spät, doch unausbleiblich erscheinenden Metaschematismen, die sie dadurch veranlaßt (doch dann für neue Krankheiten ausgiebt), welche allemal schlimmer, als das erstere Uebel sind, widerlegen sie zur Genüge und könnten und sollten ihr die Augen öffnen über die tiefer liegende, immaterielle Natur des Uebels und seinen dynamischen (geistartigen), bloß dynamisch zu hebenden Ursprung.
Ueberhaupt setzte die gewöhnliche Schule bis in die neuern (möchte ich doch nicht sagen dürfen, neuesten!) Zeiten bei Krankheiten am liebsten, wenn auch noch so fein gedachte, Krankheits-Stoffe (und Schärfen) voraus, welche durch Ausdünstung und Schweiß, durch die Harn-Werkzeuge, oder auch durch die Speichel-Drüsen aus den Blut- und Lymphgefäßen, durch die Luftröhr- und Bronchial-Drüsen als Brust-Auswurf, aus dem Magen und dem Darm-Kanale durch Erbrechungen und Abführungen fortgeschafft werden müßten, damit der Körper von der materiellen, Krankheit erregenden Ursache gereinigt und so eine gründliche Causal-Cur vollführt werden könne.
Durch eingeschnittene Oeffnungen am kranken Körper, die sie Jahre lang durch eingelegte fremde Substanzen in langwierige Geschwüre verwandelte, (Fontanelle, Haarseile), wollte sie die materia peccans aus dem (stets nur dynamisch) siechen Körper abzapfen,
wie man aus Fässern schmutzige Feuchtigkeit aus dem Zapfloche laufen läßt. Auch durch perpetuirliche Canthariden-Pflaster und Seidelbast beabsichtigte sie, die bösen Säfte abzuziehen und von allem Krankheitsstoffe zu reinigen - schwächte aber nur durch alle diese unbesonnenen, naturwidrigen Veranstaltungen den kranken Körper gewöhnlich bis zur Unheilbarkeit.
Ich gebe zu, daß es der menschlichen Schwäche bequemer war, bei den zu heilenden Krankheiten einen sinnlich denkbaren Krankheitsstoff anzunehmen (zumal da auch die Patienten selbst sich leicht einer solchen Vorstellung hingaben), weil man dann auf nichts weiter Bedacht zu nehmen hatte, als wo man genug, Blut und Säfte reinigende, Harn und Schweiß treibende, Brust-Auswurf befördernde und Magen und Darm ausscheuernde Mittel hernähme. Daher steht vom Dioscorides an, in allen materiis medicis bis auf die neuern Bücher dieser Art, fast nichts von den einzelnen Arzneien angemerkt, was jeder ihre specielle, eigentliche Wirkung sei, sondern, außer den Angaben von ihrem vermeintlichen Nutzen gegen diesen oder jenen Krankheits-Namen der Pathologie, bloß: ob sie Harn, Schweiß, Brust-Auswurf oder Monat-Reinigung befördere, und vorzüglich, ob sie Ausleerung aus dem Speise- und Darm-Kanale von oben oder unten bewirke, weil alles Dichten und Trachten der praktischen Aerzte von jeher vorzüglich auf Ausleerung eines materiellen Krankheits-Stoffs und mehrer, den Krankheiten zum Grunde liegen sollender, (fingirter) Schärfen gerichtet war.
Dieß waren aber alles eitel Träume, ungegründete Voraussetzungen und Hypothesen, klüglich ersonnen zur Bequemlichkeit der Therapie, welche am leichtesten mit der Heilung durch Hinwegschaffung materieller Krankheits-Stoffe (si modo essent !) fertig zu werden hoffte.
Nun kann sich aber das Wesen der Krankheiten und ihre Heilung nicht nach solchen Träumen oder nach der Aerzte Bequemlichkeit richten; die Krankheiten können jenen thörichten, auf Nichts gegründeten Hypothesen zu gefallen nicht aufhören, (geistige) dynamische Verstimmungen unseres geistartigen Lebens in Gefühlen und Thätigkeiten, das ist, immaterielle Verstimmungen unsers Befindens zu sein.
Materiell können die Ursachen unserer Krankheiten nicht seyn, da die
mindeste fremdartige materielle Substanz (1), sie scheine uns auch noch so
mild, in unsere Blutgefäße gebracht, plötzlich, wie ein Gift,
von der Lebenskraft ausgestoßen wird, oder, wo dieß nicht angeht,
den Tod zur Folge hat. Selbst wenn der mindeste Splitter in unsere
empfindlichen Teile
geräth, so ruht das in unserm Körper allgegenwärtige
Lebensprincip nicht eher, bis er durch Schmerz, Fieber, Eiterung oder Brand
wieder herausgeschafft worden ist. Und dieß unermüdlich
thätige Lebensprincip sollte, z.B. bei einer zwanzig Jahr alten
Ausschlags-Krankheit zwanzig Jahre lang einen fremdartigen, so feindseligen,
materiellen Ausschlags-Stoff, eine Flechten-, eine
Skrofel-, eine Gicht-Schärfe, u.s.w. in den Säften gutmüthig
dulden? Welcher Nosologe sah je mit leiblichen Augen einen solchen
Krankheits-Stoff, daß er so zuversichtlich
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1) Das Leben stand auf dem Spiele, als etwas reines Wasser in eine Vene
eingespritzt ward (m. s. Mullen bei Birch in history of the royal society.
Vol. IV.).
In die Adern gespritzte atmosphärische Luft tödtete (m. s. J. H. Voigt, Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde, I.III. S. 25.).
Auch die mildesten in die Venen gebrachten Flüssigkeiten erregten Lebensgefahr (m. s. Autenrieth, Physiologie, II.§. 784.).
davon sprechen und ein medicinisches Verfahren darauf bauen will? Wer hat je einen Gicht-Stoff, ein Skrofel-Gift den Augen darlegen können?
Auch wenn die Anbringung einer materiellen Substanz an die Haut oder in eine Wunde Krankheiten durch Ansteckung fortgepflanzt hat, wer kann (wie so oft in unsern Pathogenien behauptet worden) beweisen, daß von dieser Substanz etwas Materielles in unsere Säfte eingedrungen oder eingesaugt worden sei 1)? Kein, auch noch so sorgfältiges, alsbaldiges Abwaschen der Zeugungstheile schützt vor der Ansteckung mit der venerischen Schanker-Krankheit. Schon ein Lüftchen, was von einem Menschenpocken-Kranken herüberweht, kann in dem gesunden Kinde diese fürchterliche Krankheit hervorbringen.
Wie viel materieller Stoff an Gewichte mag wohl auf diese Weise in die
Säfte eingesaugt worden sein, um im erstern Falle ein ungeheilt, erst mit
dem entferntesten Lebensende, erst mit dem Tode erlöschendes, peinliches
Siechthum (Lustseuche), im letztern Falle aber eine mit fast allgemeiner
Vereiterung (2) oft schnell
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1) Dem von einem tollen Hunde gebissenen, achtjährigen Mädchen in
Glasgow schnitt der Wundarzt die Stelle sogleich rein aus, und dennoch bekam
sie nach 36 Tagen die Wasserscheu, woran sie nach zwei Tagen starb. (Med.
Comment. of Edimb. Dec. II. Vol. II.1793.)
2) Um die Entstehung der oft großen Menge faulichten Unraths und stinkender Geschwür-Jauche in Krankheiten zu erklären und ihn für Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Stoff ausgeben zu können, (da doch bei der Ansteckung nichts Merkbares von Miasm, nichts Materielles in den Körper eingedrungen sein konnte), nahm man zu der Hypothese seine Zuflucht, daß der auch noch so feine Ansteckungs-Stoff im Körper als Ferment wirke, die Säfte in gleiche Verderbniß bringe und sie auf diese Art selbst in ein solches Krankheits-Ferment umwandle, was immerdar
tödtende Krankheit (Menschen-Pocken) hervorzubringen? Ist hier und in
allen diesen Fällen wohl an einen materiellen, in das Blut
übergegangenen Krankheits-Stoff zu denken? Ein im Krankenzimmer
geschriebener Brief aus weiter Entfernung theilte schon oft dem Lesenden
dieselbe miasmatische Krankheit mit. Ist wohl hier an einen materiellen, in
die Säfte eingedrungenen Krankheits-Stoff zu denken? Doch, wozu alle
diese Beweise? Wie oft hat nicht schon ein kränkendes Wort, ein
gefährliches Gallenfieber, eine abergläubige Todes-Prophezeiung, ein
Absterben zur angekündigten Zeit, und eine
jählinge, traurige oder höchst freudige Nachricht den
plötzlichen Tod zuwege gebracht ? Wo ist hier der materielle
Krankheits-Stoff, der in den Körper leibhaftig übergegangen sein,
die Krankheit erzeugt und unterhalten haben und ohne dessen materielle
Hinwegschaffung und Ausführung keine gründliche Cur möglich
sein sollte?
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während der Krankheit wuchere und die Krankheit unterhalte. Durch welche
allmächtigen und allweisen Reinigungs-Tränke wolltet Ihr aber dann
wohl dieses sich immer wieder erzeugende Ferment, diese Masse angeblichen
Krankheits-Stoffs so rein aus den menschlichen Säften aussondern und
aussäubern lassen, daß nicht noch ein Stäubchen eines solchen
Krankheits-Ferments
drinbliebe, was die Säfte immer wieder, wie zuerst, zum neuen
Krankheits-Stoffe, nach dieser Hypothese, umbilden und verderben
müßte? Dann würde es ja unmöglich, diese Krankheiten auf
Eure Art zu heilen! - Man sieht, wie alle, auch noch so fein ausgesonnenen
Hypothesen auf die handgreiflichsten Inconsequenzen führen, wenn
Unwahrheit zum Grunde liegt ! - Die weit gediehenste Lustseuche heilt, wenn
die oft damit komplicirte Psora beseitigt ist, von einer oder zwei ganz
kleinen Gaben decillionfach verdünnter und potenzirter Auflösung des
Quecksilber-Metalls, und die allgemeine syphilitische
Säfte-Verderbniß ist auf immer (dynamisch) vernichtet und
verschwunden.
Die Verfechter so grobsinnlich angenommener Krankheits-Stoffe mögen sich schämen, die geistige Natur unseres Lebens und die geistig dynamische Kraft-Krankheit erregender Ursachen so unüberlegt übersehen und verkannt und sich so zu Fege-Aerzten herabgewürdigt zu haben, welche durch ihr Bemühen, Krankheits-Stoffe, die nie existirten, aus dem kranken Körper zu treiben, statt zu heilen, das Leben zerstören.
Sind denn die übelartigen, oft sehr ekelhaften Auswürfe in Krankheiten gerade der sie erzeugende und unterhaltende Stoff (1), und nicht dagegen jederzeit Auswurfs-Producte der Krankheit selbst, das ist, des bloß dynamisch gestörten und verstimmten Lebens?
Bei solchen falschen, materiellen Ansichten von der Entstehung und dem Wesen
der Krankheiten war es freilich nicht zu verwundern, daß in allen
Jahrhunderten von den geringen, wie von den vornehmen Praktikern, ja selbst
von den Erdichtern der sublimsten, medicinischen Systeme immer
hauptsächlich nur auf Ausscheidung und Abführung einer
eingebildeten, krankmachenden Materie hingearbeitet und die häufigste
Indication gestellt ward auf Zertheilung und Beweglich-Machung des
Krankheits-Stoffs und seine Ausführung durch Speichel,
Luftröhr-Drüsen, Schweiß und Harn, auf eine durch die
Verständigkeit der Wurzel- und Holztränke treugehorsam zu bewirkende
Reinigung des Blutes von (Schärfen und
Unreinigkeiten) Krankheits-Stoffen, die es nie gab, auf mechanische Abzapfung
der erdichteten Krankheits-Materie durch Haarseile, Fontanelle, durch von
immerwährendem Canthariden-
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1) Dann müßte jeder Schnupfen, auch der langwierigste, bloß
durch sorgfältiges Schneuzen und Säubern der Nase unfehlbar und
schnell geheilt werden können.
Pflaster oder Seidelbast-Rinde offen und triefend erhaltene Haut-Stellen, vorzüglich aber auf Abführung und Auspurgirung der der Materia peccans, oder der schadhaften Stoffe, wie sie sie nannten, durch den Darmkanal mittels laxirender und purgirender Arzneien, die sie gern, um ihnen eine tiefsinnigere Bedeutung und ein schmeichelhafteres Ansehen zu geben (die Infarkten?), auflösende und gelind eröffnende benannten - lauter Veranstaltungen zur Fortschaffung feindseliger Krankheits-Stoffe, die es nie geben konnte und nie gegeben hat bei Erzeugung und Unterhaltung der Krankheiten des durch ein geistiges Princip lebenden, menschlichen Organisms - der Krankheiten, welche nie etwas Anderes waren, als geistig dynamische Verstimmungen seines an Gefühl und Thätigkeit geänderten Lebens.
Vorausgesetzt nun, wie nicht zu zweifeln ist, daß keine der Krankheiten
- wenn sie nicht von verschluckten, gänzlich unverdaulichen oder sonst
sehr schädlichen, in die ersten Wege oder in andere Oeffnungen und
Höhlungen des Körpers gerathenen Substanzen, von durch die Haut
gedrungenen, fremden Körpern, u.s.w. herrühren -
daß, mit einem Worte, keine Krankheit irgend einen materiellen Stoff
zum Grunde hat, sondern daß jede bloß und stets eine besondere
virtuelle, dynamische Verstimmung des Befindens ist; wie zweckwidrig muß
da nicht ein auf Ausführung (13) jener erdichteten Stoffe gerichtetes
Cur-
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1) Einen Anschein von Nothwendigkeit hat die Auspurgirung der Würmer bei
sogenannten Wurmkrankheiten. Aber auch dieser Anschein ist falsch. Einige
wenige Spulwürmer findet man vielleicht bei mehren Kindern, bei nicht
wenigen auch einige Madenwürmer. Aber alle diese, so wie eine Uebermenge
von einer oder der andern Art rühren stets von einem allgemeinen
Siechthume (dem
psorischen) her, gepaart mit ungesunder Lebensart. Man bessere letztere
Verfahren in den Augen jedes verständigen Mannes erscheinen, da nichts in den Hauptkrankheiten des Menschen, den chronischen, damit gewonnen werden kann, sondern stets ungeheuer damit geschadet wird!
Die in Krankheiten sichtbar werdenden, entarteten Stoffe und Unreinigkeiten
sind, mit einem Worte, wie nicht zu leugnen ist, nichts Anderes, als
Erzeugnisse der Krankheit des in innormale Verstimmung gesetzten Organisms
selbst, welche von diesen selbst oft heftig genug - oft allzu heftig -
fortgeschafft werden, ohne
----------
und heile das psorische Siechthum homöopathisch, was in diesem Alter am
leichtesten Hülfe annimmt, so bleiben keine dieser Würmer
übrig, und die Kinder, wenn sie auf diese Art gesund geworden sind,
werden nicht mehr davon belästigt, während sie sich nach
bloßen
Purganzen, selbst mit Cinasamen verbunden, doch bald wieder in Menge
erzeugen.
"Aber der Bandwurm," höre ich sprechen, dieses zur Qual der Menschen geschaffene Ungeheuer, muß doch "wohl mit aller Macht ausgetrieben werden."
Ja, er wird zuweilen abgetrieben, aber mit welchen Nachwehen und mit welcher Lebensgefahr! Ich mag den Tod so vieler Hunderte von Menschen nicht auf meinem Gewissen haben, die durch die angreifendsten, schrecklichsten Purganzen, gegen den Bandwurm gerichtet, ihr Leben haben einbüßen müssen, oder das Jahre lange Siechthum derer, welche dem Purgir-Tode noch entrannen. Und wie oft wird er durch alle diese, oft mehrjährigen, Gesundheit und Leben zerstörenden Purgir-Curen doch nicht abgetrieben; oder er erzeugt sich wieder!
Wie nun, wenn diese gewaltsame, nicht selten grausame und oft lebensgefährliche Forttreibung und Tödtung dieser Thiere gar nicht nöthig wäre?
Die verschiedenen Gattungen Bandwürmer finden sich bloß beim Psora-Siechthume, und verschwinden jederzeit, wenn dieses geheilt wird. Ehe diese Heilung aber vollführt wird, leben sie, bei erträglichem Wohlbefinden des Menschen, nicht unmittelbar in den Gedärmen, sondern in den Ueberbleibseln der Speisen, dem Unrathe der Gedärme,
die Hülfe der Ausleerungs-Kunst zu bedürfen, deren er auch immer wieder neue erzeugt, so lange er an dieser Krankheit leidet. Diese Stoffe bieten sich dem ächten Arzte selbst als Krankheits-Symptome dar und helfen ihm, die Beschaffenheit und das Bild der Krankheit erkennen, um sie mit einer ähnlichen, arzneilichen Krankheits-Potenz heilen zu können.
Doch die neuern Anhänger der alten Schule wollen nicht mehr dafür
angesehen sein, als ob sie bei ihren
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wie in ihrer eigenen Welt, ganz ruhig und ohne uns im mindesten zu
belästigen und finden in dem Darm-Unrathe, was sie zu ihrer Nahrung
bedürfen; da berühren sie die Wände unserer Gedärme nicht
und sind uns unschädlich.
Wird aber der Mensch auf irgend eine Art acut krank, dann wird der Inhalt der Gedärme dem Thiere unleidlich, es windet sich dann und berührt und beleidigt in seinem Uebelbehagen die empfindlichen Wände der Gedärme, da dann die Beschwerden des kranken Menschen nicht wenig durch diese besondre Art von krampfhafter Kolik vermehrt werden. (So wird auch die Frucht im Mutterleibe unruhig, windet sich und stößt, doch nur wenn die Mutter krank ist, schwimmt aber ruhig in seinem Wasser, ohne der Mutter weh zu thun, wenn diese gesund ist.)
Es ist bemerkenswerth, daß die Krankheits-Zeichen des sich zu dieser Zeit übel befindenden Menschen größtentheils von der Art sind, daß sie an der Tinktur der männlichen Farrnkraut-Wurzel, und zwar in der kleinsten Gabe, ihr (homöopathisches) schnelles Beschwichtigungs-Mittel finden, indem, was da in dem Uebelbefinden des Menschen dieß Schmarozer-Thier unruhig macht, dadurch vor der Hand gehoben wird; der Bandwurm befindet sich dann wieder wohl und lebt ruhig fort im Darm-Unrathe, ohne den Kranken oder seine Gedärme sonderlich zu belästigen, bis die antipsorische Cur so weit gediehen ist, daß der Wurm, nach ausgetilgter Psora, den Darm-Inhalt nicht mehr zu seiner Nahrung geeignet findet und so von selbst aus dem Bauche des Genesenen auf immer verschwindet, ohne die mindeste Purganz.
Curen auf Abführung von materiellen Krankheits-Stoffen ausgingen. Sie erklären ihre vielen und mancherlei Ausleerungen für eine durch Ableitung helfende Cur-Methode, worin ihnen die Natur des kranken Organisms in ihren Bestrebungen, sich zu helfen, mit ihrem Beispiele vorangehe, Fieber durch Schweiß und Urin entscheide, Seitenstiche durch Nasenbluten, Schweiß und Schleim-Auswurf - andere Krankheiten durch Erbrechen, Durchfälle und After-Blutfluß, Gelenk-Schmerzen durch jauchende Schenkel-Geschwüre, Hals-Entzündung durch Speichelfluß, u.s.w. oder durch Metastasen und Abcesse entferne, die die Natur in, vom Sitze des Uebels entfernten Theilen veranstalte.
Sie glaubten daher am besten zu thun, wenn sie dieselbe nachahmten, indem auch sie in der Cur der meisten Krankheiten auf Umwegen, wie die kranke, sich selbst überlassene Lebenskraft, zu Werke gingen und daher indirect (1), durch Anbringung stärkerer, heterogener Reize in dem vom Krankheits-Sitze entfernten, und den kranken Gebilden am wenigsten verwandten (dissimilären) Organen Ausleerungen veranstalteten, gewöhnlich auch unterhielten, um das Uebel gleichsam dahin abzuleiten.
Diese sogenannte Ableitung war und blieb eine der Haupt-Curmethoden der bisherigen Arzneischule.
Sie suchten bei dieser Nachahmung der sich selbst helfenden Natur, wie sich
Andre ausdrücken, in den Gebilden, welche am wenigsten krank sind und am
besten die Arznei-Krankheit vertragen könnten, gewalt-
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1) Statt mit direct gegen die kranken Punkte im Organism selbst gerichteten,
homogenen, dynamischen Arznei-Potenzen, wie die Homöopathie thut, das
Uebel schnell, ohne Kräfte-Verlust und ohne Umschweif auszulöschen.
sam neue Symptome rege zu machen, welche unter dem Scheine von Crisen und unter der Form von Abscheidungen die erste Krankheit ableiten (1) sollten, um so den Heilkräften der Natur eine allmälige Lysis zu erlauben (2).
Dieß führten sie aus durch Schweiß und Harn treibende Mittel, durch Blut-Entziehungen, durch Haarseile und Fontanelle, am meisten jedoch durch Ausleerungs-Reizungen des Speise- und Darm-Kanals, theils von oben durch Brechmittel, theils aber, und am liebsten, durch Abführungen von unten, die man auch eröffnende und auflösende (3) Mittel nannte.
Dieser Ableitungs-Methode zur Beihülfe wurden die mit ihr
verschwisterten, antagonistischen Reizmittel in Anwendung gesetzt: Schaafwolle
auf bloßer Haut, Fußbäder, Ekel-Cur, durch Hunger gepeinigter
Magen und Darm (Hunger-Cur), Schmerz, Entzündung
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1) Gleich als wenn man etwas Unmaterielles ableiten könnte! Also
gleichwohl eine, wenn schon noch so fein gedachte, Materie und
Krankheits-Stoff !
2) Nur die mäßigen acuten Krankheiten pflegen, wenn ihre natürliche Verlaufs-Zeit zu Ende geht, ohne und bei Anwendung nicht allzu angreifender, allöopathischer Arzneien, sich, wie man sagt, zu indifferenziren und sich ruhig zu beendigen; die sich ermannende Lebenskraft setzt nun an die Stelle der ausgetobten Befindens-Veränderungen allmälig ihre Norm wieder ein. Aber in den hoch acuten und in dem bei weitem größten Theile aller menschlichen Krankheiten, den chronischen, muß dieß die rohe Natur und die alte Schule bleiben lassen; da kann weder die Lebenskraft durch ihre Selbsthilfe, noch die sie nachahmende Allöopathie eine Lysis herbeiführen - höchstens einigen Waffen-Stillstand, während dessen der Feind sich verstärkt, um desto stärker auszubrechen bald oder spät.
3) Ein Ausdruck, welcher ebenfalls verräth, daß man dennoch eine aufzulösende und fortzuschaffende Krankheits-Materie im Sinne hatte, und voraussetzte.
und Eiterung in nahen und entfernten Theilen bewirkende Mittel, wie aufgelegter Märrettig, Senf-Teig, Canthariden-Pflaster, Seidelbast, Haarseile (Fontanelle), Autenriethsche Salbe, Moxa, glühendes Eisen, Akupunktur, u.s.w., ebenfalls nach dem Vorgange der in Krankheiten sich zur Hülfe selbst überlassenen, rohen Natur, welche sich durch Schmerz- Erregung an entfernten Körpertheilen, durch Metastasen und Abscesse, durch erregte Ausschläge und jauchende Geschwüre von der dynamischen Krankheit (und ist diese eine chronische, vergeblich) loszuwinden sucht.
Offenbar also nicht verständige Gründe, sondern einzig die sich das Curiren bequem machen wollende Nachahmung verleitete die alte Schule zu diesen unhülfreichen und verderblichen, indirecten Curmethoden, der ableitenden sowohl, als der antagonistischen - bewogen sie zu dieser so wenig dienlichen, so schwächenden, und so angreifenden Verfahrungsart, Krankheiten auf einige Zeit anscheinend zu mindern oder zu beseitigen, daß ein anderes schlimmeres Uebel dafür erweckt wurde, an des erstern Stelle zu treten. Heilung kann man doch wohl so eine Verderbung nicht nennen ?
Sie folgte bloß dem Vorgange der rohen instinktartigen Natur in deren,
bloß bei mäßigen, acuten Krankheits-Anfällen
nothdürftig (1) durchkommenden Be
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1) Man sah in der gewöhnlichen Medicin die Selbsthülfe der Natur des
Organisms bei Krankheiten, wo keine Arznei angewendet ward, als
nachahmungswürdige Muster-Curen an. Aber man irrte sich sehr. Die
jammervolle, höchst unvollkommne Anstrengung der Lebenskraft zur
Selbsthülfe in acuten Krankheiten ist ein Schauspiel, was die Menschheit
zum thätigen Mitleid und zur Aufbietung aller Kräfte unsers
verständigen Geistes auffordert, um dieser Selbstqual durch ächte
Heilung ein Ende zu
Strebungen - sie machte es bloß der sich in Krankheiten selbst
überlassenen, keiner Ueberlegung fähigen Lebens-Erhaltungs-Kraft
nach, welche, einzig auf den
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machen. Kann die Natur eine im Organism schon bestehende Krankheit nicht durch
Anbringung einer neuen, andern, ähnlichen Krankheit (§ 43-46.),
dergleichen ihr äußerst selten zu Gebote steht (§ 50.),
homöopathisch heilen, und bleibt es dem Organism allein überlassen,
aus eignen Kräften, ohne Hülfe von außen, eine neu entstandene
Krankheit zu überwinden (bei chronischen Miasmen ist ohnehin sein
Widerstand unmächtig), so sehen wir nichts als qualvolle, oft
gefährliche Anstrengungen der Natur des Individnums, sich zu retten, es
koste, was es wolle, nicht selten mit Auflösung des irdischen Daseyns,
mit dem Tode geendigt.
So wenig wir Sterbliche den Vorgang im Haushalte des gesunden Lebens einsehen, so gewiß er uns, den Geschöpfen, eben so verborgen bleiben muß, als er dem Auge des allsehenden Schöpfers und Erhalters seiner Geschöpfe offen daliegt, so wenig können wir auch den Vorgang im Innern beim gestörten Leben, bei Krankheiten, einsehen. Der innere Vorgang in Krankheiten wird nur durch die wahrnehmbaren Veränderungen, Beschwerden und Symptome kund, wodurch unser Leben die innern Störungen einzig laut werden läßt, so daß wir in jedem vorliegenden Falle nicht einmal erfahren, welche von den Krankheits-Symptomen Primärwirkung der krankhaften Schädlichkeit, oder welche Reaction der Lebenskraft zur Selbsthülfe seyen. Beide fließen vor unsern Augen in einander und stellen uns bloß ein nach außen reflectirtes Bild des innern Gesammtleidens dar, indem die unhülfreichen Bestrebungen des sich selbst überlassenen Lebens, das Leiden zu enden, selbst Leiden des ganzen Organisms sind. Daher liegt auch in den, durch die Natur zu Ende schnell entstandener Krankheiten gewöhnlich veranstalteten Ausleerungen, die man Crisen nennt, oft mehr Leiden, als heilsame Hülfe.
Was die Lebenskraft in diesen sogenannten Crisen und wie sie es veranstaltet, bleibt uns, wie aller innere Vorgang des organischen Haushaltes des Lebens, verborgen. So viel ist indeß sicher, daß sie in dieser ganzen An-
organischen Gesetzen des Körpers beruhend, einzig nur nach diesen
organischen Gesetzen wirket, nicht nach Verstand und Ueberlegung zu handeln
fähig ist - der rohen Natur, welche klaffende Wundlefzen nicht wie ein
verständiger Wundarzt an einander zu bringen und durch Vereinigung zu
heilen vermag, welche schief von einander abstehende Knochen-Bruch-Enden, so
viel sie auch Knochen-Gallerte (oft zum Ueberfluß) ausschwitzen
läßt, nicht gerade zu richten und auf einander zu
---------
strengung Mehr oder Weniger von den leidenden Theilen aufopfert und
vernichtet, um das Uebrige zu retten. Diese Selbsthülfe der bloß
nach der organischen Einrichtung unsers Körpers, nicht nach geistiger
Ueberlegung bei Beseitigung der acuten Krankheit zu Werke gehenden Lebenskraft
ist meist nur eine Art Allöopathie; sie erregt, um die primär
leidenden Organe durch Crise zu befreien, eine vermehrte, oft stürmische
Thätigkeit in den Absonderungs-Organen, um das Uebel jener auf diese
abzuleiten; es erfolgen Erbrechungen, Durchfälle, Harnfluß,
Schweiße, Abscesse u.s.w., um durch diese Aufreizung entfernter Theile
eine Art Ableitung von den ursprünglich kranken Theilen zu erzielen, da
dann die dynamisch angegriffene Nervenkraft im materiellen Producte sich
gleichsam zu entladen scheint.
Nur durch Zerstörung und Aufopferung eines Theils des Organisms selbst vermag die sich allein überlassene Natur des Menschen sich aus acuten Krankheiten zu retten, und, wenn der Tod nicht erfolgt, doch nur langsam und unvollkommen die Harmonie des Lebens, Gesundheit, wieder herzustellen.
Die bei Selbstgenesungen zurückbleibende, große Schwäche der dem Leiden ausgesetzt gewesenen Theile, ja des ganzen Körpers, die Magerkeit, u. s. w., geben uns dieß zu verstehen.
Mit einem Worte: der ganze Vorgang der Selbsthülfe des Organisms bei ihm zugestoßenen Krankheiten zeigt dem Beobachter nichts als Leiden, nichts, was er, um ächt heilkünstlerisch zu verfahren, nachahmen könnte und dürfte.
passen weiß, keine verletzte Arterie unterbinden kann, sondern den Verletzten in ihrer Energie zu Tode bluten macht, welche, nicht versteht, einen ausgefallenen Schulter-Kopf wieder einzurenken, wohl aber durch bald umher zuwege gebrachte Geschwulst die Kunst am Einrenken hindert - die, um einen in die Hornhaut einsestochenen Splitter zu entfernen, das ganze Auge durch Vereiterung zerstört und einen eingeklemmten Leisten-Bruch mit aller Anstrengung doch nur durch Brand der Gedärme und Tod zu lösen weiß, auch oft in dynamischen Krankheiten durch ihre Metaschematismen die Kranken weit unglücklicher macht, als sie vorher waren. Noch mehr; die größten Peiniger unsers irdischen Daseyns, die Zunder zu den unzähligen Krankheiten, unter denen seit Jahrhunderten und Jahrtausenden die gepeinigte Menschheit seufzt, die chronischen Miasmen (Psora, Syphilis, Sykosis), nimmt die verstandlose Lebenskraft im Körper ohne Bedenken auf, vermag aber keins derselben nicht einmal zu mindern, geschweige denn eigenthätig wieder aus dem Organism zu entfernen; vielmehr läßt sie dieselben darin wuchern, bis der Tod oft nach einer langen, traurigen Lebenszeit dem Leidenden die Augen schließt.
Wie könnte wohl die alte Schule, die sich die rationelle nennt, jene verstandlose Lebenskraft in einer so viel Verstand, Nachdenken und Urtheilskraft erfordernden, hochwichtigen Verrichtung, als das Heil-Geschäft ist, zur einzig besten Lehrerin, zur blinden Führerin wählen, ihre indirecten und revolulionären Veranstaltungen in Krankheiten ohne Bedenken nachahmen, sie allein als das non plus ultra, das ersinnlich Beste, nachahmen, da doch, um sie, zum Wohle der Menschheit, an Hülfsleistung unendlich übertreffen zu können, uns jene größte Gabe Gottes, nachdenklicher
Verstand und ungebundene Ueberlegungskraft verliehen war ?
Wenn so, bei ihrer unbedenklichen Nachahmung jener rohen, verstandlosen, automatischen Lebensenergie, die bisherige Arzneikunst in ihren antagonistischen und ableitenden Cur-Methoden - ihren allgewöhnlichen Unternehmungen - die unschuldigen Theile und Organe angreift und sie entweder mit überwiegendem Schmerze afficirt, oder sie, wie meistens, zu Ausleerungen, unter Verschwendung der Kräfte und Säfte, nöthigt, will sie die krankhafte Tätigkeit des Lebens in den ursprünglich leidenden Theilen ab- und auf die künstlich angegriffenen hinlenken, und so, indirect, durch Hervorbringung einer weit größern, andersartigen Krankheit in den gesündern Theilen, also durch einen Kräfte raubenden, meist schmerzhaften Umweg das Entweichen der natürlichen Krankheit erzwingen (1).
Die Krankheit entweichet freilich, wenn sie acut und also ihr Verlauf ohnehin
nur zu kurzer Dauer ge-
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1) Mit welchem traurigen Erfolge dieses Manöver in chronischen
Krankheiten ausgeführt wird, zeigt die tägliche Erfahrung. Am
wenigsten erfolgt Heilung. Wer wollle es aber auch Besiegung nennen, wenn,
statt den Feind unmittelbar beim Kopfe zu ergreifen und, Waffe gegen Waffe
gekehrt, ihn zu vertilgen, um so dem feindlichen Einfalle auf einmal ein Ende
zu machen, man feig, hinter seinem Rücken nur brandschatzt, ihm alle
Zufuhr abschneidet, alles weit um ihn her aufzehrt, sengt und brennt; da wird
man dem Feinde wohl endlich allen Mut benehmen, zu widerstehen, aber der Zweck
ist nicht erreicht, der Feind keineswegs vernichtet -- er ist noch da, und
wenn er sich wieder Nahrung und Vorrath verschafft hat, hebt er sein Haupt nur
noch erbitterter wieder empor -- der Feind, sage ich, ist keineswegs
vernichtet, das arme, unschuldige Land aber so ruinirt, daß es sich in
langer Zeit kaum wieder erholen
artet war, auch unter diesen heterogenen Angriffen auf entfernte, dissimiläre Theile - sie ward aber nicht geheilt. Es liegt nichts in dieser revolutionären Behandlung, welche keine gerade, unmittelbare, pathische Richtung auf die ursprünglich leidenden Gebilde hat, was den Ehren-Namen, Heilung verdiente. Oft würde, ohne diese bedenklichen Angriffe auf das übrige Leben, die acute Krankheit für sich schon, gewiß wohl noch eher, verflossen sein, und mit weniger Nachwehen, weniger Aufopferung von Kräften. Mit einer, die Kräfte erhaltenden, die Krankheit unmittelbar und schnell auslöschenden, directen dynamischen (homöopathischen) Behandlung halten ohnehin beide, weder die von der rohen Naturkraft ausgehende, noch die allöopathische Copie der letztern, keine Vergleichung aus.
In der bei weitem größten Zahl von Krankheits-Fällen aber, in den chronischen, richten diese stürmischen, schwächenden, indirecten Behandlungen der alten Schule fast nie das mindeste Gute aus.
Nur auf wenige Tage hin suspendiren sie diese oder jene lästige
Krankheits-Aeußerung, welche jedoch wiederkehrt, wenn die Natur des
entfernten Reizes gewohnt ist, und schlimmer kehrt die Krankheit wieder
zurück, weil durch die antagonistischen Schmerzen (1) und die
unzweckmäßigen Ausleerungen die Lebenskräfte zum Sinken
gebracht worden sind.
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kann. So die Allöopathie in chronischen Krankheiten, wenn sie den
Organism durch ihre indirecten Angriffe auf die unschuldigen, vom
Krankheits-Sitze entfernten Theile, ohne die Krankheit zu heilen, zu Grunde
richtet. Dieß sind ihre unwohlthätigen Künste!
1) Welchen günstigen Erfolg hatten wohl die so oft angewendeten, künstlich unterhaltenen, übeln Geruch verbreitenden Geschwüre, die man Fontanelle nennt? Wenn
Während so die meisten Aerzte alter Schule die Hülfs-Bestrebungen der sich selbst überlassenen, rohen Natur im Allgemeinen nachahmend, nach Gutdünken (wo eine ihren Gedanken vorschwebende Indication sie dazu leitete) dergleichen angeblich nützliche Ableitungen in ihrer Praxis ausführten, unternahmen Andere, welche sich ein noch höheres Ziel vorsteckten, die in Krankheiten sich eben zeigenden Anstrengungen der Lebenskraft, sich durch Ausleerungen und antagonistische Metastasen zu helfen, mit Fleiß zu befördern und, um ihr gleichsam unter die Arme zu greifen, diese Ableitungen und Ausleerungen noch zu verstärken, und glaubten bei diesem nachtheiligen Verfahren duce natura zu handeln und sich mit dem Namen ministri naturae beehren zu können.
Da in langwierigen Krankheiten die von der Natur des Kranken veranstalteten
Ausleerungen sich nicht selten als, obschon nur kurze Erleichterungen
beschwerlicher Zustände arger Schmerzen, Lähmungen, Krämpfe
u.s.w. ankündigen, so hielt die alte Schule diese Ableitungen für
den wahren Weg, die Krankheiten zu heilen, wenn sie solche Ausleerungen
beförderte, unterhielt, oder gar vermehrte. Sie sah aber nicht ein,
daß alle jene durch die sich selbst überlassene Natur
veranstalteten Auswürfe und Ausscheidungen (anschei-
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sie ja in den ersten paar Wochen, so lange sie noch viel Schmerz verursachen,
antagonistisch ein chronisches Uebel etwas zu hemmen scheinen, so haben sie
doch nachgehends, wenn der Körper sich an den Schmerz gewöhnt hat,
keinen andern Erfolg, als den Kranken zu schwächen und so dem chronischen
Siechthume weitern Spielraum zu verschaffen. Oder wähnt man etwa, noch im
l9ten Jahrhunderte, hiedurch ein Zapfloch für die herauszulassende
materia peccans offen zu erhalten? Fast scheint es so!
nende Crisen) in chronischen Krankheiten nur palliative, kurz dauernde
Erleichterungen seyen, welche so wenig zur wahren Heilung beitragen, daß
sie vielmehr im Gegentheile das ursprüngliche, innere Siechthum mittels
der dadurch erfolgenden Verschwendung der Kräfte und Säfte nur
verschlimmern. Nie sah man durch solche Bestrebungen der rohen Natur irgend
einen langwierig Kranken zur dauerhaften Gesundheit herstellen, nie durch
solche vom Organism bewerkstelligte (1) Ausleerungen irgend eine chronische
Krankheit heilen. Vielmehr verschlimmert sich in solchen Fällen stets,
nach kurzer, und immer kürzere und kürzere Zeit dauernden
Erleichterung, das ursprüngliche Siechthum offenbar, die schlimmen
Anfälle kommen öfterer wieder und stärker, trotz der
fortdauernden Ausleerungen. - So auch, wenn die sich selbst überlassene
Natur bei den dem Leben von einem innern chronischen Uebel drohenden
Befährdungen, sich nicht anders zu helfen weiß, als durch
Hervorbringung äußerer Localsymptome, um die Gefahr von den zum
Leben unentbehrlichen Theilen abzulenken und auf diese für das Leben
nicht unentbehrlichen Gebilde hinzuleiten (Metastase), so führen diese
Veranstaltungen der energischen, aber verstandlosen und keiner Ueberlegung
oder Fürsicht fähigen Lebenskraft doch zu nichts weniger, als zu
wahrer Hülfe oder Heilung; sie sind bloß palliative, kurze
Beschwichtigungen für das gefährliche, innere Leiden, unter
Vergeudung eines großen Theils der Säfte und Kräfte, ohne das
Ur-Uebel auch nur um ein Haar zu verkleinern; sie können den, ohne
ächte, homöopathische Heilung unausbleiblichen Untergang
höchstens verzögern.
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1) Und ebenso wenig durch die künstlich veranstalteten.
Die Allöopathie der alten Schule überschätzte nicht nur bei weitem diese Anstrengungen der rohen automatischen Naturkraft, sondern mißdeutete sie gänzlich, hielt sie falschlich für ächt heilsam, und suchte sie zu erhöhen und zu befördern, in dem Wahne, dadurch vielleicht das ganze Uebel vernichten und gründlich heilen zu können. Wenn die Lebenskraft bei chronischen Krankheiten dieses oder jenes beschwerliche Symptom des inneren Befindens, z.B. durch einen feuchtenden Haut-Ausschlag zu beschwichtigen schien, da legte der Diener der rohen Naturkraft (minister naturae) auf die entstandene jauchende Fläche ein Kanthariden-Pflaster oder ein Exutorium (Seidelbast), um duce natura noch mehr Feuchtigkeit aus der Haut zu ziehen und so den Zweck der Natur, die Heilung (durch Entfernung der Krankheits-Materie aus dem Körper?) zu befördern und zu unterstützen - ; aber entweder, wenn die Einwirkung des Mittels zu heftig, die feuchtende Flechte schon alt und der Körper zu reizbar war, vergrößerte er, nutzlos für das Ur-Uebel, das äußere Leiden um Vieles, erhöhete die Schmerzen, welche dem Kranken den Schlaf raubten und seine Kräfte herabsetzten (auch wohl einen fieberhaften bösartigen Rothlauf [erysipelas] herbeiführten), oder, bei milderer Einwirkung auf das vielleicht noch neue Localübel, vertrieb er damit durch eine Art übel angebrachten, äußeren Homöopathisms das von der Natur zur Erleichterung des innern Leidens auf der Haut bewerkstelligte Localsymptom von der Stelle, erneuerte so das innere, gefährlichere Uebel, und verleitete durch diese Vertreibung des Localsymptoms die Lebenskraft zur Bereitung eines schlimmeren Metaschematisms auf andere, edlere Theile; der Kranke bekam gefährliche Augen-Entzündung, oder Taubhörigkeit, oder Magen-Krämpfe, oder epileptische Zuckungen, oder Er-
stickungs- oder Schlagfluß-Anfälle, oder Geistes- oder Gemüthskrankheit u.s.w. dafür (1).
In demselben Wahne, die Lebenskraft in ihren Heilbestrebungen unterstützen zu wollen, legte, wenn die kranke Naturkraft Blut in die Venen des Mastdarms oder des Afters drängte (blinde Hämorrhoiden), der minister naturae Blutegel an, um dem Blute da Ausgang zu verschaffen, oft in Menge - mit kurzer, oft kaum nennenswerther Erleichterung, aber unter Schwächung des Körpers, und Veranlassung zu noch stärkeren Congestionen nach diesen Theilen, ohne das Ur-Uebel auch nur im Geringsten zu vermindern.
Fast in allen Fällen, wo die kranke Lebenskraft zur Beschwichtigung eines innern, gefährlichen Leidens etwas Blut auszuleeren suchte durch Erbrechen, durch Husten u.s.w., beeiferte sich der Arzt alter Schule, duce natura, diese vermeintlich heilsamen Natur-Bestrebungen zu befördern und ließ reichlich Blut aus der Ader, nie ohne Nachtheil für die Folge und mit offenbarer Schwächung des Körpers.
Bei öftern, chronischen Uebelkeiten erregte er, in der Meinung, die Absichten der Natur zu befördern, starke Ausleerung aus dem Magen und gab tüchtig zu brechen - nie mit gutem Erfolge, oft mit übeln, nicht selten mit gefährlichen, ja tödtlichen Folgen.
Zuweilen erregt die Lebenskraft, um das innere Siechthum zu erleichtern, kalte
Geschwülste äußerer Drüsen, und er glaubt, die Absichten
der Natur, als ihr angeblicher Diener, zu befördern, wenn er sie durch
allerlei erhitzende Einreibungen und Pflaster in Entzündung setzt, um
dann die reife Eiterbeule mit
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1) Natürliche Folgen der Vertreibung solcher Localsymptome - Folgen, die
oft vom allöopatischen Arzte für ganz andere, neu entstandene
Krankheiten ausgegeben werden.
dem Schnitte zu öffnen und die böse Krankheits-Materie (?) herauszulassen. Welches langwierige Unheil aber dadurch, fast ohne Ausnahme, veranlaßt wird, lehrt die Erfahrung hundertfältig.
Und da er öfters kleine Erleichterungen großer Uebel in langwierigen Krankheiten durch von selbst entstandenen Nacht-Schweiß oder durch manche dünne Stuhl-Ausleerungen bemerkt hatte, so wähnt er sich berufen, diesen Natur-Winken (duce natura ) zu folgen und sie befördern zu müssen durch Veranstaltung und Unterhaltung vollständiger Schwitz-Curen, oder Jahre lang fortgesetzter, sogenannter gelinder Abführungen, um jene, wie er meint, zur Heilung des ganzen chronischen Leidens führenden Bestrebungen der Natur (der Lebenskraft des verstandlosen Organisms) zu fördern und zu vermehren und so den Kranken desto eher und gewisser von seiner Krankheit (dem Stoffe seiner Krankheit?) zu befreien.
Aber er bewirkt dadurch stets nur das Gegentheil im Erfolge: Verschlimmerung des ursprünglichen Leidens.
Dieser seiner vorgefaßten, obgleich grundlosen Meinung zufolge setzt der
Arzt alter Schule jene Beförderung (1) der Triebe der kranken Lebenskraft
fort
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1) Mit diesem Verfahren im Widerspruche erlaubte sich auch die alte Schule das
Gegentheil hievon nicht selten, nämlich die Bestrebungen der Lebenskraft
in Beschwichtigung des innern Siechthums durch Ausleerungen und an den
Außentheilen des Körpers veranstaltete Local-Symptome, wenn sie
beschwerlich wurden, durch ihre repercutientia und repellentia nach
Gutdünken zu unterdrücken, die chronischen Schmerzen, die
Schlaflosigkeiten und alten Durchfälle mit waghälsig gesteigerten
Gaben Mohnsaft, die Erbrechungen mit der brausenden Salz-Mixtur, die
stinkenden Fuß-Schweiße mit kalten Fußbädern und
adstringirenden Umschlägen, die Haut-Ausschläge mit Blei- und
Zink-Prä-
und vermehrt jene, doch nie zum gedeihlichen Ziele, bloß zum Ruine führenden Ableitungen und Ausleerungen bei dem Kranken, ohne inne zu werden, daß alle die zur Beschwichtigung des ursprünglichen, chronischen Leidens von der sich selbst überlassenen, verstandlosen Lebenskraft veranstalteten und unterhaltenen Localübel, Ausleerungen und anscheinenden Ableitungs-Bestrebungen gerade die Krankheit selbst, die Zeichen der ganzen Krankheit sind, gegen welche zusammen eigentlich eine nach Aehnlichkeits-Wirkung gewählte, homöopathische Arznei das einzig hülfreiche Heilmittel und zwar, auf kürzestem Wege gewesen sein würde.
Da schon was die rohe Natur thut, um sich in Krankheiten zu helfen, in acuten
sowohl als vielmehr in chronischen, höchst unvollkommen und selbst
Krankheit ist, so läßt sich leicht ermessen, daß die
künstliche Beförderung dieser Unvollkommenheit und Krankheit noch
mehr schaden, wenigstens selbst bei acuten Uebeln nichts an der
Natur-Hülfe verbessern konnte, da die Arzneikunst die verborgnen Wege,
auf
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paraten zu vertreiben, die Bährmütter-Blutflüsse mit
Essig-Einspritzungen, die colliquativen Schweiße mit Alaun-Molken, die
nächtlichen Samen-Ergießungen mit vielem Kampfer-Gebrauch, die
öftern Anfälle fliegender Körper- und Gesichts-Hitze mit
Salpeter und Gewächs- und Schwefel-Säure, das Nasen-Bluten durch
Tamponiren der Nasenlöcher mit Pfropfen in Weingeist oder adstringirende
Flüssigkeiten getaucht, zu hemmen, und mit Blei- und Zink-Oxyden die,
große innere Leiden zu beschwichtigen von der Lebenskraft
veranstalteten, jauchenden Schenkel-Geschwüre auszutrocknen, u.s.w. -
aber mit welchen traurigen Folgen? zeigen tausend Erfahrungen.
Mit dem Munde und mit der Feder brüstet sich der Arzt alter Schule, ein rationeller Arzt zu sein und den Grund der Krankheit aufzusuchen, um gründlich stets zu heilen; aber siehe, da kurirt er nur auf ein einzelnes Symptom los und immer zum Schaden des Kranken.
welchen die Lebenskraft ihre Crisen veranstaltet, nicht zu betreten im Stande war, sondern nur durch angreifende Mittel von außen es zu bewirken unternimmt, welche noch weniger wohlthätig, als was die sich selbst überlassene, instinktartige Lebenskraft auf ihre Weise thut, aber dagegen noch störender sind und noch mehr die Kräfte rauben. Denn auch die unvollkommne Erleichterung, welche die Natur durch ihre Ableitungen und Crisen bewirkt, kann die Allöopathie auf ähnlichem Wege nicht erreichen; sie bleibt noch tief unter der jämmerlichen Hülfe, welche die sich allein überlassene Lebenskraft zu verschaffen vermag, mit ihren Bemühungen zurück.
Man hat durch ritzende Werkzeuge ein dem natürlichen nachgemachtes Nasenbluten hervorzubringen gesucht, um die Anfälle z.B. eines chronischen Kopfschmerzes zu erleichtern. Da konnte man wohl Blut in Menge aus den Nasenhöhlen rinnen machen und den Menschen schwächen, aber die Erleichterung davon war entweder Null oder doch weit geringer, als wenn zu andrer Zeit die instinktartige Lebenskraft aus eigenem Triebe auch nur wenige Tropfen ausfließen ließ.
Ein sogenannter kritischer Schweiß oder Durchfall von der stets thätigen Lebenskraft nach schneller Erkrankung von Aergerniß, Schreck, Verheben oder Verkälten veranlaßt, wird weit erfolgreicher, wenigstens vor der Hand, die acuten Leiden beseitigen, als alle Schwitzmittel oder Abführungs-Arzneien aus der Apotheke, die nur kränker machen, wie die tägliche Erfahrung lehrt.
Doch ward die, für sich, nur nach körperlicher Einrichtung unsers Organisms zu wirken fähige, nicht nach Verstand, Einsicht und Ueberlegung zu handeln geeignete Lebenskraft uns Menschen nicht dazu verliehen, daß wir sie für die bestmöglichste Krankheits-
heilerin annehnnen sollten, jene traurigen Abweichungen von Gesundheit in ihr normales Verhältniß wieder zurück zu führen, und noch weniger dazu, daß die Aerzte ihre unvollkommnen, krankhaften Bestrebungen (sich selbst aus Krankheiten zu retten), sklavisch, und mit, unstreitig noch zweckwidrigern und angreifendern Veranstaltungen, als sie selbst vermag, nachahmen und dadurch sich bequemlich den zur Erfindung und Ausführung der edelsten aller menschlichen Künste - der wahren Heilkunst - erforderlichen Aufwand von Verstand, Nachdenken und Ueberlegung ersparen sollten - eine schlechte Copie jener, wenig wohlthätigen Selbsthülfe der rohen Naturkraft für Heilkunst, für rationelle Heilkunst ausgebend!
Welcher verständige Mensch wollte ihr denn nachahmen in ihren Rettungs-Bestrebungen? Diese Bestrebungen sind ja eben die Krankheit selbst und die krankhaft afficirte Lebenskraft ist die Erzeugerin der sich offenbarenden Krankheit! Nothwendig muß also alles künstliche Nachmachen und auch das Unterdrücken dieser Bestrebungen das Uebel entweder vermehren, oder durch Unterdrückung gefährlich machen, und beides thut die Allöopathie; das sind ihre schädlichen Handlungen, die sie für Heilkunst, für rationelle Heilkunst ausgiebt!
Nein! jene dem Menschen angeborne, das Leben auf die vollkommenste Weise während dessen Gesundheit zu führen bestimmte, herrliche Kraft, gleich gegenwärtig in allen Theilen des Organisms, in der sensibeln wie in der irritabeln Faser und unermüdete Triebfeder aller normalen, natürlichen Körper-Verrichtungen, ward gar nicht dazu erschaffen, um sich in Krankheiten selbst zu helfen, nicht, um eine nachahmungswürdige Heilkunst auszuüben -Nein! wahre Heilkunst ist jenes nachdenkliche Geschäft,
was dem höhern Menschen-Geiste, der freien Ueberlegung, und dem
wählenden, nach Gründen entscheidenden Verstande obliegt, um jene
instinktartige und verstand- und bewußtlose, aber automatisch energische
Lebenskraft, wenn sie durch Krankheit zu innormaler Thätigkeit verstimmt
worden, mittels einer, dieser ähnlichen Affection, von homöopathisch
ausgewählter Arznei erzeugt, dergestalt arzneikrank, und zwar in einem
etwas höhern Grade umzustimmen, daß die natürliche
Krankheits-Affection nicht mehr auf sie wirken könne und sie so derselben
quitt werde, einzig noch beschäftigt bleibend mit der so ähnlichen,
etwas stärkern Arzneikrankheits-Affection, gegen welche sie nun ihre
ganze Energie richtet, die aber bald von ihr überwältigt, sie aber
dadurch frei und fähig wird, wieder zur Norm der Gesundheit und zu ihrer
eigentlichen Bestimmung, "der Belebung und Gesund-Erhaltung des
Organisms" zurückzukehren ohne bei dieser Umwandlung schmerzhafte
oder schwächende Angriffe erlitten zu haben. Dieß zu bewirken,
lehrt die homöopathische Heilkunst.
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Bei den angeführten Cur-Methoden der alten Schule entrannen zwar
allerdings nicht wenige Kranke ihren Krankheiten, doch nicht den chronischen
(unvenerischen); nur den acuten, ungefährlichen, und doch nur auf
beschwerlichen Umwegen, und oft so unvollkommen, daß man die Curen nicht
durch milde Kunst vollführte Heilungen nennen konnte. Die acuten
Krankheiten wurden von ihr in den nicht sehr gefährlichen Fällen
mittels Blutentziehungen oder Unterdrückung eines der
Hauptsymptome durch ein enantiopathisches Palliativmittel (contraria contrariis) so lange niedergehalten, oder mittels auf andern, als den kranken Punkten, gegenreizender und ableitender (antagonistischer und revellirender) Mittel bis zu dem Zeitpunkte suspendirt, wo die natürliche Verlaufs-Zeit des kurzen Uebels vorüber war - also auf Kräfte und Säfte raubenden Umwegen, und dergestalt, daß der eignen Natur des so Behandelten das Meiste und Beste zur vollständigen Beseitigung der Krankheit und Wiederersetzung der verlornen Kräfte und Säfte zu thun übrig blieb - der Lebens-Erhaltungs-Kraft, welche nächst der Beseitigung des natürlichen, acuten Uebels, auch die Folgen unzweckmäßiger Behandlung zu besiegen hatte und so in den ungefährlichen Fällen mittels ihrer eignen Energie, doch oft mühsam, unvollkommen und unter mancherlei Beschwerde die Functionen in ihr normales Verhältniß allmälig wieder einsetzen konnte.
Es bleibt sehr zweifelhaft, ob der Genesungs-Proceß der Natur durch dieses Eingreifen der bisherigen Arzneikunst bei acuten Krankheiten wirklich, auch nur in Etwas abgekürzt oder erleichtert werde, indem diese gleichfalls nicht anders, als indirect, wie jene (die Lebenskraft) zu Werke gehen konnte, ihr ableitendes und antagonistisches Verfahren aber noch viel angreifender ist und noch weit mehr Kräfte raubt.
Noch hat die alte Schule ein Cur-Verfahren, die sogenannte erregende und
stärkende Cur-Methode (1) (durch excitantia, nervina, tonica,
confortantia, roborantia). Es ist zu verwundern, wie sie sich derselben
rühmen konnte.
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1) Sie ist recht eigentlich enantiopathisch, und ich werde ihrer noch im Texte
des Organons (§. 59.) gedenken.
Hat sie wohl je die so häufige, von einem chronischen Siechthum erzeugte und unterhaltene, oder vermehrte Schwäche des Körpers durch Verordnung ätherischen Rheinweins, oder feurigen Tokayers, wie sie unzählige Mal versuchte, heben können? Die Kräfte sanken dabei (weil die Erzeugerin der Schwäche, die chronische Krankheit von ihr nicht geheilt werden konnte) allmälig nur desto tiefer, je mehr des Weins dem Kranken aufgeredet worden war, weil künstlichen Aufregungen die Lebenskraft Erschlaffung in der Nachwirkung entgegensetzt.
Oder gaben die Chinarinde, oder ihre mißverstandenen, vieldeutigen und andersartig schädlichen Amara in diesen so häufigen Fällen Kräfte? Setzten diese unter allen Verhältnissen für tonisch und stärkend ausgegebenen Gewächs-Substanzen sammt den Eisenmitteln nicht oft noch neue Leiden aus ihren eigenthümlichen, krank machenden Wirkungen zu den alten hinzu, ohne die auf ungekannter, alter Krankheit beruhende Schwäche beseitigen zu können?
Hat man wohl die von einem chronischen Siechthume, wie so allgewöhnlich,
entsprossene, anfangende Lähmung eines Armes oder Beines, ohne Heilung
des Siechthums selbst, durch die sogenannten unguenta nervina oder die andern
geistigen, balsamischen Einreibungen auf die Dauer jemals auch nur um Etwas
mindern können? Oder haben in diesen Fällen electrische oder
Voltaische Schläge je etwas Anderes in solchen Gliedern als nach und nach
vollkommnere, ja vollkommne Lähmung und Ertödtung aller
Muskel-Erregbarkeit und Nerven-Reizbarkeit zur Folge gehabt (1)?
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1) Die Schwachhörigen besserten sich von der Voltaischen Säule des
Jeverschen Apothekers bei mäßigen Schlägen nur auf einige
Stunden - bald thaten diese
Brachten die gerühmten excitantia und aphrodisiaca, die Ambra, der Meer-Stinz, die Canthariden-Tinktur, die Trüffeln, Cardemonen, Zimmt und Vanille das allmälig geschwächte Begattungs-Vermögen (wobei jederzeit ein unbeachtetes, chronisches Miasm zum Grunde lag) nicht stets zur völligen Impotenz herunter?
Wie kann man sich einer, etliche Stunden dauernden Aufregung und Bekräftigung rühmen, wenn der nachbleibende Erfolg das dauernde Gegentheil, Unheilbarmachung des Uebels - nach den Gesetzen der Natur aller Palliative - bewirken muß? Das wenige Gute, was die excitantia und roborantia bei der Erholung aus (auf alte Art behandelten) acuten Krankheiten hervorbrachten, ward tausendfach von dem Nachtheile derselben in chronischen Uebeln überwogen.
Wo die alte Medicin nicht weiß, was sie mit einer langwierigen Krankheit
anzufangen habe, da curirt sie blindhin mit ihren sogenannten
verändernden Mitteln (alterantia) los; und da sind die Mercurialia
(Calomel, Aetzsublimat und Quecksilber-Salbe) ihr fürchterliches
Hauptmittel, was sie (in unvenerischen Krankheiten!) verderblicher Weise, oft
in so großer Masse und so lange, Zeit auf den kranken Körper wirken
läßt, bis die ganze Gesundheit untergraben ist. Sie erzeugt so
allerdings große Veränderungen, aber stets solche, die nicht gut
sind, und stets verderbt sie vollends die Gesundheit mit diesem, am unrechten
Orte gegeben, äußerst verderblichen Metalle.
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nichts mehr; er mußte, um ein Gleiches zu bewirken, mit den
Schlägen steigen, bis auch diese nichts mehr halfen, da dann die
stärksten zwar anfänglich das Gehör des Kranken noch auf kurze
Zeit aufreizten, sie aber zuletzt stocktaub hinterließen.
Wenn sie die Chinarinde, welche als homöopathisches Fieber-Mittel bloß für wahre Sumpf-Wechselfieber, wenn Psora nicht hindert, specifisch ist, nun auch allen, oft über große Länder sich verbreitenden, epidemischen Wechselfiebern in großen Gaben entgegensetzt, so zeigt die alte Medicinschule ihre Unbesonnenheit handgreiflich, denn diese kommen in einem fast alljährig verschiedenen Charakter vor, und verlangen daher fast immer eine andere homöopathische Arznei zur Hülfe, von welcher sie denn auch immer mittels einer oder etlicher weniger, sehr kleiner Gaben gründlich geheilt werden in einigen Tagen. Da glaubt nun die alte Schule, weil diese epidemischen Fieber auch periodische Anfälle (typus) haben, sie aber in allen Wechselfiebern nichts als deren typus sieht, auch kein andres Fieber-Heilmittel kennt, als China, und auch kein andres kennen lernen will, da wähnt, sage ich, die alte Schlendrians-Schule, daß, wenn sie nur den typus der epidemischen Wechselfieber mit gehäuften Gaben China und ihres theuern Auszugs (Chinin) unterdrücken könne (was die zwar unverständige, hier aber doch gescheutere Lebenskraft oft Monate lang zu verhindern strebt), sie habe diese epidemischen Wechselfieber geheilt. Aber der betrogene Kranke wird stets elender nach solcher Unterdrückung der Anfallzeit (typus) seines Fiebers, als er im Fieber selbst war: erdfahlen Gesichts, engbrüstig, in den Hypochondern wie zusammen geschnürt, mit verdorbnen Eingeweiden, ohne gesunden Appetit, ohne ruhigen Schlaf; matt und muthlos, oft mit praller Geschwulst der Beine, des Bauchs, auch wohl des Gesichts und der Hände schleicht er, als geheilt entlassen, aus dem Krankenhause und nicht selten gehören Jahre mühsamer, homöopathischer Behandlung dazu, einen solchen in der Wurzel verdorbnen (geheilten?) künstlich kachektischen
Kranken nur vom Tode zu erretten, geschweige gar zu heilen und gesund zu machen.
Die träge Unbesinnlichkeit in Nervenfiebern freut sich die alte Schule durch den hier antipathischen Baldrian auf Stunden zu einer Art Munterkeit umwandeln zu können; aber indem dieß nicht vorhält, und sie eine kurze Belebung durch immer größere Gaben Baldrians erzwingen muß, so kömmt es bald dahin, daß auch die größeren Gaben um nichts mehr beleben, in der Nachwirkung dieses, hier nur in der Erstwirkung aufreitzenden Palliativs aber die ganze Lebenskraft erlahmt und ein solcher Kranker seiner baldigen Ertödtung durch dieses rationelle Cur-Verfahren der alten Schule gewiß ist; keiner kann entrinnen. Und wie gewiß sie damit tödtet, sieht diese Schlendrians-Kunst doch nicht ein; sie schiebt den Tod nur auf die Bösartigkeit der Krankheit.
Ein für chronische Kranke fast noch schrecklicheres Palliativ ist die digitalis purpurea, auf die sich die bisherige Arzneischule so herrliches zu Gute thut, wenn sie den zu schnellen gereizten Puls in chronischen Krankheiten (ächt symptomatisch!) langsamer damit erzwingen will. Auffallend, es ist wahr, verlangsamert dieses ungeheure, hier enantiopathisch angewendete Mittel den schnellen, gereizten Puls und vermindert die Arterien-Schläge um Vieles nach der ersten Gabe, auf etliche Stunden; aber er wird bald wieder schleuniger. Die Gabe wird erhöhet, um ihn nur etwas wieder langsamer zu machen, und er wird es, doch auf noch kürzere Zeit, bis auch diese und noch viel höhere Palliations-Gaben dieß nicht mehr bewirken und der Puls in der endlich nicht mehr abzuhaltenden Nachwirkung des Fingerhuts nun weit schneller wird, als er vor dem Gebrauche dieses Krautes war - er wird nun unzählbar, unter Verschwindung
alles Schlafs, alles Appetits, aller Kräfte - eine sichere Leiche - abgeschlachtet; keiner von diesen entrinnt dann dem Tode, wenn er nicht in unheilbaren Wahnsinn geräth (1).
So curirte der Allöopathiker. Die Kranken aber mußten sich in diese traurige Nothwendigkeit fügen, weil sie keine bessere Hülfe bei den übrigen Aliöopathikern fanden, welche aus denselben trugvollen Büchern waren gelehrt worden.
Die Grund-Ursache der chronischen (nicht venerischen) Krankheiten blieb diesen, mit Causal-Curen und mit Erforschung (2) der Genesis bei ihrer Diagnose vergeblich sich brüstenden Praktikern, sammt den Heilmitteln derselben unbekannt; wie hätten sie wohl jene ungeheure Ueberzahl langwieriger Krankheiten mit ihren indirecten Curen heben wollen, welche von der, nicht zum Vorbilde im Heilen bestimmten Selbsthülfe der verstandlosen Lebenskraft nur verderbliche Nachahmungen waren?
Den vermeintlichen Charakter des Uebels hielten sie für die
Krankheits-Ursache und richteten daher ihre
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1) Und dennoch rühmt der Vorsteher dieser alten Schule, Hufeland (s.
Homöopathie, S. 22), die digitalis zu dieser Absicht, sich viel darauf zu
gute thuend, mit den Worten, "Niemand wird leugnen" (nur die stete
Erfahrung thut's!) "daß zu heftige Circulation durch - digitalis
aufgehoben (?) werden kann." Dauerhaft? Aufgehoben? Durch ein heroisches
enanthiopathisches Mittel ? Armer Hufeland !
2) Die Hufeland in seinem Pamphlet: Die Homöopathie (S. 20) seiner alten Unkunst vergeblich vindicirt. Denn da, wie bekannt, vor Erscheinung meines Buchs (die chron. Kr.) die drittehalbtausendjährige Allöopathie nichts von der Quelle der meisten chronischen Krankheiten (der Psora) wußte, mußte sie da nicht den langwierigen Uebeln eine andere falsche Quelle (genesis) anlügen ?
angeblichen Causal-Curen gegen Krampf, Entzündung (Plethora), Fieber, allgemeine und partielle Schwäche, Schleim, Fäulniß, Infarkten, u.s.w. die sie durch ihre (ihnen nur oberflächlich bekannten) krampfstillenden, antiphlogistischen, stärkenden, erregenden, antiseptischen, auflösenden, zertheilenden, ableitenden, ausleerenden, antagonistischen Mittel hinwegzuräumen wähnten.
Nach so allgemeinen Indicationen aber lassen die Arzneien sich nicht zur Hülfe finden, am allerwenigsten in der alten Schule bisherigen Materia medica, die, wie ich anderswo (1) zeigte, meist nur auf Vermuthung beruhte und auf falschen Schlüssen ab usu in morbis, mit Lug und Trug vermischt.
Und eben so gewagt gingen sie gegen die noch hypothetischeren, sogenannten Indicationen - gegen Mangel oder Uebermaß an Sauer-, Stick-, Kohlen- oder Wasserstoff in den Säften, gegen Steigerung oder Minderung der Irritabilität, Sensibilität, Reproduction, Arteriellität, Venosität, Capillarität, Asthenie u.s.w., zu Felde, ohne Hülfsmittel zur Erreichung so phantastischer Zwecke zu kennen. Es war Ostentation. Es waren Curen - nicht zum Wohle der Kranken.
Doch aller Anschein von zweckmäßiger Behandlung der Krankheiten
verschwand jedoch vollends ganz durch die von den ältesten Zeiten her
eingeführte, und sogar zum Gesetz gemachte Vermischung der in ihrer
wahren Wirkung fast ohne Ausnahme ungekannten und stets und ganz ohne Ausnahme
von einander so abweichenden Arznei-Substanzen zum Recepte. Man setzte darin
eine (auch dem Umfange ihrer Arznei-Wirkungen nicht gekannte) Arznei zum
Hauptmittel (basis) vorne an, welche den vom Arzte angenommenen
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1) Vor dem dritten Theile der reinen Arzneimittellehre: Quellen d. bish.
Materia Medica.
Haupt-Charakter der Krankheit besiegen sollte, fügte noch dieses oder jenes (ebenfalls nach dem Umfange seiner arzneilichen Wirkungen nicht gekannte) Mittel zur Beseitigung dieser oder jener Neben-Indication oder als Verstärkungs-Mittel (adjuvantia) hinzu, auch wohl noch ein angebliches (ebenfalls nach dem Umfange seiner Arzneikräfte nicht gekanntes) Verbesserungs-Mittel (corrigens), ließ das alles (kochen, ausziehen) mischen - auch wohl mit einem, wieder anders arzneilichen Sirupe oder destillirten, arzneilichen Wasser in die Form bringen, und wähnte nun, jeder dieser Mischungs-Theile (Ingredienzen) werde die ihm in den Gedanken des Verschreibers zugetheilten Verrichtungen im kranken Körper zur Ausführung bringen, ohne sich von den übrigen, dazu gemischten Dingen stören, oder irre machen zu lassen, was doch verständiger Weise gar nicht zu erwarten ist. Eins hob ja das andre in seiner Wirkung ganz oder zum Theil auf, oder gab ihm und den übrigen eine andre, nicht geahnete, nicht zu vermuthende Thätigkeits-Beschaffenheit und Wirkungs-Richtung, so daß die erwartete Wirkung unmöglich erreicht werden konnte; es erfolgte, was man von dem unerklärlichen Räthsel von Mischung nicht erwartet hatte, noch erwarten konnte, oft eine im Tumulte der Krankheits-Symptome nicht bemerkbare, neue Krankheits-Verstimmung, welche bleibend ward bei langem Fortgebrauche des Recepts - also, eine hinzugesetzte, mit der ursprünglichen sich complicirende Kunst-Krankheit, eine Verschlimmerung der ursprünglichen Krankheit - oder, wenn das Recept nicht oft wiederholt, sondern von einem oder mehren, neu verschriebenen, aus andern Ingredienzen, bald nach einander, verdrängt ward, so entstand doch, zum allerwenigsten, ein vermehrtes Sinken der Kräfte, weil die in solchem Sinne verordneten Substanzen
wenig oder gar keinen directen, pathischen Bezug auf das ursprüngliche Leiden weder hatten, noch haben sollten, sondern nur die von der Krankheit am wenigsten befallenen Punkte angriffen nutzloser und schädlicher Weise.
Mehrerlei Arzneien, selbst wenn man die Wirkungen jeder einzelnen auf den
menschlichen Körper genau gekannt hätte ( - der Receptschreiber
kennt aber oft nicht den tausendsten Theil derselben - ), mehrerlei solche
Ingredienzen, sage ich, deren manche schon selbst vielfach componirt waren,
und deren einzelner genaue Wirkung so gut als nicht bekannt, gleichwohl im
Grunde doch immer sehr von der der übrigen verschieden ist, zusammen in
eine Formel mischen zu lassen, damit dieß unbegreifliche Gemisch von dem
Kranken in großen Gaben, oft wiederholt, eingenommen werde, und dennoch
irgend eine beabsichtigte, gewisse Heilwirkung bei ihm damit erzielen zu
wollen; diese Unverständigkeit empört jeden nachdenkenden
Unbefangenen (1).
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1) Die Widersinnigkeit der Arzneigemische haben selbst Männer aus der
gewöhnlichen Arzneischule eingesehen, ob sie gleich in der Praxis selbst
diesem ewigen Schlendriane, wider ihre Einsicht, folgten. So drückt
Marcus Herz (in Hufel. Journ. d. pr. A. II. S. 33) seine Gewissensregung durch
folgende Worte aus: "Wollen wir den Entzündungszustand heben, so
bedienen wir uns weder des Salpeters, noch des Salmiaks, noch der
Pflanzensäure allein, sondern wir vermischen gewöhnlich mehrere, und
öfters nur zu viele, sogenannte antiphlogistische Mittel zusammen, oder
lassen sie zu gleicher Zeit neben einander gebrauchen. Haben wir der
Fäulniß Widerstand zu thun, so genügt es uns nicht, von einer
der bekannten antiseptischen Arzneien, von der Chinarinde, den
Mineralsäuren, der Wohlverleih, der Schlangenwurz u.s.w. allein, in
großer Menge gegeben, unsern Endzweck zu erwarten; wir setzen lieber
mehrere derselben zusammen, und rechnen auf das Ge-
Der Erfolg widerspricht natürlich jeder bestimmten Erwartung. Es entstehen allerdings Veränderungen und Erfolge, aber keine zweckmäßigen, keine guten - schädliche, verderbliche!
Ich möchte den sehen, welcher dergleichen blindes Hineinarbeiten in den kranken menschlichen Körper Heilung nennen wollte!
Nur mittels des beim Kranken noch übrigen Vorraths von Lebensprincip,
wenn es durch die angemessene Arznei zur richtigen Thätigkeit gestimmt
wird, läßt sich Heilung erwarten, nicht aber von einer
kunstgemäß bis zum Verscheiden getriebene Ausmergelung des
Körpers, und doch weiß die alte Schule nichts Anders mit langwierig
Kranken anzufangen, als hineinzuarbeiten auf die Leidenden mit lauter
marternden, Kräfte und Säfte verschwendenden und Leben
verkür-
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meinschaftliche ihrer Wirkung, oder werfen wohl gar, aus Unwissenheit, wessen
Thätigkeit in dem vorhandenen Falle die angemessenste sey, mannigfaltige
Dinge unter einander, und übergeben es gleichsam dem Zufalle, eins von
ihnen die beabsichtigte Veränderung hervorbringen zu lassen. So erregen
wir Schweiß, verbessern Blut (?), lösen Stockungen (?)
befördern Auswurf und entleeren sogar die ersten Wege so selten durch
einzelne Mittel; immer sind unsere Vorschriften zu diesem Endzwecke
zusammengesetzt, fast nie einfach und rein, folglich (sind es) auch nicht die
Erfahrungen in Rücksicht auf die Wirkungen ihrer einzelnen, enthaltenen
Stoffe. Zwar stiften wir unter den Mitteln in unsern Formeln nach
schulgerechter Weise eine Art von Rangordnung, und nennen dasjenige, dem wir
eigentlich die Wirkung auftragen, die Grundlage (basis) und die übrigen
die Helfer, Unterstützer (adjuvantia), Verbesserer (corrigentia) u.s.w.
Allein offenbar liegt bei dieser Charakterisirung größtenteils
bloße Willkür zum Grunde. Die Helfer und Unterstützer haben
eben so gut Antheil an der ganzen Wirkung, als das Hauptmittel, wiewohl wir
aus Mangel eines Maaßstabes den Grad desselben
zenden Mitteln! Kann sie retten, während sie zu Grunde richtet? Kann sie einen andern Namen als den einer Unheilkunst verdienen? Sie handelt, lege artis, möglichst zweckwidrig und sie thut (fast könnte es scheinen, geflissentlich) alloia, d.i. das Gegentheil von dem, was sie thun sollte. Kann man sie rühmen? Kann man sie ferner dulden?
In neuern Zeiten hat sie sich vollends an Grausamkeit gegen ihre kranken Nebenmenschen und an Zweckwidrigkeit in ihren Handlungen überboten, wie jeder unparteiischer Beobachter zugeben muß und wie selbst Aerzte ihrer eignen Schule, beim Erwachen ihres Gewissens (wie Krüger-Hansen) der Welt gestehen mußten.
Es war hohe Zeit, daß der weise und gütige Schöpfer und
Erhalter der Menschen diesen Gräueln
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nicht bestimmen können. Gleichergestalt kann der Einfluß der
Verbesserer auf die Kräfte der übrigen Mittel nicht ganz
gleichgültig seyn, sie müssen sie erhöhen, herunterstimmen oder
ihnen eine andre Richtung geben, und wir müssen daher die heilsame (?)
Veränderung, die wir durch eine solche Formel bewirken, immer als das
Resultat ihres ganzen, zusammengesetzten Inhalts ansehen, und können nie
daraus eine reine Erfahrung von der alleinigen Wirksamkeit eines einzigen
Stücks desselben gewinnen. In der That ist doch unsere Einsicht in
dasjenige, worauf eigentlich bei allen unsern Mitteln das Wesentliche ihrer
Kenntniß beruht, so wie die Kenntniß der vielleicht noch
hundertfaltigen Verwandschaften, in welche sie bei ihrer Vermischung unter
einander treten, viel zu gebrechlich, als daß wir mit Gewißheit
anzugeben Vermögen, wie groß und mannigfaltig die Thätigkeit
eines an sich noch so unbedeutend scheinenden Stoffs seyn kann, wenn er,
verbunden mit andern Stoffen, in den menschlichen Körper gebracht
wird."
Einhalt that, Stillstand diesen Tortüren gebot und eine Heilkunst an den Tag brachte, die das Gegentheil von allem diesem, ohne die Lebenssäfte und Kräfte durch Brechmittel, jahrelanges Darmausfegen, warme Bäder und Schwitzmittel oder Speichelfluß zu vergeuden, oder das Lebensblut zu vergießen, ohne auch durch Schmerzmittel zu peinigen und zu schwächen, ohne den Kranken mittels langwierigen Aufdringens falscher, ihrer Wirkung nach ihnen unbekannter Arzneien angreifender Art, statt die an Krankheiten Leidenden zu heilen, ihnen neue, chronische Arzneikrankheiten bis zur Unheilbarkeit aufzuhängen, ohne selbst durch heftige Palliative, nach dem alten beliebten Wahlspruche: Contraria contrariis curentur, die Pferde hinter den Wagen zu spannen, kurz ohne die Kranken, wie der unbarmherzige Schlendrian thut, statt zur Hülfe, den Weg zum Tode zu führen,- im Gegentheile, die der kranken Kräfte möglichst schont, und sie auf eine gelinde Weise, mittels weniger, wohl erwogener und nach ihren a