12.4.2002
Aus einer laufenden Diskussion wider den Wahnsinn Homöopathie darf ich hier folgenden Beitrag wiedergeben.
Aribert Deckers
Homöopathie - The No-Medicine Medicine
Im Deutschen Ärzteblatt vom 29.März 2002 steht folgendes zu lesen:
Was für eine Überheblichkeit. Wie kommen diese Leute darauf, zu sagen, daß wir uns damit nicht intellektuell auseinandersetzen? Ich mache schon fast 25 Jahre Medizin. Wir alle haben unsere Erfahrungen mit der Medizin und mit kranken Menschen. Ich muß nicht jeden Unsinn ausprobieren, um überall Erfahrungen zu sammeln. Nach dieser Kurzschluss-Logik müssten wir also vielleicht auch mal Schamanismus oder Exorzismus ausprobieren, um da mitreden zu können?
Die methodologischen Schwächen von der 1997 in "Lancet" veröffentlichten Meta-Analyse habe ich schon vor ca. 2 Jahren mit mehreren Kollegen diskutiert. Es wurde bei dieser Meta-Analyse nicht ausgeschlossen, daß der Plazebo-Effekt nicht alleine die Wirksamkeit erklärt. Gleichzeitig wurde aber auf die Notwendigkeit weiterer Studien hingewiesen.
Ja, die Nachfrage steigt, das ist richtig. Die Nachfrage für Nikotin, Alkohol oder andere Rauschgifte steigt auch. Das beweist weder die Notwendigkeit noch die Unerläßlichkeit. Einen Wirksamkeitsbeweis kann man daraus auch nicht ableiten.
"Viele Patienten glauben daran!"
Da wir in einer materialistisch-kapitalistischen Gesellschaft leben (die
Maxime: "Angebot und Nachfrage") müssen wir uns daran gewöhnen,
damit zu leben.
Vielleicht brauchen Menschen diese Spiritualität als Ausgleich zur
Außenwelt? Kann man an etwas glauben, das man nicht versteht und
für dessen Annahme man keine Gründe hat? Jeder Mensch neigt dazu,
Fremdes, Ungewohntes und Überraschendes nach dem Muster von Bekanntem und
Vertrautem zu erklären. Die Homöopathie ist aber weder logisch noch
wissenschaftlich. Ich kann die Inder auch nicht davon überzeugen,
daß es keine heilige Kühe gibt!
So lange wir als Ärzte nicht zugeben können, daß wir im auch 21. Jahrhundert doch nicht alles heilen können, müssen wir damit rechnen, daß einige KollegInnen dafür empfänglich sind. Bei einigen Ärzten und Ärztinnen mag das Geld eine Rolle spielen. Ich meine aber: "nicht immer". Manchmal spielt möglicherweise einfach der "Narzissmus" eine Rolle. Manche Ärzte, die nicht alles heilen können, fühlen sich vielleicht als "Versager".
Ich finde es eigenartig, daß erwachsene Menschen an solche Wunder glauben. Das Schlimme bei der Homöopathie ist aber, daß diese Methode kaum kontrollierbar (also überprüfbar) ist.
Ich weiß nicht, ob manche Wunderheilungen einfach ein Placeboeffekt ist oder Besserung wäre ohnehin ohne sogenannte Behandlung aufgetreten.
Es sind in dieser Branche sicherlich viele Quacksalber, offensichtlich leider auch einige ÄrztInnen. Häufig werden Befindlichkeitsstörungen therapiert(?), die eigentlich keiner ärztlichen Therapie bedürfen.
Besonders schlimm ist, wenn einige Homöopathen "Krankheiten erfinden".
Die wirtschaftliche Seite ist sicherlich in vielen Fällen nicht zu vernachlässigen. Es kann sein, daß wir als Menschen nicht für alles eine Erklärung finden können.
Unser Wissensstand hat sich aber seit dem Mittelalter verändert. Die großen Erfolge in der Medizin sind ohne Homöopathie erreicht worden - durch Impfungen, Antibiotika oder durch die Entwicklungen in der Chirurgie usw..
Die Homöopathen waren in der Vergangenheit unfähig, die Krankheiten wie die Tuberkulose, Pest, schwere Pneumonien, Appendizitis zu heilen. Heute geben sie an, fast alles heilen zu können. Sie reden von einer "sanften Medizin" - die nicht sanft ist. Denken Sie an hochprozentig alkoholische Lösungen! Denken Sie an Schaden durch die Impfgegner, die doch mehrheitlich aus diesem Lager kommen!
Wir müssen endlich versuchen, die psychosozialen Zusammenhänge (d.h. die Menschen) zu verstehen, statt uns alleine auf Chemie usw. zu verlassen.
Wir müssen aber auch für unsere Patienten mehr Zeit haben. Dafür muß die Budgetierung weg. Eine gründliche Anamnese dürfen wir aus Zeitmangel niemals den Homöopathen überlassen!
Eine Gesundheitserziehung in der Schule ist unbedingt notwendig, um die nächste Generation zu sensibilisieren.
Die Kinder- und Jugendliche müssen lernen, daß virale Infektionen normal sind, daß man dafür keine Globuli oder geheimnisvolle Tropfen braucht, sondern einfach gute Ernährung, frische Luft oder Sport oder Ähnliches.
MfG
Dr. med. X, Kinder- und Jugendarzt
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Aribert Deckers