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Skeptic's Dictionary
 

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Mondphasen

 

 

 

When the moon comes down to earth
danger in the universe.
- Axxis

Die Mondphasen wurden unter anderem schon mit Verbrechen, Selbstmorden, Geisteskrankheiten, Katastrophen, Werwölfen und der Geburtenrate in Verbindung gebracht. In zahlreiche Untersuchungen hat man versucht, sogenannte "lunaren Effekte" zu finden. Leute, die solche Studien betreiben, könnte man als lunatics beschreiben (engl. lunatic = Wahnsinniger; geht auf Lat. lunaticus zurück, d.h. jemand, der aufgrund der Mondphasen (Lat. luna) an Wahnsinn leidet. Wortspiel geht im Deutschen leider verloren, AdÜ).

Bis jetzt haben diese Studien noch nichts Interessantes ergeben, ausgenommen der Erkenntnis, dass die Vorstellung eines solchen Einflusses manche Mondmanen ganz offenbar ins Wunderland treibt. Keine zuverlässige Korrelation zwischen dem Vollmond (oder anderen Mondphasen) und menschlichem Verhalten ist jemals festgestellt worden. Die Massenmedien fahren jedoch fort, über das Gegenteil zu berichten.

Ivan Kelly et al. nahmen mehr als 100 Studien über Mond-Effekte in Augenschein und kamen zu dem Schluss, dass die Studien keinerlei signifikante (d.h., vom Zufall klar abweichende) Korrelation zwischen dem Vollmond und diesen "Effekten":


    Mordrate
    Verkehrsunfälle
    Notrufe an Polizei oder Feuerwehr
    Gewalt in der Familie
    Geburten
    Selbstmord
    Katastrophen
    Mordanschläge
    Entführungen
    Aggressionen bei Hockeyspielern
    Gefängnisgewalt
    Einweisungen in Nervenheilanstalten
    Unruhe in Pflegeheimen
    Überfälle
    Schusswunden
    Messerstechereien
    Notaufnahmen
    Verhaltensabnormitäten bei geistig minderbemittelten Landbewohnern
    Lykanthropie
    Vampirismus
    Alkoholismus
    Schlafwandeln
    Epileptische Anfälle

Im Licht der Tatsache, dass so viele Studien keine kausale Verbindung zwischen den Mondphasen und irgendetwas anderem ergeben haben, warum glauben so viele Menschen an Mondeffekte?

Viele glauben daran, weil Berichte von diesen "Effekten" häufig wiederholt werden, etwa von den Medien, Polizeibeamten, Pflegepersonal, Ärzten, Sozialarbeitern und anderen Multiplikatoren. Sobald viele Menschen etwas glauben und ein gewisses Maß an gegenseitiger Bestärkung erfahren, werden sie außerordentlich wählerisch in Bezug auf die Ergebnisse, denen sie in Zukunft Aufmerksamkeit schenken werden. Wenn jemand glaubt, während eines Vollmondes komme es zu einer Steigerung der Unfallrate, wird er in Zukunft darauf achten, wenn Unfälle während eines Vollmondes geschehen, aber nicht bei anderen Mondphasen. Eine als Vorurteilsbestätigung bekannte Neigung verstärkt dann den Glauben an eine Verbindung zwischen Mondphasen und Unfällen.

Anmerkung des Übersetzers: Im deutschen Sprachraum erhielt die Suche nach Mondeffekten besonders im Rahmen der esoterischen "Lebenshilfe" vor allem durch das 1991 erschienene Buch Vom richtigen Zeitpunkt von Johanna Paungger und Thomas Poppe einen gewaltigen Anschub und führte zu einem Boom auf dem Mondsektor der esoterischen "Sachbücher". "Einen Beleg für ihre Behauptungen bleiben sämtliche Mond-Autoren schuldig." (Goldner, Psycho, S. 231). Keine der zahlreichen sorgfältigen Untersuchungen über die Auswirkungen der Mondphasen hat jemals etwas erbracht (das Thema wurde lange auch von der Wissenschaft durchaus ernst genommen).
In der
Anthroposophie Rudolf Steiners ist der Einfluss des Mondes unumstritten. Ähnlich deprimierend ist die Überzeugung mancher "spiritueller" Feministinnen, zwischen Mond und Menstruation bestehe eine "uralte" Verbindung (siehe auch Wolfsfrau ). Der Gegenbeweis wurde schon 1950 erbracht (Goldner, Fußnote 949).

 

Weiterführende Literatur (englisch)

Abell, George. "The Alleged Lunar Effect" in Science Confronts the Paranormal , edited by Kendrick Frazier. (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1986). $19.16 Abell provides a very critical review of psychiatrist Arnold L. Lieber's The Lunar Effect: Biological Tides and Human Emotions.

Hines, Terence. Pseudoscience and the Paranormal (Buffalo, NY: Prometheus Books, 1990). $19.16

Byrnes, Gail and I.W. Kelly. "Crisis Calls and Lunar Cycles: A Twenty-Year Review," Psychological Reports, 1992, 71, 779-785.

Kelly, I.W., James Rotton, and Roger Culver. "The Moon was Full and Nothing Happened: A Review of Studies on the Moon and Human Behavior and Human Belief," in J. Nickell, B. Karr and T. Genoni, eds., The Outer Edge (Amherst, N.Y.: CSICOP, 1996). This is an updated version of an article which originally appeared in the Skeptical Inquirer Winter 1985-86 (vol. 10, no. 2) and was reprinted in The Hundreth Monkey and Other Paradigms of the Paranormal, edited by Kendrick Frazier (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1991), pp. 222-234. $18.36

Martin, S.J., I.W. Kelly and D.H. Saklofske. "Suicide and Lunar Cycles: A Critical Review over 28 Years," Psychological Reports, 1992, 71, 787-795.

(deutsch)

Goldner, Colin: Psycho. Therapien zwischen Seriosität und Scharlatanerie. Augsburg 1997. Kapitel 5.30.

 

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