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Aribert Deckers, 6.3.2007
"Wehrhafte Medizin!"

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Stellungnahmen zu GALAVIT von Fachgremien und Fachleuten




Inhaltsverzeichnis
1. Arbeitskreis Komplementäre Onkologie Deutscher Heilpraktiker e.V.
(AKODH) Juni 2000 - Manfred D. Kuno =>1
2. A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH v. 25.10.2000 =>2
3. Deutsche Gesellschaft für Onkologie e. V. Oktober 2000 =>3

2. Info von A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH v. 25.10.2000
Von: ati@berlin.snafu.de
blitz-a-t 25. Oktober 2000/sch
GALAVIT GEGEN KREBS?

Haben Sie Informationen ueber eine Krebstherapie mit GALAVIT?

Fuer drei Injektionen werden ca. 16.000 DM verlangt. Das Medikament stammt aus Russland, sei in der Weltraumforschung entwickelt und getestet worden. Es sei in Russland zugelassen und hier ueber internationale Apotheken zu beziehen. Handelt es sich um eine der vielen Scharlatanerien, mit denen kranken Menschen durch Heilungsversprechungen das oft letzte Geld aus der Tasche gezogen wird? Sind Studien zu diesem Medikament oder auch naehere Informationen zu Inhaltsstoffen oder Wirkungsweise bekannt?

Dr. med. S. S. (Internist)

Anfragen wie diese ueberschwemmen uns derzeit geradezu. In der Tat steht der dokumentierte Kenntnisstand im krassen Gegensatz zu den Behauptungen, die fuer das angebliche Krebsmittel aufgestellt werden.

GALAVIT enthaelt Amino-Tetrahydrophthalazin-Natriumsalz. Es soll in der russischen Foederation als Arzneimittel registriert sein. Bei diesem Registrierverfahren findet unseres Wissens keine Pruefung der Daten statt. Es sind keine den heutigen Standards entsprechenden Belege oder klinischen Studien erforderlich. Obwohl damit geworben wird, dass GALAVIT "bei knapp 300 Kosmonauten (in der Vorstellung, mit dem Mittel Tumoren vorzubeugen, die durch die hohe Strahlenbelastung im All entstehen koennten, -Red.) und rund 30.000 Krebspatienten erfolgreich eingesetzt" worden sei, angeblich sogar ohne Nebenwirkungen (1), finden wir in medizinischen Datenbanken keine einzige Veroeffentlichung.

Nach einer im Internet verbreiteten Uebersetzung des russischen Beipackzettels wird das Mittel gegen akute Darminfektionen, Infektionskrankheiten, Entzuendungen jeder Art, chronische Erkrankungen, Immundefekte und zur "Immunokorrektur bei onkologischen Krankheiten" angeboten. 20 Ampullen sollen in Moskau fuer 400 DM bis 500 DM erhaeltlich sein (2). In Deutschland wird das hierzulande nicht zugelassene GALAVIT in verschiedenen Kliniken verwendet - beispielsweise im Carolinum (Bad Karlshafen, Hessen). Als Preis werden 16.800 DM fuer eine dreiwoechige Anwendung genannt. Auf schriftliche Anfrage erhielten wir von der Klinik keine Antwort. Im Institut Harz (Blankenburg) werden fuer eine 14-taegige stationaere Behandlung einschliesslich GALAVIT-Injektionen, Eigenblutbehandlung u.a. rund 10.000 DM berechnet (3). Auch der Arbeitskreis Krebs-Immun-Therapie (Bad Heilbrunn; Dres. KLEHR (vgl. a-t 1993; Nr. 5: 47)/RAUFUSS) propagiert das Mittel, in Oesterreich und der Schweiz die Mission Pharma AG (Kitzbuehel, Zuerich). GALAVIT ist auch in Oesterreich und der Schweiz nicht zugelassen (nicht IKS-registriert).

Ob Legendenbildung GALAVIT interessant machen soll? Einerseits soll das Mittel aus "den geheimen radiologischen Forschungslabors ... bei Moskau" stammen (1), waehrend es im Institut Harz nach einem angeblich "bewaehrten amerikanischen Krebstherapie-Konzept" angeboten wird. Laut russischem Beipackzettel soll GALAVIT die "Hyperaktivitaet der Makrophagen" hemmen, laut Information aus dem Institut Harz "die Makrophagen (Krebszellfresser) aktivieren" (3).

Angesichts fehlender Daten sind solche Behauptungen beliebig. Die Mutation von GALAVIT auf dem Weg nach Westen zu einem reinen Krebsmittel faellt auf. Der Mangel jeglicher zugaenglicher Basisinformationen (experimentelle Studien, Toxizitaetsuntersuchungen, Kanzerogenitaets- und Mutagenitaetstests, klinische Studien, Vertraeglichkeitsstudien, Langzeitdaten u.a.) ist erschreckend. Die Vermarktung folgt dem Strickmuster aller "Wundermittel", mit denen Krebspatienten zahlungswillig gemacht werden. Die Kosten, die nicht von den Kassen uebernommen werden, sind betraechtlich. Die Versprechungen, die Betroffene zum letzten Strohhalm GALAVIT greifen lassen (stoppt Wachstum des Primaertumors, verhindert Neubildung von Metastasen, verlaengert die (Ueber-) Lebenszeit)(1), empfinden wir angesichts nicht vorhandener Daten als zynisch.

Wir raten von dieser ungesicherten Therapie ab.

1 http://www.galavit.com
2 http://www.galavitum.de
3 http://www.institut-harz.de

Redaktion arznei-telegramm
A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH
Bergstr. 38 A, Wasserturm, D-12169 Berlin, Fax: +30-79 49 02-20
http://www.arznei-telegramm.de, E-Mail: ati@berlin.snafu.de
HRB 24207 AG Berlin-Charlottenburg
Gf: Wolfgang BECKER-BRUESER



Letzte Bearbeitung dieser Seite am: 27.11.2000