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Jacques Lacan

Jacques Lacan (1901-1981) war einer der einflussreichsten Psychoanalytiker, die jemals praktizierten; darüber hinaus ist er einer der Heroen des Postmodernismus und wird in den entsprechenden Kreisen als Philosoph hoch geachtet, wenngleich seine Schriften außerordentlich schwer zu verstehen sind und die Beherrschung einer speziellen, oft von Lacan eigens erfundenen Terminologie voraussetzen. Als Psychoanalytiker war Lacan davon überzeugt, dass die späteren Veränderungen an Freuds Lehre Irrwege darstellten und ein Rückgriff auf Freuds eigentliche Intentionen nötig sei. In seinen Augen war das Ziel der Analyse nicht die Heilung, sondern eben die Analyse selber. 1953 wurde Lacan aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung ausgesschlossen, vermutlich aufgrund seiner Häresie der Durchführung kurzer analytischer Sitzungen.

Lacans bekanntestes Konzept umfasst die drei Elemente des Imaginären, des Symbolischen und des Wirklichen, wobei vor allem beim Letzteren nicht immer klar ist, was genau gemeint ist;  es hat in jedem Fall etwas mit Entwicklungsstufen zu tun. Lacan zufolge wird sich ein Kind seiner Existenz bewusst, wenn ihm eine Abgrenzung des Selbst gegen das Andere (das Nicht-Selbst) gelingt (wenn es sich im Spiegel erkennt). Ein weiterer zentraler Aspekt der Lacanschen Theorie ist die jouissance, eine Art geistiger Energie, das sich in das Freudsche hydraulische Modell des Geistes ganz gut einfügt. Auch greift Lacan auf die linguistischen Konzepte des de Saussureschen Strukturalismus zurück.

Noam Chomsky nannte Lacan einen "amüsanten Scharlatan", und auf seine Art war Lacan ein Genie, daran besteht kein Zweifel. Es ist ihm gelungen, auf unnachahmliche Weise gleich dreifach zu sündigen: Er ist nicht nur Psychoanalytiker (wie Freud), sondern schreibt auch vollkommen nebelhaft und unklar (wie etwa Bruno Latour) und macht darüber hinaus ständig Ausflüge in nicht verstandene mathematische und naturwissenschaftliche Gebiete (hierin Velikovsky oder Sitchin ähnlich).

Hören wir Lacan zu, wenn er über irrationale Zahlen spricht:

    "Das menschliche Leben könnte man als Rechenart definieren, in der Null eine irrationale Zahl ist [...] Wenn ich 'irrational' sage, dann beziehe ich mich nicht auf einen unerforschbaren Gefühlszustand, sondern präzise auf das, was man eine imaginäre Zahl nennt."

Zwar ist es sinnvoll, den Unterschied zwischen irrationalen Zahlen (etwa der Quadratwurzel aus 2) und imaginären Zahlen (wie der Quadratwurzel aus minus 1) zu kennen, doch Unwissenheit ist hier verzeihlich. Allerdings sollte man dann die Mathematik nicht in den Mittelpunkt der eigenen Theorien stellen. Und Null als irrationale Zahl zu bezeichnen, geht doch etwas zu weit.

Eine besondere Perle findet sich, wenn Lacan über den Penis spricht:

    "Das erektile Organ ist [...] äquivalent zu der Wurzel aus minus 1."

Wie Alan Sokal und Jean Bricmont in ihrem unvergleichlichen Werk Eleganter Unsinn - wo man noch wesentlich mehr hübsche Beispiele finden kann - darstellen, ist nicht nur die Mathematik vollkommen sinnlos, sondern ihre Beziehung zur Psychoanalyse ebenfalls absolut unklar.

Lacan war schon zu Lebzeiten ein Guru der Postmoderne und ist es bis heute geblieben, und seine Schülerinnen und Schüler geben sich alle Mühe, es ihrem Meister gleichzutun (nehmen wir etwa Jürgen Braungardt). Sie werden ihm zweifellos in die Vergessenheit folgen.

Leserkommentar

 

Literaturtips

Sokal, Alan/Bricmont, Jean: Eleganter Unsinn. [Bibliographische Daten werden nachgereicht - ich besitze nur die englische Fassung.]

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