|
"Cthulhu" ist der Name einer dämonischen Gottheit im Werk des US-Horrorschriftstellers Howard Phillips Lovecraft (1890-1937),
und der (Dirk W. Mosig zufolge schlecht benannte) "Cthulhu-Mythos" beschreibt eine Kosmologie und Geschichte von Erde und Menschheit. Diese Mythologie ist vollständig fiktiv und nicht in sich schlüssig, was
auch gar nicht beabsichtigt war; erst spätere Nachahmer und Interpretatoren Lovecrafts haben sich bemüht, die widersprüchlichen Elemente mit Gewalt zusammenzubringen. Die Dämonen und Schreckensgötter im Werk Lovecrafts
und seiner Imitatoren haben samt und sonders griechisch klingende Namen, bewusst auf "Unaussprechlichkeit" hin angelegt, und in Macht und Wirkungskreis übertreffen sie alle anderen Monstren in Literatur und
Film bei weitem. Es wird viele überraschen, zu erfahren, dass Lovecraft selber überzeugter mechanischer Materialist war und keinen Deut an all die übernatürlichen Wesenheiten in seinen Geschichten glaubte. Er verstand
sie ausschließlich als Metaphern seiner Weltanschauung (etwa den blinden Idiotengott Azathoth, die Verkörperung des stupiden materialistischen Universums). Obgleich er seine kindischen Elemente hat und in den Werken
von Lovecrafts Nachfolgern häufig kaum besser wirkt als eine aufgepeppte judäo-christliche Mythologie, lässt sich nicht leugnen, dass der Mythos faszinierend sein kann. Ohne Lovecraft zu kennen, ist es fast unmöglich,
die moderne Horrorliteratur zu verstehen. Seine Leistung war vor allem, die gruseligen Effekte aus der moralischen Mottenkiste zu holen und klar zu machen, dass im Universum Gesetze gelten, die nicht die leiseste
Rücksicht auf das menschliche Wohl oder Übel nehmen - sie sind einfach gleichgültig, und ihre dämonischen Verkörperungen sind es auch. Der Mensch steht bei Lovecraft nicht nur nicht im Zentrum der Geschichte, sondern
hat lediglich den Posten eines Beobachters inne, der nicht einmal halb versteht, was er sieht; diese Technik hat Lovecraft viel Kritik seitens derjenigen eingebracht, die den Menschen immer im Mittelpunkt der Literatur
sehen wollen. Andere stoßen sich, mit mehr Recht, an Lovecrafts häufiger Geschwätzigkeit und seinem unangemessenen Gebrauch von Adjektiven; viele werfen ihm auch unangenehme persönliche Charaktereigenschaften vor
(insbesondere seinen Rassismus, der allerdings auf Worte beschränkt blieb und keine Auswirkungen auf Lovecrafts Handlungen hatte). Einen exzellenten nicht-literarischen Überblick über die zahllosen
Ungeheuer und Götter des Mythos bietet die Rollenspielfirma Chaosium in ihrem Spiel Call of Cthulhu. Siehe auch den Eintrag über Verbotene Bücher
. Weiterführende Literatur (deutsch) Lovecraft, H.P.:
Verschiedene Werke, erschienen im Suhrkamp-Verlag. Ligotti, Thomas: Teatro Grottesco. Kerpen 1997. Rottensteiner, Franz (Hrsg.): Über H.P. Lovecraft. Frankfurt a. M. 1984. (englisch) Long, Frank Belknap: Dreamer on the Nightside. Schweitzer, Darrell:
The Dream-Quest of H.P. Lovecraft. Call of Cthulhu. Fantasy Role Playing in the Worlds of H.P. Lovecraft. Chaosium Games. 5th Edition, 1998. (französisch) Lévy, Maurice: Lovecraft. |