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Afrozentrismus

Afrozentrismus ist eine pseudohistorische politische Bewegung, die behauptet, Afrikaner-Amerikaner sollten ihre Wurzeln zurück zum alten Ägypten verfolgen, das wiederum angeblich von schwarzen Afrikanern bevölkert wurde. Einige der Behauptungen des Afrozentrismus sind, daß die alten Griechen ihre kulturellen Haupterrungenschaften von schwarzen Ägyptern stahlen, daß Jesus, Sokrates und Kleopatra - neben anderen - schwarz waren, und daß Juden den schwarzafrikanischen Sklavenhandel schufen.

Hauptziel des Afrozentrismus ist, schwarzen Nationalismus und ethnischen Stolz als psychologische Waffe gegen die schwächende und zerstörerische Wirkung des weltweiten Rassismus zu fördern.

Einige der Hauptvertreter des Afrozentrismus sind Professor Molefi Kete Asante von der Temple University, Professor Leonard Jeffries von der City University New York und Martin Bernal, Autor von Schwarze Athene. Eines der wichtigeren afrozentristischen Bücher ist das pseudohistorische Stolen Legacy (1954) von George G. M. James, der unter anderem behauptet, die griechische Philosophie sei aus Ägypten gestohlen worden, die alten Griechen hätten selber nicht die Fähigkeit gehabt, Philosophie zu entwickeln, und die Ägypter, von denen die Griechen ihre Philosophie stahlen, schwarze Afrikaner gewesen seien. Viele von James' Ideen wurden übernommen von Marcus Garvey (1887-1940), der lehrte, die Errungenschaften der Weißen basierten darauf, daß sie ihren Kindern vermittelten, sie seien überlegen, und daß Schwarze dasselbe tun müßten. James' Pseudogeschichte bildet die Grundlage für weitere afrozentristische Pseudohistorien wie Africa, Mother of Western Civilization von Yosef A.A. ben-Jochannan, einer von James' Schülern, und Civilization or Barbarism von Cheikh Anta Diop aus Senegal. Afrozentrismus wird in vielen Universitäten und Hochschulen gelehrt und bildet das Fundament eines kompletten Lehrplans für Kinder in zwei Schulen in Milwaukee.

Siehe auch den Eintrag Pseudogeschichte.

Anmerkung des Übersetzers:

Im deutschen Sprachraum spielt der Afrozentrismus aufgrund des relativ geringen Bevölkerungsanteils von Menschen afrikanischer Herkunft keine große Rolle. Für die Übersetzung des p.c.-Begriffs African-American habe ich mich gegen die Bezeichnung "Afroamerikaner" entschieden, aber wenn jemand überzeugend begründen kann, warum dieser Begriff vorzuziehen ist, lasse ich mit mir reden. Ansonsten halte ich es mit Robert Hughes (Political Correctness, München 1994, S. 39): „[...] auf dass jedermann, ob schwarz, gelb, rot oder weiß, wieder schlicht und einfach ‚amerikanisch' sein darf, was ja ohnehin keine schlechte Idee wäre."

 

Weiterführende Literatur (englisch)

alt.culture ber Afrozentrismus

Afrocentrism and Schooling

The Last Word on Afrocentrism? von Diane Ravitch

Pride and prejudice von Dinesh D'Souza

Building Bridges to Afrocentrism von der Ägyptologin Ann Macy Roth

Lefkowitz, Mary, Not Out of Africa - How Afrocentrism Became an Excuse to Teach Myth as History (New York: Basic Books, 1996). Rezension in The Skeptic's Refuge

Lefkowitz, Mary/MacLean Rogers, Guy, Black Athena Revisited (University of North Carolina Press, Chapel Hill & London 1996).

Gross, Paul. R./Levitt, Norman: Higher Superstition. The Academic Left and Its Quarrels with Science. John Hopkins University Press, Baltimore and London, 1998 (1994). S. 203-214.

(deutsch)

Hughes, Robert: Political Correctness oder die Kunst, sich selbst das Denken zu verbieten. Knaur, München 1994. S. 177-203. Auch erschienen unter dem Titel Nachrichten aus dem Jammertal. Engl. Originaltitel: Culture of Complaint. Oxford University Press, 1993.

 

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