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Hier eine Mail (07.08.01) von Robert Maier aus Ratisbona (Regensburg, aber ich konnte nicht widerstehen ... habe selbst mal sehr nette
Regensburger/innen kennengelernt und erste Gehversuche darin unternommen, das bayrische Idiom zu erlernen ... seid ihr da draußen, Claudia, Karin & Co.?): Hallo,dreierlei möchte ich anmerken: 1) Zum Thema "Hörbiger und die Nazis": Hitler selbst war auch Verfechter der WEL. Aktuellste Quelle hierzu: Brigitte Hamann,
"Hitlers Wien",S.322f. 2) Die WEL hielt sich noch wesentlich länger als man sich das gerne vorstellt. Die Hörbiger-Gesellschaft in Wien brachte ihreMitteilungsblätter noch bis mindestens 1976 heraus (wie ich
mal feststellen durfte, als ich ein Referat über die WEL vorbereitete...), und auch sonst treffe ich immer mal wieder Leute, deren Oma oder Opa in der Hinsicht beeinflußt wurden . . . 3) In den Kommentaren zur
Skeptischen Ecke beeindrucken mich insbesondere die unverzagten Meldungen der Art "zu wenig Skeptik der Schulwissenschaft gegenüber, blabla rhabarberrhabarber" - tsst, tsst,tsst. Was die wohl für
"revolutionäre" Theorien verfechten, wenn man sie nur danach fragt? Leute - es geht doch gar nicht darum, alles zu bekritteln, was irgendwo bekrittelt werden kann! Es geht darum, zu bemelden, wenn irgendwo was
weiter eifrig beworben wird (oder wurde), lange nachdem sein Verfallsdatum vorüber war. Deswegen sind ja die Literaturhinweise so wichtig: vom heutigen Standpunkt ist es zB ja sooo einfach, sich über die WEL lustig zu
machen - um 1900 wäre sie aber noch völlig plausibel gewesen! (Leider wurde sie dann erst um 1910 veröffentlicht, und da war sie dann bereits übers Verfallsdatum hinaus...) Wichtig ist, sich klar darüber zu werden,
was man weiß, und was man zu wissen meint, und wieviel von letzterem aus welchen Gründen dennoch vertretbar bleibt. Letzte Unsicherheiten bleiben immer, nichts ist 100% sicher. Wenn uns in der Schule beigebracht wird,
warum ein Stein runterfällt, dann geschieht das deshalb so, wie's geschieht, weil es vergleichsweise unergiebig wäre, mit 9tklässlern über atomare Kräfte zu diskutieren. Vereinfachungen sind noch nichts, wo Skeptik
angebracht wäre - sie sind ein pädagogisches Vehikel, um wenigstens irgendwas rüberzubringen (gleich ob im Unterricht oder in P.M.). Da, wo etwas unreflektiert als Die Wahrheit auftritt - da ist der Ort, Leute. Und
wenn man der gegenwärtigen Wissenschaft was bestimmt nicht vorwerfen kann, dann ist es Unreflektiertheit (weithin jedenfalls). 4) (Oh je, diese Mail ist schon wieder viel länger als beabsichtigt.) Noch ein Punkt, wo
Skepsis angebracht ist, gemeinhin aber noch nicht wird (diesmal aber aus meinem eigentlichen Fachbereich):Welthilfssprachen (korrekt, ich meine Esperanto, Volapük und den ganzen Schamott). Im besten Falle handelt es
sich bei diesen um Utopien (linguistische eben mal, statt politische) - mehr aber sicher net. Die Rettung der Menschheit wird aus ihnen sicher nie kommen, auch wenn sie sich so gerieren. Ich arbeite grade daran, die
vielen Argumente, die es dazu gibt, so nach und nach ins Netz zu werfen... bis dahin empfehle ich dem sprachwissenschaftlichen Skeptiker die Lektüre von Bauer/Trudgill, "Language Myths".Right-ho, Robert
Der Tip wird in baldiger Zukunft aufgegriffen - vermutlich unter dem Titel "Künstliche Sprachen". Vielen Dank nochmal. |