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"Tatanka" ist ursprünglich ein Sioux-Wort für "Büffel"; der berühmte Häuptling Sitting Bull hieß in seiner eigenen Sprache tatanka yotanka.
In neuerer Zeit - besonders im Zuge von Kevin Costners Indianerepos Der mit dem Wolf tanzt - wird tatanka
als Adjektiv für alle Dinge verwendet, die irgendwie nach Naturromantik und Indianeresoterik aussehen. Ein klassisches Beispiel wäre etwa die bekannte Öko-Rede von Häuptling Seattle (1854), die von Henry A. Smith (1887) und später von dem Southern Baptist-Drehbuchschreiber Ted Perry (1971) noch tiefgreifender gefälscht wurde und so in den Mythenschatz der Öko-Esoteriker einging (es spricht nicht für George W. Bushs Gegenkandidaten - wie war doch gleich sein Name? - dass er diese Rede in seinem Buch
Earth in the Balance unkritisch nachdruckt). Als tatanka
werden auch Dinge wie indianische Schwitzhütten, Schamanismus und die Vorstellung, die Indianer hätten im "Einklang mit der Natur" gelebt, bezeichnet.Anzeichen für eine tatanka-Gesinnung sind etwa:
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die Bezeichnung "500 Nations" für die Indianerstämme, bei denen es sich natürlich nicht um Nationen, sondern um Völker handelte - die Vorstellung, die Indianer seien eine homogene Einheit gewesen und hätten nicht
eine vielseitige und facettenreiche Kultur gehabt; mithin trifft man auf Äußerungen wie "bei den Indianern war es so und so", die an Ungenauigkeit nicht zu überbieten sind - der Wunsch, die Indianer mögen doch ihre
alte Kultur bewahren und damit keine der Chancen wahrnehmen, die sich ihnen heute bieten - die Überzeugung, ungewöhnliche Elemente in indianischen Sprachen gäben Aufschluss über fremdartige Denkprozesse ( Sprachmythen) - Empörung darüber,
dass amerikanische Footballteams in ihrem Namen Begriffe wie "Reds" oder "Braves" führen - Glaube daran, dass die Mythen mancher Indianervölker, die davon sprechen, ihr Volk lebe schon seit Anbeginn der Zeit auf
seinem Land, gleicher oder gar höherer Wert beizumessen sei als der archäologischen Forschung, die festgestellt hat, die Vorfahren der heutigen Indianer seien frühestens vor etwa 20.000 Jahren über die Beringstraße
eingewandert. - indianische Symbole, Zeichen und Sprüche auf Aufklebern, Kleidung und Postern. Wohlgemerkt, tatanka
ist kein Begriff für Menschen, die Indianer mögen, ihre Kultur interessant finden und sich mit ihrer Geschichte und Gesellschaft beschäftigen. Es ist lediglich eine ironische Sammelbezeichnung für versponnene, quasi-mystische und esoterisch angehauchte Vorstellungen über die amerikanischen Ureinwohner, mit denen man übrigens ihrer Sache (ihren Rechten und ihrer politischen und sozialen Stellung) keinen Gefallen tut.
Literaturtips Abruzzi, William S.: The Real Chief Seattle was not a
Spiritual Ecologist. Skeptical Inquirer, Vol. 23, No. 2. S. 44-48. |