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Skeptic's Dictionary
 

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San Gennaro

San Gennaro (Ianuarius) ist der Schutzheilige von Neapel. Man sagt von ihm, dass sein getrocknetes Blut sich zweimal im Jahr auf wundersame Weise verflüssigt: An seinem Feiertag (19. September) und am ersten Samstag im Mai. Zu diesen Anlässen wird eine Phiole, die angeblich das getrocknete Blut des Heiligen enthält, aus der Kathedrale in Neapel entfernt und auf einer Prozession durch die Straßen der Stadt getragen. Früher wurden diese Rituale am 16. Dezember durchgeführt, „aber die Verflüssigung trat an diesen Tagen ziemlich selten ein – wohl auf die niedrigere Temperatur zurückzuführen – und so wurde dieser Brauch nicht fortgeführt" (Nickell). Wenn sich das Blut nicht verflüssigt, so droht laut dem örtlichen Aberglauben eine Katastrophe.

Will man den Gläubigen glauben, so tritt dieses sogenannte Wunder schon seit etwa 600 Jahren ununterbrochen ein. Gläubige und unkritische Berichterstatter bestätigen wieder und wieder, dass die pulverartige Substanz in der Phiole Blut ist und dass Wissenschaftlicher sich nicht erklären können, warum es flüssig wird. Italienische Wissenschaftler jedoch, die das Blutfläschchen im Jahre 1902 und vor einigen Jahren untersuchten, erhielten keine Erlaubnis, eine Probe des Pulvers mit ins Labor zu nehmen. Sie durften allerdings einen Lichtstrahl durch die Phiole schicken und kamen auf der Grundlage der spektroskopischen Analyse zu dem Schluss, dass es sich um Blut handele (Nickell). Es stimmt allerdings nicht, dass Wissenschaftler nicht erklären könne, warum das Zeug in der Phiole sich regelmäßig verflüssigt. Luigi Garlaschelli, Professor für Organische Chemie an der Universität von Pavia, hat mit zwei Kollegen aus Mailand sogenannte thixotropische Eigenschaften als Erklärung angeführt (thixotropisch bedeutet, eine Substanz scheint fest, wird aber durch z.B. Erschütterung oder Reibung flüssig). Das Team stellte sein eigenes verflüssigendes und verdickendes „Blut" her, unter Verwendung von Kreide, hydriertem Eisenchlorid und Salzwasser. Joe Nickell gelang dasselbe mit Öl, Wachs und Drachenblut (ein dunkelrotes, harzähnliches pflanzliches Produkt).

Neapolitaner sind ein abergläubisches Völkchen. Es gibt etwa 20 angeblich wunderkräftige Fläschchen mit Heiligenblut, und beinahe alle befinden sich in der Region Neapel, „was auf ein regionales Geheimnis hindeutet" (Nickell). Die Neapolitaner glauben, dass Schreckliches geschehen wird, wenn das Blut einmal nicht flüssig wird. Sie behaupten, dass mindestens fünf Mal nach dem Versagen des Wunders furchtbare Ereignisse die Stadt heimsuchten, wie etwa die Pest von 1527 oder ein Erdbeben in Süditalien, das 1980 3.000 Menschenleben forderte. Die Vertreter dieses angeblichen Wunders erwähnen weder, wie oft eine Katastrophe nicht eintraf, nachdem das Blut fest geblieben war, noch wie oft eine Katastrophe doch eintraf, nachdem das Blut flüssig wurde. Obgleich die Phiole nur zweimal im Jahr in einer Parade mitgeführt wird, scheint sich das Pulver mehr als ein Dutzend Mal im Jahr zu verflüssigen. Hier scheint ein wenig selektive Wahrnehmung am Werke.

Laut traditioneller katholischer Heiligenlegende war Ianuarius ein Bischof, der während der Regierungszeit von Kaiser Diokletian (284-305) geköpft wurde. Allerdings gibt es keine Aufzeichnung seiner blutigen Reliquie vor dem Jahre 1389, über tausend Jahre nach seinem Martyrium. Es wird sogar bezweifelt, dass Ianuarius wirklich gelebt hat (Nickell).

Die meisten Skeptiker sind überzeugt, dass, was immer sich in der Flasche befindet, auf einen natürlichen Vorgang reagiert, etwa Temperaturänderung oder Bewegung. Auch einige religiöse Denker halten ‚Wunder' dieser Art für frivol und Gottes nicht würdig.

 

Literaturtips (englisch)

Nickell, Joe. Looking for a Miracle: Weeping Icons, Relics, Stigmata, Visions and Healing Cures (Prometheus Books: Buffalo, N.Y., 1993).

(italienisch)

CICAP su San Gennaro

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