Skeptische Ecke
Einführung
Literatur
Wörterbuch
Links
Kommentare
Pressespiegel

International

Portugues

Français

Japanese

Slovakisch

Español (parece abajo)

Skeptic's Dictionary
 

Besucher seit dem 27.04.2001

Paul Henri Thiry, Baron d'Holbach

Paul Henri Thiry, Baron d'Holbach, war Deutscher (Paul Heinrich Dietrich) von Geburt und Bildung, aber Franzose durch Zufall (er erbte Geld, Grundbesitz und Titel von seinem Onkel). Holbachs Landsitz war ein Treffpunkt für die führenden radikalen französischen Denker (die philosophes) des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Er war Atheist, Determinist, und Materialist: Das Universum ist ein komplexes System physischer Substanzen, angelegt nach den mechanistischen Gesetzen von Ursache und Wirkung anstelle von Gott entworfen (die Ansicht der meisten seiner Zeitgenossen, wenn auch nicht unbedingt der philosophes).

Holbach war ein Gegner der absolutistischen Monarchie, der Staatsreligion und der feudalen Privilegien. Es ist zutreffend, ihn als einen der radikalsten Intellektuellen seiner Zeit zu bezeichnen. Er verfaßte viele Werke, deren umstürzlerische Ideen in Holland ohne Verfassernamen publiziert werden mußten. Sein berühmtestes Werk ist Das System der Natur (1770). Eine kürzere Abhandlung seines atheistischen Materialismus wurde 1772 in Gesunder Menschenverstand, oder Natürliche gegen Übernatürliche Ideen veröffentlicht.

Holbach versuchte, durch sein Leben zu beweisen, daß man tugendhaft und atheistisch zugleich sein konnte, entgegen den üblichen Vorstellungen seiner Zeit. Rousseau, der Holbach nicht mochte, verwendete ihn als Vorbild für den 'tugendhaften Ungläubigen' in einigen Erzählungen. Holbach war der Meinung, Atheismus sei eine Vorbedingung für jede sinnvolle ethische Theorie. In seiner Gedankenwelt basierte Religion auf nutz- und bedeutungslosen Dogmen und Ritualen, wohingegen Ethik auf sozialer Brauchbarkeit und menschlicher Zusammenarbeit beruhen müsse.

Was am meisten an Holbach verwirrt, ist, daß er zwei scheinbar unvereinbare Ansichten zusammenführte, denn er war sowohl ein harter Determinist als auch ein Sozialreformer. Er glaube, Menschen seien nicht besonders in dem Sinne, daß sie Seelen oder freien Willen hätten. Wir sind Teil der Natur, und unsere Entscheidungen und Wünsche werden ebenso von Ursache-Wirkung-Gesetzen bestimmt wie die Bewegungen der Planeten. Trotzdem widmete er sich der Aufgabe, die Welt zu verbessern, indem er sie von ungerechten und erniedrigenden Einrichtungen wie der Kirche und der absolutistischen Monarchie zu befreien.

 

Anmerkung des Übersetzers: Léon Poliakov bezeichnete d'Holbach als "besonnene[n] und methodisch vorgehende[n] Apostel atheistischer Propaganda", womit er seiner Zeit weit voraus war. In einer anderen Hinsicht war d'Holbach leider ihr Kind: "Wage es doch endlich, Europa, das unerträgliche Joch der Vorurteile abzuschütteln, die dich bedrücken! Überlasse doch diesen stumpfsinnigen Hebräern, diesen dummen und verrückten Menschen, diesen kraftlosen und entarteten Asiaten diese ebenso erniedrigenden wie unsinnigen abergläubischen Überzeugungen!" Es ist schon etwas überraschend, dass, wie Poliakov festhält, "der Kreuzzug der Atheisten von seinem Beginn an sich die Juden vorzugsweise als Zielscheibe auswählte?" Andererseits muss man d'Holbach zugestehen, dass er in seinem Eifer nicht wählerisch war und mehr oder wenig gleichmäßig in alle Richtungen austeilte.

 

Literaturtips

Poliakov, Léon: Geschichte des Antisemitismus. Band V: Die Aufklärung und ihre judenfeindliche Tendenz . Worms 1983.

 

[Skeptische Ecke] [Einführung] [Literatur] [Wörterbuch] [Links] [Kommentare] [Pressespiegel]