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Satanistischer Missbrauch

Satanistischer ritueller Missbrauch (SRM) ist die Bezeichnung für den angeblich systematischen Missbrauch von Kindern durch Satanisten.

Seit Mitte der siebziger Jahre gibt es weit verbreitete Anschuldigungen bezüglich der Existenz eines gut organisierten, die Generationen übergreifenden Satanskultes, dessen Mitglieder überall in den Vereinigten Staaten Kinder sexuell belästigen, foltern und ermorden. In den Achtzigern kam es zu einer Satanismus-Panik, die größtenteils durch das fiktionale Werk „Michelle Remembers" (1980) ausgelöst wurde. Das Buch wurde als wahre Geschichte präsentiert, aber in der Folgezeit haben mindestens drei Forscher unabhängig voneinander nachgewiesen, dass es sich um einen Schwindel handelt. Es gibt keine handfesten Beweise für satanistischen rituellen Missbrauch in den USA. Trotzdem wurden die Anschuldigungen überall in Radio-  und Fernsehtalkshows veröffentlicht.

Eine vier Jahre andauernde Studie zu Beginn der 90er hatte zum Ergebnis, dass die Anwürfe bezüglich satanistischem rituellen Missbrauch haltlos sind. Die Studie wurde von Gail S. Goodman und Phillip R. Shaver, Psychologie-Professoren an der Universität von Kalifornien, Davis, in Zusammenarbeit mit Jianjian Qin (ebenfalls an der UC) und Bette I. Bottoms von der Universität von Illinois in Chicago durchgeführt. Diese Studie wurde gefördert vom Nationalen Zentrum für Kindesmissbrauch und –vernachlässigung. Das Forscherteam untersuchte mehr als 12.000 Anschuldigungen und befragte über 11.000 Personen, die in Psychiatrie, Sozialdienst und Polizei tätig sind. Für keinen einzigen Fall von satanistischem rituellen Missbrauch konnten unzweifelhafte Beweise gefunden werden.

Eine weitere Studie von Kenneth V. Lanning, FBI-Spezialagent und Ausbilder an der FBI-Akademie, wurde 1992 veröffentlicht und lief auf dieselbe Schlussfolgerung hinaus: Es gibt keine brauchbaren Beweise für auch nur einen Fall von SRM. Lanning befasst sich seit 1981 mit diesem Thema.

Wenn es Tausende von grundlosen Anschuldigungen gibt, woher kommen sie dann alle? Die meisten von ihnen stammen den Angaben zufolge von Kindern. Da es eine weitverbreitete Überzeugung ist, dass Kinder keine Geschichten erfinden würden, in denen sie andere Kinder fressen oder dazu gezwungen werden, nach einem Rundflug Sex mit einer Giraffe zu haben, während sie doch eigentlich im Kindergarten sein sollten, akzeptieren leichtgläubige Ankläger, Therapeuten, Polizeibeamte und Eltern sie ohne weiteres. Trotzdem fanden die Forscher heraus, dass Kinder nur selten von sich aus Geschichten über satanistischen rituellen Missbrauch erfinden. Woher also stammen sie? Vermutlich von Therapeuten, Bezirksstaatsanwälten, Polizisten und Eltern. Es gibt hinreichend Belege dafür, dass Therapeuten und Gesetzeshüter Kinder darin unterstützen und dafür belohnen, ihre Suggestionen über bizarren Missbrauch zu akzeptieren. Sie behindern außerdem die Wahrheit, indem sie ein „Nein" nicht als Antwort gelten lassen und so Kinder dazu zwingen, Befragungen über sich ergehen zu lassen, bis der Befrager bekommt, was er will.

 

Literaturtips (englisch)

Eberle, Paul. The Abuse of Innocence: The McMartin Preschool Trial (Prometheus, 1993).

Loftus, Elizabeth. The Myth of Repressed Memory: False Memories and Allegations of Sexual Abuse (New York: St. Martin's Press, 1994).

Nathan, Debbie and Michael Snedeker. Satan's Silence: Ritual Abuse and the Making of a Modern American Witch Hunt,(New York, NY: BasicBooks, 1995).

Ofshe, Richard, Making Monsters: False Memories, Psychotherapy, and Sexual Hysteria (University of California Press, 1996).

Victor, Jeffrey S. Satanic Panic : The Creation of a Contemporary Legend (Open Court Publishing, 1993).

Wright, Lawrence. Remembering Satan (Vintage Books, 1995).

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