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"Hegel, von oben herunter zum großen Philosophen gestempelt, ein platter, geistloser,
ekelhaft-widerlicher, unwissender Scharlatan, der, mit beispielloser Frechheit, Aberwitz und Unsinn zusammenschmierte, welche von seinen feilen Anhängern als unsterbliche Weisheit ausposaunt und von Dummköpfen richtig
dafür genommen wurden, wodurch ein so völliger Chorus der Bewunderung entstand, wie man ihn nie zuvor vernommen hatte. Die einem solchen Menschen gewaltsam verschaffte, ausgebreitete geistige Wirksamkeit hat den
intellektuellen Verderb einer ganzen gelehrten Generation zur Folge gehabt." Arthur Schopenhauer
"Hegelei" ist ein abschätziger Ausdruck in der Philosophie, der geprägt wurde, um eine Kombination von viel sprachlichem Tamtam und minimalem Erkenntnisgewinn
sowie minimaler intellektueller Redlichkeit zu bezeichnen. Der Begriff geht zurück auf den preußischen "Staatsphilosophen" G.W.F. Hegel (1770-1831), dessen Werke (etwa Encyklopädie oder Philosophie des Rechts) sich
durch eben diese drei Eigenschaften auszeichneten und einen verheerenden Einfluss auf die deutsche Philosophie und Sprache hatten: Die Sprache Goethes, Mendelssohns und Kants verwandelte sich bei Hegel in ein tönendes
Medium mit tönernem Inhalt. Zwei Beispiele:
"Der Klang ist der Wechsel des spezifischen Auseinanderseins der materiellen Teile und des Negiertseins derselben; nur abstrakte und
sozusagen ideelle Idealität dieses Spezifischen. Aber dieser Wechsel ist hiermit selbst unmittelbar die Negation des materiellen spezifischen Bestehens; dieses ist damit ideale Idealität der spezifischen Schwere und
Kohäsionswärme." "Die Materie hält sich gegen ihre Identität mit sich, durch das Moment ihrer Negativität, ihrer abstrakten Vereinzelung, auseinander; die Repulsion der Materie. Ebenso wesentlich ist, weil diese
Verschiedenen ein und dasselbe sind, die negative Einheit dieses außereinanderseienden Fürsichseins; die Materie ist somit kontinuierlich, - ihre Attraktion. Die Materie ist untrennbar beides und negative Einheit
dieser Momente, Einzelheit, aber als gegen das unmittelbare Außereinander der Materie noch unterschieden und darum selbst noch nicht als materiell gesetzt, ideelle Einzelheit, Mittelpunkt, - die Schwere."
Diese "Scharlatanerie" (Schopenhauer), in linguistischer Hinsicht "zweifellos skandalös" (J. Loewenberg) und im Grunde ein Verstoß gegen die
Menschenrechte, verführte nicht nur zahlreiche Epigonen und Anhänger Hegels dazu, sich einer ähnlichen Diktion zu befleißigen, sondern brachte Generationen deutscher "Denker" dazu, Hegels Sprache als Vorbild für
"tiefgründige Geistigkeit" zu sehen - eine "Philosophasterei" (Karl Popper), die in scharfem Gegensatz etwa zur angelsächsischen Tradition steht. Um einen Eindruck von der reaktionär-historizistischen Philosophie Hegels
zu bekommen, kann man nur Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, empfehlen - wohl die definitive Abrechnung mit Hegel. Und als wäre das Register noch nicht lang genug, so ist Hegel auch noch der Urvater
des modernen Historizismus. Die heutigen Erben Hegels finden sich wohl am ehesten in den Reihen der postmodernen Philosophen, was zeigt,
dass auch die französische Sprache nicht frei von Hegelei ist (sollte man sie vielleicht "Derridasme" nennen?). Die Aufmerksamkeit, die Autoren dieses Schlages zuteil wurde und wird, dürfte eher auf den elitären Jargon
und die quasi-religiöse Weihe, die man erst durchlaufen muss, als auf scharfsinnige Erkenntnisse und zutreffende Analysen zurückzuführen sein. Von einer skeptischen Perspektive aus kann man nur vor "schwulstigem und
mystischem Kauderwelsch" (Popper über Hegel) warnen, wo immer es einem begegnet. Gerade esoterische und metaphysische Texte kommen gerne in einem unerträglichen Jargon daher, der meistens nicht mal den Eingeweihten und
manchmal dem Meister selber nicht verständlich ist (man erinnere an das berühmte "Garfinkeln"). So war zum Beispiel der Scientology-Erfinder L. Ron Hubbard berühmt für seine Neologismen und Verdrehungen eigentlich klar
erkennbarer Begriffe. Begriffe wie Energie, Schwingung und Strahlung scheinen von Esoterikern besonders gerne völlig außerhalb ihrer üblichen Bedeutung verwendet zu werden. Fazit: Wenn etwas aussieht wie eine Ente, quakt wie eine Ente und watschelt wie eine Ente, dann ist es eine Ente. Lektüre (deutsch) Popper, Karl R.: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Tübingen 1992 (1957). Englisch: The
Open Society and Its Enemies.Popper, Karl R.: Das Elend des Historizismus. Tübingen 1971 (1965). Englisch: The Poverty of Historicism. |
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