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Skeptic's Dictionary
 

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Hellsicht

Hellsicht ist die angebliche außersinnliche Fähigkeit, Dinge jenseits der Reichweite der eigenen Sichtweite wahrzunehmen. Sie wird üblicherweise mit Präkognition (Zukunftsschau) und Retrokognition (Vergangenheitsschau) in Verbindung gebracht. Die Gabe der Zukunftsschau wird „Zweites Gesicht" genannt, wenn sie nicht durch Drogen, Trance oder andere künstliche Verfahren hervorgerufen wird.

Menschen können die Zukunft voraussagen. Wir tun es andauernd, aber meist – wenn auch nicht immer – tun wir es, indem wir unsere Erfahrung, unser Wissen und unsere Umgebung mit einbeziehen. Ein großer Anteil unserer Zukunftserwartung ist zweifellos unbewusst und automatisch, aber er basiert auf absolut natürlichen und realen Fähigkeiten, nicht auf geheimnisvollen oder übernatürlichen Kräften.

Die Hauptgründe für den Glauben an solche paranormalen Fähigkeiten wie Hellsicht und Hellhören sind (1) die scheinbare Genauigkeit von übersinnlichen Voraussagen; (2) die auf den ersten Blick unheimlichen Zukunftsvisionen, die viele Menschen haben, besonders im Traum; und (3) die scheinbar unglaublich geringe Wahrscheinlichkeit, dass solche Visionen oder Voraussagen allein durch Zufall eintreten können. Übersinnliche Voraussagen sind jedoch nicht genauer als vernünftige Schätzungen. Die falsche Vorstellung, dass es Hellseher – wie etwa Jean Dixon – gibt, begründet sich auf (1) der falschen und übertriebenen Berichterstattung der Massenmedien; (2) unzureichender Einbeziehung von erworbenem Wissen und angewandter Erfahrung; (3) Wunschdenken; (4) selektive Erinnerung; (5) Ergänzung von Erinnerungen, Träumen und Visionen nach dem Ereignis; (6) mangelndem Verständnis vom Gesetz der Großen Zahl und dem Forer-Effekt.

Unter der Rubrik „Massenmedien: Fehler und Übertreibungen" führen wir nicht nur Fälle von Irrtum und Komplizenschaft durch Schweigen oder Unwissenheit – wie bei der falschen Behauptung Jean Dixons, sie habe die Ermordung Kennedys vorausgesehen. Wir fassen darunter auch den übersinnlichen Schwindel und den Gebrauch der Medien, um die Lüge zu verbreiten, wie etwa im Fall der „übersinnlichen" Tamara Rand, des Produzenten Dick Maurice und des Talkshowmasters Gary Grecco von KNTV Las Vegas. Sie arbeiteten alle zusammen, um die Öffentlichkeit zu täuschen, indem sie behaupteten, ein Videoband einer „Dick Maurice Show", in der Rand den Mordversuch John Hinkleys an Ronald Reagan voraussah, sei am 6. Januar 1981 angefertigt worden. Tatsächlich fand die Aufzeichnung am 31. März 1981 statt, einen Tag nachdem Hinkley Reagan anschoss (Steiner).

Einige Voraussagen von Hellsehern treffen ein, wie auch einige Voraussagen von Nicht-Hellsehern. Einige Voraussagen treffen nicht aufgrund übersinnlicher Kräfte ein, sondern aufgrund natürlicher Fähigkeiten, die einem Menschen helfen, die Zukunft vorauszuahnen und zu –sehen, basierend auf den gemachten Erfahrungen und aktuellen Kenntnissen. Wenn ich morgens vor meiner Frau aufwache und voraussehe, dass sie möchte, dass ich die Wäsche in den Trockner lege, bin ich dann ein Hellseher? Nein, ich verwende erworbene Erfahrungen und Kenntnisse, um ihre Gedanken vorauszuahnen. Wenn ich voraussage, es werde ein großes Erdbeben in China geben und es findet eines statt, bin ich dann ein Hellseher? Oder verwende ich nicht vielmehr meine Kenntnis des Umstandes, dass es jedes Jahr Hunderte von Erdbeben in China gibt? Wenn ich voraussage, dass ein Flugzeug mit roten Markierungen im Monat April abstürzen wird, bin ich dann hellsichtig? Oder gebrauche ich lediglich mein Wissen über die Häufigkeit von Flugzeugabstürzen und der Verwendung von roten Markierungen auf Flugzeugen?

Viele Ereignisse, deren Chance bei einer Million zu eins liegt – wie etwa Träume oder Visionen, die eintreffen – treten in Wirklichkeit sehr wahrscheinlich Tausende Male pro Tag allein durch Zufall ein. Darüber hinaus wird der Forer-Effekt dafür sorgen, dass, um so vager ein Traum, eine Vision oder eine Voraussage, desto genauer sie erscheinen wird. Und wir sind oft sehr wählerisch bei den Dingen, an die wir uns erinnern. Wie viele Träume haben Sie schon gehabt, die prophetisch schienen, aber nicht eintrafen? An diese Träume erinnern wir uns nicht. Wie viele Menschen haben ein Flugzeug lieber nicht bestiegen, weil sie eine Katastrophenvision hatten, aber niemals darüber gesprochen, weil die Katastrophe nicht stattfand? Über solche Ereignisse lesen wir nichts in der Zeitung, genauso wenig wie wir Interviews mit gescheiterten Hellsehern zu Gesicht bekommen. Natürlich beweist eine Voraussage, die nicht eintrifft, nicht, dass Hellsicht unmöglich ist; aber ebenso wenig beweist eine Voraussage, die eintrifft, dass Hellsicht existiert. Anekdoten und Zeugenaussagen sind keine wissenschaftlichen Beweise. Was not tut, ist ein kontrollierter Test für hellseherische Fähigkeiten, um die Möglichkeit von Zufall oder natürlichen Ursachen auszuschließen. Werden solche Tests mit angeblichen Hellsehern durchgeführt, scheitern sie immer. Warum? Es ist möglich, zu behaupten, sie versagten immer, weil die Testsituation ihren Einklang mit den Vibrationen des Paranormalen oder etwas Ähnlichem störe. Aber es scheint doch wahrscheinlicher, dass Hellseher in kontrollierten Tests ihrer Fähigkeiten versagen, weil sie keine solchen Fähigkeiten haben. Zwei Dinge hat James Randi herausgefunden, als er die angeblichen paranormalen Fähigkeiten der Übersinnlichen getestet hat: (1) sie hatten zuvor noch niemals ihre Fähigkeiten unter kontrollierten Bedingungen getestet und (2) diejenigen, die keine lächerlich-grotesken Erklärungen für ihr Scheitern aufbieten, scheinen ehrlich von ihrem Versagen überrascht zu sein. Hellseher sind oft keine Betrüger, sondern sie glauben ehrlich an ihre Kräfte. Aber sie unterziehen diese Kräfte niemals sinnvollen Tests.

 

Literaturtips (englisch)

 

"Reason outpredicts clairvoyance" - eine holländische Studie.

The Hundredth Monkey and Other Paradigms of the Paranormal, edited by Kendrick Frazier(Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1991).

Frazier, Kendrick and James Randi, "Predictions After The Fact: Lessons Of The Tamara Rand Hoax," in Science Confronts The Paranormal, ed., Kendrick Frazier (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1986), Skeptical Inquirer 6, no.1 (Fall 1981): 4-7.

Gardner, Martin. How Not To Test a Psychic: Ten Years of Remarkable Experiments With Renowned Clairvoyant Pavel Stepanek (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1989).

Randi, James. Flim-Flam! (Buffalo, New York: Prometheus Books,1982), besonders Kapitel 13, in dem Randi von Tests mit mehreren Übersinnlichen berichtet, die allesamt versuchten, die 10.000 Dollar zu kassieren, die Randi damals jedem bot, der irgendeine übersinnliche Fähigkeit demonstrieren könne. Bis dato hat es noch niemand geschafft, obwohl die Belohnung mittlerweile eine Million beträgt!

Sagan, Carl. Broca's Brain: Reflections on the Romance of Science (New York: Random House, 1979).

Sagan, Carl. The Demon-Haunted World - Science as a Candle in the Dark (New York: Random House, 1995).

Stein, Gordon. "Spiritualism," in The Encyclopedia of the Paranormal edited by Gordon Stein (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1996).

Steiner, Robert A. "Fortunetelling," in The Encyclopedia of the Paranormal edited by Gordon Stein (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1996) pp. 281-290.

 

 

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