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Ein Kommentar von Rainer Dickermann vom Oktober 2001: Aua,
aua, aua... hier ist ein gutes Beispiel dafür wie *Skeptiker* über die Stränge schlagen! Zwar ist es tatsächlich so, dass die Evolution à la Lamarck wahrscheinlich falsch ist, dass es aber keinerlei Informationskanäle
gibt, ist nicht bewiesen. Dies wäre auch sehr schwer zu beweisen! Die Frage beginnt ja schon bei der Definition eines *Informationskanals* schwierig zu werden! Wann ist es ein Informationskanal? Ein krankhafter
Mechanismus, der bestimmte Mutationen in den Genomen erzeugt, überträgt ja schon eine gewisse Information, selbst wenn es nur wenige Bit sind, denn ohne den (hypothetischen) Mechanismus keine solche Mutation. Ein
*Skeptiker*- Lexikon sollte doch gerade sehr genau sein, oder? Hier klingt jedenfalls die Schulbiologie an ... Mit "Information" im
Lamarckschen Sinne ist hier Information gemeint, die ein Organismus im Verlaufe seines Lebens sammelt - Erfahrungen, körperliche Veränderungen etc. Diese werden nicht an das Genom weitergegeben, und die Lamarcksche
Evolution ist nicht wahrscheinlich falsch, sondern ganz und gar falsch. Natürlich kann die Umwelt des Organismus auf das Genom der Keimbahnzellen (die für die Fortpflanzung zuständig sind) einwirken, aber das ist keine
Informationsweitergabe. Wird der Organismus komplett zerstört, so ist auch das Genom der Keimbahn vernichtet, ohne dass man dies als "Informationskanal" bezeichnen würde. Woran der Leserbriefschreiber vermutlich denkt,
sind Veränderungen im Genom etwa durch Viren oder radioaktive Strahlung, sprich Veränderungen, die die Fortpflanzungsfähigkeit des Organismus möglicherweise erhalten (wenn sie nicht zur Sterilität führen), obgleich sie
das Genom der Keimbahnzellen verändern. Es ist nachweislich richtig, dass erhöhte Dosen radioaktiver Strahlung die Mutationsrate erhöhen, aber auch dies ist keine Information im Lamarckschen Sinne, auch wenn ein
mutagenes Virus natürlich seine eigene Information mitbringt. Ein zweites Problem mit der Lamarckschen Evolution stellt sich in der Struktur der Information, die das Genom beim Bau des Organismus liefert. Der
"Plan", nach dem ein Organismus konstruiert wird, ist ein "Backrezept" (Richard Dawkins) und kein Bauplan, der sozusagen die Struktur des Organismus im Kleinen enthielte. Selbst wenn eine Information von der Außenwelt
in das Genom gelänge, hätte dieses keine Möglichkeit, mit ihr etwas anzufangen. Schließlich muss man sich vor Augen führen, dass eine Lamarcksche Evolution außerordentlich rasch zum Ende allen Lebens geführt hätte.
Die meisten "Informationen", die ein Organismus im Laufe seines Lebens ansammelt, sind Krankheiten, Verletzungen, Verschleißerscheinungen, Verlust von Gliedmaßen und andere Schädigungen und Einschränkungen. Jeder
Nachwuchs hätte ein außerordentlich schwieriges Leben, wenn er mit all diesen Handicaps bereits starten müsste - und diese Schädigungen würden sich über die Generationen ansammeln!Eine vollständige
Beschreibung der Gründe, warum die mit Lamarcks Namen in Verbindung gebrachte Evolutionstheorie - auch Darwin war zum Teil Lamarckist - falsch ist und nur falsch sein kann, findet sich in jedem Buch von Richard Dawkins, aber auch in Daniel Dennett: Darwin's Dangerous Idea. |