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Skeptic's Dictionary
 

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Böser Blick

Der Böse Blick ist eine Art Fluch, mit dem ein Kind, ein Nutztier, die Ernte etc. von jemandem belegt wird, der den „Bösen Blick" hat. Es scheint keinen besonderen Grund zu geben, warum manche Menschen mit und andere ohne Bösen Blick geboren werden. Der Fluch ist meist unwillentlich und wird dadurch verursacht, dass man das Opfer lobt und neidvoll anblickt. In Sizilien und Süditalien glaubt man jedoch, dass einige Menschen – gettatori – bösartig sind und den Bösen Blick absichtlich gegen ein Opfer einsetzen. Der Glaube an den Bösen Blick ist nicht unbedingt an Hexerei und Zauberei gekoppelt, aber Inquisitoren waren angewiesen, unter anderem auch nach ihm Ausschau zu halten. Papst Pius IX war angeblich ein gettatore – nicht weil man ihn für bösartig hielt, sondern weil es schien, dass Unglücke bevorzugt Menschen und Orte befielen, die er zuvor gesegnet hatte.

Der Aberglaube an den Bösen Blick ist uralt und weit verbreitet, wenn auch sicherlich nicht überall zu finden. Man nimmt an, sein Ursprung liege in Sumer. Die Herkunft liegt im Dunkeln, aber der Glaube könnte seine Wurzeln in der Angst vor Fremden oder andere sozialen Aspekten haben. Dazu kommt einfaches Post-Hoc-Denken, d.h. jemand wird gelobt oder ein Fremder kommt ins Dorf,  und später wird ein Kind krank oder die Ernte misslingt. Zahlreiche Rituale wurden entwickelt, um die Wirkung des Bösen Blicks aufzuheben, so etwa Ablehnung des Lobs, ein gelobtes Kind mit Spucke oder Schmutz einreiben, den Blick von Fremden vermeiden, aus der Bibel oder dem Koran zitieren etc. Der Glaube an den Bösen Blick ist besonders am Mittelmeer und der Ägäis verbreitet, wo Amulette und Talismane häufig als Schutz gegen den Bösen Blick verkauft werden. Einige Volkskundler vermuten, dieser Aberglaube sei in der Primatenbiologie verankert (Dominanz und Unterwerfung durch Anblicken und Wegsehen) und mit unserer Abneigung gegen das Anstarren verwandt.

Der Böse Blick ist bekannt als ayin horeh im Hebräischen, ayin harsha im Arabischen, droch shuil in Schottland, mauvais oeil in Frankreich, evil eye in der angelsächsichen Welt und als mal occhio in Italien. Die alten Römer nannten ihn oculus malus.

Literaturtips (englisch)

Dundes, Allen. editor, The Evil Eye: A Casebook (University of Wisconsin Press, 1992).

Stevens, Phillips. Jr. "Evil Eye," in The Encyclopedia of the Paranormal edited by Gordon Stein (Buffalo, N.Y.: Prometheus Books, 1996) pp. 235-241.

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