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Es gibt momentan eine kontroverse Diskussion darüber, ob ungewöhnliche Erlebnisse Symptome einer geistigen Störung sind, ob
geistige Störungen die Folge solcher Erlebnisse sind, oder ob Menschen mit geistigen Störungen besonders anfällig für oder sogar aktiv auf der Suche nach solchen Erlebnissen sind. – Dr Martina Belz-Merk
Apophänie ist die plötzliche Wahrnehmung von Verbindungen und Bedeutungen in nicht miteinander in Zusammenhang stehenden Phänomenen. Der Begriff wurde 1958
von K. Conrad eingeführt.Peter Brugger von der Neurologie-Abteilung der Universitätsklinik in Zürich führt einige Beispiele für Apophänie aus August Strindbergs Okkultem Tagebuch
an, dem eigenhändigen Bericht des Dramatikers über seinen geistigen Zusammenbruch:
Er sieht „zwei Hexensymbole, das Bockshorn und den Besen" auf einem Felsen und fragt sich, „welcher Dämon es wohl war, der [sie] dort
angebracht hatte ... genau dort und auf meinem Weg an diesem speziellen Vormittag." Danach erinnert ihn ein Gebäude an einen Ofen, und er denkt an Dantes Inferno. Er sieht Stöcke auf dem Boden liegen und
erkennt in ihnen griechische Buchstaben, die er als Abkürzungen für den Namen eines Mannes interpretiert, und er meint zu wissen, dass dieser Mann derjenige ist, der ihn verfolgt. Er sieht Stöcke auf dem Boden einer
Kiste und ist sich sicher, dass sie ein Pentagramm bilden. Er sieht winzige Hände, zum Gebet gefaltet, als er eine Walnuss unter einem Mikroskop betrachtet, und sie „erfüllen ihn mit Grauen." Sein verknautschtes
Kissen sieht aus wie „ein Marmorkopf im Stile Michelangelos." Strindberg merkt dazu an, dass „diese Ereignisse nicht als zufällig betrachtet werden sollten, denn an anderen Tagen nahm das Kissen das Aussehen
schrecklicher Monster an, gotischer Wasserspeier, Drachen, und eines Nachts ... begrüßte mich Satan persönlich ... „
Brugger zufolge „verknüpft die Neigung, Verbindungen zwischen offenbar unzusammenhängenden Gegenständen oder Vorstellungen zu erkennen, Psychose und
Kreativität sehr eng miteinander ... Apophänie und Kreativität könnten die zwei Seiten derselben Münze sein." Einige der kreativsten Menschen auf der Welt müssten daher Psychoanalytiker sein oder Therapeuten, die
Projektionstests wie den Rorschachtest verwenden oder die Kindesmissbrauch hinter jeder emotionalen Störung erkennen. Brugger merkt an, dass ein Analytiker der Meinung war, er habe einen Beleg für die
Penisneid-Theorie, da weniger Frauen als Männer ihren Bleistift nach einem Test zurückgaben. Ein anderer benötigte neun Seiten in einer angesehenen Zeitschrift, um zu beschreiben, dass die Ritzen zwischen
Pflastersteinen der Vagina entsprechen und Füße Penisse sind, so dass sich die alte Mär (tritt nicht auf die Lücken) tatsächlich als Warnung vor dem weiblichen Sexualorgan entpuppt.
In der Statistik bezeichnet man Apophänie als Fehler ersten Grades
oder Mustererkennung, wo es in Wirklichkeit kein Muster gibt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die scheinbare Bedeutung vieler ungewöhnlicher Erfahrungen und Phänomene auf Apophänie zurückgeht, so etwa Geisterradio, Numerologie, Bibelkode, außersinnliche Wahrnehmung, Ganzfeldeffekte, die meisten Formen der Hellsicht, die Prophezeiungen des Nostradamus, Fernsicht und eine ganze Reihe weiterer paranormaler und übernatürlicher Erfahrungen und Phänomene.
Danke an Dr Peter Brugger für die Hinweise zu Übersetzung und Literatur und für das Lob. Weiterführende Literatur (englisch)
Brugger, Peter. "From Haunted Brain to Haunted Science: A Cognitive Neuroscience View of Paranormal and Pseudoscientific Thought," in: Spirited Exchanges: Multidisciplinary Perspectives on
Hauntings and Poltergeists edited by J. Houran and R. Lange (published by MacFarland&Company, Inc., Jefferson, NC). pp. 195-213. Leonard, Dirk M.A. and Peter Brugger, Ph.D. "Creative,
Paranormal, and Delusional Thought: A Consequence of Right Hemisphere Semantic Activation?" Neuropsychiatry, Neuropsychology, and Behavioral Neurology, 1998, Vol. 11, No. 4 pp. 177-183. |