17.12.2004
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Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Frank Luerweg,
17.12.2004 12:02
Gefährlicher Prothesenabrieb
Beim Verschleiß von künstlichen Gelenken, Schienen oder anderen
Implantaten entstehen metallische Abrieb- und Korrosionsprodukte. Der
Orthopäde Dr. Clayton Kraft von der Universität Bonn hat die Wirkung
dieser Substanzen auf den Körper genauer untersucht - mit
alarmierendem Ergebnis: Der Abrieb kann Entzündungen in der
Skelettmuskulatur hervorrufen und dazu führen, dass sich die Prothesen
lockern. Dadurch kann sich ihre Lebensdauer deutlich verkürzen. Für
seine 2003 veröffentlichte Studie erhielt der Privatdozent nun den
Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft für Endoprothetik. Die
Auszeichnung ist mit 12.500 Euro dotiert; sie zählt zu den
angesehensten Forschungspreisen auf dem Gebiet der Orthopädie und
Traumatologie in Deutschland.
Dass Verschleißprodukte aus Prothesen Entzündungen hervorrufen können,
wurde schon lange vermutet. Dr. Kraft und seine Mitarbeiter haben
diese These aber erstmals genauer geprüft. Dazu untersuchten sie den
Effekt von Titan- und Edelstahl-Abrieb auf die Skelettmuskulatur von
Hamstern. "Wir haben unter anderem beobachtet, dass nach Zugabe der
Verschleißprodukte vermehrt weiße Blutkörperchen aus den Muskelgefäßen
in das umliegende Gewebe wandern", erklärt Kraft. "Das ist eine
typische Entzündungsreaktion!"
Weiße Blutkörperchen sind Zellen, mit denen der Körper beispielsweise
Krankheitserreger attackiert. Gleichzeitig schütten die "Killerzellen"
bestimmte Botenstoffe aus, die ihrerseits unter anderem bewirken
können, dass Knochenmaterial abgebaut wird. Bei einer permanenten
Entzündung, wie sie durch den Abrieb hervorgerufen wird, können sich
die Prothesen daher mit der Zeit lockern - für den Patienten der
Super-GAU. "Edelstahl-Abrieb wirkt nach unseren Beobachtungen weit
stärker entzündungsfördernd als Titan-Abrieb", so Dr. Kraft. Der
Einsatz der teureren Titanprothesen dürfte sich daher letztlich
rentieren.
Ziel müsse es sein, möglichst verschleißarme Materialien zu
entwickeln. Doch solle man auch ihre unterschiedliche
Bioverträglichkeit nicht aus den Augen verlieren. Dr. Clayton Kraft: "
Kobalt-Chrom-Molybdän ist beispielsweise ein sehr verschleißarmer
Werkstoff. Der Abrieb wirkt aber noch stärker entzündungsfördernd als
der von Edelstahl-Implantaten."
Kontakt:
PD Dr. Clayton N. Kraft
Klinik und Poliklinik für Orthopädie der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-5328
E-Mail: umcb01 {at} uni-bonn.de
Zu dieser Mitteilung existieren Bilder im WWW. Siehe
http://idw-online.de/pages/de/image13470
Dr. Clayton Kraft bei einem Vortrag über Hüftgelenk-Prothesen.
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