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Aribert Deckers, 6.3.2007
"Wehrhafte Medizin!"
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Immunotherapie und Immunostabilisierung in der Klinik fur Innere Kankheiten – Moskauer Medizinische Setchenov-Akademie


A.W. Karaulow Moskauer Medizinische Akademie Setchenov, Moskau, Rußland.

ALLGEMEINE CHARAKTERISTIK VON IMMUNOTROPEN MITTELN

Die Anwendung von immunotropen Arzneimitteln wird zu einer logischen therapeutischen Strategie, die einer Erhohung der Wirksamkeit der allgemein üblichen pathogenen Behandlung der Innenorganerkrankungen dienen muß.

Die Dynamik der Immunologie-Entwicklung, sowie die Entwicklung neuer Arzneipräparate verlangen vom praktizierenden Arzt jeder Spezialisierungsrichtung schon nicht mehr ein stereotypes Herangehen an die Immunotherapie, sondern eine bewußte und auf der Analyse des klinischen Erkrankungsbildes und den Ergebnissen der immunologischen Untersuchung basierende Verordnung von immunokorrigierenden Präparaten.

Die klinische Erfahrung beweist, daß,abgesehen vom sehr umfangreichen Verzeichnis der immunoaktiven Mittel und von den beschriebenen klinisch-immunologischen Anwendungsanzeigen, beschränken sich die allgemein praktizierenden Ärzte auf die Verordnung solcher Präparate wie t-Aktivin, Immunofan, Timogen, Tymalin, Natriumnukleinat, Levamisol. Die Wirkung dieser Präparate, wie auch der meisten Immunomodulatoren, ist ambivalent und die Wirkungsrichtung (Dämpfung oder Aktivierung von Immunreaktionen) hängen wesentlich von Präparatdosis, Anzahl der Injektionen und Ausgangsimmunoreaktivitat des Organismus ab.

Die Auswahl des Präparates zur selektiven Korrektur und die Lösung der Frage über die der Dauer des Immunotherapie-Kurs sind zweifellos eine sehr schwere Aufgabe, da die Versuche, einen „Hauptdefekt” der Immunreaktion bei somatischen Kranken zu finden, in den meisten Fallen von keinem Erfolg gekrönt sind.

Die Immunomodulatoren können deren Ätilogie nach in endogene und exogene aufgeteilt werden. Zu den endogenen Präparaten gehören Interleukine, Lymphokine, Monokine, Interferone, Thymushormone und einige anderen Stoffe, die im Organismus des Menschen vorhanden sind und sich an der Regelung von Immunreaktionen beteiligen. Die Immunomodulatoren dieser Klasse können fur ein ausreichend breites Krankheitenspektrum, einschließlich der infektionsbedingten und autoimmunen Pathologie, angewendet werden.

Die meisten derartigen Präparate haben unspezifische Einwirkung an das Immunsystem, erhohen die Aktivität von Antibakterien- und Antivirenmitteln, sind gut veträglich, wobei deren Annahmeform einfache und komfortabel ist.

POLYOXIDONIUM, LICOPID und RIBOMUNIL

Längere fundamentale Untersuchungen von synthetischen Immunitätsstimulatoren im Staatlichen wissenschaftlichen Zentrum – Immunologie-Institut beim Ministerium fur Gesundheitswesen der RF haben zur Entwicklung eines neuen Immunomodulators Polyoxidonium gefuhrt. Das Präparat hat ein breites Spektrum der immunopharmakologischen Wirkung; darüber hinaus zeichnet sich Polyoxidonium durch noch ein wichtiges Merkmal aus: es besitzt detoxizierende Eigenschaften und kann somit zur Behandlung von Kranken mit eiterseptischen Komplikationen erfolgreich angewendet werden.

Noch ein neues Präparat ist Licopid – ein synthetisches Äquivalent einer Komponente der Bakterienzellenwand. Licopid wirkt auf praktisch alle Populationen der Immunsystemzellen (Makrophagen, T- und B-Lymphozyte) ein.

Aktuell sind ferner auch die früher entwickelten Immunokorrekturmittel – Ribomunil und Biostim, deren Anwendungsgebiet langwierige und rezidive Erkrankungen von Bronchien und Lungen sind. Wichtig bleibt auch die Anwendung immunotherapeutischer Präparate wie Bioparox, Imudon, IRS-19, mit denen nur lokaler Effekt bei den Infektions- und Entzundungsekrankungen der Mund- bzw. Schlundhöhle und der oberen Atemwege erzielt wird.


ANTIBAKTERIALMITTEL MIT IMMUNOMODULIERENDEN EIGENSCHAFTEN

Es ist allgemein bekannt, daß das Therapie-Programm bei den meisten Entzündungserkrankungen die Anwendung von Antibakterialmitteln vorsieht. Der Fortschritt in der Entwicklung neuer Arzneiformen der Antibakterialpraparate hat ein empirisches Herangehen an die Antibiotika-Verordnung ohne Warten auf die Ergebnise der mikrobiologischen Untersuchungen ermoglicht. Aber dieser Weg, der bereits zu einem Stereotyp der Arzthandlungen wurde, ist jedoch mit so negativen Behandlungsfolgen, wie z.B. Unwirksamkeit der entzundungshemmenden Therapie und Bildung der auf die Antibakterialpräparate bestandigen Mikrobenflora verbunden. Nach unseren Beobachtungen erfolgte in 40 % der Antibakterialtherapie-Falle eine Immunodefizit-Verstarkung im Behandlungsprozeß, wodurch sich der langwierige Verlauf der Erkrankung noch starker ausgepragt wird. Eine Verringerung der Wahrscheinlichkeit dieser Erscheinung kann durch die Verordnung von Antibakterialpraparaten der neuen Generation, welche zwei Eigenschaften in sich vereinigen: eine stark ausgepragte mikrobizide Aktivitat und die Fahigkeit, die gestorten Immunfunktionen zu regenerieren. Von diesem Standpunkt aus hat die Anwendung von Antibakterialmitteln Cefodisim (Modivid) und Cepfiron der Firma Hoechst sehr gute Aussichten.

IMMUNOKORRIEGIERENDE MITTEL BEI KOMPLIKATIONEN IM FALLE DER BAKTERIALINFEKTIONEN

Die Entwicklung einer Bakterialinfektion führt zu Störung mehrerer Stoffwechselprozesse im Organismus, Dampfung von spezifischen und unspezifischen Resistenzfaktoren und Bildung von akuten und chronischen Syndromen der sekundären Immunodefizite. Trotz der Anwendung von effektivsten Antibiotika und modernsten Intensivtherapieverfahren liegt die Letalitat infolge Sepsis bei gramnegativer Infektion bei 40 %. Im Falle der Entwicklung des Schockzustandes und polyorganer Mangelhaftigkeit steigt die Letalitat bis 70-80 %. Ein Trigger des Sepsiszustandes sind die Bakterialtoxine. Sie stimulieren die Monozyten sowie Makrophagen und induzieren die Synthese mehrerer Mediatoren. Darüber hinaus aktivieren sie die Komplement-Kaskade, das Gerinnungssystem sowie Fibrinolyse und Kinin. Demzufolge entwickelt sich eine generalisierte Entzündungsreaktion. In dieser Situation besteht die Hauptaufgabe der Therapie vor allem in der Beseitigung globaler Störungen in der Homeostase des Organismus. Neben der Anwendung von Atibiotika ist die Immuntherapie ein wichtiger Bestandteil der therapeutischen Strategie der Modulation von Entzündungsprozessen. Das Ziel einer derartigen Therapie besteht im Modulieren der Synthese von entzündungsunterstützenden und -hemmenden Zytokinen. Die Ergebnisse der klinischen Erprobungen beweisen die Notwendigkeit einer kombinierten Therapie mit komplexen Praparaten, unter denen Pentaglobin mit seinem breiten Antikörper-Spektrum der Klasse IgM, IgG und IgA sowie der Zytokinen-Komplex – Leukinferon – am effektivsten sind.


ZUKUNFT DER ENTWICKLUNGEN, PROBLEME

Aus der Analyse von Problemen der modernen Immuntherapie kann die Schlussfolgerung gezogen werden, daß sich z.Z. mehrere wichtigen Richtungen der Entwicklung und Anwendung neuer Immunokorrifierenden Mittel und Methoden gestaltet haben. Die wichtigsten darunter sind die Verbreitung des Weltmarkts von Interleukinen und ein breiter Einsatz von nicht medikamentosen Therapiemethoden (Plasmapharese, Hamo- und Plasmasorption, Immunosorption) zur Korrektur von Immunstörungen.

Vom Standpunkt der klinischen Immunologie aus sind die Ausarbeitung von Grundsätzen der kombinierten Immunsystemkorrektur und die Eröffnung einer neuen Richtung – der Immunorehabilitation – bedeutsam.

Als begründet und ausreichend wirksam zeigte sich der Einsatz von verschiedenen immunomodulierenden Präparaten und Antibiotika, Hormonen, Zytostatiken und andere Arzneimittel mit immunokorrigierenden Eigenschaften. Solche Kombinationen verringern wesentlich die Nebenwirkung der Präparate und sichern zugleich die Wiederherstellung von immunologisch gestörten Schlüsselgliedern in der Pathologie, so daß ein sehr efolgreiches klinisches Ergebnis erzielt werden kann. In einigen Fällen wird dies dank Summieren von Therapieeffekten, in anderen – dank Potentieren, in dritten – dank der Beseitigung von unerwünschten immunodämpfenden und zytotoxischen Effekte traditioneller Therapiemethoden erreicht. Uberzeugend sind auch die Immunotherapie-Ergebnisse im Falle der autoimmunen Erkrankungen, bei deren Behandlung die Vorbeugung der weiteren Entwicklung von Zellklonen, der Neuerzeugung von Autoantikorpern sowie des Freimachens von Entzundungsmediatoren erforderlich ist. Ein breiter Einsatz neuer Immunotechnologien (intravenose Immunoglobulin-Einfuhrung, efferente Therapie, Praparate neuer Generation – Galavit u.a.) ersetzt die Therapiemethoden, die fruher unwirksam waren. Diese Therapiemethoden dienen der Unterstutzung von immunen Zell- und Humoralschutzmechanismen, sichern die Regenerierung von beschadigten Geweben und ein fruhes Eintreten der Remission.

Die Einfuhrung des Begriffs Immunorehabilitation wurde durch die klinische Notwendigkeit bedingt, es wurde darunter die unter Berucksichtigung von Nebenerkrankungen ausgeubte Einwirkung auf die Immunitat zwecks der Wiederherstellung von Immunfunktionen und der Profilaktik von Rezidiven und Komplikationen bei chronischen Krankheiten verstanden. Die Retrospektivanalyse der Wirksamkeit von vorgeschlagenen Rehabilitationsprogrammen hat die Aktualitat dieser Richtung bewiesen.

Das Problem der Immunotherapie bzw. -rehabilitation bei Erkrankungen der Innenorgane ist sehr schwer und kann nicht in absehbarer Zukunft endgultig gelost werden. Es werden immer neuere Praparate entwickelt und die Kombinationen dieser mit den bereits vorhandenen werden erprobt. Von Interesse sind auch immunomodulierende Eigenschaften mehrerer seit langer Zeit angewendeten Praparate, die uns unschadlich schienen und deren Einflu? auf das Immunsystem bisher nicht untersucht wurde, obwohl dieser sehr stark ausgepragt ist. Ein Teil dieser Praparate ist schon in die Immunokorrekturprogramme aufgenommen worden, die anderen sind noch im Erbrobungszustand.



Letzte Bearbeitung dieser Seite am: 27.11.2000