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Das neue Medikament "Galavit"
Analyse- und Standardisierungsverfahren
Artikel aus dem Zentrum für moderne Medizin
„Medikor“, Moskau
T.N.Bokowikowa, W.L. Bagirowa, E.P. Gernikowa, O.A. Waganowa,
L.N. Bulanowa, W.E. Tschitschiro, M.T. Abidow
GNIISKLSMZ RF (Zentrales Forschungsinstitut für
Standardisierung und Kontrolle der Arzneimittel beim Ministerium für
Gesundheitswesen der RF, ZAO Zentrum für moderne Medizin MEDIKOR, Moskau
Das russische Originalpräparat Galavit ist ein
5-Amino-1,2,3,4-Tetrahydrophtalazin-1,4-Dion-Natriumsalz, entwickelt nach einem
Originalverfahren.
Galavit moduliert die Makrophagen-Funktion, wirkt entzündungshemmend und wird zur
Behandlung von Krankheiten angewendet, welche durch die Hyperaktivität der
Makrophagen hervorgerufen werden. Die Untersuchungen haben bewiesen, daß die
durch Makrophagen im Ergebnis der toxischen Wirkung gramnegativer Bakterien
entwickelnden Karzinom-Nekrose-Faktoren,
Interleukin-1, und Nitroverbindungen (NO, NO2, NO3), welche die
ZGMF-synthesierende Reaktion, peroxidische Oxydation von Lipiden und Bildung
von reaktionsfähigen Radikalen initiieren, zur Entwicklung des Intoxikations-
und Diarrhöen-Syndroms führen, was verschiedene Stoffwechselstörungen in
Geweben bzw. Organen verursacht. Die Wirksamkeit der entzüdungs- und
diarrhöehemmenden Behandlung ist durch die Fähigkeit des Präparates bedingt,
die Synthese des Karzinom-Nekrose-Faktors,
des Interleukins-1 und anderer aktiver Proteine aus hyperaktiven Makrophagen zu hemmen.Dieser Effekt
wird durch das Inhibieren der Synthese von RNS und DNS (für 6 bis 8 Stunden)
durch die Makrophagen und eine gleichzeitig erreichbare Verstärkung des
mikrobiziden Granulozytensystems erzielt, was die Vorbeugung der Entwicklung
des pathologischen Prozesses sichert. Das Präparat inhibiert die
Makrophagen-Hyperaktivität in einer leichten umkehrbaren Form, wobei die
inhibierende Einwirkung nur für die Dauer der Einnahme gewährleistet wird. [1,2].
Bei der Analyse des Galavits wurde festgestellt,
daß einige Verfahren, die durch Normative vorgeschrieben werden,
unzureichend sind und eine objektive Auswertung dessen Qualität nicht
sicherstellen kann.
Auf Grundlage der durchgeführten Untersuchungen wurden effektivere Verfahren zur
Analyse des Präparates Galavit entwickelt und zur Anwendung vorgeschlagen.
Ausgehend von der molekularen Struktur des Galavits wird die Authenzität des Präparates
durch Funktionsanalyse – der Chemilumineszenz, Azofarbstoff-Bildung, der
UV- und IR-Spektren – ermittelt.
Für die Ableitungsprodukte des 1,2,3,4-Dihydrophtalazindions mit Substituenten in den
2. und 3. Stellen ist eine Chemilumineszenz charakteristisch, die während der Oxidation
dieser Produkte mit schwachen Oxidationsmitteln im alkalischen Medium ensteht. Es wurde
experimentell nachgewiesen, daß die hellblaue Chemilumineszenz, die bei der
Zusammenwirkung des Galavits mit Wasserstoffperoxid im alkalischen Medium unter
Anwesenheit des Kaliumhexazyanoferrat (II) als Katalysator entsteht, bei
Verwendung der 5 % Lösung besser beobachtet wird, als bei Verwendung der
10 % Lösung gemäß den Anforderungen in den Normativdokumenten. Das Vorhandensein einer
Aminogruppe in der 5. Stelle in der molekülaren Struktur des Galavits
erlaubt die Präparat-Identifizierung nach Azofarbstoff-Bildung bei der
Zusammenwirkung des Präparates mit Natriumnitrit-Lösung und b-Naphtol im
alkalischen Medium. Es muß darauf hingewiesen werden, daß das UV-Spektrum der
0,001 % Präparat-Lösung in der 0,1 M Natriumhydroxid-Lösung unter den
im den Normativdokumenten beschriebenen Bedingungen nicht für ausreichend informativ betrachtet
werden kann, da das Absorptionsmaximum bei 220±2 nm im Bereich von 200 bis 260
nm für mehrere organischen Verbindungen charakteristisch ist.
Zur Präzisierung der Spektralkennlinie des Galavits im UV-Bereich wurden die
UV-Spektren in unterschiedlichen Lösungsmitteln aufgenommen: Wasser,
0,01 M Lösung der Chlorwasserstoffsäure (zweite Verdünnung), 0,1 M
Natriumhydroxid-Lösung und 95 % Alkohol in einer Konzentration von
20 mkg/ml. Im Bereich von 200 bis 400 mn stimmen die UF-Spektren des
Galavits im Wasser und in der 0,001 M Lösung der Chlorwasserstoffsäure
praktisch überein und weisen das Absorptionsmaximum bei 220±2 nm, 297±2 nm
(294±2 nm) und 347±2 nm auf; das Absorptionsminimum liegt bei 260±2 nm und
320±2 nm. Das UV-Spektrum des Präparats in der 0,1 M
Natriumhydroxid-Lösung weist das Absorptionsmaximum bei 222±2 nm, 302±2 nm,
347±2 nm und das Absorptionsminimum bei 258±2 nm und 323±2 nm auf, d.h. es wird
eine unwesentliche batochrome Verschiebung mit gleichzeitigem hyperchromen
Effekt beobachtet. Das UV-Spektrum des Galavits im 95 % Alkohol weist das
Absorptionsmaximum bei 264±2 nm und 324±2 nm, d.h. es wird eine stärker
geprägte batochrome Verschiebung mit gleichzeitigem hyperchromen Effekt, als im
Falle der alkalischen Lösung, beobachtet. Aus den ermittelten Daten folgt, daß
für Galavit in den o.g. Lösungsmitteln die UV-Spektren im Bereich von 220 bis
400 nm charakteristisch und informativ sind, die zur Identifizierung sowie
zur quantitativen Bestimmung des Präparates in Arzneiformen verwendet werden
können.
Das IR-Spektrum des Präparates weicht vom IR-Spektrum der Base, das mit
Essigsäure nach dem im Normativdokument beschriebenen Verfahren
nur durch zwei Bänder bei 1550 und 1525 cm-1 hervorgehoben
wird, ab. Dieses Spektrum ist ebenfalls informativ und kann zur Bestätigung
der Authentizität des Galavits verwendet werden, wodurch zusätzliche Vorgänge
in Zusammenhang mit Absetzung und Trocknung der
5-Amino-1,2,3,4-Tetrahydrophtalazin-1,4-Dion-Base ausgeschlossen werden können.
Es wurde experimentell nachgewiesen, daß die 1 % Lösungen von Mustern der
untersuchten Galavit-Serien dem Vergleich mit Farbigkeitsnormal 5b und nicht 7b
unterstanden.
Dies sei auf eine Nichtübereinstimmung von Anforderungen an die Präparatqualität in den
Abschnitten Beschreibung “ und „Farbigkeit“ zurückzuführen. Gemäß dem Normativdokument
muß Galavit ein „weißes oder leicht gelbliches kristallines Pulver“ sein, d.h. zwei
Farbmerkmale sind zugelassen: weiße oder leicht gelbliche Färbung. Das letztere
entspricht dem Merkmal der Base [7]. Im Abschnitt „Farbigkeit der Lösung“ wird
festgelegt, daß die Präparatlösung farblos oder mit dem 7b-Normal vergleichbar
sein muß. Es ist ganz offensichtlich, daß sich solche Anforderungen nur auf ein
weißes Präparat mit einer bestimmten Farbnuance und nicht auf ein Präparat
beziehen können, das eine eigene Farbe besitzt. Dementsprechend ist die
folgende Anforderung maßgeblich: die 1 % Präparatlösung muß mit dem
5b-Normal vergleichbar sein.
Bei der Bestimmung des Sulfatbeimischungsgrades gemäß dem Normativdokument wird
die Probe im Tiegel verbrannt, wonach der Ascherückstand innerhalb 1 Stunde bei 900 °C
ausgeglüht wird. Aus der Literatur ist es bekannt, daß Porzellantiegel für
Verbrennung und Ausglühen von natriumorganischen Verbindungen ungeeignet sind [3].
Die Platintiegel sind beständig auf natriumorganische Verbindungen unter
Sauerstoff-Anwesenheit bei Ausglühen innerhalb von 10-30 Minuten bei
500-550 °C [3, 4].
Es wurde experimentell nachgewiesen, daß sich bei Ausglühen der Galavit-Probe in
Platinumtiegeln unter den im Normativdokument beschriebenen Bedingungen ein harter dunkler
Belag auf den Tiegelwänden bildet, der vom Tiegel praktisch nicht vollständig
abgetrennt werden kann. Der Rückstand im Tiegel wurde mit Wasser bearbeitet.
Die dabei enstandene Lösung wurde auf Sulfatgehalt untersucht [5].
Bei Zugabe von Bariumchloridlösung wurde in den untersuchten Proben aller
Präparatmuster eine starke Trübung der Lösung mit anschließendem
Niederschlag beobachtet. Dies kann auf die Eigenschaften des Galavits als einer
bei 900 °C innerhalb 1 Stunde ausgeglühten natriumorganischen Verbindung
zurückgeführt werden.
Die Ermittlung des Sulfatbeimischungsgrades kann wie bei anderen natriumorganischen
Substanzen (Natriumethasol, Natriumthiopenthal u.a.) in einem Filtrat erfolgen,
das nach der Abscheidung des bei Zugabe der Essig-, Schwefel-,
Chlorwasserstoff- oder Salpetersäure gebildeten Niederschlags erhalten wird.
Die Salpetersäure ist in diesem Fall besser geeignet, da somit auch
nachfolgende Ermittlung des Chloridgehalts ermöglicht wird. Die Richtigkeit des
eingesetzten Verfahrens wurde mit zwei alternativen Verfahren:
Veraschungs – Verbrennung der Probe im Platintiegel innerhalb von 20 Minuten
bei 500 °C [4] und Verbrennung unter Sauerstoff [5] bestätigt.
Die Muster der untersuchten Präparatserien enthielten weniger als 0,04 %
Chlorid- und weniger als 0,2 % Sulfatbeimischungen, was um das 5-fache geringer
ist als die zulässigen Normwerte im Normativdokument (max. 0,2 % und max.
1 % entsprechend).
Die quantitative Bestimmung des Galavitgehalts im Präparat erfolgt gemäß dem Normativdokument
durch Titration im wasserfreien Lösungsmittelmedium. Es entstehen dabei Probleme
bei der Bestimmung der Färbung des Indikators im Äquivalenzpunkt, was die
Reproduzierbarkeit und somit auch die objektive Auswertung der Analyseergebnisse
beeinträchtigt. In der Suche nach einer optimaleren und nicht mit Verwendung
von aggressiven Stoffen verbundenen Methode wurden Untersuchungen vorgenommen,
welche die Möglichkeit der Verwendung der Methode der nitritometrischen
Titriermethode unter den ausgewählten Bedingungen bestätigt haben [5]: nach der
Auflösung der Präparatanwaage im Wasser wird die verdünnte
Chlorwasserstoffsäure zur Auflösung des Niederschlags beigemischt, der sich
infolge der Zugabe von ersten Säuredosiermengen in der untersuchten Lösung
gebildet hat; der Äquivalenzpunkt wird potentiometrisch ermittelt; als
Indikationselektrode wird eine Platinumelektrode und als Vergleichselektrode -
eine Chlorsilberelektrode verwendet.
Die Ermittlung des Äquivalenzpunktes mit einem Innen- oder Außenindikator war
nicht möglich, da die Zugabe von ersten Titrationsflüssigkeits-Dosiermengen
(0,1 M Natriumnitrit-Lösung) in die untersuchte Lösung zur intensiven
Orangefärbung dieser geführt hat, wodurch die Ermittlung der Färbungsänderung
der Indikatoren verhindert wurde.
Die Vergleichsergebnisse der quantitativen Galavit-Bestimmung mit den zwei
vorstehend beschriebenen und auf den Eigenschaften der primären Aminogruppe
basierenden Methoden s. folgende Tabelle
|
Kategorie
|
Nachgewiesener Galavit-Gehalt, %
|
Metrologische Daten (Serie 041197)
|
|
Wasserlose Titration
|
Nitritometrie
|
Wasserlose Titration.
|
Nitritometrie
|
| 011197 |
99,30 |
99,30 |
X = 99,83 |
X = 99,73 |
| 021197 |
100,42 |
99,62 |
Sx = 0,433 |
Sx = 0,081 |
| 031197 |
100,31 |
99,33 |
X±AX = 0,4007 |
X±AX = 0,0850 |
| 041197 |
99,72 |
99,90 |
E% = 1,0618 |
E% = 0,2087 |
| 051197 |
100,24 |
99,64 |
E% = 0,4013 |
E% = 0,0852 |
|
Schlußfolgerungen
Die UV-Spektren des Galavits in Wasser, 95 % Alkohol, 0,01 M Lösung der
Chlorwasserstoffsäure und 0,1 M Natriumhydroxid-Lösung im Bereich von 220
bis 400 nm sind charakteristisch, informativ und können zu
qualitativer sowie quantitativer Bestimmung des Galavits (in Form von
Arzneien) verwendet werden.
Zur Galavit-Authenzitätsbestätigung (Natriumsalz) ist es zweckmäßig, das
IR-Spektrum zu verwenden, um die im Normativdokument vorgesehene Abscheidung
der Base (5-Amino-1,2,3,4-Tetrahydrophtalazin-1,4-Dion) auszuschließen.
Das vorgeschlagene weiterentwickelte Galavit-Analyse-Verfahren nach den Merkmalen
Sulfate sowie Chloride erlaubt eine 5-fache Verringerung der zulässigen
Gehaltsnormen für diese Fremdbestandteile.
Das Verfahren der quantitativen Bestimmung des Galavits durch nitritometrische Titration
schließt die Verwendung aggressiver Lösungsmittel aus, wodurch objektive und reproduzierbare
Ergebnisse erzielt werden können.
Literatur
1. Abidow, M.T., Palzew, A.P., Turjanow, M.A.//
Russisches Patent Nr. 008349 vom 20.04.96 / Verfahren zum Modellieren der
grampositiven Staphilokokkus-Sepsis
2. Abidow, M.T., Chochlow, A.P.// Russisches Patent
Nr. 008349 vom 20.04.96 / Verfahren zum Modellieren der gramnegativen
Staphilokokkus-Sepsis
3. Bernardiner, M.N., Schurygin, A.P.//
Flammenverarbeitung und Unschädlichmachen von Industrieabfällen
Moskau, Chemie,- 1990. - S. 149.
4. Bok, P.// Zersetzungsverfahren in der analytischen
Chemie.
Moskau, Chemie, - 1984. - S. 114, 146.
5. Staatliche Pharmakopöe, XI. Auflage, Ausgaben 1 und 2.
6. Krassowizkij, B.M.m Bolotin, B.M..// Organische
Luminophoren.
Moskau, Chemie, 1984. - S. 141.
7. Chemische Enzyklopädie // Luminol.
DAF-MED - B. 2. Moskau, Sowjetenziklopädie, - 1990.- S. 1224.
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Letzte Bearbeitung dieser Seite am 11.01.2001
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