Netzwerke und Seilschaften

MLM

Der Fall Zerwer


5.10.2003

24.9.2003
"Wir sind eine große Familie." Ein oft gehörter Satz, ein gern gehörter Satz. Er soll die Zusammengehörigkeit zeigen, er ist gut für das "Wir"-Gefühl. So kennen wir es und so haben wir es gern.

Besondere Reklame mit seiner Familie macht ein Kurt Zerwer, wie man in folgendem Beispiel sieht (einem von vielen).

Der so freundlich grüßende Kurt Zerwer samt Familie verheißen Ihnen einen schöne Zukunft, wenn Sie bei dem "Team" dieser Gruppe mitmachen.

Im Detail behauptet Kurt Zerwer unter anderem:

Um also sich "zur Ruhe setzen" und "genießen" zu können, muß man "nur" 2 weitere "Kunden/Vertriebspartner" vermitteln.

Nicht viel, so scheint es. Bitte achten Sie aber auf den furchtbaren Punkt "Kunden/Vertriebspartner"! Ein Kunde ist nämlich KEIN "Vertriebspartner"! Ein Kunde ist jemand, der 1x kauft, und das war's.

Und was ist dann ein "Vertriebspartner" im Sinne des "genialen Vergütungsplans" des Kurt Zerwer?

Ganz einfach: Jemand, der EINEN WEITEREN Vertriebspartner anheuert.

Das aber ist, und das ist eindeutig, progressive Kundenwerbung. Progressive Kundenwerbung jedoch ist in Deutschland per Gesetz verboten!

Lassen Sie uns das aber ruhig näher unter die Lupe nehmen. Angenommen, eine Person X würde bei Kurt Zerwer "Mitglied des Teams" werden. Aufgabe von Person X ist dann das Erzielen von 2 Verträgen. Im einfachsten Fall sind das 2 Kunden (also Käufer). Die kaufen 1x - und dann nicht mehr. X ist hierbei ein Händler, und dazu ein selbständiger Gewerbetreibender.

X muß selbständiger Gewerbetreibender werden, sonst funktioniert das alles nicht. Der freundliche Herr vom Finanzamt wird gerne erklären, warum diese zum Zweck der Gewinnerzielung betriebene Tätigkeit eine Gewerbe ist und der Gewerbetreibende dieses Gewerbe anzumelden und auch Steuererklärungen zu schreiben und Steuern zu zahlen hat. Es empfiehlt sich, den Wünschen des Herrn vom Finanzamt pflichtschuldigst Folge zu leisten...!

Die beiden Kunden von X kaufen Ware, wofür X eine Provision erhält. Ist der Vertrag erfüllt, erhält X selbstverständlich keinen Cent mehr. Von einem "passiven Einkommen" kann also keine Rede sein.

Kurt Zerwer wirbt jedoch mit:

Siehe den entsprechenden Passus aus der Reklame des Kurt Zerwer:

Es ist klar, daß ein 4-stelliges Einkommen nicht durch 2 Kunden erreicht werden kann, schon gar nicht dauerhaft. Und ganz sicher auf keinen Fall passiv, das heißt durch bloßes Nichtstun.

Damit folgt zwangsläufig, daß Kurt Zerwer's "genialer Vergütungsplan" nur funktionieren kann durch weitere VERKÄUFER. Womit der Beweis der progressiven Kundenwerbung erbracht ist.

Sehen wir uns aber auch etwas anderes näher an: die Tabelle der "Mitglieder des Teams", die Kurt Zerwer in seinen Reklame-Beiträgen im Internet immer wieder präsentiert.

Die Tabelle soll suggerieren, wie herrlich einfach es ist, neue Mitglieder anzuheuern, nach dem Motto: "Seht her, ich habe es getan und Ihr könnt es auch."

Doch WAS hat Kurt Zerwer getan?: Neue Mitglieder hat er angeheuert. Wie nennt man das noch? Richtig, "progressive Kundenwerbung"...

Nehmen wir den Zeitraum vom 1.7.2003 bis 1.8.2003. Eine herrlich kurze Zeit, gerade mal 1 Monat (!) - und doch so erfolgreich mit sage und schreibe 161 neu angeworbenen Händlern.

Wäre das Leben wirklich so einfach und wirklich so schön, wie Kurt Zerwer glauben machen will, so könnte jeder A, B oder C es ihm gleichtun und nach einem Monat selbst auf 161 neu angeworbene und untergeordnete Händler blicken.

Jeder der 161 Händler würde also nach 1 Monat 161 Händler unter sich haben. Macht unter dem Strich 161 * 161 Händler.

161 * 161 = 25.921

Laut allereinfachster Mathematik müßte Kurt Zerwer nach dem Ende des Monats 2, also am 1.9.2003, in seinem "Team" 25.921 Händler haben.

Doch selbst am 8.9.2003, also eine ganze Woche später (!), sind es klägliche 402.

Etwas scheint also nicht zu funktionieren im System des Kurt Zerwer - ganz abgesehen davon, daß es (wie bewiesen) progressive Kundenwerbung ist, die er da betreibt.

Es funktioniert nicht nur "etwas" nicht, sondern eine ganze Menge funktioniert nicht.

Am Ende des Monats 3, also am 1.10.2003 müßte JEDER der Händler neue Händler unter sich haben.

Machen wir daraus ein Schema :

Die Händler aus dem August haben 1 Monat später JEDER 161 neue Händler unter sich. Laut "genialem Plan" sollen die Händler nach ihrem 1. Monat nichts mehr tun, sondern nur noch kassieren.

Nur die neu Angeheuerten suchen neue Händler. Das macht das Rechnen leicht, weil man sonst für die 161 Händler der Ebene 2 noch zusätzlich addieren müßte. Was ganz sicherlich das mathematische Fassungsvermögen der meisten Zeitgeister übersteigt, weshalb sie den Kopf schütteln und nicht mäh und nicht mögen. Dem muß man durch Simplizität gegensteuern, und sei sie auch noch so abenteuerlich...

Belassen wir also in der 4. Ebene jedem Händler aus der 3. Ebene 161 Neuzugänge.

Dann ist die wundersame Vermehrung der Händler schon so groß, daß Kurt Zerwer auf eine riesige, ihm untergeordnete Menschenmenge blicken müßte - mehr Menschen als im Raum Berlin leben...:

Doch noch am 23.9.2003 hat Kurt Zerwer in seiner Liste gerade mal 498 "Mitglieder"...

Führen wir das Experiment Zerwer weiter, so sind noch einmal 1 Monat später durch jeden neuen Händler wieder 161 Neue dazugekommen:

671 Millionen Menschen, fürwahr gigantisch. Mehr als Amerika und Europa zusammen an Einwohnern haben.

Jedoch, es geht noch weiter!

Die ganz kleinen Stellen lassen wir generös weg und rechnen grob:

-------------------------------------------------------------------------------
10^ 6 =   1 Million
10^ 9 =   1 Milliarde
10^11 = 100 Milliarden
-------------------------------------------------------------------------------

Die aufstrebende Kleinfirma des Herrn Kurt Zerwer hätte also Anfang Dezember 2003 das Sonnensystem für sich:

Die Erde hat aber gerade mal 6 Milliarden Menschen. Ende der Fahnenstange. Ende des Märchens. Aus der Traum. Und, wie es der Herr Staatsanwalt erklärt, hier "beißen den Letzten die Hunde".

Während die Ersten in den Systemen der progressiven Kundenwerbung noch weitere Opfer finden können, muß das System zwangsläufig daran scheitern, daß es keine neu nachfolgenden Opfer mehr gibt, denn der Menschenvorrat ist erschöpft.

Das ganze System dient zu nichts anderem, als sich so weit wie möglich auszudehnen und jene auszubeuten, die als Letzte in der Kette leer ausgehen müssen, weil sie niemanden finden, den sie wiederum ausbeuten können.

Die Letzten gehen leer aus.

Deswegen ist progressive Kundenwerbung verboten.

Aribert Deckers

 
Anmerkungen:

[1]
Sicher wird jetzt der Eine oder Andere sich melden, weil ich mit 161 und nicht mit 172 Händlern am Ende des 1. Monats gerechnet habe. Nun, das stimmt schon, aber erstens habe ich generös gerechnet (sonst wären die Zahlen noch größer geworden) und zweitens ändert das am Prinzip der progressiven Kundenwerbung nichts.

[2]
Vielleicht wird der Eine oder Andere kritisieren, daß es eigentlich heißt, Jeder müsse nur 2 Händler werben, und nicht 161. Das ist schon richtig, aber es ändert weder etwas am System der progressiven Kundenwerbung noch spielt es eine Rolle. Denn, sehen Sie, Kurt Zerwer wirbt doch mit SEINEN eigenen Zahlen, wobei es völlig unerheblich ist, ob er nun über 2 oder über 161 Händler DIREKT unter sich weiterarbeitet. Denn auch das ist nur eine Änderung an den Zahlen, nicht am Prinzip!

Ob die Pyramide 2 oder 161 Äste hat, ist unerheblich. Solche Dinge dienen nur der Verschleierung, und zu sonst gar nichts.

[3]
Mehr über MLM:
http://www.ariplex.com/ama/ama_noni.htm

 


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