Netzwerke und Seilschaften

MLM

Der Mensch ist eine Nummer


4.11.2003

14.7.2003
"Der Mensch ist eine Nummer." Das wird überall geklagt. Drum gelte es, wider die Anonymität zu kämpfen.

Was aus diesem Kampf geworden ist, sieht man: Heerscharen sich bis in die Haarspitzen Gleichender, die zum Zeichen ihrer Individualität ihre Nummer vor sich hertragen. Arbeitsameisen, die jede für sich träumen vom Platz an der Spitze des Haufens - und doch nur Nummern im Getriebe sind. Und bleiben.

Die Verwaltung der Ameisen übernehmen Computer. Das ist schnell und billig. Und es ist anonym. Aber dafür ist der Computer immer da, macht nie Urlaub. Nein, ein Computer macht nicht einmal eine Zigarettenpause. Ein Computer ist ein treuer Sklave seines Herrn.

Wo die Ameisen noch hier oder da Auswege haben, der Computer hat sie nicht. Er muß treu und brav Rede und Antwort stehen.

"Traum ist in der kleinsten Hütte.", sagt George Bernard Blouwe [1].

So könnte eine kleine Arbeitsameise auf die Idee kommen, zu ihrem Traum vom Platz an der Spitze des Haufens den Sklaven zu befragen, wie der denn die Sache sieht.

Der Sklave muß ihr antworten. Ameisenköniginnen haben das nicht nötig. Verwaltung hat das nicht nötig. Doch der Sklave muß. Er kann nicht anders. Es ist seine Verdammnis, das zu antworten, wonach er gefragt wird.

Die Arbeitsameise hat eine Nummer. Willig gibt der Computer der Ameise Auskunft. Natürlich nur, wenn die Ameise ihre Nummer angibt. Das ist das Zeichen, die Identität. Die Ameise tippt ihre Nummer in die Tastatur und der Computer antwortet.

Vertippt sich die Ameise, ist Nummer falsch, will der Computer nicht: Er schweigt. Ihre Daten auf dem Bildschirm zu sehen, das ist für die Arbeitsameise der Blick in den Spiegel: "Hurra, ich bin da! Ich lebe."

Doch sie ist nicht allein! Auch andere Ameisen sind da, eine jede mit einer Nummer. Was, wenn...? Ja, was wenn die Arbeitsameise eine andere Nummer eintippen würde...???

Ist die Nummer falsch, schweigt der Computer. Ist die Nummer richtig, sagt der Computer, daß die Ameise mit dieser einen Nummer existiert.

"Wieviele Ameisen gibt es überhaupt in meinem Haufen?" Das ist die Frage der Fragen.

"Wo bin ich?"
"Wer ist über mir?"
"Wer ist unter mir?"

Fragen über Fragen...

Fragen, die der Computer nicht beantworten darf. Sein Herr erlaubt es nicht. Auch nicht die Frage nach der Zahl der Ameisen. Aber auch eine kleine Arbeitsameise, ja, selbst die allerkleinste, kann diese Zahl herausfinden. Sie braucht dazu nur ein bißchen Zeit. Und den Computer ihres Herrn, der, wenn er schon keine direkten Antworten auf die vielen Fragen gibt, so doch mit seinem Schweigen beredt ist...

Die kleine Arbeitsameise gibt dem Computer ihre Nummer. Wahrheitsgemäß antwortet er ihr: "Du bist." Nun gibt die Ameise dem Computer eine Nummer nach der anderen: 1, 2, 3, 4, 5, 6, ... und so weiter, und so weiter.

_und so weiter... Eine lange, lange Liste...

Die Liste des Computers

Dann Nichts. Die Nummern sind nicht benutzt. Ameisen mit diesen Nummern gibt es nicht. Auch alle folgenden Nummern sind unbenutzt. Bis...

Bis 8800. Erst ab da geht es los: