Warnung vor Malaria-Medikamenten aus 2. Hand
4.3.2003
Sven Jaehnichen
Angeregt durch C. Josefs Usenet-Postings [1] möchte auch ich
ausdrücklich vor Malaria-Medikamenten aus zweiter Hand (Internet,
lokale Medien, auch teilweise Freunde) warnen.
Malaria-Medikamente werden nicht nur im Web (eBay hat es mittlerweile
"einigermaßen" im Griff und wirft derartige Angebote raus), sondern
auch in Tageszeitungen in der Rubrik "Biete&Suche" angeboten. Darauf
einzugehen ist aus doppelter Sicht riskant:
- Eine nicht zu verachtende Menge der Malaria-Medikamente wird erst im
Reiseland gekauft. In praktisch allen Ländern der dritten Welt ist die
Arzneimittelqualität problematisch - oft kann nicht einmal die Identität
des Arzneimittels sichergestellt werden! Mit anderen Worten: während in
unseren Breiten Arzneimittelfälschungen praktisch unbekannt sind (und
die Existenz dieser von 3.-Welt-Touristen leichtsinnigerweise nicht
einmal in Erwägung gezogen wird), sind Arzneimittelfälschungen in
Entwicklungsländern an der Tagesordnung.
Weltweit sind fast 10% der Arzneimittel gefälscht [2]. Von diesen sind
wiederum nur 7% "perfekte Fälschungen" (also Präparate mit echtem
Wirkstoff). Der Rest sind wirkstofflose Imitate (also Placebos) oder
ihnen wurden gar andere, teilweise toxische Substanzen zugemischt [3].
Äußerlich sind diese Imitate oft perfekt. Sogar ein Hologramm
fehlte nicht, als der kambodschanischer Minister der Naturschutzbehörde
ein namhaftes mefloquinhaltiges Anti-Malaria-Präparat erstand um sich
damit zu therapieren. Nur dass dies eine wirkstofflose Fälschung war (wie
spätere Analysen zeigten) konnte er nicht mehr herausfinden - er verstarb
[4].
(Zum Thema Arzneimittelfälschungen kann ich den Besuch der Seite [2] nur
empfehlen.)
- Auf ein zweites Problem wies bereits C. Josef hin [5]. Wer sich als Laie
durch Mund-zu-Mund-Propaganda mit Anti-Malaria-Medikamenten eindeckt,
läuft Gefahr durch eine wirkungslose Malariaprophylaxe vorbei an lokalen
Resistenzsituationen und sich in scheinbarer Sicherheit wiegend
gesundheitlichen Risiken auszusetzen.
Gleiches gilt für eine Übermedikation in
Nicht-Malaria-Risikogebieten (auch wenn einige Ärzte da nicht besser
sind).
Sven Jähnichen
- [1]
news://news.cis.dfn.de:119/5a0c4adf.0303040118.1125973@posting.google.com
- [2]
http://www.gphf.org/web/projekte/minilab/hintergrund_arzneimittelfaelschungen.htm
- [3]
Jähnke R.W.O (2002); Deutsche Apothekerzeitung 2002 (45): 49
- [4]
Malaria: Dozens dead in Cambodia from counterfeit drugs. United Nations
Foundation UN Wire, 30th of May 2000.
- [5]
news://news.cis.dfn.de:119/5a0c4adf.0302232303.422b1b90@posting.google.com
Erstveröffentlichung im Usenet:
Newsgroups: de.sci.medizin.misc
Subject: Warnung vor Malariamedikamenten aus 2. Hand
Date: Tue, 04 Mar 2003 18:13:40 +0100
Message-ID: <3E64DEC4.1050102@epost.de>
hier geht's weiter !
[ Das Amalgam-Zentrum ]
Copyright © 2003
Sven Jaehnichen
and
Copyright © 2003
Aribert Deckers
and
Copyright © 2003
Antares Real-Estate
Jegliche Weiterverwendung der Texte der Amalgam-Page ist verboten.
Verlage dürfen sich wegen der Nachdruckrechte per Email an mich wenden.
Aribert Deckers