Dokumentation: Der Fall Forum des Gesundheitsministeriums


17.3.2002

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Autor Thema:   Aus der Sicht des Kassenarztes
Doc budget
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 16:10           
Den neuesten Stand der Medizin will jeder - aber ohne dafür zu zahlen
Die Kollegen im Osten kennen es: Schon wieder ruft ein Rat zur kostenlosen Leistungssteigerung auf. Doch was nutzt der Top-weitergebildete Internist, wenn er seine Praxis mangels Kostendeckung schließen muß? Mit großen Sprüchen undfehlender Algebra kommen wir nicht weiter.
Das kunterbunte Gremium "Sachverständigenrat" hat dem Gesundheitswesen ins Gewissen geredet. Tenor: Die Qualität müsse rauf, der Preis herunter.
Mittlerweile hört das der Vertragsarzt täglich fünfmal. Des Rates Leier wird als DDR-Erkennungsmelodie der Ost-Kollegenschaft noch gut im Ohr sein, zumal Professor R. als Altbekannter unterschrieb. Das verblichene Arbeiter- und Bauernparadies lebte von ständigen Aufrufen zu höherer Qualität und Leistung. Die Appelle wurden von Jahr zu Jahr lächerlicher, weil fehlende Finanzmittel neben sonstiger Demotivation - jede Qualitätssteigerung ausschlossen.
Zwar sind wir weit weg von allen DDR-Klamotten, und dem ständigen Ruf nach Leistungssteigerung begegnen wir noch nicht mit der zynischen Erheiterung, die Kreuz & Co. entgegenschlug. Und doch: Vergleicht man Staats- und Sachverständigenrat, so wird das gemeinsame hohle Pathos leerer Sprüche großer Titel offenbar.
Im neuesten Sondergutachten entblödet sich der Sachverständigenrat nicht, ohne konkreten Nachweis tatsächlicher Defizite die regelmäßige fachliche Wiederholungsprüfung aller Ärzte zu verlangen.
Similia similibus curantur - werden wir einmal so spekulativ wie die Gutachter. Nehmen wir an, alle Vertragsärzte in Deutschland hätten soeben ihr Wissen auf den letzten Stand gebracht. Damit wäre die flächendeckende Anwendung der neuesten Methoden in Diagnostik und Therapie eröffnet.
Starten wir zum virtuellen Gang durch die runderneuerte Welt des Kassenarztwesens, blicken den Kollegen über die Schulter, sehen, wie sie arbeiten und was sie bei KVen und Kassen erleben.
Der Endoskopiker ist auf die neueste Technik abonniert mit Video und maschineller Aufarbeitung in baulich-hygienisch anspruchsvoller Umgebung. Er beschäftigt speziell ausgebildete Fachkräfte und kommt auf einen betriebswirtschaftlich gerechneten Preis von 240 DM pro Gastroskopie. Er arbeitet ein Quartal, seine Abrechnung geht an die Kassen heraus und diese zahlen bei einem Punktwert um fünf Pfennige - im Osten weniger - ganze 70 DM für die Untersuchung. Sofort kann er seinen Laden wieder dicht machen.
Schauen wir beim Radiologen vorbei. Das Herumwedeln mit Negativen ist eigentlich out. Ihre Belichtung über Verstärkerfolien braucht mehr Strahlung als die digitale Technik.
Der weitreichende Ersatz der Röntgen-Computertomographen durch Kernspin-Geräte ist wissenschaftlicher Stand von heute und morgen. Setzt unser gedachter Kollege diese im breiten Stil ein, so haut ihn die erste KV-Abrechnung um: Das Honorar beläuft sich auf 30 Prozent der Selbstkosten. Die Praxis ist kaputt.
Nun der notorische Blick zum Diabetiker. Außerhalb von Schwerpunktpraxen soll er für jeweils 3,50 DM pro Folgekontakt abgefertigt werden (EBM-Ziffer 2). Der diabetologisch aufgepeppte Internist muß die Patienten also wegschicken, wenn seine Praxis mehr als ein Quartal durchhalten soll.
Ein Blick in die Rheumatherapie.
Hier haben (zumindest preislich) hochrangige Medikamente Einzug gehalten. Sie zählen zum Arsenal des ideal weitergebildeten Internisten. Würde er alle Kassenpatienten indikationsgemäß mit den neuen Substanzen behandeln, so könnte er die Praxis wegen ständiger Abwesenheit schließen. Er wäre nur noch mit dem Klinkenputzen bei den Prüfungs- und Beschwerdeausschüssen beschäftigt, um die explodierenden Kosten als Praxisbesonderheit anzudienen.
Wer angesichts dieser Aussichten als Vertragsarzt kaum noch Luft bekommt, sollte sich der Asthmatherapie zuwenden. Die neue Generation der Pillen und Aerosole in der Hand aller frisch nachexaminierten Internisten, Praktiker und Pulmologen wäre der Beginn des Horrorszenarios aller Krankenkassen, die durch ähnliche Verordnungsschübe der Gebiete Neurologie, Geriatrie und Psychiatrie locker an die Wand gedrückt würden.
Wer die Vorsorge qualifizieren möchte, um - nach landläufig paradoxer Vorstellung - Gelder zu sparen nimmt die Kernspintomographie in die Routinediagnostik der weibliche Brust und fackelt mit einem Schlag das gesamte Radiologen-Budget ab.
Genug der Widersprüche aus virtuellen Experten-Forderungen und stürzenden Praxiserträgen. Aus Sicht des Vertragsarztes geriert sich der Sachverständigenrat als Gremium großer Sprüche und kleiner Algebra.
Die Antwort auf des Rates Postulat zur ständigen Nachprüfung der Ärzte kann nur satirisch lauten: Der neueste Stand in Diagnostik und Therapie ist out, weil ihn zwar jeder haben, aber niemand bezahlen will.

Behrmann,Päd.
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 16:53           
Sehr guter Text;auch schön geschrieben.
Vielen Dank.

Claudia37
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 17:27           
>>Wer die Vorsorge qualifizieren möchte, um - nach landläufig paradoxer Vorstellung - Gelder zu sparen nimmt die Kernspintomographie in die Routinediagnostik der weibliche Brust und fackelt mit einem Schlag das gesamte Radiologen-Budget ab.<<

... Vorsorge spart Geld, aber eben nicht hier und jetzt, sondern im Verlaufe von 1-2 Jahrzehnten. Das zu begreifen, sind Krankenversicherungen und Gesundheitspolitiker einfach nicht in der Lage.

Ansonsten stimme ich Ihnen zu, daß jeder den Fortschritt will, wenn er ihn nicht bezahlen muß.

Auch für die von Ihnen angeführten Arzneimittel gilt, eine teure Arzneimitteltherapie kann langfristig außerordentlich preiswert sein (vom Gewinn an Lebensqualität auf Patientenseite einmal völlig abgesehen - denn darüber wird ja in der gesamten Diskussion überhaupt nicht gesprochen.), aber Kommentar s.o.

Zur Lage der ärztlichen Kollegen im Osten der Republik empfehle ich Ihnen einen Artikel in der Sonnabendausgabe der Süddeutschen Zeitung über eine Radiologin in Dresden ... das läßt tief blicken.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 07. April 2001 20:05     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Nachzulesen unter: www.sueddeutsche.de/index.php? url=/wirtschaft/branchenpolitik/06180/index.php

Kommentar
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 20:06           
Ein schöner Text aber kein guter!

Cum grano salis besteht durchaus Fortbildungsbedarf;so platt formuliert wie vom Sachverständigen ist es natürlich auch nur Polemik.
"Fortbildung" als Ausdruck sagt ja nun gar nichts. Ich fasse Fortbildung so auf, dass ich in die Lage versetzt werde meine bisherige Arbeit noch besser zu machen und, bitteschön, nicht primär nur billiger!
Der Umkehrschluss heisst aber auch, dass Fortbildung nicht = Anwendung der teuersten und neuesten Methoden und Präparate sein kann, wie Docbudget spitz formuliert.Dies verkürzt den Diskurs unzulässig!

Wenn die Gesellschaft "Gesundheits"kosten nicht mehr zu tragen bereit ist, soll in gesellschaftlichem Diskurs di neue Anforderung an Notwendiges zur Gesunderhaltung definiert werden.
Die Heuchelei, die von Politik und Krankenkassen auf dem Boden des in sich nicht schlüssigen SGB V betrieben wird vernichtet die Leistungserbringer, dies ist allerdings Realität z Zt.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 07. April 2001 20:15     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
<<Wenn die Gesellschaft "Gesundheits"kosten nicht mehr zu tragen bereit ist, soll in gesellschaftlichem Diskurs di neue Anforderung an Notwendiges zur Gesunderhaltung definiert werden.<<
Können sie mir sagen, wie die das Notwendigen bisher definiert wird???

MBG
Mitglied
erstellt am: 07. April 2001 20:27     Sehen Sie sich das Profil von MBG an!   Senden Sie MBG eine eMail!     
"... Vorsorge spart Geld, aber eben nicht hier und jetzt, sondern im Verlaufe von 1-2 Jahrzehnten. Das zu begreifen, sind Krankenversicherungen und Gesundheitspolitiker einfach nicht in der Lage."

Politiker begreifen das nur, wenn es hilft Wählerstimmen zu maximieren. Kassen begreifen das nur, wenn es hilft kurzfristig Mitgliederzahlen zu steigern und Risikostrukturen zu verbessern.

Wie erreicht man, daß diese Gruppen zumindest mittelfristig denken?

MfG MBG

Behrmann,Kinderarzt
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 21:56           
Wie erreicht man, daß diese Gruppen zumindest mittelfristig denken?

Das tun sie nicht,weil sie alle in die lukrative Frührente mit Abfindung oder Beamtenabsicherung(ein Hohn für den Rest!)wollen,bzw. erst mal Arbeitslosengeld abzocken.

Die Ärzte hingegen gehören zu den hohen Nettosteuerzahlern,meist bis ins hohe Alter.

lucky
unregistriert
erstellt am: 07. April 2001 22:11           
Oh, dieses ewige Rumgeheule. Der Punktwert, nichts wird bezahlt, ich verhungere hu, hu, hu.
Wir wissens`s doch alle. Ständig auf`s Neue die eigene Misere zu bejammern: was nützt das? Gar nichts.
Und die Lösung ist, wie schon so oft wiederholt, auch nicht: mehr Geld. Ob 10 Millionen oder 10 Milliarden mehr in den Topf: das Problem bleibt doch dasselbe.

Nur: von all` diesen jammernden Gestalten ist niemand da, der konstatiert, jawohl, wir sind mit dem jetzigen System gegen die Wand gefahren. Und wir müssen jetzt das System ändern.
Wenn ich z. B. unseren KV-Vorsitzenden sehe, muß ich mir immer die Brille reiben: ich sehe den Mann immer doppelt. Er sagt zwar, er wollle das Neue, finde Netze gut, die Lösungsansätze der Integrierten Versorgung seien vielversprechend. Gleichzeitig sträubt er sich mit Händen und Füßen gegen jede Veränderung des Status Quo. Unterschiede zwischen Ärzten? Nirgends! Rationalisierungspotential? Auch nirgends. Dann kann man nur sagen: Gute Nacht, KV. Schlaft weiter. Ihr merkt nicht mal, daß es hier nicht mehr weiter geht.


Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 08. April 2001 00:43     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
hallo lucky mal wieder,

was ich seit ewigen Zeiten wissen will und nirgends finde:

was ist eigentlich der "Leistungskatalog" der GKV, mit dem immer argumentiert wird, wo ist er, wie findet man ihn, was steht da drin und nach welchen Kriterien ist das rein gekommen, wie ist er entstanden, wer hat ihn gemacht, wer wartet ihn ?

Dies ist natürlich eine absichtsvolle Frage. Sie hat mit dem Problem zu tun, das immer dasselbe bleibt: wir werden immer mehr können, als irgendeine Volkswirtschaft sich wird leisten wollen.


PR

wbensch
unregistriert
erstellt am: 08. April 2001 01:47           
Ausgangspunkt der Beiträge war eine Glosse in der Ärztezeitung, der Kollege ist für seine lockere und treffende Schreibe bekannt!
Prävention spart Kosten? Wer hätte das wirklich einmal nachgewiesen - im Einzelfall durchaus richtig, aber wie bekomme ich das in die Statistik? z.B. Vorsorgeuntersuchung bei Kindern seit vielen Jahren >> schon mal Zahlen gehört, was dadurch eingespart wurde?
Die Zahl der Geburten ist rückläufig ... der Sachverständigenrat bemängelt zumindest zu Recht, die seit Jahren immer irrsinnigere Diskussion nur um Kosten!

Practicus
Mitglied
erstellt am: 08. April 2001 13:23     Sehen Sie sich das Profil von Practicus an!   Senden Sie Practicus eine eMail!     
Lieber Kollege Budget!
Die Lösung Ihres Rätsels ist ganz einfach!
Im berühmten Wirtschaftlichkeitsgebot des SGB V,§12 ist sehr schwammig formuliert, was die GKV versichert: Ausreichend (!), zweckmässig und wirtschaftlich muss die Behandlung sein, und das Maß des Notwendigen darf sie nicht überschreiten.
Und welche Folgen haben schwammig formulierte Gesetze? Fürchterliche Urteile der Sozialgerichte, z.B. dieses aus einem LSG: ".... das (Wirtschaftlichkeitsgebot) bedeutet, die vertragsärztliche Behandlung darf auf gar keinen Fall unter irgendwelchen Gesichtspunkten einer optimalen Therapie erfolgen....." !!!!!
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Beim GKV-Versicherten darf der Vertragsarzt an eine optimale Behandlung nicht einmal denken (das wäre ja schon so ein Gesichtspunkt!), sondern muss folgende Überlegung anstellen:
Welche Behandlung ist unabweisbar notwendig, um mit dem geringstmöglichen Aufwand ein Ergebnis zu erzielen, das nach dem anerkannten Wissensstand (von vor 10 Jahren!) gerade noch ausreichend ist!
Die gerade eben von unserer Gesundheitsministerin Ulla Schmidt beschworenen "bestmögliche Behandlung unserer Kranken" ist in Deutschland durch §12 SGB V und dessen richterliche Ausgestaltung schlichtweg gesetzlich verboten!

Kommentar
unregistriert
erstellt am: 08. April 2001 14:29           
Vollkommen korrekt practicus!

Herr Hege hat dies im DÄ v0m 2.2.2001 versucht darzustellen: "Die unbestimmten Rechtsbegriffe im SGB V : Die Politik muss entscheiden.

Die WANZ -Definition der medizinischen Versorgung in der GKV findet sich schon im Bismarckschen Entwurf der Reichsversicherungsordnung.Herr Hege bemerkt zu Recht , dass die Entscheidungshoheit über diese Definition damals einzig und allein den ärztlichen Berufen zustand.
Nunmehr besteht aber nur noch staatlicher Zugriff auf die Ausgestaltung dieser Beschreibung und die Leistungserbringer werden als "ausführendes Organ" betrachtet!
Die ärztlichen Anforderungen und die staatlich oktroyierte "Vertrags"gestaltung der "Selbst"verwaltung führt damit immer auswegloser Zitat " ... in einen Zielkonflikt, der auf einer widersprüchlichen Rechtslage beruht und den Betroffenen nur die Wahl lässt, welches Rechtsprinzip sie verletzen wollen." Zitat Ende
Es ist tatsächlich so, dass das finanzielle nur die Misere so aufdeckt, dass es wehtut.Allein mehr Geld richtet es tatsächlich nicht.

Behrmann
unregistriert
erstellt am: 08. April 2001 15:41           
An wbensch:
Zu Vorsorgen bei Kindern.Peinlich,daß ich Ihnen keine handfeste Statistik anbieten kann.Ich erkundige mich aber i, Pädiater-Intranet(1800 Kollegen).

Daher nur ein Bericht aus unserer fast 10-jährigen Praxis: es wurden eigentlich alle
wichtigen und behandlungsbedürftigen Dinge ganz früh entdeckt,so daß kein Schaden entstanden ist.Ausnahmen: angeborene Behinderungen,die aber deutlich gebessert werden konnte.

Aber ansonsten ist alles Physische und Psychische im Griff.Und das ist zum größten Teil den Vorsorgeuntersuchungen zu verdanken.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 09. April 2001 00:14     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Behrmann, liebe Mitleser,

ist Ihnen wohl klar, daß der Satz
"... es wurden eigentlich alle wichtigen und behandlungsbedürftigen Dinge ganz früh entdeckt, so daß kein Schaden entstanden ist..."
ärztlich, medizinisch, menschlich vollkommen richtig ist, versicherungstechnisch jedoch fatal falsch ?

Denn für eine Krankenversicherung entsteht doch genau dadurch ein Schaden, daß Sie - womöglich bei einem noch Symptomlosen - etwas Behandlungswürdiges entdecken und dann - zum finanziellen Schaden des Versicherers - behandeln müssen. Ihre Entdeckung erzwingt also eine "Leistungsausweitung", die nach lucky's Logik die Wurzel allen Übels und der Grund für die Notwendigkeit weiterer ungezielter Ausgabenbudgetierung im Gesundheitswesen ist.

Also weniger genau hinschauen, und weniger, keinesfalls mehr behandlungsbedürftige Dinge entdecken ?

Dies ist ein für Ärzte schizogener Konflikt.
Ich glaube, Politik und Kassen schüren ihn seit Langem und mit Absicht.

PR

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 09. April 2001 00:25     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Rapp: Ja, wir Ärzte müssen uns mit dem Phänomen auseinandersetzen, daß für den Arzt das menschliche Leben in jeder seiner Ausprägungsarten das höchste zu schützende Gut darstellt. Für die Versicherung ist es das Geld. Das geht solange zusammen, solange das Leben Geld verdient. Sobald das Leben nicht mehr so viel "wert" ist, daß es den Versicherungen Geld einbringt, sondern schlimmstenfalls noch kostet, wird es der Versicherung lästig. Vermutlich werden Versicherungen branchenübergreifend agieren: wenn die Krankenversicherung dafür sorgt, daß die Lebenserwartung nicht mehr so stark steigt, wobei wir sehr sorgfältig darauf zu achten hätten, nicht den Zuwachs neuer Menschen zu verringern, denn die bringen ja neues Geld ein, sondern den Abbgang alter Menschen nicht weiter hinauszuzögern, wäre der Rentenversicherung allerhand gespart. Um diesen Zusammenhang mal eben ganz klipp und klar darzustellen, bedient sich die Rentenversicherung gleich direkt bei der Krankenversicherung.

Es ist höchste Zeit für eine ethische Grundlagendiskussion in dieser Gesellschaft, zumindest darüber sind wir mit Herrn Ruf z.B. schon mal einig. An dieser ethischen Diskussion sollten sich nicht nur Genforscher und Politiker, sondern auch und vor Allem Ärzte und Geistliche beteiligen.

Behrmann,Kinderarzt
unregistriert
erstellt am: 09. April 2001 03:32           
Dazu die Berliner Kinderärzte:

Die Mehrzahl der Berliner Ärzte nahm vom 26.03.01 bis 31.03.01 an einer Aktionswoche teil.
In dieser Zeit waren viele Praxen in Berlin ganz oder teilweise geschlossen.
Die Ärzteschaft versuchte in dieser Zeit, auch bei den Patienten Verständnis für die aufgezwungene Auseinandersetzung mit der Politik und den Krankenkassen zu wecken. Nicht immer gelang dies, und gelegentlich wurden wir mit dem Vorwurf konfontriert, dieser Protest sei ja auf dem Rücken der Patienten ausgetragen worden. Die Antwort kann nur lauten: Ja das stimmt, das liegt in der Natur aller streikartigen Aktionen. Aber die Rückenbelastung hielt sich in zumutbaren Grenzen und bestand darin, daß der Patient in Berliner kurzzeitig den Versorgungs-Standard der Provinz ertragen mußte; mehr nicht. Und es wurde damit eine Entwicklung angedeutet, die sich durchaus als Trend festigen kann.

Auch Kinderarzt-Praxen sind unmittelbar von der Pleite bedroht. Seit Jahr und Tag werden die niedergelassenen Ärzte nach einem sogenannten "Punktwertsystem" bezahlt, das in einer erpresserischen Form skrupellos von den Krankenkassen eingesetzt wird.
Weder die Politik, noch die ärztlichen Standesvertretungen haben in den vergangenen Jahren an dieser katastrophalen Entwicklung etwas geändert. Für dieses Versagen gibt es ein ganzes Bündel von Ursachen, die den Insidern -also Verursachern und Betroffenen- durchaus bewußt sind.
Die Ärzteschaft benötigt eine neue Vergütungsstruktur, wenn sie ihre Arbeit im Interesse der Patienten mit hoher Qualität weiterführen will. Ein Blick in unsere europäischen Nachbarländer zeigt, daß sonst auch in Deutschland Entwicklungen zu erwarten sind, die keiner wünscht.

Der Irrsinn einer Krankenkassenflut mit über 600 konkurrierenden Kassen und deren immensen Eigenkosten muß überwunden werden. Anderenfalls wird der Patient bestimmt nicht der Gewinner sein. Hohe Vorstandsgelder, Verwaltungskosten und Immobilien schlucken viele Milliarden, die nicht mehr für die Versorgung der Patienten zur Verfügung stehen.
Das bisherige Behandlungsbudget mit einer Arzthaftung für alle Behandlungsrisiken führt in den Ruin.
Nur eine Kündigung der bisher mit den Krankenkassen bestehenden Verträge kann eine Wende bringen. Dazu gehört auch eine leistungsgerechte und transparente Honorierung ärztlicher Arbeit in DM/Euro.
Hausärztliche Praxen, zu denen die meisten Kinderarztpraxen gerechnet werden, sind mit einer Fallpauschale von derzeit rund 70 DM in Berlin nicht überlebensfähig.

Es ist auch völlig unakzeptabel, daß für die gleiche ärztliche Tätigkeit bei uns 70 DM und in anderen Bundesländern bis zu 120 DM gezahlt werden. Gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, so lautet die selbstverständliche Forderung.



Coma
Mitglied
erstellt am: 09. April 2001 20:26     Sehen Sie sich das Profil von Coma an!   Senden Sie Coma eine eMail!     
..jeder will das Neueste und das Beste...ohne zu bezahlen....wie wahr....
Meine Wenigkeit hat vor 2 Wochen 2000.- DM für die Teilnahme an einer Fortbildung investiert ( Idiot, der ich bin!)...
Wird mir und anderen Kolegen übrigens nicht von der AOKBKKDAK bezahlt, es ist versteuertes Geld....
Bei der cervicalen Dysplasie gibt es neue,
in Studien verifizierte Diagnosmöglichkeiten!!
...kostet aber 130.- DM, inklusive Kolposkopie...
Glaubt Ihr denn, auch nur eine III D-Patientin war bereit, den Test zu bezahlen???
Ergo: Fortbildungen spar ich mir in Zukunft,
ich mache WANZ, Abstrich, Finger rein und Ende!
Verrecke ich???
Nein, ich rauche nämlich auch keine 50 Zigaretten am Tag (= 12.-DM/die= 400 DM Monat)
ARSCHLECKEN!!! Sorry....

Ein Gynäkologe

An meine PKV-Patientinnen: Sie, werte Dame,
werden selbstverständlich weiterhin den hohen Standard der Medizin des Jahres 2001
genießen.
Wirtschaftlich,den Symptomen angemessen, modern und innovativ.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 09. April 2001 20:39     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
<<Ergo: Fortbildungen spar ich mir in Zukunft,<<
Wie wollen sie dann der Privatpatientin selbstverständlich weiterhin den hohen Standard der Medizin des Jahres 2001 bieten???

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 10. April 2001 00:45     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Je weniger Privatpatienten eine Praxis hat, desto mehr fallen auch die durch den Rost! Also müssen auch die Privatversicherer ein Interesse daran haben, daß die gesetzlichen Kassen die Innovationen auch bezahlen, und zwar sowohl die gerätetechnischen (wenn die Kassenpraxis die nicht trägt, hat auch der Privatpatient keine neuen Geräte!), als auch die ideellen. Es gibt da sicherlich einen Umkipp-Punkt, der dürfte bei ca. 30% Privatpatienten liegen, die haben aber extrem wenige.

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