Dokumentation: Der Fall Forum des Gesundheitsministeriums


17.3.2002

Die URL dieses Files: http://www.ariplex.com/ama/ama_dial/adi395.htm

Dieses File ist ein MIRROR. Es ist ein Teil einer Dokumentation. Das Original dieses Files befand sich in der Web-Site des http://www.dialog-gesundheit.de * Gesundheitsministeriums.

Zum Verständnis dieses Files ist es ZWINGEND erforderlich, die Einleitung dieser Dokumentation zu lesen!

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Die in diesem File gemachten Ausagen dürfen auf keinen Fall bedenkenlos als wahr hingenommen werden! Fragen Sie bitte UNBEDINGT immer einen oder mehrere GUTE Ärzte. Denken Sie daran: Es geht um Ihre Gesundheit! Aus genau diesem Grund wurde diese Dokumentation erstellt!

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  Der Entwurf zum Transparenzgesetz liegt der Ärztezeitung vor (Seite 1)

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Autor Thema:   Der Entwurf zum Transparenzgesetz liegt der Ärztezeitung vor
Seitz
Mitglied
erstellt am: 07. Dezember 2000 13:19     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
www.aerztezeitung.de/docs/2000/12/07/221a0301.asp

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 07. Dezember 2000 20:14     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Prognose: infaust

Die Kassen werden Weitergabe und Veröffentlichung der Daten hinschleppen und ebensowenig liefern, wie sie das bisher für die Verordnungen tun.
Grund: gigantisches Negativmarketing

Und sie werden ganz fix darin sein, festzustellen, wer ihre billigsten Doktors sind. Die werden sie dann mit Exklusivverträgen umwerben.

Das Ganze wird einen unglaublichen Haufen Geld kosten und nach spätestens der übernächsten BTWahl eingestellt werden.

Wetten ?

PR

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 07. Dezember 2000 22:27           
Wetten, nicht? Einsatz: unsere Praxen? Das ist ein folgerichtiger Schritt auf dem Wege der feindlichen Übernahme unserer Praxen.
Wer sagt denn, daß sie die vorhandenen Medikamenten-Daten LIEFERN müssen? VERFÜGEN sie jedenfalls bereits darüber und ARBEITEN auch damit. Die AOK Berlin jedenfalls hat sehr detaillierte Angaben und Übersichten über das Verordnungsverhalten jedes einzelnen Arztes und aufgeschlüsselt bereits bis auf jeden Patienten. Gearbeitet wird heftig damit. Nur eben ohne Wissen derjenigen, von denen diese Daten stammen und denen diese Daten zustehen. Wir jedenfalls müssen bei einem Arzneimittelregress die Rezepte einsehen und kopieren, an die gescannten und als Datensatz bereits vorhandenen Daten kommen wir nicht heran. Die sind aber vorhanden.
Informationsrückhaltung als Machtinstrument.

Beobachter
unregistriert
erstellt am: 08. Dezember 2000 08:50           
Herr Rapp was soll den diese unqualifizierte Aussage, wenn sie das Papier kennen würden wäre Ihnen bekannt, dass die weitergabe und Veröffentlichung an andere ausser vom Gesetzgeber vorgegebenen Stellen nicht zulässig ist. Es soll tatsächlich noch Leute geben die halten sich an die Gesetzte. Zum 2 Beitrag ist einfach nur zu sagen ...."ja ist den heut scho Weihnachten" ansonsten ist diese Märchengeschichte nicht zu kommentieren.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 08. Dezember 2000 15:51     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Liebe Mitleser,

das ist bisher wohl ein Entwurf, seine Veröffentlichung nicht autorisiert, das Ganze nicht mal andiskutiert und schon erst recht nicht verabschiedet. Aber sehr sehr diskussionswürdig, finde ich.

Nach meinem sicherlich auch nicht verkehrten Schnellschuß von neulich muß ich jetzt mal was ganz ganz Schreckliches schreiben.

Ein solches GKV-Ermächtigungsgesetz wäre eine sehr deutsche Lösung. Nicht zu verkennen ist seine Annäherung an das US-amerikanische System. Zu dessen Kopie darf es unter gar keinen Umständen werden.
Im Paket - und nur so - mit betriebswirtschaftlich gerechneten Kassenhonoraren (sh. EBM 2000) und konsensuell gefundenen Standards (sh. Meldungen Schaich-Walch) böte es neben Risiken und Nebenwirkungen auch Chancen.

Die Chancen:
Ein solches Gesetz würde den längst überfälligen Einstieg in den Ausstieg aus Enthaltsamkeit, Inkompetenz und Schwindelei in "gesundheits"politische Taschen ermöglichen. Chronisch mißtrauische Politiker bekämen schwarz auf weiß, was die Musik "moderne Medizin für alle" kostet. Das Geschwätz vom Unnötigen hätte ein Ende.
Uns Ärzten würde längst verlorene Handlungs- und Rechtssicherheit zurückgegeben. Nennenswerte Therapiefreiheit haben wir im GKV-Rahmen schon heute nicht mehr zu verlieren, zu verbergen haben wir ohnehin nichts.
Die Abgrenzung zum Nicht-GKV-Bereich würde endlich klar, transparent und - wohlgemerkt für alle Seiten - verbindlich. Kassenpatienten blieben Kassenpatienten, manche Erpressung fände nicht mehr statt. Wo wie auch immer versicherte Kunden darüber hinausgehende Kundenansprüche stellten, wäre Zusatzversicherung und/oder Eigenleistung fällig.

Die Nebenwirkungen:
Der Verwaltungsaufwand stiege weiter, seine Kosten ebenfalls.

Die Risiken:
Der Schutz persönlicher Patientendaten könnte sehr leicht vollends auf der Strecke bleiben.

Ein solches Gesetz würde ich nicht zu verhindern, sondern mitzugestalten und zu präzisieren versuchen:

1. Ich bleibe dabei: a l l e Verwaltung darf nie mehr als 15% der GKV-Einnahmen verschlingen. Verwaltungsausgaben würde ich endlich auch budgetieren, rationieren, sanktionieren und die Kassen zu ihrer Offenlegung zwingen.
2. Eine Verschiebung weiterer Verwaltungsarbeit in die Praxen kann es nicht, nur nach erheblicher Höherbewertung der Ordinations- und Konsultationsgebühr oder nach Finanzierung über Patientenbeteiligung geben.
3. Nicht zuletzt für die Resultate künftiger Gen-Testereien und anderer individueller
Risikoabschätzungen hat die GKV unter allen Umständen und auf alle Zeit blind
zu bleiben. Die Datenströme wären dem entsprechend zuverlässig und
unumkehrbar zu anonymisieren. Geschlecht, Alter in Jahren, Versichertenstatus
und Größenordnung des Wohnorts müssen reichen, die Weitergabe von präzisem Geburtstag oder Wohnort wäre schon viel zu viel.
4. Die Verwendung der Daten seitens der Kassen muß absolut transparent bleiben und konstanter Prüfung durch Ärzte- und Patientenvertreter unterworfen
werden.
5. Eine gegenseitige Abschottung der Datenströme und -pools unterschiedlicher Kassenarten mag binnenstrategisch "marktkonform" sein, wäre aufs Ganze gesehen aber unsinnig, kontraproduktiv und verbraucherfeindlich. Ärzte- und Patientenvertreter müßten in der Lage sein, unterschiedliche Datenverwendung in unterschiedlichen Kassenarten im Vergleich zu publizieren, wenn ihnen daraus Nachteile entstehen. Klartext: wenn sich herausstellen sollte, daß Billigkassen Kunden und Ärzte anders behandeln als Teuerkassen, müßte das publik werden.

DAS WÄRE MARKT!!!
Und da wollen wir doch alle hin, gell ?

Ich glaube, wir werden müssen.

PR

Stiens
Mitglied
erstellt am: 08. Dezember 2000 18:38     Sehen Sie sich das Profil von Stiens an!   Senden Sie Stiens eine eMail!     
Klingt sehr vernünftig, wird aber wohl Theorie bleiben.
Der deutsche Kontroll- und Regelungszwang läßt situationsangepaßtes Handeln nur in Ausnahmefällen zu. Bisher hat ausufernde Kontrolle und Regelung m.E. immer zum Aufblähen eines Verwaltungs- und Kostenapparates geführt und das Erreichen der anfangs angedachten Ziele eher geschadet.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 08. Dezember 2000 20:29     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Solga,
das Nichtliefern von Verordnungsdaten bzw. ihr Zuordnen zu Patienten ist bereits heute illegal.
Ich frage mich, warum das niemand anzeigt.
PR

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 08. Dezember 2000 22:23     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
wo bleibt Ihr denn alle, schon Wochenende oder was ?

Wolfgang Meuresch, Kassenmitarbeiter, Günter Zisselsberger, Peter Schwoerer, Seitz, Solga, Mehner:
Schreibt was ! Das ist ein heißes Thema !

So viele Ausrufezeichen hab ich sonst noch nie getippt !

PR

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 09. Dezember 2000 00:57           
Herr Rapp, ich bin einfach fassungslos. Dieses Gesetz ist nichts Anderes, als die weitere Übergabe der Macht im Gesundheitswesen an die Krankenkassen. Die KVen werden damit nutzlos. Ermächtigungsgesetz ist dazu wohl das Treffendste.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 12:22     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Solga, liebe Mitleser,

das sehe ich ganz genau so, versuche aber, Fassung und Blick nach vorn zu bewahren.

Mein Eindruck: dieser Entwurf ist seit sehr sehr langer Zeit der Kompetenteste und Zukunftsträchtigste aus dem Hause BMG. Mich würde interessieren, wer ihn geschrieben hat.

Die KVen würden damit nicht nutzlos, wenn sie in Datenströme und Entscheidungen eingekoppelt blieben. Dafür würde ich vehement streiten. W o künftig Abrechnungs- und Prüfläufe gemacht werden, wäre mir egal, solange sie die Approbation der KVen haben.

Wie gesagt: überhaupt diskutabel ist das Ganze nur im Paket mit einem sauber gerechneten EBM und fortschreitend entwickelten gemeinsam verantworteten Standards.

Bloße Verweigerung könnte leicht dazu führen, daß etwas Ähnliches Gesetz wird, dann aber ganz ohne unsere Mitwirkung. Oder dazu, daß sich die Gruppen weiterhin gegenseitig blockieren. Dann täte sich wieder nichts Kompetentes. Der Markt entschiede allein. Der entscheidet aber nie zugunsten von Patienten, und nur mit Glück zugunsten von Kunden.

Ein solches Gesetz brächte das Abtreten eines Stückchens Macht, aber gleichzeitig die Übergabe eines Stückchens allen transparenter Verantwortung. Das hielte ich allemal für erträglicher als die gegenseitigen InDenSchuhSchiebereien aus Vergangenheit und Gegenwart. Die haben sich lange genug sowohl auf dem Rücken unserer Patienten als auch auf unserem Rücken abgespielt.

Daß die Politiker ihr Mißtrauen und ihre Berührungsängste als Erste ablegen könnten, das glaube ich schon lange nicht mehr. Mir scheint, wir könnten das besser.

PR

Seitz
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 14:27     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber herr Rapp,
kein Wochenende sondern Notarztdienst viel los zur Zeit.
Unsrer Erfahrungen sind doch, daß die Kassen nur solche Zahlen veröffentlichen, die ihnen argumentativ in den Kram passen. siehe Entfernung der Ergebnisse zum Chipkartentourismus aus dem Internet und leugnen, daß es solche Ergebnisse je gab.
Nur bei nutzung aller Daten auch durch die Ärzteschaft kann man den Ergebnissen trauen. Wie können wir Ärzte von der Basis auf solch einen Entwurf Einfluß nehmen??


m.s.
www.dr-seitz.de

Seitz
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 15:17     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber Beobachter,
<<Es soll tatsächlich noch Leute geben die halten sich an die Gesetzte.<<

Aber sicher nicht die gesetzlichen Krankenkassen. Dieses Forum ist voll von Beispielen??

m.s.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 15:43     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Seitz,

Ihre Erfahrungen sind die meinen.

Gerade deswegen müßten die KVen unbedingt einbezogen bleiben und - MDK hin, MDK her - kollegiale und medizinische Kompetenz und Erfahrung mit regional unterschiedlicher Pathologie usw. einbringen. Dafür sorgen, daß gesammelte anonymisierte Daten öffentlich werden. Dafür sorgen, daß sie kompetent ausgewertet, und daß daraus (Herr Meuresch !) eben nicht bloß kassen-betriebswirtschaftliche, sondern auch medizinisch und versorgungspolitisch richtige Schlüsse gezogen werden.

Ich hätte nicht viel dagegen, daß die KVen Teilhaber und Mitveranstalter der Datensammelstellen würden, dort unsere Abrechnungen mitlaufen ließen und bei der Mittelverteilung (als eine der Konsequenzen ausgewerteter Daten) direktes permanentes Mitspracherecht hätten.

Ich halte unser Verteilungssystem:
- Kopfpauschalen unter wechselseitigem Druck und mehr oder minder freihändig ausmachen
- womöglich über Jahre hinweg prozessieren
- neurechnen, rückfordern, nachzahlen
- wenns dann doch nicht gereicht hat, Jahre später irgendwelche Wirtschaftlichkeits- und Plausibilitätskunststückchen vollführen
für verschwenderisch, langsam, mitunter ungerecht, intransparent, unflexibel, unproduktiv, rückwärtsgewandt, mit einem Wort: für obsolet.

Das ist kein Vorwurf an die KVen. Aus genau demselben Grund gehört die Geheimbündelei und -krämerei der auf ihren Datenfriedhöfen hockenden Kassen genauso schleunig beendet. Dieser Murks hat sich halt historisch so entwickelt.

Ich weiß nicht, ob wir auf ein Geheimpapier, was das hier bislang wohl ist, viel Einfluß nehmen können. Aber da es nun mal in der Ärztezeitung und hier publik geworden ist, kann man in der Ärztezeitung drauf reagieren.

Oder eben hier. Auch ohne gleich Allmachtsphantasien zu kriegen - irgendwie läßt mich der Verdacht nicht los, daß irgendwo irgendjemand Wichtiger uns hier tatsächlich gelesen hat und liest.

PR

doc budget
unregistriert
erstellt am: 09. Dezember 2000 15:55           
Schreibkram ohne Ende
stundenlanges Lesen der neuesten Veröffentlichungen, Ärztezeitung, Deutsches Ärzteblatt, Medical Tribune, Ärzte Zeitung jeden Tag stapelweise Information

alleine das lesen der berufspolitischen Meldungen verschlingt eine unmenge an kostbarer Zeit
und dann noch die fachlichen Artikel

mich wundert das kein Patient sich hier vehment gegen dieses Gesetzt aufregt

was passiert mit den Patienten ide auch für die Kassen unwirtschaftlich sind weil chronisch schwer krank

finden die dann in Zukunft auch so schwer eine KK die sie aufnehmenm will wie heute einen behandlungswilligen Doc??

Was ist wenn solch brisanten Daten gehackt werden, das kann einen ganzen Lebensplan über den Haufen werfen, wenn rauskommt das jemand kränker ist als er scheint.

Das wir die Daten in Zukunft bekommen die wir für die Steuerung der Budgets unbedingt brauchen glaubt doch nach den Vorkommnissen der vergangenen Jahren wohl keiner mehr

Mir hat man eine ausgedruckten Wirtschaftlichkeitsprüfungsantrag 19 nMonate lang vorenthalten, als Belohnung darf ich mich jetzt mit dem Prüfungsausschuß rumärgern.
Wollten die KK wirklich ernsthaft
Wirtschaftlichkeit i´n der GKV so würden sie sich etwas mehr sputen die vorhandenen Daten zu veröffentlichen.

Eingescanntes Rezept aus der Rezepteinsicht:
Ausgestellt Ende Januar 1998, vom Krankengymnasten abgestempelt und eingeschickt am 25.02.98 und mit einem stempel "EDV erfaßt" vom 17.03.98 abgelegt.

Weiteres Beispiel:
Rezept für einen BG Fall nicht ganz korrekt weil die Kassennummer mit auf dem Rezept war!
Rezept vom 28.02.2000 am 14.07.2000 beim Sachbearbeiter auf dem Bildschirm zur nachträglichen Korrektur, selbstverständlich komplett datentechnisch erfaßt

Dieses Gesetz wird so also wieder nur den KK dienen uns mit Sicherheit nicht

Seitz
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 17:59     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber Herr Rapp,
<<Ich hätte nicht viel dagegen, daß die KVen Teilhaber und Mitveranstalter der Datensammelstellen würden, dort unsere Abrechnungen mitlaufen ließen und bei der Mittelverteilung (als eine der Konsequenzen ausgewerteter Daten) direktes permanentes Mitspracherecht hätten.<<
contitio sine qua non
Anders darf das gar nicht ablaufen.
Ansonsten müßten die Kollegen mit EDV Datenaustausch betreiben und die Statistiken soweit möglich kontollieren. Wäre leicht möglich. z.B. mit Padok

schönen 2. Advent
m.s.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 09. Dezember 2000 18:03     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
conditio sine ....
Alle Tippfehler sind urheberrechtlich geschützt.

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 09. Dezember 2000 20:30           
Jedes Gesetz hat uns Ärzte im Laufe der Zeit schleichend immer mehr weggenommen. Hier läuft ein Prozeß der Übernahme der Macht im Gesundheitswesen durch die Krankenkassen. Dieses Gesetz ist ein weiterer Schritt dazu. Erinnern wir uns: die kassenärztlichen Vereinigungen wurden gegründet, um der Allmacht der Krankenkassen eine gebündelte Macht entgegenzustellen. Im Faschismus 1933, im August, wurden diese staatlicher Macht unterstellt und ihrer Privatheit beraubt. Dieser vom Terrorregime installierte Status wurde von der ach so freiheitlichen Bundesrepublik gerne übernommen und weiter benutzt, um das ehemalige Ziel der KVen in ihr Gegenteil zu pervertieren. Heute sind die KVen parastaatliche Exekutivorgane des Staates. Das reicht noch nicht, die werden mit dem Ermächtigungsgesetz, dem sog. Transparenzgesetz, nun auch noch vollends entmachtet, denn die KVen sind von ihrer ehemaligen Stellung als Interessenvertreterinnen der Ärzte zur reinen Geldverteilerstation geworden. Und das wird nun mit dem neuen Gesetz überflüssig.
Seit den 70er Jahren hat das an die Ärzte ausgezahlte Geld um 1/3 abgenommen (verglichen mit den Gesamteinnahmen der Krankenkassen). Bei jedem kleinen Schritt dachten die Ärte, es wird schon nicht so schlimm kommen, o,5% weniger im Quartal, ist doch nicht so schlimm ...

Als Blüm die geniale Idee des Punktwertes hatte, hat sich keine Ärztegruppe darum geschert, wird schon nicht so schlimm kommen, müssen wir halt mit umgehen.

Als der Punktwert fiel, weil die Kassen gemauert haben, wird schon nicht so schlimm kommen.

Als die Deckelung eingeführt wurde, wird schon..., s.o.

Als das Arzneimittelbudget kam, waren alle ganz happy, als das umgemodelt wurde in ein anderes Budget, die Richtgröße, und so wird es schon nicht so... s.o.

Nun ist das Ermächtigungsgesetz da. Rapp, glauben Sie mir: es wird WESENTLICH SCHLIMMER kommen, als wir uns das denken können. Das Einzige, was wir tun können, ist mit aller Macht, die uns geblieben ist, dagegen anzugehen. Irgendwelche Forderungen, daß die KVen da mit teilhaben dürfen sollen, oder daß die Ärzte die Zahlen bekommen sollen, werden entweder abgeblitzt werden oder einfach illegal unterlaufen wie die Frage der Datenweitergabe bei der medikamentösen Verordnungsweise. Da liegen die Zahlen natürlich vor, aber die Kassen behalten die illegal für sich. Dieses Gesetz hat keine Chancen für Politiker, Patienten und Ärzte, nur für die Krankenkassen.

Es ist der nächste Angriff auf die ambulante Medizin.

Es ist Angriff auf die von der Schweigepflicht das Arztes beschriebene Vertraulichkeit der Arzt-Patient-Beziehung.

Es ist Angriff auf die Freiberuflichkeit des Arztes.

Es ist Angriff auf die informationelle Selbstbestimmung des Patienten.

Es ist eine Kampfansage an die ambulant tätigen Ärzte.

Erkennen wir dies nicht, sind wir selber schuld an unserem Untergang.

Meister
unregistriert
erstellt am: 10. Dezember 2000 01:01           
Die Gesetzesvorlage ist geheimes Material. Die Weitergabe als geheim eingestufter Materialien ist illegal.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 10. Dezember 2000 10:55     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
verehrter Meister aller Klassen,

wie das in www.aerztezeitung.de/docs/2000/12/07/221a0301.asp
angesprochene Papier tatsächlich klassifiziert ist, wissen Sieso wenig wie ich.

Wenn Inhalte dieses Papiers nun mal in der Öffentlichkeit gelandet sind, wirds eben diskutiert.

Na und ?
PR

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 10. Dezember 2000 11:39     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Solga, liebe Mitleser,

ich weiß, das Mißtrauen sitzt fürchterlich tief. Zurecht, wenn man Ihrem historischen Kurzflug folgt. Auch zurecht, wenn man beobachtet hat, wie die ein sogenanntes Solidaritätsstärkungsgesetz ins Gegenteil der behaupteten Intention geführt hat.

Die KVen sind allerdings nicht Interessenvertreterinnen der Ärzte, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts und Inhaber des Sicherstellungsauftrags. Diesen Status würde ich an gar niemanden verkaufen wollen.

Das "GKV-Ermächtigungsgesetz" ist eben noch nicht Gesetz.
Ich fürchte begründet, daß irgendetwas Gesetz wird, was auf medizinische u n d ärztliche Belange überhaupt keine Rücksicht mehr nimmt, wenn wir uns jetzt von vornherein aus der Diskussion auskoppeln. Dafür, daß ein "Transparenzgesetz" seinen Namen auch verdient,ginge ich jederzeit auf alle Barrikaden.

Ich bewege lieber, als mich bewegen zu lassen. Warum so wenig Selbstbewußtsein ? Wer die Daten hat, hat die Macht. Die Daten haben zuallererst einmal wir. Wer sie von uns haben will, der muß sich mit uns über ihre sachgerechte Verwendung im Sinne der Patienten arrangieren. Davon verstehen alle anderen erwiesenermaßen nichts. Ich meine, diese Diskussion zu verweigern hieße, weitere Macht zu verschenken.

PR

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 10. Dezember 2000 11:41     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Lieber Herr Solga, liebe Mitleser,

ich weiß, das Mißtrauen sitzt fürchterlich tief. Zurecht, wenn man Ihrem historischen Kurzflug folgt. Auch zurecht, wenn man beobachtet, wie ein sogenanntes Solidaritätsstärkungsgesetz ins Gegenteil der plakatierten Intention führt.

Die KVen sind allerdings nicht Interessenvertreterinnen der Ärzte, sondern Körperschaften des öffentlichen Rechts und Inhaber des Sicherstellungsauftrags. Diesen Status würde ich an gar niemanden verkaufen wollen.

Das "GKV-Ermächtigungsgesetz" ist eben noch nicht Gesetz. Ich fürchte begründet, daß irgendetwas Gesetz würde, was auf medizinische und ärztliche Belange überhaupt keine Rücksicht mehr nimmt, wenn wir uns von vornherein aus jeder Diskussion auskoppeln. Dafür, daß ein "Transparenzgesetz" seinen Namen auch verdient, ginge ich jederzeit auf alle Barrikaden.

Ich bewege lieber, als mich bewegen zu lassen. Für zu wenig Selbstbewußtsein sehe ich gar keinen Grund. Wer die Daten hat, hat die Macht. Die Daten haben zuallererst einmal wir. Wer sie von uns haben will, der muß sich mit uns über ihre sachgerechte Verwendung im Sinne der - allerdings aller ! - Patienten arrangieren. Davon verstehen alle anderen erwiesenermaßen nichts. Ich meine, diese Diskussion zu verweigern hieße, weitere Macht zu verschenken.

PR

PS:sorry, kann sein, das kommt zweimal, meine Kiste tut nicht immer gleich, wie sie soll

mehner
unregistriert
erstellt am: 10. Dezember 2000 12:20           
Glaubensfragen ?
ich glaube nicht an die Reformierbarkeit des
deutschen Gesundheitswesens.
Ich glaube an die Notwendigkeit der Wiederherstellung eines freien Arztberufs.
Ich glaube an die zwingende Notwendigkeit der
Wiederherstellung eines Vertrauensverhältnisses des Patieten zu seinem Arzt. Es sollten nicht nur die Naiven
ohne Einschränkung davon ausgehen können, daß
ihr Arzt als erstes ihr körperliches und geistiges Wohl bei jeder seiner Handlungen sieht.
Ich glaube daß nur ein mutiger Neuanfang das
leisten kann, was Reformationsversuche bisher
nicht erreicht haben und auch in Zukunft nicht erreichen werden.
Ich glaube, daß ein Gesetz, wie das obige
den Untergang des bisherigen Systems nur beschleunugen kann, sollte man sich darüber nicht freuen. ?
Ich möchte eines Tages meinen Beruf wieder so
ausüben können, daß ich mich am Abend zurücklehnen kann, und sehe, daß ich etwas
Positives erreicht habe.
Glaube, Wünsche ..... Wissen wäre besser.
Glaube ist jedoch ein Anfang.
Noch nie ist es gelungen durch bürokratische
Verwaltung Mißstände abzuschaffen. Bürokratie
verschäft das Problem.
Und glaube keiner die Menschen/ Patienten
würden aufstehen und sagen, so könnt Ihr das mit uns nicht machen, wenn nicht einmal Diejenigen deren tägliches Mühsal es ist,
das Problem realisieren und dagegen wirklich Sturm laufen.
Echter Markt ist ein Ausweg, wenn man davon ausgeht, daß der Humanist-Arzt dem Kaufmann- Arzt langfristig überlegen ist. Kann man davon ausgehen ???
MfG Mehner

Seitz
Mitglied
erstellt am: 10. Dezember 2000 17:32     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber Herr Mehner,
<<Echter Markt ist ein Ausweg, wenn man davon ausgeht, daß der Humanist-Arzt dem Kaufmann- Arzt langfristig überlegen ist. Kann man davon ausgehen ???<<
Wahrscheinlich leider nicht. Im derzeitigen System ist der Humanist - Arzt auf Dauer zum Untergang verurteilt. Eine reine Kassenarztpraxis lohnt schon jetzt nicht mehr. Die Einnahmen der Kassentätigkeit decken mehr oder weniger die Ausgaben. Zum Leben brauchen viele Ärzte inzwiscxhen die Privateinnahmen. Eben auch von Kassenpatienten. Der Humanist im Arzt wird immer mehr zurückgedrängt. Unser Gesundheitswesen befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel der Arzt-Patient Beziehung. Das haben auch Kassenfunktionäre inzwischen erkannt und besorgt festgestellt. siehe Beiträge in diesem Forum. Lassen wir das noch einige Zeit so weiter laufen wird es kein Zurück mehr geben. Schlagen Sie die großen Tageszeitungen auf. Ein "Therapiezentrum" nach dem anderen wird eröffnet. Der Arztberuf ist schon längst käuflich geworden. Und keiner soll sagen, das war doch schon immer so. Diese Einschätzung können nur die Ärzte selbst treffen. Solange uns keiner glaubt steuern wir unweigerlich auf den Abgrund zu. Zu unserem Glück fällt nur die Humanität hinein .

m.s.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 10. Dezember 2000 17:35     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber Herr Rapp,
interessanter Vorschlag: Datenstreik
keiner kann uns dann vorwerfen wir würden nur auf Kosten der Patienten streiken. Wir hätten endlich ein Mittel mit dem Streik die zu treffen, die wir treffen wollen. Ob das strafbar ist??

m.s.

mehner
unregistriert
erstellt am: 10. Dezember 2000 18:37           
Lieber Herr Seitz,
so naiv, daß ich glaube, man könnte noch
heute Medizin nach rein ethischen Grundsätzen
machen, bin ich nun auch nicht.
Es könnte sich aber als Marktargument erweisen, wenn der Patient annimmt, der Arzt,
den er aufsucht handelt nicht wie ein Kaufmann.Es gibt auch erfolgreiche Handwerker
deren Bestandsgarantie eben eine gewisse
Handwerkerehre ist und die sich dadurch mit
zufriedenen Stammkunden gegenüber der harten
Billigkonkurenz behaupten.
Die globale Einschätzung der Veränderung unserer Medizinlandschaft teile ich.
MfG Mehner

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