Datum: 14.08.2001 00:03:01 Autor: Udo Teichmann ©
Kochs Sozialhilfe-Ideen
Wer profitiert von Wisconsin's W-2-Programm?
Liebe Mitdiskutanten,
für manche Sozialhilfeempfänger bietet das W-2 Programm tatsächlich verbesserte Chancen, sich aus dem Kreislauf von Armut und Deklassierung zu befreien. Es gibt aber unverhältnismäßig viele "Verlierer" des Systems.
Das Wisconsin-Programm wurde vor allem als großartiges Modell herausgestellt, weil die direkten Sozialhilfekosten durch die Reform gegenüber 1986 um 92 Prozent gesenkt werden konnten, die markanteste Senkung in ganz USA.
Im Dezember 1999 veröffentlichte das "Hudson Instutute of Indianapolis" eine Studie, die feststellen sollte, was aus den früheren Sozialhilfeempfängern geworden war, die aus W-2 ausgeschlossen worden waren. Und das waren die meisten der früheren Sozialhilfeempfänger. Von 1997 bis 2000 sank Zahl der Hilfeempfänger von 35.000 Familien auf nur noch 7.000 Familien.
Interessanterweise wurde die Untersuchung mit einer Telefonumfrage durchgeführt, sodaß diejenigen, die am schlimmsten von der Streichung ihrer Sozialhilfe betroffen waren und sich auch keinen Telefonanschluß mehr leisten konnten, aus der Studie herausfielen.
Aber auch so war die Hudson Studie eine einzige Anklage gegen das W-2-Programm. Von den früheren Sozialhilfeempfängern, die auf die Umfrage reagierten, ermittelt der Hudson-Report daß 22 Prozent nicht in das W-2-Programm zurückgekehrt waren oder sonstige staatliche Hilfen beantragt hatten.
Nach dem Hudson-Report waren die Leute, die nicht in staatliche Hiolfsprogramme zurückkehrten, am wahrscheinlichsten Menschen mit Hindernissen zur abeitsaufnahme, etwa Behinderungen oder gesundheitsproblemen, Leute mit behinderten Kindern und Menschen, die keine minimale Schulausbildung vorweisen konnten.
Was aber geschah dann mit den tausenden alleinerziehenden Müttern? Etliche wurden obdachlos: Nach der "Apartment Association of Southeastern Wisconsin", einer Hausverwaltungsorgabnisation schnellte die Zahl der Zwangsräumungen von 700 im Jahr vor W-2-Einführung auf weit über 2.000 heute. Alle Odachlosenasyle im land sind überfüllt, mit stiegender Tendenz bei obdachlosen Frauen. Zusätzlich ist die Zahl der Kinder, die den Müttern abgenommen und in Pflegestellen vermittelt wurden, rasant angeschwollen.
Die Humankosten der neuen Sozialhilfepolitik sind bestürzend gewesen. Im ersten Jahr von W-2 schnellte die Kindersterblichkeitsrate auf einen erschütternden Prozentsatz von 17,6 Prozent hoch, wie gerade ein Bericht der "Start Smart Milwaukee", eine Kinderschutzorganisation, mitteilt. In dem gleichen Zeitraum, wie Dr. Patricia McManus mitteilt, die in der staatlichen "African-American-Infant-Mortality-Task-Force" arbeitet, schoß die Kindersterblichkeitsrate schwarzer Kinder auf unglaubliche 37 Prozent hoch. "Milwaukee wurde schwer getroffen von der Umsetzung des W2-Programms", sagt Dr. McManus.
Etwa in der gleichen Größenordnung wie die Kindersterblichkeit stieg die Kriminalitätsrate und die Zunahme des Drogenmißbrauchs seit Einführung des W2-Programms in Wisconsin.
Doch damit nicht genug: Zwischen Januar 1996 und Juli 1999 sank die Zahl der Lebensmittelkartenberechtigten um 32 Prozent in Milwaukee und 40 Prozent im ganzen Staat Wisconsin. Angeblich werden die Berechtigten nicht ausreichend über ihre Rechte belehrt.
Andererseits gibt es Leute, die mit dem programm sehr gut fahren. Etwa die fünf Agenturen, die mit der Verwaltung des Programms im Bereich Milwaukee beauftragt sind. Für die Jahre 1997 bis 1999 waren allein die Agenturen in der Lage, jeweils 23 Millionen US-$ an unbeschränkten Gewinnen einzufahren plus 28 Mio US-$ an "reinverstiven" Gerwinnen. Zwei der Agenturen sind privatwirtschaftlich organisiert, sodaß das geld direkt in private Hände überging. Die drei nonprofit Agenturen konnten sich mit den überschüssen hochdotierte Managergehälter und großzügige Sonderzahlungen leisten.
Dann sind da die privaten Unternehmen, die praktisch unbezahlte Arbeiter gestellt bekommen. Die Arbeitskräfte bekommen weiter ihren normalen Sozialhilfescheck, und der Unternehme hat keine Lohnkosten zu tragen. Für das konservative Weltbild könnte die Welt nicht besser in Ordnung sein. Der Haken an der Sache: Der Unternehmer bekommt einen reellen Wert, der Arbeitsnehmer unter W-2 keinen fairen Gegenwert sondern einen demütigenden Hungerlohn.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann
Quellen und weitere Hinweise: xxxxx://www.mediatransparency.org/stories/w2_result.htm