Datum: 03.08.2001 15:59:21 Autor: Udo Teichmann ©
Hakenkreuz-Mahnmal


Anne K.: Die Posaunen von Jericho :-)
Hallo Anne K.,

Über ihre Einwände habe ich gerne nachgedacht. Und ich kann den Charme Ihres besänftigenden und beruhigenden Tonfalls durchaus nachvollziehen. Dennoch halte ich es grundsätzlich für nötig, gegen Intoleranz, Hetze gegen Minderheiten, Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit knallhart intolerant zu sein.

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Herr Spiegel darf, wie jeder andere, seine Meinung zum Denkmal und zum Text darauf sagen. Das stellt keiner der ernstzunehmenden Beiträge hier in Zweifel. Man darf aber die Meinung und das Vorgehen von Herrn Spiegel kritisieren, ohne das einem ehrenrührige Motive unterstellt werden dürfen.
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Zunächst haben hier etliche Teilnehmer Herrn Spiegel des Recht abgesprochen sich gewissermaßen in deutsche Angelegenheiten einzumischen. Das ist etwas ganz anderes, als an irgendwelchen Meinungen oder Handlungen von Herrn Spiegel oder dem Zentralrat der Juden in Deutschland Kritik zu üben. Solche Kritik ist selbstverständlich zulässig, auch wenn von interessierter Seite gern weinerlich so getan wird, als dürfe man Spiegel nicht kritisieren. Aber auch die Kritiker Spiegels müssen Kritik ertragen können.

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"Was die Aufschrift anbelangt, so ist nicht nur der Initiator des Mahnmals in Stolberg sondern auch der Bürgermeister und der Künstler mit der neuen Formulierung ausdrücklich einverstanden, denn die Stolberger wollten ausdrücklich der bei Ihnen eingepferchten Zwangsarbeitert gedenken. Und dann ist es richtiger, die Täter der Opfer zu benennen, als schwammig das Elend der Welt anzuprangern, ohne Roß und Reiter zu nennen. Und es war der NAZI-Terror, der die Stolberger Zwangsarbeiter entwürdigt, ausgepreßt, gequält und teilweise umgebracht hat"

Hier, Herr Teichmann, irren Sie. Der Künstler will keine Veränderung, und auch der Bürgermeister, der natürlich Angst vor der starken Lobby und die Konsequenzen haben muß, beklagt, daß alle Beteiligten seit 10 Jahren darüber diskutiert haben und zu diesem Ergebnis gekommen sind. Ihre Meinung dazu ist nur Ihre persönliche Meinung, und es gibt auch andere. Und wenn Sie von "als schwammig das Elend der Welt anzuprangern" sprechen, dann darf ich Ihnen auch sagen, daß die alleinige Konzentration auf den Terror einer Seite, der schon 60 Jahre hinter uns liegt,auch hilfreich sein kann, alle anderen Verbrechen zu relativieren. Auch daran sollten Sie einmal denken.
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Ich irre mich keineswegs: Zur Aufschrift habe ich eindeutige Äußerungen des Künstlers, daß darüber kein Streit besteht. Aus einem Interview in der Aachener Zeitung vom 31.7.2001:

Frage: Dennoch sind Sie zu einem Kompromiss bereit.
Peters: Aber nur was den Schriftzug betrifft. Mit dem Hinweis «Den Opfern des Nationalsozialismus» bin ich absolut einverstanden. Auch eine Tafel, die an die Herkunft der deportierten Zwangsarbeiter erinnert oder auch auf die Namen der 34 Toten verweist, finde ich gut.

Quelle: xxxxx://www.az.region-aachen.de/corem/corem/az/lokales/stolberg/peters-interview31175511_10731.html


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"aber ich spiele nicht mit, wenn die NAZI-Verbrechen verwässert werden sollen, indem das ganze furchtbare Gewalterbe der Welt zur Nivellierung des historischen Versagens der Deutschen ausgebreitet wird."

Und hier , Herr Teichmann, übertreiben Sie maßlos. Das ursprüngliche Denkmal wollte sich gegen die Gewalt aussprechen, die durch die Naziherrschaft in die Welt gesetzt wurde. Das verstand jeder hier im Forun so. Hier sollte kein Opfer ausgeschlossen werden, auch die nicht, die nicht im Lager waren. Wollen Sie denen diese Ehre verweigern?
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Hier sollte alle mögliche Gewalt ins Spiel gebracht werden, vor allem auch die Gewalt des Stalisnismus. Nur darauf wollten die Stolberger nicht hinaus: Der Künstler beschreibt die Intention des Mahnmals im selben Interview.


Frage: Können Sie die Beweggründe Spiegels denn nachvollziehen?
Peters: Nach seinem Besuch in Stolberg hat er gesagt, das Mahnmal habe ihn bedrückt. Das war im Grunde eine Anerkennung der Wirkung, die erzielt werden soll. Herr Spiegel darf jedoch nicht vergessen: Das Mahnmal erinnert an die Opfer, die im Stolberger Arbeitslager gelitten haben oder umgekommen sind.


Es ging bei dem Mahnmal also wirklich nicht generell um die Opfer des Natuionalsozialismus sondern um die Menschen, die im Stolberger Zwangsarbeitslager gelitten haben. Und alle in Stolberg finden es richtig, daß diese Opfer dann auch als Opfer des NAZI-Terrors geehrte werden. Nur hier im Forum melden sich Stimmen, die völlig absurder Weise etwa die Opfer des Archipel Gulag dadurch geschändet oder mißachtet sehen wollen, wenn die Stolberger nicht gleich aller Gewaltopfer der Weltgeschichte gedächten.

Und auch Sie stellen mir die wirklich sehr merkwürdige Frage, ob ich den Opfern, die nicht im Lager waren, eine Ehre verweigern wollte. Nein, die Stolberger haben guten Grund, sich gezielt der Opfer zu erinnern, die in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft gelitten haben und teilweise dort auch umgekommen sind. Und für diese haben sie ein Mahnmal geplant, entworfen, in Auftrag gegeben und dafür Geld gesammelt. Das setzt andere Opfer, die in anderem Kontext geehrt werden, doch keinen Deut zurück. Also, mir kommt dieser Einwand wirklich extrem absurd vor.


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"Ich stelle Euch wo immer Ihr Euer gehässiges Maul auch nur verzieht! Und den Schuh mag sich anziehen, wer immer sich angesprochen fühlt"

Ich will nicht bestreiten, daß es Menschen gibt, die man als Neonazis bezeichnen kann wie es auch Neostalinisten etc. gibt. Aber so wie Sie Menschen beurteilen, voller Haß Ihre selbst definierten Grenzen setzen, so werden Sie nichts ändern, im Gegenteil, sie provozieren was Sie nicht wollen.
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Man kann Antisemiten nicht "provozieren", sie können es ja gar nicht erwarten, bei jeder geeigneten oder ungeeigneten Gelegenheit ihren Haß unter die Menschen zu streuen. Und diesen Haß gehe ich frontal an. Und das ist auch gut so. Wie gehen Sie denn mit antisemitischen Äußerungen in ihrem Umfeld um? Lachen Sie über antisemitische, rassistische, fremdenfeindliche oder Schwulen-Witze? Bitten Sie um Mäßigung? Oder was?

Bei mir gibt es keinerlei Zweifel, was ich von diesem braunen Dreck halte und in meiner Gegenwart ist regelmäßig schlagartig Schluß mit solchen politischen Anzüglichkeiten. Und dann wagen sich auch andere vor, die sich dann von solchen Tendenzen zu distanzieren wagen. Und darauf kommt es an. Man darf Antisemiten und dergleichen nicht das Feld überlassen. Und da bewirkt man nichts mit harfenden Engelstönen. Zugegeben: Mir sind da Posaunen noch fast zu leise.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann