Datum: 06.01.2001 00:06:04 Autor: Udo Teichmann ©
NATO macht sensationelle Entdeckung!!


Uranmunition
Liebe Mitdiskutanten,

Matts Ausführungen zu der DU-Munition (Urangeschosse) werden den wirklichen Risiken nicht gerecht. Es trifft zwar zu, daß noch nicht vollständig geklärt ist, welche konkreten Krankheiten durch DU-Geschosse in welchem Maße genau verursacht werden, aber es spricht sehr viel dafür, daß erhebliche Gesundheitsrisiken mit der Verwendung von DU-Munition verbunden sind.

Epidemiologische Hinweise

Von den 697.000 US-Soldaten, die am Golf-Krieg teilgenommen hatten, wurden 90.000 nach dem Krieg schwer krank. Es kam zu schweren Dysfunktionen an den Atemorganen, der Leber, den Nieren; Gedächtnisschwund, Kopfschmerzen, Fieber, niedriger Blutdruck wurden festgestellt. Es gibt eine verdächtige Häufung von Geburtsfehlern bei ihren nach dem Krieg geborenen Kindern. Viele Mediziner führen DU-Munition als verdächtigste Ursache für etliche dieser Krankheitssymptome an.

Die Situation der im Irak lebenden Bevölkerung ist noch wesentlich schlimmer. Es kommt in Gegenden, wo diese Munition eingesetzt wurde, zu hochsignifikanten Zunahmen an Lymph- und Bluterkrankungen bei Kindern, die zusätzlich wegen des Embargos unter Mangelernährung leiden.

Das US-Verteidgungsministerium bestreitet einen Zusammenhang von DU-Munition und diesen Krankheiten. Es hat aber auch in etlichen von erkrankten Soldaten angestrengten Prozessen ihre eigenen Untersuchungs-Unterlagen zu den Folgen dieser Waffen – mit Rücksicht auf die Nationale Sicherheit, wie es hieß - nicht vorgelegt.


Physikalische Risiken

Abgereichertes Uran-238 stellt als schwacher Alphastrahler im Normalzustand keine große Gefahr dar. Insofern kann man Ihren Ausführungen folgen. Anders sieht es aber aus, sobald abgreichertes Uran als Geschoß auf Widerstand trifft. Folgendes passiert jetzt:

Es kommt zu einer Feinzerstäubung des Urans
Der Uranstaub entzündet sich und es wird giftiges Uranoxid in die Umwelt freigesetzt
Uran-238 emittiert ein Alphapartikel,
damit wird es transformiert in ein anderes Radionuklid,
nämlich Thorium-234 was seinerseits wieder zerfällt
in Proatinium-234. Nach 15 Zerfallstufen endet die
Kettenreaktion bei stabilem Blei-206.
Eins der Zerfallprodukte in der Kette,
nämlich Radon-222, ist ein inertiales und radioaktives Gas,
das in die Luft angegeben werden kann.
Ein anderes Zerfallprodukt, Radium-226, ist wasserlöslich.
Einige Zerfallprodukte, so etwa Bismuth-214, sind Gammastrahler.

Diese Zusammenhänge zeigen, wie komplex und mit wievielen Risikostufen DU-Munition betrachtet werden muß. Dabei muß zusätzlich die schiere Masse bedacht werden: Im Irak wurden über 940.000 30-mm-Uraniumverstärkte Geschosse abgefeuert und mehr als 14.000 großkalibrige 120 und 130 mm Geschosse. Damit wurden im Irak zwischen 300 t und 800 t DU-Partikel pulverisiert und in die Umwelt abgegeben.

In Jugoslawien wird DU vielfach von Kampfflugzeugen eingesetzt, aber auch die Tomahawk-Cruise-missile sind mit bunkerbrechender DU-Spitze verstärkt. Der Luftkrieg gegen Jugoslawien dauerte wesentlich länger als die gesamten Kampfhandlungen gegen den Irak – es muß also davon ausgegangen werden, daß in Jugoslawien wesentlich mehr dieser DU-Munition verschossen, das heißt pulverisiert, entzündet, in die Umwelt angegeben wurde, und zwar von den Tomahawk-Raketen in die Großstäte geschleppt, bei Angriffen auf Brücken in die Flüsse eingeleitet, bei Angriffen auf Treibstofflager inmitten riesiger Feuerstürme in die Luft abgegeben. Damit ist die gesamte Bevölkerung den unkalkulierbaren Risiken dieser Munition ausgesetzt. Und diese Risiken sind eindeutig Krebsrisiken.

Das US-Army Surgeon General’s Office erklärte am 16. August 1993 zur Gefährlichkeit des abgereicherten Urans: „Wenn Soldaten abgereicherten Uranstaub einatmen oder schlucken, unterliegen sie einer potentiellen Steigerung ihres Krebsrisikos. Die Höhe dieser Steigerung kann quantifiziert (im Sinne des zu erwartenden Verlusts an Lebenstagen) werden, wenn die Einnahme abgereicherten Urans bekannt ist oder geschätzt werden kann) ... Die zu erwartenden physiologischen Folgen bei der Einwirkung abgereicherten Urans sind ein gesteigertes Krebsrisiko (Lunge oder Knochen) und Nierenschädigungen.“


Unabsichtliche Tierversuche
Zu ähnlich eindeutigen Aussagen kommt 1994 der US-Staat Nevada in seinen Kommentaren zur „Draft Environmental Assessment Resumption of Use of Depleted Uranium Rounds at Nellis Air Force Range Target 63-10“. Die US-Aif-Force führt in einem dortigen Nationalpark Übungsschießen mit DU-Munition durch. Dabei wurde im Rahmen der Umweltschutzprüfungen eine starke Vermehrung von spezifischen Erkrankungen bei in der Nähe des Schießplatzes gefangenen Ratten, Hasen, Füchsen festgestellt. Und dabei sind in dem gesamten Testgebiet gerade mal 30 t DU-Munition verschossen worden. Im "Testgebiet" Jugoslawien werden es inzwischen konservativ geschätzt etwa 500 t DU-Munition sein.
Also Matt, dieses Teufelszeug bitte nicht verharmlosen. Es gibt erstklassige Gründe, diese Munition, die in ihren Fernwirkungen keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen Kombattanden und Nichtkombattanden macht, und an der Spitze der cruise-missiles sogar vielfach in dichtbewohnten Gebieten einschlägt.

Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann