Datum: 15.11.2000 02:09:03 Autor: Udo Teichmann ©
Politisch korrektes Publikum bei Sabine Christiansen
Herr Neumann: Das Elend mit der Sexualität
Lieber Herr Neumann,
zunächst meinen Respekt für Ihr aufrichtiges Bemühen, den hier behandelten Diskurs mit möglichst nachvollziehbaren Argumenten zu bestreiten. Dabei berichten Sie über ganz natürliche, spontane emotionale Reaktionen bei Ihnen persönlich, so etwa, daß Homosexualität bei Ihnen "echten Ekel auslöst". Sie raten daher davon ab, bei der Diskussion über die eingetragene Partnerschaft das Thema Sexualität überhaupt zu berühren.
Im Grunde halten Sie Homosexuelle für unbeherrschte und verantwortungsscheue Subjekte, die sich weigern, einer Frau intime Liebe vorzuheucheln und sie damit in einer verlogenen Beziehung zu Ehe und Kindern zu verleiten. Statt ihr Leben gegen die eigene Identität auszurichten und ihren Intimpartner lebenslang über das Wesen der Beziehung zu täuschen, und so in gesellschaftlich gelobter Weise "Verantwortung für Kinder" zu übernehmen, geben die heutigen Homsexuellen nach ihrem Eindruck allzu schnell ihren ekligen Neigungen nach und scheren sich egoistisch nur um ihre niederen Triebe, statt sich tapfer für Sitte und Arterhaltung aufzuopfern.
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Zum einen hat es in der Vergangeheit (also vor der sexuellen Revolution) sicher auch Homosexuelle gegeben, die sich aber mit ihrer sexuellen Vorliebe zurückgehalten haben und in einer traditionellen Ehe Verantwortung für Kinder übernahmen. Dabei stellten sie diese Verantwortung höher als ihre sexuelle Neigung und heutzutage verstehen viele Menschen sicher nicht, warum das nun nicht mehr so sein soll.
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Warum soll es wohl nicht mehr so sein?
Muß man das wirklich buchstabieren?
Es soll nicht so sein, weil es unrecht ist, sein Leben gegen die eigene Identität zu führen, weil es unrecht ist, einen anderen Menschen mit einer verlogenen Beziehung zu kränken, denn nie und nimmer kann ein homosexueller Leisetreter, der sich in eine traditionelle Scheinehe einschleicht, dem redlichen Anspruch des getäuschten Ehepartners gerecht werden.
Ich nehme zu Ihren Gunsten an, daß Sie nicht wissen, was Sie da schreiben... Und einiges spricht dafür, daß Sie das wirklich nicht wissen, z.B.:
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Zum anderen ist Homosexualität eine Sache, die bei Heterosexuellen nicht nur Ablehnung, sondern zuweilen auch echten Ekel auslöst. So auch bei mir. Diese Sache macht die Diskussion so heikel und ist letztendlich auch für die emotionalen Ausbrüche verantwortlich. Also wäre eine Trennung von der Sexualität letztendlich auch im Sinne der Homosexuellen.
---tatiZ---
Der "Ekel", von dem Sie sprechen, zeigt, daß Sie homosexuelle Intimbeziehungen nur in Kategorien der Pornographie wahrnehmen können. Homosexuelle Intimbeziehungen sind aber zuerst und uneingeschränkt genau so Liebesbeziehungen wie zwischen Romeo und Julia. Im Vordergund intimer Beziehungen von Schwulen und Lesben, die auf eine eingetragene Partnerschaft zustreben, stehen keine perversen Sexualpraktiken sondern vollgültige Liebebeziehungen zwischen zwei Menschen, die sich existenziell für einander entschieden haben. Loten Sie bitte die Abgründe Ihrer Diskriminierung von Homosexuellen selbst aus, indem Sie sich vorstellen, beim Anblick von Braut und Bräutigam vor der Kirche schwüle Phantasien über sexuelle körperliche Details zwischen diesen beiden heterosexuellen Menschen abwehren zu müssen.
So lange von Homosexuellen erwartet wird, sich öffentlich asexuell zu präsentieren, vergeht man sich an ihrer Identität und damit an ihrer Würde. Sexualität ist keine verhuschte Privatsache, sondern bildet ein Kernelement der menschlichen Würde. Die ganze Literatur, die bildende Kunst, die Musik ist prall gefüllt mit den prachtvollen Motiven von Liebe und Sexualität, von Freude und Schönheit, von Treue und Eifersucht, von Selbstfindung und Entfremdung - und diese ganze Dimension des Menschseins wollen Sie bei Homosexuellen peinlich berührt unter den Teppich kehren?
Dagegen sagt das neue Gesetz: NEIN!
Das neue Gesetz stellt von Staats wegen klar, daß homosexuelle Beziehungen offiziell als Liebesbezioehungen ernstgenommen werden. Das neue Gesetz stellt klar, daß Sexualität und sexuelle Orientierung wesentliche Elemente der menschlichen Identität und damit konstituierende Elemente der Menschenwürde sind, und daß die staatliche Ordnung der tausendfach angefochtenen Würde von homoseuxellen Lebensentwürfen mit der eingetragenen Partnerschaft Brief und Siegel für Achtung und Respekt verleiht.
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Ich betrachte es als ein Geschenk Gottes, ein natürliches Leben führen zu können. Ein wichtiger Bestandteil eines solchen natürlichen Lebens sind für mich Kinder, die von ihren leiblichen Eltern in jeder Phase ihrer Entwicklung begleitet werden. Dies ist für mich das Ideal und ich habe diesem Ideal schon viel geopfert: Zeit, Geld, Sicherheit und einen guten Teil meiner persönlichen Freiheit. Ich betrachte das als Teil verantwortlichen Handelns, denn die Erfahrung und viele Untersuchungen haben gezeigt, daß Kinder, die in einem natürlichen Umfeld in meinem Sinne aufwachsen, sich optimal entwickeln können.
---tatiZ---
Es ist in unserem säkularen Staat nicht Aufgabe Gottes, sondern des Gesetzgebers, auch homosexuellen Paaren die Chance einzuräumen, ein natürliches Leben zu führen. Sie sagen oben zwar, daß Kinder ein wichtiger Bestandteil eines solchen natürlichen Lebens sind, aber sie sind nicht alles und nicht das einzige, was zählt. Haben Sie in Ihrer "idealen Beziehung" denn wirklich nur geopfert, Zeit, Geld, Sicherheit und ein gut Teil Ihrer persönlichen Freiheit? Haben Sie denn nur geheiratet, um ihrer "Verantwortung" gerecht zu werden? Warum liest man selbst in der Beschreibung Ihres "Ideals" nichts von Liebe?
Zu einem "natürlichen Leben" gehört an erster Stelle, daß man nicht gehindert wird, seiner Liebe zu folgen, daß man nicht gehindert wird, sich zu seiner Liebe jubelnd und tanzend öffentlich zu bekennen, daß die Gesellschaft, die Nachbarn, die Freunde, die Familie diese Liebe achtet und sich an ihr freut. Auf dem Weg dahin, ist das neue Gesetz ein weiterer großer Schritt forwärts.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann