Datum: 26.08.2000 12:56:21 Autor: Udo Teichmann ©
Forums-Umfrage
Hans-Joachim Heinrich
Hallo Hans-Joachim,
---Zitat---
Man kann natuerlich, wie Udo Teichmann dies tut, sehr wohl einwenden, dass es sowieso keine Anonymitaet im Netz gibt, man also sowieso im Glashaus sitzt. Folgt man dieser Argumentation konsequent, wird natuerlich schon bei diesem Argument deutlich, dass eine Registrierung wenig verbessern wuerde.
---tatiZ---
Viel ändert sich, denn nur bei einer Registrierung beim Betreiber des Forums hätte die Redaktion in der Tagesroutine der Moderation unmittelbare und PRAKTIKABLE Eingriffsmöglichkeiten, um das Forum zu schützen. Wie ich schon ausführte: " die anonymen Störer dagegen sind ohne Registrierung nur unter so erheblichem Aufwand aufzuspüren, daß sie letztlich ungeschoren davonkommen und ihr zerstörerisches Werk immer weiter fortsetzen können." Und wer mit zerstörerischen oder gesetzwidrigen Beiträgen systematisch von Internet-Cafe zu Internet-Cafe wandert, ist ohne Registrierung für die CDU-Redaktion überhaupt nicht zu ermitteln.
Nun aber zu Deinem Hauptanliegen:
---Zitat---
> Dies (die Registrierung) bedeutet aber letztendlich, dass der gewuenschte Effekt, die “berufsmaessigen” Poebler rauszuhalten, nur bedingt funktioniert. Was mit absoluter Sicherheit nicht funktioniert, sind “braune Netzwerke”, vielleicht aber auch “linke Netzwerke” herauszuhalten, denn diese werden sich, schon aufgrund ihrer Strategie, der Muehe unterziehen, “ihre Diskutanten” vielfach korrekt anzumelden, waehrend derjenige, der “nur mitdiskutieren” moechte, sich dieser Muehe wohl kaum unterzieht. Das Endergebnis koennte dann sogar sein, dass weniger “normale Diskutanten” hier erscheinen, weil diese sich aus diversen Gruenden eben nicht registrieren lassen wollen, das Forum aber “fremdbesetzt” wird und zwar von Leuten, denen man gerade keine Plattform fuer ihre Selbstdarstellung und die Darstellung ihrer politischen Ziele geben moechte. >
---tatiZ---
Du unterschätzt die Registrierung auf dem Postweg. Damit hat man in jedem einzelnen Fall eine konkrete Person, die für die Inhalte verantwortlich gemacht werden kann. Und wenn sich hier etwa unliebsame "Netzwerke" korrekt registrieren, dann stehen trotzdem immer konkrete Ansprechpartmner für jede einzelne Registrierung ein. Es erscheinen dann also hier nicht Beiträge von "Netzwerken" sondern von konkreten Ansprechpartnern. Und wenn sich die Beiträge innerhalb der Schranken der Meinungsfreiheit bewegen, dann ist nichts dagegen einzuwenden. Verstoßen sie aber dagegen, kann man sie wirksam ausschließen.
Im Grunde läuft Deine Argumentation darauf hinaus, daß Du Angst davor hast, daß sich dann hier mehr Engagierte, die die Mühe der Registrierung auf sich nehmen, registrieren lassen als Gleichgültige, die jede Mühe scheuen, ihrer Stimme Gehör zu schaffen. Dieses Selektionskriterium halte ich aber für durchaus freiheitlich und demokratisch und ich glaube nicht, daß uns viel entgeht: Wem seine eigene Meinung schon selbst keine Mühe wert ist, warum sollen wir uns die anhören?
Etwas anders verhält es sich mit solchen Stimmen, die sich davor hüten müssen, daß sie, ausschließlich der Redaktion gegenüber, als Urheber von Beiträgen erkennbar sind. Wenn es sich um strafbare Inhalte handelt, sind sie auch heute schon, solange sie nicht aus Internet-Cafes heraus arbeiten, feststellbar. Wenn nicht, welche ehrenwerten Gründe kann es dann geben, sich der Redaktion gegenüber nicht zu erkennen zu geben?
Die gereizte Tonlage, die gegenwärtig zwischen einigen Teilnehmern und der Redaktion herrscht, zeigt ein gebrochenes Vertrauensverhältnis an. Da haben sich Leute so oft über unverständliche Löscheingriffe der Redaktion geärgert, daß sie der Redaktion auch demokratiefeindlichen Mißbrauch mit ihrern personenbezogenen Daten zutrauen und sich deswegen gegenüber der Redaktion nicht identifizieren wollen. Ich halte diese Besorgnisse einerseits für unbegründet und zudem für etwas theatralisch, weil naiv: Wenn man der CDU schon bösartige Machenschaften zutraut, dann darf man das Forum erst gar nicht ansteuern, denn von diesem Moment an ist man für einen böswilligen Internetanbieter auch ohne Registrierung identifizierbar.
Abschließend möchte ich mal grundsätzlich zu Bedenken geben, daß aus duckmäuserisch anonymen Heimlichkeiten ein demokratischer, politischer Diskurs schwerlich erwachsen kann. Demokratische Kultur setzt den selbstbewußten und wehrhaften Demokraten voraus, der offen zu seiner Meinung steht und es gegebenenfalls vorzieht, einen eventuellen Mißbrauch seiner Daten nachdrücklich zu ahnden und notfalls energisch zu unterbinden, statt sich kleinlaut in die Anonymität zu flüchten, um nur ja nicht angreifbar zu sein.
Wo aber Angreifern und Störenfrieden ein weltweit einsehbares offenes Forum geboten wird, auf dem sie aus der Deckung der faktischen Anonymität heraus ihren Heckenschützenfrivolitäten unangefochten nachkommen können, wird jeder offene politische Diskurs zerstört, dem Demokraten aber werden zu Gunsten der Heckenschützen die Abwehrmöglichkeit unverhältnismäßig erschwert. Wir haben es hier oft genug erfahren, daß sich immer wieder genügend gestörte Persönlichkeiten einfinden, die es genießen, aus der Anonymität heraus hartnäckig ihre niederträchtigen Machenschaften zu betreiben..Und das gilt ebenso für jeden anderen Kontext öffentlicher Internet-Diskussionen.
Früher oder später wird sich daher jedes politische Forum durch irgendeine Art wirksamer Registrierung gegen zerstörerische Angriffe auf die Integrität und Gebrauchsfähigkeit ihres Forums schützen. Es kommt darauf an, daß man das wohlüberlegt, wohldosiert und so tut, daß der Wille zur Meinungsfreiheit damit einen selbstbewußten Ausdruck findet, statt dessen kleinlaute Beerdigung darzustellen.
Mit freundlichen Grüßen
Udo Teichmann