Datum: 07.06.2000 23:38:35 Autor: Udo Teichmann ©
das Christentum...2000 Jahre Erfolg
Klaus - Aphorismen zur Lebensweisheit
Lieber Klaus,
man muß Deschner ja nicht mögen, aber widerlegt ist er nicht, wenn man sich an seinen zugespitzten Aphorismen reibt.
))Ich denke, also bin ich kein Christ.))
Darin werden ihm viele zustimmen, und viele widersprechen. Das ist ein kämpferisches Bekenntnis, keine streitige Sachbehauptung. Die Provokation, daß nicht Christ sein kann, wer denkt - umgekehrt also, daß alle Christen gedankenlos sind, wird letztlich auch kein Gläubiger bestreiten können. Der Glaube manifestiert sich nämlich im "credo, quia absurdum", der Glaube wird nicht durch Denken erzeugt, sondern durch Gnade, Glaube setzt keine Gedankenschärfe voraus, sondern ein offenes Herz. Wer heute wie Thomas von Aquin den Glauben aus der Vernunft zu beglaubigen versucht, wird sicheren Schiffbruch erleiden.
Also, lieber Klaus, kein Plakat für Esel, sondern eine sehr fruchtbare Provokation.
))Meine Skepsis bewahrt mich davor, Fanatiker zu werden -
wovor noch kein Glaube geschützt hat.))
Das allerdings ist ein sehr wahres Wort. Skepsis und Fanatismus vertragen sich nicht. Der Glaube dagegen, zumal der allein seligmachende Glaube, der dogmatisch verknöcherte Glaube, der militante Glaube - der ist der Köningsweg zum Fanatsimus. Man muß ein lauer Gläubiger, oder ein Skeptiker sein, um kein Fanatiker zu werden..
))Am wenigsten widerstehen kann ich dem Zweifel. Ich
bezweifle alles, selbst meinen Zweifel. Ich glaube wenig
und auch das nicht ganz. Skepsis ist für mich keine der
"schönen Künste", sondern Teil meiner Existenz.))
Das klingt mir ein bißchen eitel, aber als Aphorismus zur Lebensweisheit ist der existentielle Ernst der Skepsis keineswegs eine Geistenkrankheit, die therapiebedürftig wäre. Der Zweifel ist eine Charakterleistung gegen den schwer unterdrückbaren Impuls, offene Fragen auf Teufel komm raus zu einem Ende zu bringen. Dazu paßt dann ganz nahtlos:
))Lieber in lauter Zweifeln sterben als um den Preis der
Lüge in der Euphorie.))
Kein geringer Heroismus, dem sanften Sog zur frommen Lüge zu widerstehen. Ein hartes Los: Verbot jeden Selbstbetruges, konsequente Wahrhaftigkeit, auch da, wo um den Preis einer geringen Denkunschärfe vielleicht Trost und Hoffnung blühen könnten. Wer diesen schweren Weg wählt, warum sollte ich den verachten?
Herzliche Grüße
Udo