Lieber Amadeus, liebe Mitdiskutanten,
man muß sich ja langsam wirklich Sorgen um Dich machen, Amadeus, mit welchem Fanatismus Du hier Konfessionshetze betreibst.
Der Antijudaismus ist eine schreckliche christliche Verirrung, an der tragen Christen jeder Richtung schwer. Dein Versuch, Luther als einen gänzlich aus dem Rahmen fallenden, moralisch völlig anders zu beurteilenden Halunken hinzustellen, ist historisch falsch und ausgesprochen unchristlich.
Luther sprach und schrieb und predigte zu seiner Zeit auf dem selben scheußlichen Niveau wie die meisten Dominikaner, Domprediger und Geistlichen des katholischen Umfeldes. Und wo er zur Ausrottung der Juden aufrief, da waren es noch hundert Jahre nach ihm nicht Lutheraner, sondern die erzkatholische Geistlichkeit Polens die 1648 eine antijudaische Welle aufheizten, in der 200.000 Juden unter Triumphpredigten der katholischen Geistlichkeit tatsächlich umgebracht wurden.
Und in der NAZI-Zeit hat nicht nur die Lutherische Tradition schlecht ausgesehen, die katholischen Prälaten haben durch die Bank das NAZI-Regime gestützt und gefeiert. Heldenhaft dagegen die "Bekennende Kirche", die aus der lutherischen Tradition kam. Schändlich dagegen der Kardinal Faulhaber, der sich nach dem Krieg gern als Widerstandskämpfer ausgab, aber unmittelbar nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat am 20. Juli 1944 Hitler zu dessen "Errettung" persönlich und im Namen seiner Bischöfe beglückwünschte und in einem Dankgottesdienst in der Münchner Frauenkriche das Te Deum auf das Scheitern des Widerstands singen ließ.
Und der "Löwe von Münster", der nach dem Krieg nicht zu Unrecht als NAZI-Gegner gefeiert wurde, weil er - nicht ohne Erfolg - gegen die Ermordnung von Geisteskranken protestiert hatte, wie steht er in dieser Zeit da? Er unterstützte wie jeder katholische Bischof den Despoten Hitler. Der Graf rühmte sich, "kein Tropfen fremdrassigen Blutes" rinne in den Adern seiner Familie "nachweislich seit mehr als siebenhundert Jahren". Er war der erste deutsche Bischhof, der 1933 vor Göring den Treueid auf die neue Regierung ableistete, er sah durch Gott selbst "die höchsten Führer unseres Vaterlandes erleuchtet und gestärkt." Er dankte in seiner Predigt Hitler "für alles, was er für das Recht, die Freiheit und Ehre des deutschen Volkes getan" habe und pries auch die NAZI-Wehrmacht "als Schutz und Sinnbild deutscher Ehre und deutschen Rechtes." Ausgerechnet zur Zeit des großen Judenprogroms, der "Kristallnacht", autorisierte Graf Galen das Machwerk "Fahneneid", diese hündische Auslieferung der Soldaten zur bedingungslosen Treue gegenüber Hitler. Der "Löwe von Münster" versicherte, "die Christen werden ihre Pflicht tun", die deutschen Soldaten "wollen für Deutschland kämpfen und sterben." Graf Galen feierte den Rußlandfeldzug ("Wenn ich könnte, würde ich mitgehen!") als "neuen Kreuzzug mit dem Feldgeschrei 'Gott will es!'" und "unser deutsches Volk" als "etwas überaus Herrliches und ganz Großes" und rückte die für Hitler Gefallenen in die Nähe christlicher Märtyrer.
Also, nun mal langsam mit den jungen Pferden, Amadeus! Auch diese ausgewiesene Symbolfigur des katholischen Widerstandes verstieg sich gelegentlich zeit- und situationsbedingt zu Phrasen, die die NAZIs gut und gerne benutzen konnten, um Freiwillige für die SS zu gewinnen. Unbeschädigt und moralisch sauber kam niemand aus der NAZI-Diktatur heraus. Für Konfessionshetze hat kaum jemand, der diese Zeit überlebte, eine Weste, die dafür sauber genug wäre - und erst recht niemand, der die moralischen Zwangslagen dieser populären Diktatur nicht am eigenen Leben erlitten hat.
Genau gegen den oft wütenden Konfessionszwist der Weimarer Zeit wurde die CDU gegründet, als eine politische Partei, die aus den christlichen Wurzeln schöpft, aber als UNION der Konfessionen. In Weimar war schließlich der politische Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten härter, als der zwischen Arbeiter und Unternehmer, Knecht und Großgrundbesitzer, und im Zentrum mochte gut der Knecht neben dem Gutsherrn gesessen haben. Adenauers Leistung und List war es, gegen den kranken Streit der Konfessionen in der CDU eine ausdrückliche "Union" der Konfessionen zu schaffen.
Deine konfessionelle Geschichtsklitterei um Luther ist wirklich nicht mehr zeitgemäß, Du zänkisches Gotteskind.:-)).
Mit freundlichen Grüßen Udo Teichmann
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