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Skeptic's Dictionary
 

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12 Mythen über falsche Erinnerungen

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1. Falsche Erinnerungen an Missbrauch werden ausschließlich von schlecht ausgebildeten Therapeuten und meistens unter Hypnose eingepflanzt.

Falsch. Jeder Therapeut, egal wie gut ausgebildet, kann unwissentlich falsche Erinnerungen fördern, wenn er der Überzeugung anhängt, dass versteckte Erinnerungen an Missbrauch für Probleme im Erwachsenenalter verantwortlich sind und diese Erinnerungen wiedergewonnen werden können.

2. Dissoziierte Erinnerungen, die wiedererlangt werden, sind mit höherer Wahrscheinlichkeit wahrheitsgetreu als verdrängte Erinnerungen.

Falsch. Es gibt nicht mehr Beweise für Dissoziierung als Mechanismus für Missbrauchsgedächtnisverlust als es für Verdrängung gibt. Einige Theoretiker ziehen Dissoziierung vor, da dieses Konzept nahelegt, dass ein „Teil" der Klientin sich stets an den Missbrauch erinnert hat und die Erinnerung somit nicht falsch sein kann. Sieht man genauer hin, so stößt man oft auf den Umstand, dass die Erinnerung in einem Persönlichkeitsfragment gespeichert worden sein soll, das gemeinhin als „alter" [von alter ego] bezeichnet wird und eine eingefrorene Entwicklungsphase darstelle. Es gibt für diese Konstruktion keine wissenschaftliche Basis, und das Auffinden und Befragen eines „alter" nach Informationen bedeutet die Schaffung falscher Erinnerungen.

3. Wiedererlangte Erinnerungen werden oft durch Beweise bekräftigt

Falsch. Während einzelne Fälle von wiedergewonnener Erinnerung an ein Ereignis, das aufgrund seiner Unwichtigkeit vergessen wurde, häufig bekräftigt werden, ist kein einziger Fall bekannt, in dem Berichte von schwerwiegendem Missbrauch durch Beweise belegt werden konnten, nachdem sie aus kompletter Amnesie wiedererlangt wurden. Studien, die gelegentlich angeführt werden, um die Bekräftigung wiedererlangter Erinnerungen zu stützen, sind mangelhaft, da die Beweise entweder nicht unabhängig vom Ankläger erbracht oder nicht vom Forscher überprüft wurden.

4. Fälle von sexuellem Missbrauch werden selten durch Beweise bekräftigt, also ist es nicht verwunderlich, dass dies auch für Fälle von wiedererlangter Erinnerung gilt.

Falsch. Es gibt viele Fälle von durch Beweise bekräftigtem sexuellen Missbrauch. Gerichtsmedizinische Beweise sind in einigen Fällen möglich. Obszöne Videoaufnahmen und Photos liegen gelegentlich vor, außerdem Zeugenaussagen und Geständnisse. Kein einziger dieser Fälle hatte mit wiedererlangter Erinnerung zu tun.

5. Wiedererlangte Erinnerung ist zuverlässiger, wenn sie außerhalb der Therapie auftaucht

Falsch. Wiedererlangte Erinnerungen sind immer unzuverlässig, egal, wovon sie ausgelöst werden. Eine Atmosphäre des Glaubens, gefördert durch Fernsehen, Selbsthilfebücher und Gesprächen mit anderen Menschen gleicher Überzeugung kombiniert mit Ängstlichkeit kann Menschen dazu bringen, auch außerhalb der therapeutischen Umgebung daran zu glauben, dass ein Traum oder eine Halluzination ein „Flashback" der Realität ist.

6. Es ist unmöglich, dass Menschen darüber fantasieren, ernsthaft missbrauch worden zu sein, wenn es nicht wirklich geschehen ist

Falsch. Phantasie ist eine typisch menschliche Eigenschaft. Einige Opfer der falschen Erinnerungen haben sich vorgestellt, sie seien missbraucht worden in früheren Leben, in zukünftigen Leben, von Außerirdischen und Satanskulten. Forschungen haben ergeben, dass Menschen dazu neigen, sich Kontexte gemäß äußeren Einflüssen zu kreieren. Ein Therapeut, der an Entführung durch Außerirdische glaubt, wird Berichte von Entführten aufdecken, usw.

7. Erinnerung, die Stück für Stück zurückkehrt, ist der normale Weg, sich an Missbrauch zu erinnern

Falsch. Die Konzentration auf die Vergangenheit kann zu einer leichten Verbesserung des Gedächtnisses führen, aber bald ist ein Punkt erreicht, an dem eine Ertragsverminderung einsetzt. Es ist wahrscheinlicher, dass weitere Anstrengungen zur Konfabulation führen.

8. Wenn die Erinnerungen Kummer verursachen, sind sie mit größerer Wahrscheinlichkeit korrekt.

Falsch. Gefühle sind keine Hilfe, wenn es um den Wahrheitsgehalt der Erinnerung geht, sondern helfen nur dabei, festzustellen, was der jeweilige Mensch zum gegenwärtigen Zeitpunkt fühlt. Der Gedanke an den Missbrauch kann zu Kummer führen, und der Patient projiziert vielleicht andere Ursachen für den Kummer auf den angeblichen Missbrauch, ohne dass es irgendeine objektive Wahrheit in der Erinnerung gibt.

9. Wenn jemand sich schon immer an Missbrauch erinnert hat, dann sind wiedererlangte Erinnerungen an weiteren Missbrauch wahrscheinlich echt.

Falsch. Viele Opfer von falschen Erinnerungen können sich an weniger schlimmen Missbrauch erinnern, der tatsächlich stattfand. Eine Behandlung, die sie dazu ermuntert, vergessene Episoden wieder hervorzuholen, kann dazu führen, dass sie an wesentlich schlimmeren Missbrauch durch andere Täter glauben.

10. Wenn andere Familienmitglieder Erinnerungen an Missbrauch wiedererlangen, dann ist er mit höherer Wahrscheinlichkeit echt.

Falsch. Wiedererlangte Erinnerungen sind unzuverlässig, egal wie viele Menschen diesen Prozess durchmachen. Ein Opfer von falschen Erinnerungen kann andere Familienmitglieder davon überzeugen, dass sie Opfer ähnlicher Gedächtnislücken sind; dies führt bei diesen ebenfalls zur Wiedererlangung der Erinnerung.

11. Wenn sexueller Missbrauch vermutet wird, muss er zum zentralen Element der Therapie werden.

Falsch. Untersuchungen weisen darauf hin, dass Versuche, sich auf den Missbrauch zu konzentrieren und Bedeutung in ihm zu finden, negative Auswirkungen auf den Therapieerfolg haben. Strafrechtliche Untersuchungen über angeblichen Missbrauch werden davon nicht berührt.

12. Falsche Erinnerungen sind ein typisches Mittel der Täter zur Leugnung der Tat

Falsch. Die meisten wirklichen Sexualstraftäter sind geständig. Bevor wiedererlangte Erinnerungen in Mode kamen, hatten Verdächtige im Sexualstrafbereich mit 893, % die höchste Geständnisrate aller Verdächtigen. Es ist bei sorgfältiger Überprüfung der Fakten nicht glaubhaft, dass alle oder auch nur die Mehrheit derjenigen, die Anklagen aufgrund wiedererlangter Erinnerungen abstreiten, schuldig sind.

 

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