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Skeptic's Dictionary
 

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  Robert T. Carroll
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Prophezeiungen von Celestine

Die Prophezeiungen von Celestine ist der Titel eines Romans von James Redfield. Dieser Roman ist als spiritueller Führer für das New Age angelegt. Ein Anhänger beschreibt ihn so:

    Dieses Buch befasst sich ganz einfach damit, wie wir Energie bekommen und verwenden. Wenn wir genug Energie auf die richtige Weise bekommen, dann können wir „unsere Schwingung erhöhen". Mit einer höheren Schwingung sind wir besser dazu imstande, unsere außersinnlichen und intuitiven Fertigkeiten anzuzapfen und können daher besser den wahren Zweck unseres Lebens entdecken und leben.

Auch Redfield sieht seinen Roman als spirituellen Wegweiser und als Grundlage für ein spirituelles und materielles Gewerbe. Er hat eine Nachrichtenbroschüre für seine Anhänger entwickelt: The Celestine Journal: Exploring Spiritual Transformation. Dazu gibt es eine Fortsetzung, The Tenth Insight, angeblich eine „Reise, die Sie durch Portale in andere Dimensionen bringen wird", sowie eine weitere Fortsetzung namens The Secret of Shambhala; In Search of the Eleventh Insight. Das Angebot wird durch Audiokassetten und CDs ergänzt.

Redfield beginnt mit einer Idee, die von vielen New Age-Gurus geteilt wird: Die Welt bricht auf in ein neues spirituelles Bewusstsein. Er formuliert dies so:

    Seit etwa fünfzig Jahren tritt ein neues Bewusstsein in die Welt der Menschen ein, eine neue Wahrnehmung, die man nur transzendent, spirituell nennen kann. Wenn Sie sich dabei ertappen, wie Sie dieses Buch lesen, dann spüren Sie vielleicht schon, was geschieht, fühlen es schon im Inneren.

Was sind die Beweise für dieses Neue Zeitalter? Vage Hinweise auf Schwingungen und Energie. Für diejenigen, die es noch nicht kapieren, gibt es schwammige Tips, Negatives zu meiden (gute Menschen lassen sich anhand ihrer Augen erkennen), das Zweifeln einzustellen, seiner Intuition und seinen Eingebungen zu folgen, sich von Zufällen treiben zu lassen, an den Sinn aller Dinge zu glauben, Tausende von anderen auf ihrer Suche zu begleiten, seinen Gefühlen zu lauschen und sich auf eine höhere Ebene zu entwickeln.

Im Roman selber wird der Sinn des Lebens in einem alten peruanischen Manuskript enthüllt, das auf Aramäisch (einer Sprache des Nahen Ostens, die auch Jesus sprach) verfasst wurde. Es sagt eine massive spirituelle Verwandlung der Gesellschaft im späten 20. Jahrhundert voraus. Endlich werden wir die Geheimnisse des Universums, die Rätsel der Existenz und den Sinn des Lebens begreifen. Der wahre Sinn und Zweck des Lebens wird sich nicht in der Religion und materiellen Gütern finden lassen, sondern vielmehr in solchen Dingen wie Auren. Das Manuskript ist voller Einsichten wie dieser, und diese Einsichten sind der Weg zur Verwandlung. Wie erkennt man das? Schauen Sie sich die Unruhe an, die um Sie herum herrscht.

Da liegt der Schlüssel. Die Unzufriedenheit und Unruhe, die wir fühlen, ist der Schlüssel. Wir sind wie Raupen, die bereit sind, sich in Schmetterlinge zu verwandeln, um gemeinsam in das Neue Zeitalter fortzufliegen. Schließlich kann man nicht nach Erfüllung suchen, wenn man bereits erfüllt ist! Glauben Sie etwa, es sei ein Zufall, dass Zufälle immer öfter passieren?

    […] im Manuskript steht, dass die Zahl der Menschen, die sich solcher Zufälle bewusst werden, in der sechsten Dekade des 20. Jahrhunderts dramatisch zunehmen würde. Dieses Wachstum nähme zu bis etwa zum Beginn des nächsten Jahrhunderts; dann erreichten wir eine bestimmte Menge solcher Individuen – eine Menge, die ich als kritische Masse bezeichnen möchte.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich vermute, er meinte die siebte Dekade, nicht die sechste. Die sechste Dekade des 20. Jahrhunderts wären die fünfziger Jahre. Niemand scheint der Auffassung zu sein, die Füfziger seien eine Zeit besonderer Unruhe gewesen. Die Sechziger hingegen sind als sehr unruhige Periode in die Geschichte eingegangen: Vietnam und die Friedensbewegung, Marihuana und LSD, Bürgerrechtsbewegung, Morde an den Kennedys und an Martin Luther King, Attentat auf Rudi Dutschke, Beatles, Enteignet Springer ...

Jedenfalls hat der Roman auch manches Gute zu bieten: Make Love not War. Sei nicht aggressiv, fordernd, zurückgezogen oder mitleiderregend. Wir brauchen weder Angst noch Entwürdigung, weder Schuld noch Scham. Betrachte alles, meditiere, und folge deinen Eingebungen und Träumen auf deinem Weg durch die spirituelle Evolution. Wahrheit oder nicht, es spielt keine Rolle. Die Wahrheit ist, was wir daraus machen. Das Leben ist zu kurz und kompliziert, als dass man sich mit der Realität befassen könnte. Erschaffe deine eigene Realität. Subjektive Bestätigung und gegenseitige Bestärkung führen zur Seligkeit.

Dieser New Age-Subjektivismus und –Relativismus ermutigt Menschen, zu glauben, dass die Wirklichkeit alles sein kann, was man will. Die Grenze zwischen Fakt und Fiktion wird so dunkel und verschwommen Natürlich hat Fiktion ihren Platz in einem erfüllten Leben, aber Fakt ebenso. Die Methoden der Wissenschaft mögen nicht vollkommen sein, aber wenn es darum geht, die Fakten zu klären, dann sind sie besser als jede der Vorgehensweisen, die von New Age-Gurus entwickelt wurden.

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