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Neuer Test für unklare Gelenkentzündung
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Sender: idw - Pressemitteilung
From: "Dr. Julia Rautenstrauch"
Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, 23.08.2002
Neuer Test für unklare Gelenkentzündung
Pressemeldung Kompetenznetz Rheuma 8/02
Ist das entzündete Knie des Patienten die Folge einer
Bakterien-Infektion oder steckt etwas anderes dahinter? Auf diese Frage
können Ärzte künftig eine rasche und sichere Antwort erwarten.
Wissenschaftlern der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist es im
Rahmen des Kompetenznetzes Rheuma gelungen, ein Testverfahren fit für
die klinische Routine zu machen, das bisher nur in Speziallabors zur
Verfügung stand.
Hinter einer Gelenkentzündung unbekannter Ursache verbirgt sich oft - in
ca. einem Drittel der Fälle - eine so genannte reaktive Arthritis, die
durch kleine Bakterien wie Chlamydien oder Borrelien ausgelöst wird.
Typisch für die reaktive Arthritis sind ein asymmetrischer Gelenkbefall,
vorwiegend an den Beinen, und Hinweise auf eine vorausgegangene
Infektion. Die Krankheitsentstehung stellt man sich heute so vor, dass
die Erreger zunächst eine Infektion außerhalb des Gelenks verursachen,
z. B. in den Harnwegen oder im Genitaltrakt. Erst im zweiten Schritt
werden die Erreger oder Bestandteile der Erreger über den Blutweg in die
Gelenke gestreut und lösen dort die Arthritis aus.
Bisher war die Diagnostik dieser Erkrankungen unbefriedigend, weil sich
die im Gelenk befindlichen Erreger nicht anzüchten lassen. Auch der
Nachweis der immunlogischen Auseinandersetzung des Kranken mit dem
Erreger aus dem Blut (Serologie) hilft meist nicht weiter, weil er keine
zuverlässige Unterscheidung zwischen einer früheren und einer aktuellen
Infektion erlaubt. Erst mit Einführung der molekularen Erregerdiagnostik
wurden selbst kleinste Mengen vitaler Erreger im Gelenk nachweisbar. Die
Tests basieren auf der Methode der Polymerasekettenreaktion (PCR), die
bisher nur in Speziallabors zur Verfügung stand. Da die Labors
unterschiedliche Verfahren verwendeten, waren die Ergebnisse aber nicht
vergleichbar.
Die Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Jens G. Kuipers, Abteilung
Rheumatologie der MHH, hat sich die Mühe gemacht, die verfügbaren
PCR-Tests für Chlamydien zu standardisieren. Die Forscher haben die
empfindlichsten Systeme identifiziert und auf ihre Tauglichkeit im
klinischen Alltag hin überprüft. Parallel dazu gelang Berliner Forschern
an der Charité um Herrn Professor Dr. Andreas Krause (jetzt Chefarzt des
Immanuel-Krankenhauses Wannsee), ebenfalls im Rahmen des Kompetenznetzes
Rheuma, die Standardisierung eines Borrelien-Tests.
Voraussichtlich schon im nächsten Jahr wird jeder Arzt, der Gelenke
punktiert, Gelenkinnenhaut (Synovialmembran) oder Gelenkflüssigkeit
(Synovia) zum Nachweis häufiger Arthritiserreger wie Chlamydien oder
Borrelien in ein Referenzlabor einschicken können. Zur Diagnostik reicht
1 ml Gelenkflüssigkeit oder ein stecknadelgroßes Stück Gelenkinnenhaut.
Ein PCR-Test kostet etwa 16 Euro; bis zur Mitteilung des Ergebnisses
dauert es 2-3 Tage. An der MHH und der Charité sind sowohl der
Chlamydien- als auch der Borrelien-Test schon in die klinische Routine
eingeführt. Im nächsten Schritt werden die PCR-Tests jetzt auch
bundesweit verbreitet, damit sie zur allgemeinen Diagnostik
flächendeckend zur Verfügung stehen.
Mit der PCR lässt sich heute ein großer Prozentsatz der unklaren
Gelenkentzündungen frühzeitig ursächlich aufklären. Dies hat zumindest
beim Borreliennachweis unmittelbare therapeutische Konsequenzen, weil
man dann eine antibiotische Therapie einleiten kann, die zur Heilung
führt. Für Chlamydien ist die Wirksamkeit von Antibiotika bisher nicht
belegt.
Ansprechpartner:
PD Dr. Jens G. Kuipers
Medizinische Hochschule Hannover
Abt. Rheumatologie
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
Tel.: 0511 532 3155
Fax.: 0511 532 5841
eMail kuipers.jens@mh-hannover.de
Prof. Dr. Andreas Krause
Immanuel-Krankenhaus GmbH
Rheumaklinik Berlin-Wannsee
Abteilung für Innere Medizin/Rheumatologie
Königstraße 63
14109 Berlin
Tel.: 030 80505 292
Fax.: 030 80505 299
eMail a.krause@immanuel.de
Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.rheumanet.org
Dr. Julia Rautenstrauch
Pressestelle Kompetenznetz Rheuma
Hermann-Hesse-Str. 4
88427 Bad Schussenried
Tel. 49 7583 3818 Fax 49 7583 4440
eMail rautenstrauch@t-online.de
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