"Die Alte kann mich 'mal!" sagt er, mit Lächeln im
Gesicht. Jetzt, wo er in Rente ist, da geht es ihm viel besser.
Nicht mehr der ganze Streß auf der Arbeit oder im Verkehr.
Aufstehen, wann er will, zu Bett gehen, wann er will, machen, was
er will und wann er es will: all das hat ihm gut getan. Er ist
in Rente gegangen zum ersten möglichen Termin, so früh
wie nur möglich. "Ich bin doch nicht bekloppt und
schaff' mich zu Tode!" Natürlich bekommt er deswegen
weniger Rente als wenn länger gearbeitet hätte. Aber
erstens will er ja noch was vom Leben haben und zweitens ist er
ein genügsamer Mensch, hatte nie große Ansprüche.
Das war schon immer so, so hat er sich auch die Frau ausgesucht.
"Kochen muß sie können!", hat er sich
gesagt. "Beim Rest funktionieren die Frauen sowieso alle
gleich." Aber wenn er von der Arbeit heimkommt, dann will er
wenigstens etwas, das gut ist: "Das Essen muß
schmecken! Alt werden die Frauen von selber, aber das Essen muß
immer gut sein." Hat er sich gesagt. Gut sieht er
aus. Das Essen hat ihm sichtlich immer geschmeckt. Zufrieden ist
er gewesen, hat nie übertrieben, war immer maßvoll,
Firlefanz hat's nie gegeben. Das konnte er nicht leiden. Seine
Alte, die hat sich daran gewöhnt. "Neumodische Ideen,
Frauenpower - pah!" Einmal hat sie es mit der typisch
weiblichen Masche versucht, Liebesentzug. Hat nicht lange gehalten.
"Nach 2 Wochen war das Haushaltsgeld alle und die Sache
war erledigt!" Er weiß aber, daß das
nicht allen so geht und heute, bei den Jungen, schon gar nicht
mehr. Seine Alte, die ist von ihm abhängig, von seinem Geld,
von seiner Rente. Das weiß sie. Das weiß sie ganz
genau. Also wozu darüber reden? Jeder muß seine Sache
tun, er auf der Arbeit, sie daheim. Die Ehe ist Prostitution zu
ermäßigtem Tarif. So ist die Welt nun mal. Dafür
hat er früher den Lohn heimgebracht, heute gibt's die Rente.
Bei seinen Kindern sieht das schon ganz anders aus : Die Frauen
sind im Beruf, haben selbst Geld. Rente werden die Kinder auch
nicht bekommen - der Staat ist pleite. Das ändert die
Verhältnisse. Die Frauen machen, was sie wollen. Das mit dem
Kochen ist auch nicht mehr. Sein Sohn hat die Frau aus der
Küche geschmissen, die darf da nicht mehr rein. "Wenn
es Essen aus der Dose gibt, dann will ich wenigstens, daß
die Pampe nicht auch noch angebrannt ist. Also koche ich!"
Ja, das sind Zeiten heute. Gut, daß das nicht für ihn
gilt. Das Wirtschaftswunder ist 'was Feines, auch wenn es leider
nur für eine Generation gilt.
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