14.07.2005
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Informationsdienst Wissenschaft - idw - Pressemitteilung
Universität Bremen, Angelika Rockel, 04.04.2005 10:50
Der Lockruf des Tumors
Tumoren sind nicht eigenständig lebensfähig, sondern schmarotzen in
ihrem Wirt, dem erkrankten Menschen. Aber wie alle Zellen benötigen
auch die Tumorzellen für ihr Überleben und ihre Vermehrung Sauerstoff.
Eine besonders raffinierte Strategie, wie Tumoren sich - zu Lasten
ihres Wirtes - diesen Sauerstoff verschaffen können, haben
Wissenschaftler des Zentrums für Humangenetik der Universität Bremen
jetzt entdeckt.
Normalerweise würde die Größe von Tumoren auf einen Durchmesser von
1-2 mm beschränkt bleiben, weil nur bis zu dieser Grenze die
Sauerstoffversorgung des wachsenden Tumors aus der Umgebung
sichergestellt ist. Offensichtlich haben Tumoren aber Strategien
entwickelt, um auch darüber hinaus ihre Sauerstoffversorgung und damit
auch ihr Wachstum sicherzustellen - sie "locken" aus ihrer Umgebung
Gefäße an, über die dann Sauerstoff zum Tumor transportiert wird. Das
Team des Bremer Humangenetikers Jörn Bullerdiek ist jetzt einem
besonders raffinierten Mechanismus auf die Spur gekommen, den
Tumorzellen nutzen, um das Wachstum von Gefäßen anzuregen: In der
neuesten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift American Journal of
Pathology berichten die Wissenschaftler über einen Lockstoff mit dem
komplizierten Namen "High Mobility Group Protein B1", kurz HMGB1.
Bricht die Sauerstoffversorgung des Tumors zusammen, kann es zu so
genannten Nekrosen kommen, einem Absterben von Zellen. Das eigentlich
im Zellkern lokalisierte HMGB1 wird nun freigesetzt und bewirkt in der
Umgebung ein Auswachsen von Blutgefäßen. Damit dienen selbst die toten
Zellen noch dem weiteren Überleben und Wachstum des Tumors. Als neu
aufgedeckter Lockstoff der Gefäßentwicklung stellt HMGB1 auch ein
interessantes Ziel für die Therapie von Tumoren dar. Das Abfangen der
Signale könnte den Tumoren eine für ihr Überleben wichtige Möglichkeit
nehmen.
Achtung Redaktionen: In der Pressestelle der Universität Bremen kann
digitales Bildmaterial angefordert werden.
Weitere Informationen:
Zentrum für Humangenetik
Universität Bremen
Prof. Dr. rer. nat. Jörn Bullerdiek
Tel.: 0421 218-2589
Fax: 0421-218 2391
E-Mail: bullerd {at} uni-bremen.de
http://www.humangenetik-bremen.de
Zu dieser Mitteilung existieren Bilder im WWW. Siehe
http://idw-online.de/pages/de/image16501
Der Tumor wird von der Blutkapillare mit Sauerstoff versorgt. Wo dies nicht
der Fall ist, kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff. Als Folge
davon sterben Zellen ab ("Nekrose", im Schema im unteren Teil des Tumors).
Dabei zerfallen die Zellen und ihre Zellkerne. HMGB1 wird freigesetzt und
dient nun als Botenstoff, der eine Aussprossung einer Kapillare in Richtung
auf den mit Sauerstoff unterversorgten Teil des Tumors induziert.
http://idw-online.de/pages/de/image16502
Der Bremer Humangenetiker Jörn Bullerdiek
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Aribert Deckers