H5N1 - eine geistige Epidemie?


17.8.2007

Diesen Text, erschienen im August 2007 [1], darf ich dank der freundlichen Erlaubnis der Autorin, Dr. Billa Hofmann, hier wiedergeben.


Dr. Billa Hofmann

- Erster Teil -
H5N1 - eine geistige Epidemie?

Die Frage, ob es sich bei der auch als Vogelgrippe bekannten H5N1-Infektion lediglich um eine geistige Epidemie handelt, die nur in den Köpfen von gewissen Gruppen existieren mag, die sich dadurch Vorteile erhoffen, wird zur Zeit in der Öffentlichkeit diskutiert.

Deshalb ist für den 8. September 2007 ein Vogelgrippe-Symposium in Bremen geplant, bei dem u. a. Referenten wie Dr. Claus Köhnlein (Co-Autor des Virus Wahn) zugegen sind, um über die im Winter 05/06 losgetretene Medienhype um H5N1-Ungereimtheiten zu diskutieren: http://www.symposium.federtiere.net/news.php

Einige Wissenschaftler hätten angeblich sehr gute Gründe, den vermeintlich allseits etablierten Gemeinplätzen vehement zu widersprechen. Ebenfalls diskutiert wird das Thema "Journalismus", denn der Veranstalter, die Federtiere-Kampagne, scheint der Meinung zu sein, dass Journalisten zu dem Typ Mensch gehören, "der die eine Hälfte des Lebens damit verbringt, über Dinge zu schreiben, von denen er nichts weiß und die andere Hälfte, nicht über Dinge zu schreiben, die er genau weiß".

Warum das so ist, soll in einem Vortrag einer Journalistin erläutert werden, die die Vogelgrippe-Hype an der Quelle erlebt haben will, und die sich u. a. mit der Frage auseinandersetzt, ob es sich bei H5N1 um eine geistige Epidemie handelt (siehe http://www.symposium.federtiere.net/news.php?readmore=4).

Nährboden für Verschwörungstheorien

Doch was sind die Ungereimtheiten? Der Unmut über die Vorgehensweise bei der Bekämpfung der sog. Geflügelpest, welches die eigentliche Bezeichnung für die Vogelgrippe ist, ist besonders groß bei den unabhängigen Geflügelzüchtern. Diese haben es - im Gegensatz zu den Geflügelgroßproduzenten - zur Zeit sehr schwer. Sie sind von der neuen Geflügelpestschutzverordnung besonders betroffen und haben schon Etliches an Umsatz verloren. Zunehmende Bürokratie und hohe Kosten für Laboruntersuchungen sowie der Schaden, den die Tiere durchs Eingesperrt sein erfahren, lassen so manchen Geflügelzüchter vor dem Ruin stehen. Eine tiergerechte Haltung ist, vor allem bei Wasservögeln, nicht mehr möglich. Ein Zustand, der auch den Hobbyhaltern schwer zu schaffen macht.

Die Verordnung wurde am 1. September 2005 unter der Bezeichnung "Verordnung über Untersuchungen auf die Klassische Geflügelpest" von der damaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast erlassen und trat am 4. September 2005 in Kraft. Am 7. Dezember 2005 wurde sie verschärft und heißt seitdem "Verordnung über Untersuchungen auf die Klassische Geflügelpest sowie zum Schutz vor der Verschleppung der Klassischen Geflügelpest (Geflügelpestschutzverordnung)".

Die Verordnung war zunächst befristet. Die Befristung wurde am 10. Februar 2006 aufgehoben, sodass die Geflügelpestschutzverordnung jetzt unbefristet gilt. Darüber hinaus bestimmt die Geflügelpestschutzverordnung, dass überregionale Geflügelmärkte, Geflügelschauen, Geflügelausstellungen und Veranstaltungen ähnlicher Art nur durchgeführt werden dürfen, wenn der Veranstalter und die Aussteller bestimmte Auflagen erfüllen.

Verstöße gegen die Verordnung können als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden.

Die Stimmung unter den Geflügelhaltern ist schlecht, denn man hat das Gefühl, dass die Geflügelpestschutzverordnung, die die Geflügelindustrie schützen soll, wohl nur für die Großhalter von Nutzen sei, um die Freilandhaltung zum Verschwinden zu bringen.

Diese negative Stimmung scheint ein geeigneter Nährboden für die Verbreitung von Verschwörungstheorien zu sein. Einmal ist es das HIV-Virus, welches harmlos sein soll, und nur eine Bereicherung für die Pharmaindustrie, jetzt ist es H5N1, welches nur im Geiste zu einer Epidemie führt, und nur zum Nutzen der Hühnerbarone und zum Verkauf von antiviralen Arzneimitteln, wie z. B. Tamiflu, diene. Verunsichern lässt sich leicht derjenige, der sich im wissenschaftlichen Bereich nicht auskennt und der gerne das glauben möchte, was seiner Situation am nächsten kommt.

Diejenigen, denen Verschwörungstendenzen auffallen und darauf aufmerksam machen wollen, dass gewisse Theorien unstimmig erscheinen, werden in der Öffentlichkeit diffamiert, was uns folgendes Beispiel zeigt:

"Wer die "falschen" Thesen vertritt, der fliegt raus"

Die Fraktion Bündnis90/Grüne hatte für den 31.05.2007 in Kiel eine Fachtagung unter dem Titel "Stallpflicht für immer? Legenden und Tatsachen zum Thema Vogelgrippe" angekündigt. Initiator und Schirmherr dieser Veranstaltung war Detlef Matthiessen, agrarpolitischer Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne. Dazu eingeladen war u. a. Dr. Claus Köhnlein, den man aber kurzfristig wieder ausgeladen hatte.

Die Federtiere-Kampagne war darüber besonders verärgert, und deshalb beklagte man sich am 15.05.07 bei Indymedia.org über das Verhalten des Bü90/Grüne, welches mit dem Wort "erbärmlich" beschrieben wurde. Neben einer rassistischen Haltung gegenüber Afrika warf man der Landesfraktion mangelndes Demokratieverständnis sowie rückgratloses Verhalten vor (siehe bei Indymedia: http://www.indymedia.org/es/2007/05/885693.shtml)

Aids-Leugner nicht erwünscht

Der Hinweis zu der Veranstaltung von Bü90/Grüne war in zahlreichen Foren publiziert, u. a. auch bei http://www.huehner-info.de

Ein Foren-User hatte sich wohl in etwas negativer Weise über Dr. Köhnlein geäußert, was - nach Meinung des Autors bei Indymedia - der Grund für die Ausladung von Dr. Köhnlein war. Jener Foren-User hatte - mit Bezug auf Dr. von Paleskes Berichte (siehe in Linkezeitung: http://linkszeitung.de/index2.php? option=com_content&do_pdf=1&id=66001 ) sowie info.gov: http://www.info.gov.za/speeches/2006/06120816451001.htm ) - auf die Situation in Afrika aufmerksam gemacht und u. a. bemerkt, dass die "Regierung Südafrikas nach sechs Jahren endlich zu Verstand gekommen sei".

Wie uns schon von Dr. von Paleske (http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/639305/main), der als leitender Arzt in Botswana tätig ist, berichtet wurde, war die Regierung in Südafrika lange Zeit von der Meinung der Aids-Leugner beeinflusst und hatte dem südafrikanischen Volk den Zugang zur HIV-Medikation erschwert.

Dr. Köhnlein war eines der Mitglieder des südafrikanischen "Presidential Aids Advisory Panel", das Thabo Mbeki, Präsident Südafrikas, im Jahre 2000 gegründet hat
(siehe http://www.rethinkingaids.com/Content/TheBoard/tabid/60/Default.aspx).
Dort wurde unter anderem die These diskutiert, dass Aids keine Krankheit an sich ist, sondern eine Folge von Armut und Mangelernährung. HIV ist nicht die Ursache von Aids und HIV ist nicht sexuell übertragbar, so die Meinung der Aids-Leugner.

Und in der Zwischenzeit sind 5 Millionen Südafrikaner mit dem HIV-Virus infiziert, es kommt täglich zu etwa 1500 Neuansteckungen und rund 900 Menschen sterben täglich an den Folgen von Aids, wie uns Dr. von Paleske aus Südafrika berichtete (http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/3810984/)

Völkermord durch Nichtstun (Unterlassung)

Professor Nicoli Nattrass, Direktorin der "AIDS and Society Research Unit" in Kapstadt/Südafrika, sagte in einem Kommentar beim Mail and Guardian über Mbeki, sein Problem sei gewesen, dass er sich zu den wissenschaftlich diskreditierten und nicht bewiesenen Thesen der Aids-Leugner hingezogen fühlte und er den HIV/Aids-Patienten den Zugang zur antiretroviralen Therapie erschwert hätte. Nach einem demographischen Modell hätte er während seiner Amtsperiode mindestens 170000 HIV-Neuinfektionen verhindern und 340000 Todesfälle vermeiden können, so Nattrass (siehe: Now in fiction: the president on Aids, Nicoli Nattrass, Mail & Guardian [http://www.mg.co.za/articlePage.aspx?articleid= 314686&area=/insight/insight__comment_and_analysis/] vom 23.07.07)

Peter Mandelson, EU-Kommissionsmitglied, sagte schon 2002 anlässlich eines Besuches in Durban, Mbekis Verhalten müsste als "Völkermord durch Nichtstun" bezeichnet werden (siehe Genocide by sloth, Peter Mandelson, New Statesman, 18.02.2002: http://www.newstatesman.com/200202180011).

Interessant ist auch zu wissen, was man an der Universität in Berkeley über Professor Peter Duesberg, den Initiator der Aids-Leugner Szene, denkt. Stephen Martin, ein Immunologe von der Universität Berkeley, schrieb über Duesberg Folgendes:

Im Newsletter der "International Aids Society (IAS)" war über David Rasnick, Aids-Leugner und Co-Autor (neben Duesberg und Köhnlein) des Artikels "The chemical bases of the various AIDS epidemics: recreational drugs, anti-viral chemotherapy and malnutrition" (J. Biosci. 2003, 28: 383-412), Folgendes zu lesen (Seite 5):

Nebenbei bemerkt: der Artikel von Duesberg, Köhnlein und Rasnick ist eine viel zitierte Referenz in dem Buch "Virus Wahn".


- Zweiter Teil -
Rassismus als Grund für die Ausladung?

Die kritische Äußerung jenes Foren-Users über Aids-Leugner wie Dr. Köhnlein und der Situation in Afrika nahm der Autor bei Indymedia.org sowie die Federtiere-Kampagne also als Anlass, um sie als Rassismus zu interpretieren. Es wurde behauptet, dass man mit dieser Äußerung zum einen der Regierung Südafrikas ganz beiläufig eine gewisse Portion Dummheit unterstellen würde. Und zum anderen würde man dadurch der Regierung unterstellen, dass diese nicht in der Lage sei, wissenschaftliche Befunde auf ihren Gehalt hin zu prüfen und ggf. die daraus resultierenden Konsequenzen zu ziehen.

Der Leser soll also glauben, dass jener Foren-User die afrikanische Regierung als rückständig, teilweise nicht zurechnungsfähig oder zumindest irgendwie minderwertig halten würde, dass diese Aussage eine rassistische Dimension hätte und nichts anderes als eine diffamierende Ad hominem -Attacke eines geistlosen Zeitgenossen aus dem Internet sei. Für den Autor und seine Federtier-Kampagne sei es ein großer Skandal, dass der Sprecher der Landesfraktion Bü90/Grüne diese "rassistische Diffamierung" zum Anlass genommen hätte, um Dr. Köhnlein von der Fachtagung auszuladen.

Ethisch-moralischer Aspekt

In dem Beitrag bei Indymedia wird auch gefordert, dass man es den Zuhörern der Veranstaltung hätte überlassen sollen, Köhnleins Thesen zu beurteilen! Aber was ist mit dem etisch-moralischen Aspekt, soll man diesen dabei völlig außer Acht lassen? Sollten also wissenschaftliche Minderheitsmeinungen, die von dem allgemein anerkannten wissenschaftlichen Konsens abweichen, wirklich unter dem Laienpublikum diskutiert werden?

Dr. Udo Schüklenk, Professor für Ethik, beschäftigte sich als Leiter der Fakultät für Bioethik an der Universität für Witwatersrand in Johannesburg (SA) in seiner Publikation mit genau dieser Frage: Professional responsibilities of biomedical scientists in public discourse; J. Med. Ethics 2004: 30; 53-60).

Dr. Schüklenk fordert ethische Richtlinien, in denen festgelegt wird, wie Wissenschaftler ihre Arbeiten dem Laienpublikum präsentieren sollten. Sollten diese Richtlinien von manchen Wissenschaftlern nicht berücksichtigt werden, müsste dies ein Alarmzeichen für Medien und Politiker sein, vorsichtig mit den Meinungen umzugehen, die die Richtlinien nicht erfüllen.

Ein Standpunkt, über den man sich ernsthaft Gedanken machen sollte!

Dr. Schüklenk selbst war Anfang der 90er in der Gruppe der Aids-Leugner aktiv. Als er erkannt hatte, dass die neuen Aids Medikamente das Leben der Patienten verlängern, wechselte er die Seiten.

H5N1 infiziert auch unser Bewusstsein

Dass es sich bei H5N1 um eine geistige Epidemie handeln möge, ist auch Thema einer DVD ("H5N1 antwortet nicht", von Michael Leitner und Thomas Hein), die u. a. beim Neue Impulse e. V. (http://www.neue-impulse-treff.de/projekte_2.php) bestellt werden kann. Aber auch übers Internet ist der Zugang zu diesem Film möglich (siehe Google-Video http://video.google.de/videoplay?docid=-7294952144822865260), mit dem Hinweis am Schluss, man möge doch auf das Konto von Neue Impulse e. V. einen Betrag spenden, damit weitere DVD's produziert werden können.

Auf dieser DVD ist man ebenfalls der Meinung, dass H5N1 nicht unseren Körper, sondern höchstens unser Bewusstsein infizieren kann!

Sprecher auf der DVD sind u. a. Dr. Claus Köhnlein, Hans Tolzin (Impf-Report.de), Angelika Kögel-Schauz (impfaufklärung.de; mittlerweile aber aufgelöst), sowie Allgemeinmedizinerin Juliane Sacher. Dr. Köhnlein spricht auf der DVD - u. a. über das Geschäft mit der Angst und über Tamiflu, dazu sagt er:

Ein ähnlicher Kommentar ist auch in dem Buch "Virus Wahn" zu lesen, das Köhnlein, zusammen mit dem Journalisten Torsten Engelbrecht, geschrieben hat. Auch in "Virus Wahn" ist immer wieder die Rede davon, dass Tamiflu deshalb so gefährlich sei, weil es ein körpereigenes Enzym, die Neuraminidase, hemmen soll.

Hier geben die Autoren jedoch keine Referenz an; woher wissen sie das? Und vor allem, was wollen sie dem Leser suggerieren? Dass unter der Einnahme von Tamiflu ein körpereigenes Enzym blockiert und der Körper geschädigt wird? Soll das Buch mit seinen angeblich so wasserdicht untermauerten Referenzen für diese Aussage keine Quelle gefunden haben?

Interessanterweise scheint sich gerade dieses Statement (dass unter der Einnahme von Tamiflu ein körpereigenes Enzym blockiert und der Körper geschädigt wird) auch auf vielen anderen Websites gut auszubreiten!

So heißt es im klein-klein Newsletter des klein-klein Verlags (http://www.klein-klein-verlag.de/pdf/Vogelgrippe%201.pdf) vom 24.02.06: "Werden Rügener durch Tamiflu getötet?", siehe:

Wer hat nun wen als Quelle angegeben? Dieser Text scheint von Dr. Stefan Lanka persönlich verfasst zu sein, so ist es zumindest auf dieser Website zu lesen.

Sollte tatsächlich Dr. Stefan Lanka die Quelle für den "Virus Wahn" sein?

Sucht man weiter, dann findet man unter "impfkritik.de", bei Pressespiegel, Aktuelle Meldungen, Meinungen und Analysen (vom 06.05.2006) einen Beitrag (http://www.impfkritik.de/forum/showthread.php?p=3732) von der Redaktion (Tolzin), mit folgenden Worten:

Als Quelle ist angegeben: "Virus-Wahn", Torsten Engelbrecht und Claus Köhnlein, emu-Verlag 2006, Seite 216; sehr interessant!

Des Rätsels Lösung

Schauen wir uns die Kent-Depesche 14/2006 (vom 30.05.06) an, (hier zu finden: http://www.gesundes-goerlitz.de/?download=kd06heft222.pdf).

Thema dieser Depesche ist der Pressekodex. U. a. ist ein Interview zwischen Michael Kent, dem Herausgeber der Kent-Depesche, und einem der Produzenten der DVD, Michael Leitner, zu lesen. In diesem Interview über die "seriösen" Recherchen zur Vogelgrippe DVD wird berichtet (Seite 10):

Auch Kent beschreibt auf Seite 3, in seinem Vorwort, den Zusammenhang zwischen der Neuraminidasehemmung und den Grippemedikamenten mit folgenden Worten:

Frau Kögel-Schauz, ebenfalls Sprecherin auf der DVD, hatte anscheinend Wichtiges zum Thema Neuraminidase-Hemmer recherchiert. Und sollte sie tatsächlich - wie in der Kent-Depesche zu lesen ist - die Referenz zu diesen Behauptungen gefunden haben?

Es ist in der Tat richtig, dass es eine Stoffwechselerkrankung gibt, die durch einen Neuraminidase-Mangel entsteht, die sog. Mucolipidose (I). Diese Krankheit entsteht allerdings nicht dadurch, dass die Neuraminidase blockiert wird, sondern dass diese dem Körper nicht zur Verfügung steht. Der Körper ist aufgrund der fehlenden Neuraminidase nicht in der Lage, Eiweiß- und Zuckerverbindungen in den Lysosomen (kleine Zellorganellen) zu spalten. Als Folge davon kommt es zu Ablagerungen in diesen Zellorganellen.

Diese Ablagerungen verhindern mit der Zeit eine normale Zellfunktion und damit auch eine normale Organfunktion und -entwicklung. Der Vergleich mit den Folgen des angeborenen Mangels an Neuraminidase, welcher zu MPS (I) führt, ist nicht korrekt, da ein von Geburt an chronischer Defekt gleichgesetzt wird mit einer temporären Neuraminidase-Inhibition über die kurze Periode von 5 bzw. 10 Tagen (was der Anwendung von Tamiflu entspräche). Und zum anderen liegt die Wirkdosis, die dem Körper nach der Einnahme von Tamiflu zur Verfügung steht, nicht in dem Konzentrationsbereich, der nötig ist, um die menschliche Neuraminidase zu hemmen.

Anscheinend wurde bei diesen Recherchen wohl übersehen, dass die menschliche Neuraminidase ausgiebig untersucht worden war. Das ist auch im Europäischen Beurteilungsbericht der Zulassungsbehörde (EMEA) so beschrieben.

Zur Information sei gesagt, dass ein Hersteller seine Unterlagen über ein Arzneimittel, welches er vermarkteten möchte, zuvor bei einer Zulassungsbehörde einreichen muss, um es auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität beurteilen zu lassen. Wenn die Arzneimittelbehörde das Produkt für sicher und wirksam begutachtet hat, wird die Zulassung erteilt und der Hersteller darf damit auf den Markt.

So ist in diesem Beurteilungsbericht zu Tamiflu auf Seite 5 (Pharmacodynamics) Folgendes geschrieben:

Das, was im europäischen Beurteilungsbericht über Tamiflu zu lesen ist, bedeutet nichts anderes, als dass die Hemmkonzentration für Tamiflu, die man braucht, um Viren-Neuraminidase zu blockieren, in einem viel höheren Konzentrationsbereich liegt, und dass diese Hemmkonzentration, mit der die Neuraminidasen aus Influenzaviren blockiert werden, nicht ausreicht, um die Neuraminidase in menschlichem Gewebe zu hemmen.

Ein bisschen Mathematik

Dies wird auch in der Publikation von Mendel und Kollegen bestätigt. Diese Arbeitsgruppe untersuchte die Genauigkeit der Hemmwirkung von Tamiflu, bzw. des aktiven Metaboliten von Tamiflu (Oseltamivircarboxylat/GS4071). Dies wurde durch Messung der Hemmaktivität gegen Neuraminidasen, die aus verschiedenen Quellen (Neuraminidase aus Influenzaviren, aus anderen Viren und Bakterien und aus menschlichem Gewebe) stammten, untersucht. Der Wert, der die Hemmwirkung ausdrückt, ist eine Konstante (Ki). Mendel und Kollegen kamen zu dem Ergebnis, dass die Neuraminidasen aus den Influenzaviren sehr spezifisch gehemmt werden. Die Hemmkonstante, ausgedrückt durch den Wert "Ki", lag in einem Bereich von 2 x 10-10 bis 1,2 x 10-9 Mol. Gegenüber den anderen Neuraminidasen, wie z. B. der menschlichen Neuraminidase, war Oseltamivircarboxylat um das 106-fache, also 1 Million, weniger potent in der Hemmwirkung.

Zitat aus dem Journal:

Das wichtigste Ergebnis dieser Untersuchung war jedoch, dass 1 mM Oseltamivircarboxylat nicht in der Lage ist, die menschliche Neuraminidase-Aktivität in menschlichen Leberzellen zu hemmen.

Mit seinem Molgewicht von 284 entspricht 1 mM (millimolar) Oseltamivircarboxylat (C14H24N2O4) einer Konzentration von 1/1000 Mol pro Liter, also 284 mg/L (bzw. 284000 mikrogramm/L).

Diese Konzentration wird aber bei weitem nicht erreicht, wenn man Tamiflu in therapeutischen Dosen (2 x 75 mg) einnimmt. Schaut man sich die Spitzenkonzentrationen (Maxima) der aktiven Wirkform (Oseltamivircarboxylat) im Blut an, die nach der Gabe von 2 x 100 mg Tamiflu gemessen wird (siehe McClellan K und Perry CM) so findet man Konzentrationen von 439 Mikrogramm/L im Blut.

Mendel und Kollegen stellten aber fest, dass 1 mM Oseltamivircarboxylat, also 284000 Mikrogramm/L, nicht in der Lage ist, menschliche Neuraminidase zu hemmen! Mit Tamiflu erreicht man jedoch "nur" Spitzenkonzentrationen von 439 Mikrogramm/L.
(Quellen: Mendel et al. Antimicrob Agents Chemother. 1998;42:642, http://aac.asm.org/cgi/content/full/42/3/640
und McClellan K, Perry CM (2001) Oseltamivir: a review of its use in influenza. Drugs; 61: 263 - 283)

Siehe dazu auch den Kommentar von http://www.Impfinformationen.de, einer kritischen Homepage, die vom Sinn des Impfens als wichtige Vorsorgemaßnahme überzeugt ist, und die über die Desinformation von Angelika Kögel-Schauz zu Neuraminidasehemmern informiert: http://www.impfinformationen.de/startseite/impfgegner/impfgegner-desinformation.html

Doch auch andere kritische Seiten erkennen die Gefährlichkeit der Verbreitung von Falschinformationen. Paralex-Info, ein kritisches Informationsportal sowohl für fragwürdige und gefährliche Methoden aus dem Bereich der Alternativmedizin als auch für unkonventionelle und wirksame Heilweisen aus dem Bereich der Paramedizin, bezeichnet Michael Leitner als Journalisten, der Falschinformationen verbreitet, und klärt über dessen Fehlinterpretationen auf (Seite 9-10 des Artikels über HEAL: http://home.arcor.de/paralex/content/heal.htm).

Man sollte wirklich darüber diskutieren, wie sinnvoll die Einführung von ethischen Richtlinien wäre, um wissenschaftliche Ergebnisse in der Öffentlichkeit und vor nicht-wissenschaftlichem Publikum zu präsentieren. Zumindest sollte sich aber jeder einzelne überlegen, wie glaubhaft angeblich wissenschaftlich-recherchierte Ergebnisse sind, wenn diejenigen, die die Nachforschungen dazu gemacht haben, keine fundierte wissenschaftliche Ausbildung vorweisen können.

Glauben Sie wirklich, dass JEDER in der Lage ist, wissenschaftliche Ergebnisse richtig zu verstehen und zu interpretieren? Wozu brauchen wir dann noch Fachhochschulen und Universitäten?


- Dritter Teil -
1 Million Franken für die elektronenmikroskopische Aufnahme des H5N1-Virus

Eine weitere Skurrilität, die man in der Kent-Depesche 14/2006 (vom 30.05.06) lesen kann, ist folgender Leserbrief mit der Überschrift "Verantwortung als Journalist": Ein Depeschenbesitzer hatte sich bei seiner lokalen Wochenzeitung (Wittener Lokalteil) darüber beschwert, dass diese Zeitung nichts Kritisches über H5N1 berichten würde. Den Brief, den er an seine Wochenzeitung geschickt hat, um damit auf die "kritische" Kent-Depesche aufmerksam zu machen, wurde veröffentlicht. Mit folgenden Worten wies der Depeschen-Leser seine Zeitung auf ihr angeblich unkritisches Verhalten bzgl. der Vogelgrippe hin:

Nun, jeder muss für sich selbst entscheiden, für wie seriös die Kent-Depesche einzustufen ist. Tatsache ist, dass die Recherchen sehr einseitig sind und meist nicht auf wissenschaftlich fundierten Ergebnissen beruhen.

"Safe Harbor" und die Themenbereiche "Gesundheit", "Medizin" und "Umwelt"

Die Hamburger Morgenpost meldete im August 2003, dass sich in Hamburg vor kurzem der Verein "Safe Harbor" (zu Deutsch: sicherer Hafen) - eine Tarnorganisation von Scientology - gründete. Vor allem Ärzte, Ernährungswissenschaftler und Umweltmediziner müssten vorsichtig sein, denn Scientology habe es auf sie und ihre Patienten abgesehen.

Organisationen zu gründen, die auf den ersten Blick Gutes im Schilde führen, ist seit langem die Strategie von Scientology. Es wird versucht, Personen ins Boot zu holen, die sich bereits mit der Thematik befassen. "Der Fall ist exemplarisch", sagte Rüdiger Hintze von der Arbeitsgruppe Scientology der Hamburger Innenbehörde dem Blatt:

Aufgeflogen ist die neue Tarnorganisation durch eine 30-jährige Ernährungswissenschaftlerin, die kurz nach ihrer Wahl für den Vorsitz bei Safe Harbor Verdacht schöpfte. Sie recherchierte im Internet und stellte fest, "dass sie sich, ohne es zu wollen, zum Werkzeug der Scientologen hat machen lassen". Die Wissenschaftlerin erklärte ihren Austritt.
(siehe Olaf Wunder, Hamburger Morgenpost vom 02.08.03: http://archiv.mopo.de/archiv/2003/20030802/nachrichten/hamburg/panorama/hmp2003080118306834.html)

Safe Harbor wurde 1998 in Los Angeles, Kalifornien gegründet. Die Organisation propagiert alternative Methoden zur Psychiatrie. Die richtige Ernährung und Vitamine würden ein Leben ohne Psychopharmaka möglich machen (siehe Homepage von Safe Harbor). Deshalb sieht die Organisation Safe Harbor ihre Mission in der Erziehung und Aufklärung über alternative Methoden.

Weg mit der Psychiatrie und der Pharmaindustrie, um dann möglichst eigene Produkte und Services verkaufen zu können - ein Kult, der an die Methoden von Scientology erinnert! So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Präsident und Gründer von Safe Harbor, Dan Stradford, ein Scientologe aus den höheren Reihen (Operating Thetan - Level VIII) zu sein scheint, siehe http://www.truthaboutscientology.com/stats/fw/ot8-name-svc-iss.html und http://www.groupsrv.com/religion/about98482.html

Auch die "Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe" äußerten sich kritisch zu "Safe Harbor" mit der Anmerkung, dass damit zu rechnen sei, dass der Scientologe unbeirrt weiterhin seine "Alternative Geistige Gesundheit" vermarkten wird. Ob unter dem Decknamen "Safe Harbor" oder anderen kreativen Etiketten sei dahin gestellt. Eine gesunde Portion Skepsis gegenüber solchen scheinbar wohlmeinenden "Anti"-Lobbyisten sei allemal angesagt. Denn in so manchem "sicheren Hafen" würden Ratsuchende schnell nasse Füße bekommen... (siehe Lichtblick Newsletter Nr. 97: http://www.lichtblick99.de/newsletter/archiv_newsletter_lesen.php3?id=128)

Der Verfassungsschutz über das Projekt "Safe Harbor"

Was denkt der Verfassungsschutz und das Innenministerium über "safe harbor"? In einer Mitteilung der Landesregierung vom 15.10.2003 wird das Projekt "safe-harbor unter Punkt 15, Propaganda- und Desinformationskampagnen der Scientology-Organisation, folgendermaßen beschrieben, siehe (DS 13/2512, 6. Bericht der "Interministeriellen Arbeitsgruppe für Fragen so genannter Sekten und Psychogruppen", http://www3.landtag-bw.de/WP13/Drucksachen/2000/13_2512_D.PDF :

Des Weiteren findet man auch im Bericht des Verfassungsschutzes die Beschreibung von "safe harbor" (3.2.2 "Safe Harbor" - eine neue Tarnaktion, http://www.verfassungsschutz-bw.de/downloads/jabe/2003/jabe-2003.pdf):

Und über die KVPM ist noch Folgendes zu lesen (unter Punkt 3.2.1 KVPM-Aktionen):

Im ABI Info, der Zeitschrift der Aktion Bildungsinformation e. V., wird in der Ausgabe März 2004 das Netzwerk der Scientologen beschrieben (http://www.abi-ev.de/pdf/in010304.pdf):

Vorstandsmitglieder von Neue Impulse sind - laut Vereinsregister des Amtsgerichts Stuttgart (VR 6905) Sabine Hinz (Ehefrau von Michael Kent), Lutz Müller, Joachim Rößger, Manuel Strapatin und Hans Tolzin (siehe Handelsregister: http://www.handelsregister.de/rp_web/mask.do?Typ=e).

Verwunderlich ist in der Tat, warum Wissenschaftler, wie z. B. Dr. Köhnlein, ihre Ansichten auf einer DVD verbreiten, die von einem scientologisch-orientierten Verlag/Verein initiiert und mit Spendengeldern unterstützt wird.

Selbst Köhnleins Kollege Torsten Engelbrecht distanziert sich wegen der Nähe zu Scientology von der Kent-Depesche. Er wusste, dass der Herausgeber ein Scientologe ist (Quelle: persönliche e-Mail vom 22.01.07).

Schulmedizin und Pharmaindustrie: Stütze aller Diktaturen und Regierungen

Weiter interessant wird es, wenn man versucht, nachzuvollziehen, wer die Belohnung mit einer Million Schweizer Franken für die Virusisolation zur Verfügung stellen will.

Eine ähnliche Meldung war am 24.04.06 bei extremnews.com (http://www.extremnews.com/nachrichten/natur-und-umwelt/1dc1113190e548/?searchterm=Fast%20ein%20Nobelpreis) zu lesen, als es hieß:

Irgendwie kommt einem das doch etwas bekannt vor. Auch die Perth-Gruppe hatte schon ein ähnliches Preisausschreiben in Bezug auf HIV veranstaltet und natürlich hat kein Wissenschaftler die 1000 £ Belohnung erhalten - selbst Professor Duesbergs HIV-Isolation wurde abgelehnt (siehe http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/3699376/).

Ein angeblich neutraler, lobbyfreier online-Pressedienst, buchmesse.ch, will die Belohnung zur Verfügung stellen (siehe http://www.buchmesse.ch/assets/s2dmain.html?http://www.buchmesse.ch/023024979302f9503/index.html).

Hierunter verbirgt sich die Partei "Leben-mit-Zukunft", die sich für eine Realisierung des Rechtsstaates einsetzen will, indem sie gegen die Schulmedizin und Pharmaindustrie vorgeht, die der Partei als die wichtigsten Stützen aller Diktaturen und Regierungen erscheinen und deren Macht-Instrument die Verbreitung von Angst sei (http://partei-leben-mit-zukunft.ch/parteipropramm/023024982206d5807/index.html):

Stöbern wir ein bisschen auf dieser Homepage herum, so wird schnell klar, dass sich Stefan Lanka hinter diesem Schweizer Pendant zur klein-klein-Aktion verbirgt. Der Virusexperte, der wissenschaftlich aufklären will, schreibt dazu Folgendes:

Das sind spannende Aussichten!

Wir haben es mittlerweile realisiert: Das HIV-Virus existiert nicht und ist auch nicht die Ursache von Aids, und wenn wir unsere Angst überwinden, wird H5N1 nur unser Bewusstsein, nicht aber unseren Körper infizieren!

Wir müssen lediglich die Schulmedizin gänzlich ablehnen, dürfen nur noch glauben, was in der Kent-Depesche, einer Zeitschrift für Zustandsverbesserer, steht, welche dem Leser die Fakten einfach und verständlich machen will. Wir dürfen keine wissenschaftlichen Publikationen lesen, denn das sind sowieso nur alles Lügen und Propagandamache. Und wenn wir keine Publikationen mehr lesen, sind unsere Wissenschaftler überflüssig. Wir können unsere Schulen und Universitäten schließen und sparen viel Geld! Geld, welches wir für Dianetik ausgeben können?

Fazit:


Anmerkungen

[1]
Der Artikel erschien im August 2007 in 3 Teilen:
Teil 1
http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/4162521/
Teil 2
http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/4164402/
Teil 3
http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/4167773/

[2]
Was ist Molgewicht bzw. was bedeutet millimolar? Was ist die aktive Wirkform?

Der Wirkstoff von Tamiflu ist Oseltamivir (als Phosphatsalz). Dieses wird nach der Einnahme im Körper verstoffwechselt, es bildet sich der aktive Metabolit, also das Stoffwechselprodukt Oseltamivirbarboxylat, welches die chemische Formel C14H24N2O4 hat; dieser Metabolit hemmt die Neuraminidase.

Das Molgewicht (= Synonym für Molmasse) ist das Gewicht, welches 1 Mol einer chemischen Substanz hat, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Molare_Masse).

Das Molgewicht von Oseltamivircarboxylat berechnet sich aus der Masse von
14 Kohlenstoffatomen, C, (14 x 12) plus der Masse von
24 Wasserstoffatomen, H, (24 x 1) plus der Masse von
2 Stickstoffatomen, N, (2 x 14) plus der Masse von
4 Sauerstoffatomen, O, (4 x 32), mit
284 g/mol.

1 Mol von Oseltamivircarboxylat (aktiver Metabolit von Tamiflu) wiegt 284 Gramm.

Eine 1 millimolare Lösung (1 mM) ist dann die Konzentration von einem Tausendstel Mol (siehe http://en.wiktionary.org/wiki/millimolar), also 0,284 gramm/L oder 284000 milligramm/L.

Hier wäre das Molgewicht von Tamiflu, also Oseltamivir (C16H28N2O4): 314,4 g/mol

http://wisda.pharmazie.uni-marburg.de/index.html?http&&&wisda.pharmazie.uni-marburg.de/dossier.php?s_inn=Oseltamivir

 


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