Nicht zu fassen...


6.2.2001

Vom Umgang mit Ärzten

R.Behrmann, Kinderarzt

24. Januar 2001

VOM UMGANG (UMSPRINGEN) MIT (DEN) ÄRZTEN

Ärzte müssen schon was Besonderes sein, wenn man sich anschaut wie die Politik und insbesondere die auch hohen Gerichte und letzlich die Bevölkerung mit ihnen umspringt. - Keiner anderen Berufs- oder Einwohnergruppe wird eine solche Ansammlung und Permanenz überwiegend grundgesetzeswidriger Urteile und politischer Verordnungen zugemutet!

1.) Das höchste Gericht befindet, daß Kassenärzte mit 68 aufhören müssen (Enteignung), nicht weil der ärztliche Arbeitsmarkt das erfordert, sondern weil ein Arzt (und nur dieser) mit 68 geistig und körperlich nicht mehr in der Lage wäre, Patienten zu betreuen (Demenz-Urteil).

Der gerade neu gewählte Bundespräsident ist 68 ! Und Helmut Kohl durfte ja auch noch Dinge tun, die vielleicht etwas schwieriger als Medizin sind.

Enteignet wird der praxisaufgebende Arzt auch dadurch, daß er nicht mehr an einen Kollegen seiner Wahl abgeben darf (Praxisverkauf).

2.) Ein angemessenes Entgelt steht einem Arzt nicht zu. - Er muß auch Leistungen erbringen, bei denen er draufzahlt (höchstrichterliche Entscheidung).

3.) Die Ärzte können und werden dann auch für die Überschreitung willkürlicher Beträge bei der medikamentösen Versorgung der Patienten zur persönlichen Bezahlung der für die Patienten erforderlichen Pharmaka verpflichtet (Sippenhaft ist ein böses Wort aus bösen Zeiten).

Um die Verordnungen steuern zu können, bräuchten die Ärzte diesbezügliche Daten von den Krankenkassen, die für ihre Art Verwaltung soviel ausgeben wie die gesamte Hausarztmedizin mit ihren Praxen kostet (Das sind keine Arzteinkommen sondern Praxis-UMSÄTZE.). Diese Krankenkassen waren nie in der Lage, den blindfliegenden Ärzten die erforderlichen Daten zu liefern.

Da ließ sich der Gesetzgeber etwas einfallen : Die Kassen werden von der eigentlich bestehenden Verpflichtung zur Datenlieferung befreit. - So einfach ist das.

4.) (und das ist der schlimmste Punkt). In der ganzen Republik ist es üblich, daß eine Versicherung das Risiko der Versicherten kalkuliert,entsprechende Beiträge kassiert und dann dieses Risiko bei Eintritt des Versicherungsfalles trägt.

Nicht so im GKV-Krankenversicherungswesen: DER ARZT TRÄGT DAS ERKRANKUNGSRISIKO DER PATIENTEN. Erreicht wird dies durch Pauschalbezahlung, die Art und Häufigkeit der Erkrankungen ignoriert. Alles gerichtlich abgesegnet, obwohl ganz klare gegenteilige Gutachten von erfahrenen Verfassungsrechtlern vorliegen (z.B.Prof.Friauf).

Es ist des Arztes Problem, wenn mehr Patienten häufiger krank werden und wenn sie durch die gute Medizin älter werden. Mehr Geld für mehr Arbeit bekommt er nicht (Vilmar hat mit dem "sozialverträglichen Frühableben" die Wahrheit gesagt,nichts als die Wahrheit).

5.) Das Vertrauen zu "ihrem" und die Zufriedenheit der Patienten mit "ihrem" Arzt ist groß (tausende von Kilometern entfernt zu Vertrauen und Zufriedenheit bezüglich der Politiker).

Andererseits gibt es ein geteiltes Bewußtsein anonym "DEN" Ärzten gegenüber, die alle zuviel verdienen und einen Behandlungsfehler nach dem anderen begehen. DAS GEFÄLLT DEN UNBELIEBTEN POLITIKERN UND DIE MEISTEN GERICHTE BEHANDELN "DIE" ÄRZTE REGELRECHT (Recht???) FEINDLICH. (siehe oben). MEINE KOLLEGEN UND ICH APPELLIEREN AN DIE GERICHTE, DIE ÄRZTE WIEDER IN DEN RECHTSSTATUS ALLER BÜRGER EINZUSETZEN UND NICHT BÜRGERLICHE RECHTE DEM PRIMAT DER BEITRAGSSATZSTABILITÄT (die von den Krankenkassen gröblich verletzt wird) UND DEM PRIMAT DES WOHLERGEHENS DER KRANKENVERSICHERUNG ZU OPFERN. - Hier sind allgemeinverbindliche Rechtgrundsätze aus dem Gleis geraten.

6.) Ein Großteil der Presse macht sich nicht die Mühe, diese Zusammenhänge zu sehen und berichtet falsch über Einkommen und Behandlungsfehlerhäufigkeit.

7.) Ein Arzt hat m.E. von der Sache her natürlich relativ viel Macht über den Kranken. Das nimmt man ihm übel, wenn man wieder gesund ist.

Eine andere Erklärung finde ich nicht für den ganzen oben genannten Schwachsinn und die krassen Ungerechtigkeiten seitens Politik und Gerichten.

8.) Dieser Bericht ist als Patienten-Info durchaus geeignet.

[Weshalb er auf die Deutsche Amalgam-Page kommt. Aribert Deckers]

9.) Fast alle Politiker und Juristen sind privat versichert und haben überhaupt keine Probleme.

10.) Arzt zu sein ist keinesfalls ein freier Beruf: Wir haben alle Pflichten eines Beamten, ohne dessen Privilegien zu genießen; dafür haben wir alle echten Existenzrisiken eines freien Unternehmers.

11.) Der Staat subventioniert ihm wichtige Bereiche (z.B.Bergbau und Landwirtschaft mit hohen Milliardenbeträgen. - Die medizinische Versorgung erhält keine Subventionen, obwohl sie mindestens so wichtig ist wie die o.g. Bereiche.

IM GEGENTEIL: Die Beitragszahler (Versicherte UND Arbeitgeber subventionieren andere staatliche Bereiche (17 Mrd.) die aus Steuergeldern finanziert werden müßten. Wenn man dies rückführte und noch eine vernünftige offizielle Medikamentenliste einführte, KK-Verwalterkosten drastisch senkte, dann gäbe es keine Finanzierungsprobleme im Gesundheitswesen.

Ralf Behrmann, Kinderarzt, Frankfurt

P.S.: Eine "Kostenexplosion" im Gesundheitswesen hat es gemessen am Bruttosozialprodukt nie gegeben. - Der Anteil der ambulanten Praxismedizin ist seit Jahren rückläufig (von sage und schreibe 18% auf 16 % von den Krankenkassenausgaben, die selbst ca. 6% aller Versichertenbeiträge für ihre Art von "Verwaltung" ausgeben. Die Kostensteigerungen für die Arztpraxen bewegen sich in den letzten Jahren im Bereich von 1,8%, die der Krankenkassen für sich selbst im Bereich von 5,9 %.

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