(981112)
When the Amalgam was taken out, 4 symptoms disappeared. They did not start at
the same time.
Die zweite Unverfrorenheit findet sich in der Formulierung "wie und in welchem Umfange ein Aufklärungsgespräch üblicherweise von ihm geführt wird." Man beachte das hintervotzige Wort "üblicherweise" ! Das "üblicherweise" ist juristisch völlig schnurzpiepscheißegal! Denn es kommt nicht darauf an, was "üblicherweise" gemacht wird, sondern einzig und allein auf das, was in dem zur Diskussion stehenden Einzelfall ganz exakt über die Bühne gegangen ist.
Ich habe den Bogen nur deshalb ausgefüllt, weil ich genau wußte,
worum es geht und ich auch die Risiken kenne. Aber nur sehr wenige wissen
so gut Bescheid wie ich. Der Rest unterschreibt dann eben blind, "car
l'ordre du Muphti". Und die erwischt es dann. Selbst früher,
als die Bogen noch nicht so gerichtsrelevant waren, habe ich diese Bogen
immer gehaßt, weil darin Fragen gestellt werden, die in sich schon
schwachsinnig sind, und weil der Platz zum richtigen Ausfüllen viel zu
klein ist. Also habe ich oft einen Zettel zu Hause auf dem Rechner
zusammengestellt, auf dem die wesentlichsten Sachen stehen. Dies vor allem,
damit ich selbst nichts vergesse. Ohne es zu wissen, war ich also damals
schon auf dem richtigen Weg, denn durch diesen Zettel kann ich beweisen,
was ich dem Herrn Doktor gesagt habe. Nicht
"üblicherweise", sondern ganz exakt in diesem Fall.
Name
Bekanntlich hatte man im 17. Jahrhundert am Hof von Versailles andere Vorstellungen von Hygiene als heutzutage. Wo parfümieren beliebter war als waschen, war natürlich auch jegliche Art von Zahnpflege unbekannt. Ebenso interessierte man sich nicht weiter für dier Erhaltung der Zähne, sondern zog sie im Zweifelsfall. Die herrschende Lehrmeinung war, daß es im menschlichen Körper keinen gefährlicheren Infektionsherd gäbe als die Zähne. Welche Auswirkungen diese Einstellung auf das Leben des Sonnenkönigs Lidwigs XIV. hatte, hat Dr. Peter Schröck-Schmidt zusammengetragen.
Um drohende Gefahren vom König abzuwenden, schlug einer seiner Leibärzte vor, ihm sämtliche Zähne zu ziehen, solange sie noch gesund seien. Der Sonnenkönig willigte ein und ließ die schmerzhafte Prozedur, die selbstverständlich ohne Betäubung vorgenommen wurde, über sich ergehen. Das "Ausreißen" der Zähne im linken Oberkiefer führte zu einem Abszeß, einer Nasennebenhöhlen- sowie einer Knochengewebsentzündung. Um die Schmerzen zu lindern, zog der Arzt auch noch die restlichen Zähne des Oberkiefers. Bei dieser Gelegenheit brach er einen Teil des Gaumenbeines mit heraus und brannte "zum Zwecke der Desinfektion (...) seiner Majestät das Loch im Gaumen mit einem glühenden Eisenstab" aus. Der König hielt diesen Torturen tapfer stand. Sein Gesicht war jedoch entstellt, und die ständigen Schmerzen machten ihn reizbar.
Die Leibärzte, die so trefflich Zähne ziehen konnten, vermochten es offenbar nicht, dem König eine Prothese anzupassen, die ihm die fehlenden Zähne oder gar Teile des Gaumens ersetzt hätte. So wurde jede Mahlzeit am Hof zu einem peinlichen Ereignis. Da das Loch im Gaumen Mund und Nase miteinander verband, sprudelte die Hälfte des vermeintlich getrunkenen Weines zur Nase wieder heraus. Speisereste setzten sich für Wochen in diesen Öffnungen fest. Da Ludwig XIV. seinen Leibärzten weiterhin blind vertraute, ließ er auch noch sämtliche Zähne im Unterkiefer entfernen, wobei der Unterkiefer brach. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens war der Sonnenkönig zahnlos und schluckte sein Essen unzerkaut.
Wäre der King clever gewesen, hätte er nach der Devise "Auge
um Auge, Zahn um Zahn" auch jedem seiner Zahnärzte die
Beißerchen ziehen lassen - wo doch die Ärzte so von der
Richtigkeit und Lebenswichtigkeit ihrer Aussagen überzeugt waren...
Eine Idee, die man sich auch heute zu Herzen nehmen sollte!
Name
Der Psychologe sagte mir, ich wäre schon vor meiner Krankheit nicht beziehungsfähig gewesen, sonst wäre es ja nicht so weit gekommen. Ich denke, na ja, woher will der das wissen, er kennt mich ja überhaupt nicht und weiß nichts von von meinem Leben vor dem Ausbruch der PCP. Ich denke mir, der könnte ja irgendwie doch recht haben, vielleicht, und ich bleibe sein Klient. Diese Krankheit verläuft in Schüben; bei jedem Schub fällt ihm ein neuer Spruch ein - so zum Beispiel: "Dir begegnet nur das im Leben, was du auch verkraften kannst", "Du brauchst deine Krankheit für dein Wachstum", "Horche auf sie (die Krankheit), sie sagt dir etwas", "Du bekommst auch viel dafür". Die Hilflosigkeit des Therapeuten wird nicht thematisiert - warum auch, er verdient auch genug an mir.
Zwischendurch bin ich immer wieder bei verschiedenen Heilmasseuren, von denen ich wider Erwarten die ausgefeiltesten Diätvorschläge bekomme. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber die sind mit ihren Übergriffen wenigstens auf der körperlichen Ebene - und das ist besser so, denn mit solchen Diäten hört man meist von selbst wieder auf.
Seminare und Workshops besuche ich schon gar nicht mehr, denn dort muß man immer eine bequeme Kleidung und eine Decke mitnehmen. Die sitzen nämlich alle im Kreis auf dem Boden, und ich, ich kann mich ohne fremde Hilfe nicht auf den Boden setzen, geschweige denn alleine aufstehen. Und der, der die Hilfe anderer eine Woche lang ständig benötigt, gibt eine herrliche Projektionsfläche für den Rest der Teilnehmer ab - und das muß man als Gruppenmitglied erst einmal aushalten. Da heißt es dann unter Garantie an einem bestimmten Punkt immer "Du manipulierst die ganze Gruppe mit deiner Behinderung". Wieder hab' ich etwas falsch gemacht, wieder bin ich selbst schuld an meiner Krankheit, und wenn nicht jetzt, dann war irgend etwas im früheren Leben, was ich jetzt auszutragen habe.
Ich hör' mir Fachvorträge an. Der letzte war in einem Zentrum
für Schwerstbehinderte in Altenhof in Oberösterreich. Ein in
Deutschland bekannter Buchautor erklärt die psychosomatischen
Zusammenhänge von Krankheiten. Das ging ungefähr so : Wenn
einer einen Schnupfen hat und niest, will er mit seiner Umgebung nichts
zu tun haben, wenn einer fiebert, dann erregt ihn etwas, und wenn jemand
Multiple Sklerose hat, dann hat er eine vielfache Verhärtung - auch
eine geistige. Es saßen circa hundert Leute im Saal, darunter eine
ganze Reihe Rollstuhlfahrer. Beim nächsten Vortrag dieser Art werde
ich mir erlauben, an die Zuhörer vorsorglich faule Tomaten und
stinkende Eier zu verteilen.
Edgar Klein, Salzburg, in: Die Zeit, 18.8.95, Leserbriefe
Jegliche Weiterverwendung der Texte der Amalgam-Page ist verboten.
Verlage dürfen sich wegen der Nachdruckrechte per Email an mich wenden.
Aribert Deckers