17.5.2005
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BELGIEN
Charles BERLINER - Dr. med., Mitglied des Centre d'Information et d'Avis sur
les Organisations Sectaires Nuisibles (C.I.A.O.S.N.) [Informationszentrum
über die schädlichen sektiererischen Organisationen], belgische
Regierungsorganisation,
- Vorsitzender der Association des Victimes des Pratiques Illégales de
la Médecine (A.V.P.I.M.) [Verein der Opfer der illegalen
Ausübungen des Arztberufes]
Einleitung
Annaëlle ist ein von einer 38-jährigen Mutter geborenes mongoloides Kind. Die Mutter arbeitete als Ergotherapeutin auf der psychiatrischen Abteilung eines Universitätskrankenhauses in der Hauptstadt und ließ sich seit mehreren Jahren von einer Heilerin namens Anne V . beraten. Annaëlle litt nicht nur an Mongolismus, sondern außerdem an einer angeborenen Mißbildung des Herzens. Unglücklicherweise erhielt Annaëlle niemals die chirurgische Korrektur, die ihr ein normales Leben ermöglicht hätte. Die Katheterisierung, die sie im Alter von 3 Monaten erhalten hätte sollen, wurde von Anna V. und ihrem wissenschaftlichen Berater Dr. M. L. abgelehnt. Dieses Unterlassen der Therapie hatte eine vorhersehbare wachsende Herzschwäche mit einer bedeutenden Verschlimmerung des Zustandes des Kindes zur Folge. In diesem schon sehr schwierigen Zustand erkrankte Annaëlle außerdem noch an Leukämie. Diese wurde erst sehr spät anlässlich eines Urlaubes in Kreta diagnostiziert. Nach der Erstversorgung in der Kinderklinik von Brüssel und noch bevor eine Chemotherapie, die sie vielleicht hätte retten können, begonnen werden konnte, wurde sie auf Verlangen der Guru-Frau, die behauptete, dort würde sie sterben, brutal aus dem Spital herausgerissen. Von aller Pflege abgeschnitten, ist Annaëlle 72 Stunden später tatsächlich gestorben. Während der 2, 3 letzten Monate des Lebens ihrer Tochter hatte die Mutter an der Kompetenz der Heilerin zu zweifeln und, als Vorsichtsmaßnahme, nach jedem Kontakt mit Mitgliedern dieses sehr sektiererischen Gesundheitsnetzes sich Notizen zu machen begonnen. Diese mit chirurgischer Genauigkeit gemachten Notizen, ähnlich einer versteckten Kamera, ermöglichten uns die Rolle verschiedener einflußreicher Personen zu durchschauen, und haben uns über das ideologische Klima in dieser Sekte aufgeklärt. Darin spielten mehrere Metamorphose-Masseusen, Radiästheten, Kine-Osteopathen und ein Brüsseler Homöopath eine wichtige Rolle.
Gedanken über den Fall und die Entstehung des Sekten-Systems
Alle diese Elemente kommen im Paradigma von New Age vor, das in den USA in den siebziger Jahren entstanden ist. Dieser Zugang, den sich auch gewisse Politiker zu eigen gemacht haben, fährt auf dem Gebiet der Gesundheit einen sehr reaktionären Kurs, besonders was die Impfungen betrifft.
Als Folge dieser gravierenden Fälle wurde er vom Conseil de l'Ordre
des médecins in seiner Provinz aus dem Register gestrichen.
Dr. M. L. praktizierte die Homöopathie ebenso wie sogenannte
Metamorphose- Massagen und verschrieb anthroposophisch angehauchte
Behandlungen.
Die Grundfrage, die ich mir angesichts des Verhaltens dieses Arztes stelle, ist folgende:
Was soll man mit einem Arzt tun, dessen Medizinausübung im Gegensatz zu der steht, in der er an der Fakultät ausgebildet worden ist, und der umso gefährlicher wird, als er von dem Renommee profitiert, das ihm sein offizieller Titel verschafft?
Der Fall des Dr. M. L. führt uns zu einer weiteren drängenden Frage: Warum ist gerade die Ausübung der Homöopathie so besonders anfällig für solche Ausrutscher?
Meiner Meinung nach findet sich die Antwort vor allem im theoretischen Inhalt der Homöopathie. Diese +Natur;- Medizin, die an jeden Patienten angepasst wird, zielt darauf, unser Selbstheilungsvermögen zu stimulieren, in dem sie in unserem ureigenen +Bereich; agiert. Da man die chemischen Medikamente bedingungslos zurückweist und der Chirurgie und anderen als zu aggressiv eingestuften Behandlungen sehr reserviert gegenübersteht, ist man immer in Opposition zur klassischen Medizin. Der Zugang zum Kranken ist übrigens sehr unterschiedlich: Der Homöopath widmet den größten Teil seiner Zeit einer langen Befragung des Patienten, die physische Untersuchung ist nur ganz kurz gehalten.
Ein schwerer Unfall zwingt sie, ihre Karriere als Rechtsanwältin aufzugeben und eine Arbeitspause von zwei Jahren zu machen, eine Zeit, die sie nützt, um ihrem Interesse für alternative Medizin und für Esoterik, speziell Radiästhesie nachzugehen. Sie beginnt als Radiästhetin und berät in der ersten Zeit Personen, die eine wichtige Entscheidung zu treffen haben: Heirat, Kauf eines Hauses, Job- Wechsel usw. Zugleich beginnt sie sich für Gesundheitsprobleme zu interessieren. So findet man z.B. in einer Illustrierten, die über alternative Medizinen schreibt, einen ihrer Artikel über die wohltuenden Behandlungen der Dr. Kousmine für entzündlichen Rheumatismus und Arteriosklerose.
Zur Erinnerung: Frau Kousmine ist die Schweizer
Ärztin, welche die Mehrzahl unserer Krankheiten auf unsere schlechten
Essgewohnheiten zurückführte und die gute Wirkung von bestimmten
kalt gepressten Ölen ebenso wie Einläufe propagierte.
In einem zweiten Zeitabschnitt widmet sich Anne V. mit zunehmendem Elan
schweren Krankheiten, wie vor allem dem Krebs, Aids, Suchtkrankheiten und
degenerativen Erkrankungen.
Anne V. hat sich immer mehr mit meist weiblichen Mitarbeitern umgeben, die sie
+geheilt; und anschließend ausgebildet hat. Sie verschrieb ihren
Patienten regelmäßig homöopathische Heilmittel und beriet sie
im Hinblick auf die energetische Qualität verschiedener
Örtlichkeiten. Sie empfahl ihren Patienten, Tai-chi- Kurse zu besuchen
und schickte sie zu +Metamorphose-Masseurinnen; oder Osteopathen, die keine
Ärzte waren.
Nach einiger Zeit befand sie sich an der Spitze einer bedeutenden
Patientenschar und ungefähr 20 ihr nahestehenden Mitarbeitern, über
die sie absolute Macht ausübte, ja die sie sogar fallweise bestrafte,
indem sie sie für einige Zeit ausschloss. Diese Frau hat also scheinbar
unabsichtlich eine Heiler-Sekte gegründet. Diese Sekte hat sich
+offiziell; nach dem Tod von Annaëlle aufgelöst;
und nach glaubwürdigen Quellen lebt Anne V. im Norden von Frankreich, um
der belgischen Justiz zu entgehen. Sie ist niemals verhaftet oder verurteilt
worden, weil die Eltern von Annaëlle sie nicht
anklagen wollten, und die belgischen Anti-Sekten-Gesellschaften damals noch
keine Rechtspersönlichkeit hatten.
Seit 1992 habe ich viele telephonische Zeugenaussagen erhalten und mehr als 100 Opfer getroffen, die gekommen sind, um mir die Übeltaten einer gewissen Medizin zu schildern, die mit +medizinisch; nur den Namen gemeinsam hat. Und beim Anhören dieser oft dramatischen Berichte ist mir allmählich immer mehr bewußt geworden, welche Verbindungen zwischen den Sekten und den alternativen Medizinen bestehen.
Im zweiten Bericht geht es um Cecile, ein sehr junges Mädchen, Jounalismus- Studentin, die eine erstaunliche Reife aufweist und kurz nach dem Tod ihrer Mutter zu mir Verbindung aufgenommen hat. Sie war geschockt, unfähig zu akzeptieren, daß ihre Mutter vorzeitig sterben mußte. Und das nur wegen der Fehler eines Arztes, der sie von den für ihre Krankheit notwendigen Maßnahmen fern gehalten hatte.
Die Tatsachen
Erst am 18.01.1995, mindestens zweieinhalb Jahre nach
dem Auftauchen eines Tumors an der rechten Brust, den Dr. G. mit +conjonctil
viscum album; und Tonerde-Umschlägen behandelt hat, sucht ihre Mutter
zum ersten Mal einen seriösen Gynäkologen auf. Sie lässt sich
also durchuntersuchen mit Ausnahme der Scintigraphie, die sie auf Anraten des
Dr. G verweigert! Sie muß am 27.01.1995 eine Mastectomie mit curage
axillaire (Brustentfernung mit Sektion der Achsellymphe) über sich
ergehen lassen und anschließend eine Kobalttherapie. Aber sie verweigert
die Chemotherapie, da diese mehrere nachteilige Folgen erwarten ließe
(ihre Jugend, ein großer Tumor etc.). Dr. G. verschreibt ihr
Spurenelemente, Vitamin A, viscum album und Serocytol-Zäpfchen. Aber sie
geht dann am 27.10.1996 wieder zu ihrem Gynäkologen zu einer
Generaluntersuchung und läßt sich endlich überreden, eine
Polychemotherapie zu akzeptieren. Nach einer anfänglichen realen
Besserung der Beschwerden können die zu spät angewendeten
Chemotherapien und Bestrahlungen ihren Tod am 11.08.1997 nicht mehr
verhindern. Es ist noch zu bemerken, dass sie zwischenzeitlich eine
Bluttransfusion verweigert und freiwillig ihre Schmerzmittel reduziert hat.
Der Gynäkologe sagt in seinem Abschlußbericht: +Wenn die
Patientin bestimmte Untersuchungen oder Behandlungen verweigerte - was immer
wieder der Fall war - gab sie oft als Begründung den Rat des Dr. G an, in
den sie ein ebenso erstaunliches wie unerschütterliches Vertrauen
setzte.; Er fügt hinzu, dass er von diesem Arzt niemals einen Brief
erhalten habe, obwohl er ihn regelmäßig schriftlich über den
Verlauf der Krankheit auf dem Laufenden gehalten habe.
Einige Überlegungen zu dieser ebenfalls dramatischen Geschichte
Er hat den Ehrenkodex der Ärzte weitgehend verhöhnt, der verlangt:
Was also hat Dr. G. gemacht?
Er hat den Einfluß, den er auf seine Patientin ausübte und ihren Zustand der Schwäche ausgenützt, um sie zu indoktrinieren und in seine Sekte einzuführen.
Dr. G. hat unter falschem Namen mehrere Bücher geschrieben, die er seinen Patienten zu lesen gibt. Die Dame, um die es sich handelt, ist während ihrer Krankheit eine glühende Anhängerin der Grals-Sekte geworden,
Sie war total unter dem Einfluß des Guru, eines wichtigen Verantwortlichen des Gral im Departement Nord von Frankreich. Sie verweigerte jedes In-Frage-Stellen und schloß sich von ihren Freunden und Verwandten ab, indem sie alle zurückwies, die nicht ihre Überzeugung teilten. Ihre Tochter Cecile konnte kühlen Kopf bewahren. Nicht so deren jüngere Schwester, die ihrer Mutter in die Sekte folgte und die größten Schwierigkeiten hatte, aus diesem geistigen Gefängnis wieder heraus zu kommen, nachdem ihre Mutter gestorben war.
Im Mai 2002 wird nach einer Brustuntersuchung durch Dr. L.
ein offensichtlich plurifokales Kanal-Karzinom festgestellt. Die Operation
wird für Juni geplant.
Bevor sich Frau N., 38 Jahre alt, talentierte Pianistin und Mutter zweier
kleinen Kinder, zur Operation entschliesst, konsultiert sie Dr. VDB. Sie ist
überzeugt, dass die Amputation ihrer Brust ihre musikalische Karriere
ruinieren wird. Die Anamnese dieses Arztes, eines Anhängers von Dr.
Hamer und Sabbah bringt ans Tageslicht: +Sie hatte eine Großmutter,
die zwei Kinder durch tragische Umstände verloren hatte; eines wurde von
einem umstürzenden Kasten erschlagen, das andere starb noch vor der
Geburt; sie war dadurch ganz gebrochen und starb bald danach.;
Dr. VDB notiert außerdem : +Das Ziehen eines Weisheitszahnes im Jahr
1992 wurde als eine Verletzung erlebt.;
Als der Gynäkologe, der die anfängliche Diagnose
gestellt hat, erfährt, daß die Frau von Dr. VDB +behandelt; wird,
bringt er beim Conseil de l'Ordre eine Klage ein, die zur Folge hat, daß
Dr. VDB mehrere Male aufgefordert wird, seine Patientin in die klassische
medizinische Behandlung zurück zu schicken. Während dessen hat die
Frau mit ihren in Japan lebenden Eltern Kontakt aufgenommen und die für
die Krankheit ihrer Tochter verantwortlich gemachte Mutter konsultiert einen
Schamanen, um herauszufinden, was sich in ihrem früheren Leben und bei
ihren Ahnen ereignet hat! (Nach Hamer ist die Erkrankung der linken Brust die
Folge eines Konfliktes mit der Mutter!).
Nach endlosem Zaudern und weil sich in ihrem linken Arm trotz der
Heilungsversprechen des Dr. VDB ein lymphatisches Ödem entwickelte, ging
die Patientin endlich zu einem Onkologen.
Ein Kollege, berühmter Gynäkologe und Universitätsprofessor, ist der Meinung, daß Dr. VDB wegen eines holistischen und verrückten Zugangs zu seiner Patientin Komplize ihrer Ängste geworden ist und ihre Ablehnung der Behandlung verstärkt hat.
Dr. VDB hatte Anne V. im Jahr 1986 kennen gelernt, als er sie bezeichnenderweise zu einem wichtigen Kongress für alternative Medizin in Monaco begleitete, und er hatte sie in ihrer neuen beruflichen Ausrichtung bestärkt. Dieser Arzt und Homöopath hat sich seit Beginn seiner Karriere durch eine sehr eigenartige Form der Praxis hervorgetan:
* Durch Dr. Sabbah wurde die Hamer- Theorie noch durch die psycho-genealogische Analyse +erweitert;. Sie lehrt, daß wir aus unbewußter Familien- Loyalität das Leben unserer Vorfahren wiederholen. So sollen z.B. häufige Halsschmerzen davon kommen, daß ein Ahne während der Revolution guillotiniert worden ist, - Tag für Tag seit 170 Jahren. Wenn man diese Episode als Psychodrama spielt, verschwinden alle Symptome.
Dr. Sabbah, ein Erbe Hamers, hält die Reden seines Meisters für das Wichtigste, das man denken kann, aber er schützt sich klug vor gerichtlicher Verfolgung, indem er seine Zuhörer, wenigstens in der Öffentlichkeit, auffordert, seriöse Behandlungen nicht mittendrin abzubrechen. Einer seiner Schüler, der eine 4-tägige Ausbildung mitgemacht hat, bezeugt aber, daß Claude Sabbah von der klassischen Medizin sehr schlecht spricht. Nachdem ich persönlich zwei jeweils 3-stündige Vorträge von ihm angehört habe, versichere ich, dass der Herr Doktor der Medizin, der sich aus dem Beruf selbst ausgeschlossen hat, bevor er aus der Liste gestrichen wurde, einen subtilen anti-medizinischen Kurs propagiert.
Provisorische Schlußfolgerungen
Zur Erinnerung: Es gibt eine ausgezeichnete Broschüre mit dem Titel: "Gouru gare à toi" (Guru hüte dich!)
Dieses durch Initiative der "Communauté Française de Belgique" erstellte Bändchen hat einen beachtlichen Erfolg in der Öffentlichkeit gehabt, hat aber seinen Erzeugern nicht weniger als 5 Prozesse eingetragen, die alle von den Klägern verloren worden sind.
Marseilles März 2004
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Aribert Deckers