03.09.2004
13.8.2004
Medizin kostet Geld. Geld ist knapp. Also wird Medizin rationiert. Doch wie?
Wer erhält Medikamente, wer erhält Behandlung? Und wer eben nicht
und bleibt deswegen auf der Strecke?
Welches Leben wird gerettet, welches nicht? Welches Leben ist es wert, gerettet zu werden? Welchen Wert hat ein Leben?
Wert des Lebens. Unwertes Leben...
Die Verteilung des knappen Gutes Medizin ist seit Jahren ein bekannt kritisches Problem. Es wurden eigens Kommissionen, Gruppen, Organisationen geschaffen nur für das Problem der "Verteilungsgerechtigkeit". [1]
Als vor mehreren Jahren ein Computerprogramm zur Berechnung der Wertigkeit eines Lebens auftauchte, gab es einen Entrüstungsschrei. Gelöst wurde das Problem nicht.
Was bei all diesen Diskussionen immer weggelogen wird, ist, daß das Kernproblem hausgemacht ist. Der Lochfraß im Geldtopf des Gesundheitssystems kommt von innen, aus den eigenen Reihen: Würde man dem Pfusch endlich Einhalt gebieten, fielen die Kosten des Pfuschs plus dessen gigantische Folgekosten weg. Es wären riesige Mengen Geldes frei für eine SINNVOLLE, für eine rationale, WISSENSCHAFTLICHE Medizin.
Aber genau dies tut man nicht. Im Gegenteil! Man bildet eine Wagenburg und schützt die Pfuscher.
Das ist in doppelter Hinsicht irrsinnig. Einerseits werden die Opfer der Pfuscher vollends niedergemetzelt (von mikroskopischen Ausnahmen abgesehen), andererseits können sich die Pfuscher weiterhin ungeniert am Geldtopf selbstbedienen und damit die ehrlichen Ärzte in den Ruin treiben.
Eine wesentliche Schaltstelle im Medizinsystem sind die Ärztekammern. Sie sind fest in der Hand des Pfuschs. So fiel die Ärztekammer Schleswig-Holstein im Jahr 2000 durch den Fall Volkmann auf.
Der Parasitismus im Gesundheitssystem muß bekämpft werden.
Oder es sterben die ehrlichen Arztpraxen, bis keine einzige mehr da ist.
Aribert Deckers
[1]
------------------------------------------------------------------- Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 11.08.2004 Gerechtigkeit im Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen steht heute vor dem Problem, dass medizinisch Machbares nicht mehr unbegrenzt bezahlbar ist. Bei der Diskussion über eine kaum vermeidbare Rationierung medizinischer Leistungen stehen ökonomische Aspekte häufig im Vordergrund. Ebenso wichtig ist aber auch die Frage, nach welchen Kriterien die Verteilung der knapper werdenden Gesundheitsressourcen erfolgen soll. Hier stellt sich vor allem auch das Problem der Verteilungsgerechtigkeit. Um genau dieses Thema geht es bei der vom 30. September bis 2. Oktober 2004 an der Universität Münster stattfindenden Jahrestagung der Akademie für Ethik in der Medizin. Lokale Ausrichter der Tagung sind das Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin des Universitätsklinikums Münster (UKM) und die Forschungsstelle Bioethik der Universität. Rund 100 an medizinethischen Fragestellungen interessierte Mediziner, Philosophen, Theologen, Juristen, Ökonomen und Pflegekräfte werden zu dieser im Hörsaalgebäude am Hindenburgplatz stattfindenden Veranstaltung erwartet. Eröffnet wird sie am 30. September mit einem öffentlichen Abendvortrag im Landesmuseum am Domplatz. Prof. Dr. Dr. h.c. Günther Patzig, emeritierter Philosophie-Professor aus Göttingen, spricht dabei zum Thema "Wie geht man mit bioethischen Grundlagenkonflikten um?" Das wissenschaftliche Hauptprogramm beleuchtet das Thema Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitswesen aus unterschiedlicher Perspektive, wobei natürlich vor allem ethische Aspekte zur Sprache kommen. Denn von ihnen ist in den aktuelle Debatten um den Umbau des Gesundheitssystems meistens sehr wenig die Rede. Im Rahmen der Tagung unter der Leitung von Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert, Direktorin des Instituts für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin, sollen solche ethischen Fragen der Gesundheitsökonomie und - politik benannt und diskutiert werden. Neben den Hauptvorträgen, zu denen auch Experten aus dem Ausland erwartet werden, umfasst das Veranstaltungsprogramm auch freie Vorträge und Projektvorstellungen. Dabei geht es beispielsweise um Erfahrungen Rationierung von Gesundheitsleistungen in anderen Ländern, die Auswirkungen des Kostendrucks im medizinischen Alltag, die Selbstverantwortung von Patienten, die Bedeutung des Krankheitsbegriffs für die Gerechtigkeitsdiskussion oder auch um die Palliativmedizin im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit. Mit einer von 12 bis 13.30 Uhr stattfindenden Podiumsdiskussion zum Thema "Gerechtigkeit und Politik im Gesundheitswesen" geht die Tagung am 2. Oktober zu Ende. Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.aem-online.de ---- -------------------------------------------------------------------
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Aribert Deckers