11.05.2005
Ernst Habermann war Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Als engagierter Kämpfer gegen Scharlatanerie hat er Vorträge gehalten und Artikel geschrieben, die im WWW teilweise noch erhalten, aber über etliche Domains verstreut sind.
Professor Habermann starb im Jahr 2001. Dank der freundlichen Erlaubnis von Frau Habermann darf ich Artikel ihres Mannes in meiner Web-Site wiedergeben.
Der folgende Test stammt aus einer Diskussion der "Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften" zum Thema "Evidence based medicine".
Aribert Deckers
(Die Hervorhebungen im Text sind von mir.)
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Ernst Habermann
Ich möchte Sie betroffen machen, indem ich Sie mit vier Problemkreisen befasse:
7.1 Manifestationen einiger besonderer Therapieformen
Was rechnet man dazu?
Eine Beschreibung aller besonderen Therapieformen würde dicke Bände füllen. Die menschliche Phantasie, die sich in ihnen auslebt, ist grenzenlos.
Jeder Mensch "verarbeitet" seine Beschwerden auf seine Weise. Er glaubt an die Maßnahmen, die er gegen sie ergreift. Daher gibt es so viele besondere Therapierichtungen, wie es Menschen gibt.
Auch heute noch rufen sie Kräfte zu Hilfe, für die man jegliche Belege vermißt. Dann spricht man von Magie.
Ich werde später darstellen, daß zwischen Wissenschaft, Glaube und Magie fließende Übergänge bestehen.
Wenn der Mensch etwas ausheckt, dann legt er seine Gedanken nicht wie die isolierte Käfighenne ihr Ei, das ihr dann auf Nimmerwiedersehen wegrollt.
Er denkt in einem sozialen Umfeld, das als Generator und Kondensator seiner Ideen mitwirkt.
So bilden sich von Kulturkreis zu Kulturkreis unterschiedliche Präferenzen heraus.
Während man in Indien dem eigenen Harn gekocht oder schäumend aus dem eigenen Hahn gezapft hohen therapeutischen Wert beimißt, benötigt hierzulande diese Therapie noch publizistische Nachhilfe (Thomas 1993).
Insgesamt zählt man im deutschen Sprachgebiet etwa 100 verschiedene besondere Therapieformen (Federspiel und Herbst, 1991, ZDN 1992).
Die Zahl ist niedrig geschätzt, weil innerhalb der einzelnen Therapierichtungen das intellektuelle Chaos herrscht und sich die Sekten bekämpfen.
So meint Hopff (1991), daß es so viele Homöopathien gibt wie Homöopathen.
Die anthroposophische Therapie nimmt Anleihen bei der Phytotherapie und der Homöopathie auf und vermengt sie mit Steinerscher Esoterik (Stratmann 1988).
Es entstehen Hybriden. Ein Blick auf Tabelle l überzeugt von der Vielfalt (Übersichten siehe Memorandum 1993, Skrabanek und McCormick 1990, Habermann 1992).
Drei besondere Therapierichtungen sind herausgehoben, nicht etwa wegen ihrer Qualität, sondern aus plebiszitären Gründen, nämlich
Sie werden am häufigsten angewandt. Sie haben die Ehre, teils im Arzneimittelgesetz, stets bei der Arzneimittelzulassung bevorzugt zu werden.
Homöopathika bedürfen keiner Zulassung. Registrierung genügt.
Auch den anderen Richtungen wird ein Bonus zuteil: Zur Zulassung genügt einfaches Erfahrungsmaterial nach der Art "Wir haben nur Gutes gesehen von..." als sogenannter Wirksamkeitsnachweis. Die harten Tests der Schulmedizin bleiben ihnen erspart, weil sie diese nicht bestehen würden. Sie sind sogar zu Gegenständen des Lernthemenkatalogs für Mediziner erhoben worden. Die Medien tätscheln sie. Gründe genug, gerade an ihnen die Besonderheiten gläubiger Therapie zu exemplifizieren.
Die Phytotherapie ist die älteste unter den behördlich anerkannten "besonderen" Therapieformen (Vogel et al. 1990). Sie liegt dem Pharmakologen besonders am Herzen; denn sie ist die Mutter der heutigen Pharmakotherapie. Sie steht der Schulmedizin so nahe, daß sie ohne besondere Glaubenssätze auskommen könnte. Sie laboriert trotzdem an ihnen, weil sie die Patina der Historie, der Tradition, wie eine Schutzschicht benötigt und daher pflegt. Die Ärzte des Mittelalters, der Neuzeit bis zum Beginn dieses Jahrhunderts waren im wesentlichen Phytothera-peuten. Von der heilenden Kraft pflanzlicher Zubereitungen war man überzeugt. Opium bei Schmerzen, Colchicum bei Gicht, Chinarinde bei Malaria, Digitalis bei einer bestimmten Art von Wassersucht, vor allem die Abführmittel waren ja auch recht wirksam, wie man bereits im 18. Jahrhundert wußte. Viel mehr hatte man damals nicht.
Die Organotherapie ist die animalische Version der vegetativ fundierten Phytotherapie. Auch sie hat eine pseudowissenschaftliche Komponente, indem z.B. Zellen der Hormondrüsen injiziert werden; ihre Wertschätzung verdankt sie aber vor allem dem Glauben an die Lebenskraft, die aus tierischen Organen übertragen werden soll.
Mit dem Heranwachsen der Chemie und Physiologie im 19. Jahrhundert ging das Naturwüchsige und Wunderbare verloren. Die Drogen wurden aufgearbeitet; nach und nach standen Reinsubstanzen zur Verfgung. Die sogenannte Naturkraft, an die unsere Vorfahren glaubten, wurde geistiger Ballast, den man zusammen mit dem chemischen Ballast in den Abguß kippte. Die Fortschritte der chemischen Synthese machten die Pflanze überflüssig. Die natürlichen Wirkstoffe entstanden jetzt in der Retorte. Derivate wurden hergestellt. Der Mensch, und kein Naturgeist, erschuf völlig neue Wirkstoffe. Die Pharmakologie benötige nur noch physikalische und chemische Kräfte, und sonst gar nichts, um die Wechselwirkung zwischen Chemikalie und Organismus befriedigend zu beschreiben. Der neue Zugang ermöglichte gewaltige therapeutische Fortschritte; die Arzneitherapie wurde zu einer quantitativen Wissenschaft. Hierzu zwei Beispiele aus eigener Erfahrung.
Als ich 1947 Pharmakologie hörte, war Curare eine exotische Kuriosität. Bestenfalls eignete es sich als Pfeilgift für einen Urwaldbewohner, der seine Jagdbeute für immer lahmen wollte.
Die Chemie des Curare war weitgehend unbekannt; man mußte die Wirksamkeit der jeweiligen Zubereitung am lebenden Kaninchen ermitteln. Die Isolierung und Kristallisation des d-Tubocurarins erlaubte dann eine Dosierung nach Gewicht.
Mit der Reinsubstanz kann der Anästhesist den Patienten in einer genau eingestellten Paralyse halten. Das ist eine Voraussetzung für die heutige Chirurgie am Herzen und der Lunge.
D-Tubocurarin ist inzwischen durch synthetische Verbindungen ersetzt. Curare hat also eine typische Karriere durchlaufen. Der Pflanze folgte der Extrakt, auf den Extrakt die Reinsubstanz, auf die Reinsubstanz die überlegenen chemischen Derivate, und schließlich die Neuentwicklungen ohne natürliches Vorbild.
Ein zweites Beispiel: Als junger Pharmakologe mußte ich Digitalis-(Fingerhut-) Präparate im Tierversuch standardisieren. Viele Katzen starben an Herzversagen, damit mir eine einzige Wertbestimmung gelang. Man kannte zwar die Inhaltsstoffe, aber man konnte sie nicht anders bestimmen. Etwa um die gleiche Zeit wurde kristallisiertes Digoxin verfügbar. Die Tierversuche entfielen, weil man die Kristalle abwiegen konnte. Ich selbst wurde frei für Besseres.
Warum entfiel nicht die gesamte Phytotherapie? Digoxin und d-Tubocurarin sind per defmitionem keine Phytotherapeutika mehr; der Begriff ist den Rohpräparaten oder daraus hergestellten Auszügen vorbehalten (Vogel et al. 1990). Die Antwort ist vierfach:
Aber diese Ansicht ist falsch. Der Anteil an potentiellen Karzinogenen unter den pflanzlichen Inhaltsstoffen ist nicht geringer als sein Anteil unter den synthetischen Chemikalien (Ames und Gold 1990). Mehrere pflanzliche Drogen haben wegen möglicher Karzinogenität die Zulassung verloren.
Nur ein Ideologe kann den Pflanzen eine besondere, ganzheitlich bestimmte Heilkraft andichten.
Die heutige Phytotherapie ist ein Restposten der Medizingeschichte. Die alte Phytotherapie enthielt manchen Edelstein, der heute die Schulmedizin ziert. Übriggeblieben sind bestenfalls Abführmittel und ansonsten Edelplacebos statt Edelsteine, kurz: "over the counter" (rezeptfreie) Artikel für Apotheken, Reformhäuser und Drogerien.
Der Trend geht zur Reinsubstanz.
Die Homöopathie ist die Zweitälteste unter den drei approbierten gläubigen Therapieformen. Anders als die Phytotherapie besitzt sie eine Bibel der reinen Lehre, nämlich Hahnemanns Organon (Hahnemann, Nachdruck 1985).
Hahnemann hat ein in sich geschlossenes, von ihm selbst als definitiv erachtetes Lehrgebäude errichtet. Solche harmonisierten Produkte sprechen den Menschen an, ob es sich um Kunstwerke, Religionen, Organismen oder wie hier um Lehrsätze handelt.
Die Akzeptanz der Homöopathie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war so groß, daß in den Vereinigten Staaten zahlreiche homöopathische Colleges und Krankenhäuser entstanden, die nach Hahnemann lehrten und therapierten.
Dort ist die Zeit der Homöopathie vorbei (siehe Skeptiker 3/92, S. 60), nicht aber in Europa.
Hahnemanns Lehrgebäude ruht auf drei Säulen. Leider sind sie morsch (Hopff 1991, Schaffrath 1990, Skrabanek und McCormick 1990).
Zu deutsch: "Ähnliches behandle man mit Ähnlichem." Ein Arzneimittel möge bei höherer Dosierung Symptome hervorrufen, die denen einer bestimmten Erkrankung entsprechen.
Dann, so Hahnemann, wird es gewiß in niedriger Dosierung den Symptomen dieser Erkrankung entgegenwirken. Die Simile-Doktrin setzt also eine gesetzmäßige Wirkungsumkehr bei Änderung der Dosierung voraus. Arzneimittelbild und Symptombild sollen sich entsprechen.
Kritik:
Keiner der vielen Versuche, die zur Prüfung dieser Hypothese ersonnen wurden, stützte sie. Der Teufel der Krankheit läßt sich nicht durch ein arzneitherapeutisches Beelzebübchen austreiben. Für Hahnemann waren die Symptome das Wesen der Krankheit. Beseitigung der Symptome beseitige die Krankheit, so lehrte er. Aber sie sind oberflächlich. Schmerzen im Handgelenk zeigen meist eine Überlastung an, manchmal aber auch einen Herzinfarkt. Für Hahnemann war das Medikament keine chemische Entität, sondern der Träger einer Kraft mit magischen Zügen. Die vis vitalis des Organismus soll durch die geistige Kraft des Medikaments verstärkt werden. Diese Kraft ist pure Spekulation.
Das Simile-Prinzip (siehe 1.) setzt diesen Satz voraus.
Kritik:
Jeder Beleg für die Wirkungszunahme durch Verdünnen oder für eine Wirkungsumkehr fehlt.
Die Effekte von Arzneimitteln folgen dem Massen Wirkungsgesetz, ob es sich um erwünschte oder unerwünschte Wirkungen handelt.
Die geistige Kraft muß ausschließlich heilsam sein, d.h. der "weißen Magie" angehören.
Warum sollen nicht auch unerwünschte Wirkungen durch Verdünnen potenziert, oder erwünschte in ihr Gegenteil verkehrt werden?
Die Welt der Homöopathen ist grundsätzlich nur von guten Geistern besiedelt.
Die Patienten sind nicht dieser Meinung; ich bin bereits wegen angenommener toxischer Wirkungen von Homöopathika konsultiert worden. Meine Empfehlung konnte nur lauten: Dosis erhöhen!
Bemühungen, Hahnemanns geistige Kräfte auf ein naturwissenschaftlich handfestes Fundament zu stellen, sind gescheitert.
Die Loschmidtsche Zahl macht es statistisch unwahrscheinlich, daß bei einer Potenz ab D23 überhaupt noch ein Molekül vorhanden ist. Solche Verdünnungen sind kaum mehr vorstellbar.
Der letzte Atemzug des letzten Neandertalers, über die gesamte Atmosphäre verteilt, würde in etwa der Verdünnung D 23 entsprechen.
Die Homöopathie unterschlägt die Verunreinigungen. Für Hahnemann war reines Brunnenwasser rein.
Unsere modernen Analysemethoden reichen bis in den femtomolaren (das ist l 0-15 mol/1) Bereich. Die mit ihrer Hilfe nachgewiesenen Bestandteile in Wasser oder Ethanol, z. B. an Arsenik, sind z.T. essentielle Bestandteile homöopathischer Urtinkturen.
Verdünnungen machen aber keinen Sinn mehr, wenn das Verdünnungsmittel bereits das zu verdünnende Agens enthält.
Auch die Ausrede, es komme nicht auf die Substanz an, sondern auf die Engramme, die sie im Verdünnungsmittel hinterließe, ist unhaltbar.
Man kennt heute die Geschwindigkeit, mit der Wassermoleküle assoziieren.
Bier und Wasser würden zu höchst gefährlichen Nahrungsmitteln, wenn darin das Gedächtnis des gesamten Erdballs abrufbar gespeichert wäre.
Die Homöopathen sollten also bei Hahnemann bleiben, der die homöopathische Therapie als Mobilisierung geistiger Kräfte verstand. Damit würden sie aber ihren Magiebedarf öffentlich eingestehen.
Dieser Satz ergibt sich aus l und 2.
Hahnemann und seine Epigonen haben daraufhin ein umfassendes Repertoire von Symptomen erstellt.
Sie müssen beim Patienten erkundet werden. Die Symptome betreffen die frühere und jetzige Befindlichkeit sowie die Konstitution des Patienten.
Hahnemann war der Erfinder der radikalen Anamnese. Er hörte zu, fragte und komponierte dann die individuelle Therapie.
Die Homöopathie erkennt den einzelnen Patienten an. Als Gegenleistung erkennt der Patient die Homöopathie an. Wie die Beichte beim gläubigen Katholiken, so ist das ärztliche Gespräch ein ungeheuer wichtiger Bestandteil jeder Therapie. Viele Homöopathen ergänzen es durch Kataloge mit Hunderten von Fragen, oft mit suggestivem Charakter, so daß der Patient sich erkannt fühlt: "Ja, genau das fehlt mir! Warum ist da noch niemand darauf gekommen?"
Die Schulmediziner sollten sich an den Homöopathen ein Beispiel nehmen.
Aber die Symptomenlehre ist zugleich Angriffspunkt der
Kritik:
Die riesige Liste von Symptomen verführt zum therapeutischen Subjektivismus.
Die Zuordnung der Beschwerden eines einzelnen Patienten zu einer der zahllosen Kategorien von Schmerz, Angst, Verdauungsbeschwerden gestattet keine Normierung.
Wenn 10 Patienten, die wir unter "Asthma bronchiale" zusammenfassen, denselben Homöopathen besuchen, dann dürfen sie keinesfalls eine vergleichbare Therapie erwarten, weil sich ja die Symptombilder oder die Konstitution unterscheiden können.
Jeder Homöopath wird seine eigene Therapie betreiben, weil er die Symptombilder persönlich interpretiert.
Bei strenger Befolgung der Hahnemann'sehen Lehre sollten Patienten, die nicht kommunikationsfaliig sind, auch nicht homöopathisch behandelt werden. Das sind nicht wenige: Bewußtlose, Säuglinge und Kleinkinder, Demente, auch Tiere.
Gleichwohl wird gerade die Veterinär-Homöopathie zum Beleg der Wirksamkeit herangezogen, obwohl kaum Arzneimittelbilder am Tier erstellt werden. Auch eine prophylaktische oder Notfalltherapie mit Homöopathika widerspräche der Lehre vom individuellen Krankheitsbild.
Die Einschlußkriterien müssen ergänzt werden: Nicht der nach Regeln der Schulmedizin festgestellte Schweregrad einer Erkrankung dient als Einschlußkriterium, sondern das kongruente Symptombild. Die Besserung des Symptombildes, und nicht die Änderung objektiv erfaßbarer Schweregrade dient als Erfolgskriterium.
Erfolgsberichte über homöopathische "Heilungen" bestehen daher im wesentlichen aus Fallbeschreibungen. Fallbeschreibungen entziehen sich jeder Falsifikationsmöglichkeit; sie sind immer wahr.
Trotz 190 Jahren Homöopathie liegt keine überzeugende prospektive, kontrollierte und randomisierte Studie mit nachgeprüft positivem Ergebnis vor.
Warum einzelne Patienten sich gleichwohl durch Homöopathie gebessert oder geheilt fühlen, darüber wird später zu sprechen sein.
Bleibt als dritte unter den privilegierten Therapieformen die anthroposophische.
Sie ist eine späte Hybride, die an Willkür kaum zu überbieten ist. Steiner, der bei der Anthroposophie etwa die gleiche Stellung einnimmt wie Hahnemann in der Homöopathie, hat nicht nur bei diesem Anleihen genommen. Man findet Züge der Phytotherapie, etwa bei der Anwendung von Mistelextrakten, aber auch erschreckende Dosierungen von Schwermetallen, etwa Quecksilber und Blei.
Alles wird zusammengehalten durch anthroposophische Wesens- und Bedeutungslehre, die auch Edelsteine und Gestirne in ein abstruses Korsett zwängt. Diese Variante der Arzneitherapie bekommt nur dem Gläubigen, der seinen Sinn der Magie und der Esoterik erschlossen hat. Die Heterogenität der anthroposophi-schen Lehrsätze verbietet ihre kurzgefaßte Diskussion (Stratmann 1988), zumal sie in der therapeutischen Praxis anthroposophisch orientierter Krankenhäuser verblassen. Dort gewinnt Hahnemann an Gelände.Ich fasse kurz zusammen. Die alte Phytotherapie steht der wissenschaftlichen Arzneitherapie am nächsten. Die gläubig-magische Voreingenommenheit nimmt über die Homöopathie zur Anthroposophie zu. Dem Phytotherapeuten sollte genügen, wenn er Wirksamkeiten im Sinne der Schulmedizin unterstellt. Der Homöopath muß bereits Hahnemanns Glauben an Arzneimittel und Symptombild übernehmen. Der Anthroposoph handelt gemäß seinem allumfassenden magischen Weltbild.
Es gibt nicht nur die drei approbierten, es gibt Hunderte von besonderen Therapieformen. Haben sie soviel Gemeinsames, daß man daraus eine umfassende Theorie entwickeln kann? Das gelingt, wenn man drei Zugänge nutzt: Den evolutionären, den historisch-soziologischen und den erkenntnis-theoretischen.
Am Schluß werden Sie feststellen, daß die drei Türen in einen einzigen geistigen Raum führen.
Beschreitet man diesen Weg, dann fügt sich Wissenschaft, Glaube und Magie in der Arzneitherapie zu einem Gesamtbild. Ich möchte es aus den drei Arten des menschlichen Verstehens entwickeln (Tabelle 2).
Der Weg beginnt in der frühen Steinzeit (Vollmer 1987). Wenn der Mensch bedroht wurde, mußte er handeln. Er hatte keine Zeit für statistische Erwägungen. Er tat das Nächstliegende, das Plausible. In seine Handlungen gingen sowohl Klugheit als auch Voreingenommenheit ein; sie waren die intuitive Leistung des gesunden, weil der Fitness dienlichen Menschenverstandes, heute common sense genannt. Erfolg wurde als positive, Mißerfolg als negative Erfahrung verbucht. Man lernte durch Handeln. Sich wiederholende Erfahrungen wurden zur Wahrheit; denn "ich habe es doch erlebt, daß mir dieses oder jenes hilft".
Die Psychologen sagen, daß unsere innere Welt zum größten Teil aus solchen soliden Steinen des common sense aufgebaut ist, an denen kaum zu rütteln ist. Sie sind lebensnotwendig (Weinert 1992).
In den Großfamilien unserer Vorfahren wurden Steine ausgetauscht; ein Schatz von Erfahrungen kam zusammen. Der einzelne zahlte ein und entnahm nach Bedarf.
Die Erfahrungsmedizin, die heute so sehr gelobt wird, kam auf die gleiche, induktive Weise zustande. Erfahrungen überzeugen; sie sind nur schwer korrigierbar. Sie werden tradiert als Teil einer Kultur oder Zivilisation. Man findet daher viele Sätze der heutigen Erfahrungsmedizin in der alten Volksmedizin wieder (s. z.B. Eammert 1981).
Weil sie so vielfach verankert sind, werden sie intuitiv, d. h. ohne vorheriges Nachdenken, als wahr (Habermann 1991) befunden.
Erfahrungsmedizin und intuitive Medizin hängen also eng zusammen.
Das Gehirn des Menschen ist aber mehr als nur eine Requisitenkammer von Erfahrungen. Es ist ein Meister in der Extraktion und Konstruktion von Zusammenhängen. Es macht sich ein Bild, indem es deduziert; das zeitliche "wenn - dann" eines Zusammenhangs wird zum begründenden "weil".
Der Mensch ist ein Kausalitätsfreak. Er wird aber mit seinen Kausalitäten nicht aus dem Rahmen des Bildes fallen können, das er sich von der Welt macht.
Die Vielfalt der Therapieformen spiegelt die Vielfalt der Weltbilder; sie sind nicht vorgegeben, sondern menschliche Konstrukte. Daher rührt ihre Abhängigkeit von Kulturen, Geschichte, von öffentlichen Meinungen, aber auch vom jeweiligen Stand des Wissens über den Menschen und seine Umwelt, und von der Technik, mit der man sich in unserer Welt behauptet.
Dem common sense boten sich zwei Wege, um sein Erfahrungswissen zu einem Netzwerk von Kausalitäten zu verknüpfen; der eine führte in den Glauben, der andere in die Skepsis.
Sehr früh schon dürfte der Mensch sich Glaubenssätze konstruiert haben, um den Beziehungen zwischen Geburt, Tod, Krankheit, Giften und den wenigen Arzneimitteln einen Sinn, und das war identisch, eine Kausalität zu unterlegen.
Der Glaube wurde durch unverständliche "Wunder", bekanntlich des Glaubens liebstes Kind, verfestigt. Er wurde von Generation zu Generation weitergereicht, so wie in der Molekularbiologie Plasmide übertragen werden, die außerhalb des Genoms liegen.
Dieser gläubige Verstand veränderte sich mit der Zeit erstaunlich wenig.
Wir erkennen für den größten Teil der von uns übersehbaren Zeit, daß sie von gläubiger Medizin beherrscht wurde.
Vor allem die Schulmedizin war gläubig (Ackerknecht 1979). Wenn Aristoteles (Zit. 1962) dekretiert hatte, die Frau habe weniger Zähne als der Mann, dann zählte sie niemand nach; denn Aristoteles konnte nicht irren.
In katholischen Schulen verbreitete man bis in dieses Jahrhundert, jeder Mann habe die Rippe weniger, die der Schöpfer als Rohling zur Herstellung Evas entnommen habe.
Die Schulmedizin glaubte Galen, Hippokrates, der Bibel. Die Medizin des gesunden Menschenverstandes überließ sie den Badern, Feldscheren und Hebammen.
Wer glaubte, war gegen Veränderungen gefeit; denn sie hätten nicht nur das medizinische, sondern das Weltbild insgesamt in Frage gestellt.
Sie hätten nach Häresie gerochen.
Auch die heutigen besonderen Therapieformen sind glaubensbasiert.
Wegen ihrer großen Stabilität kann man sie jeweils kulturhistorischen Schichten zuordnen.
Die ältesten Schichten liefern Signaturen, d.h. anschauliche, aber oberflächliche Entsprechungen, etwa zwischen Symptomen und Aussehen der Heilpflanze.
Später verband man strukturierte Heilkräfte mit dem Wesen dieser Pflanze, dem tierischen Organ, bestimmten Schwermetallen, den Edelsteinen, den Gestirnen.
Die Quellen der Arzneimittel waren segensreich, weil sie den Menschen in ein adäquates Weltbild einbanden. Man dachte ganzheitlich. Daher waren die Heilmittel, wie Talismane, für alles gut.
Sie waren Panazeen. Wer genau hinhört, findet solche Züge auch bei den besonderen Therapierichtungen.
Schon das Wort "Heilkraft" meldet einen Anspruch auf Universalität an, so auch die "Kräftigung" oder "Umstimmung" durch Phytopharmaka. Nach Hahnemann hilft auch die Homöopathie immer, wenn man sie nur richtig betreibt. Die Anthroposophie ist durchsetzt mit Panazeen.
Die nahezu ideale, heute kaum zu erreichende Verschmelzung zur universalen Heilslehre wurde von den großen Religionen geschaffen.
Die Geschichte der Volksmedizin, etwa in Bayern, läßt erkennen, daß noch um 1850 alle diese Schichten offen lagen (Lammert 1869).
Ein Vielfaches des Hiesigen ist in den fremdländischen Therapieformen verborgen, vor allem den indischen, tibetanischen oder chinesischen. Die magischen Entsprechungen konnten positive und negative Werte annehmen (Tabelle 3).
Und alles war ach so plausibel, wenn man nur glaubte.
Aber der Glaube währte nicht ewig. Der gesunde Menschenverstand entdeckte den Zweifel; er wurde dadurch zum skeptischen, zum kritischen Verstand. Für ihn gilt: Richtig ist, was nach Ausschluß des Falschen übrig bleibt.
Dieser Weg zur Realität wurde spät entdeckt. Erst Popper und der Wiener Kreis gaben ihm in diesem Jahrhundert philosophische Weihen. Das Sieb der Falsifikation hält nur diejenigen Hypothesen zurück, die derzeit als richtig akzeptiert werden können (Popper 1984). Es steht unserer Phantasie frei, noch bessere Hypothesen, noch feinere Siebe zu konstruieren und dadurch zu immer richtigeren Aussagen über unsere Welt zu gelangen. Die Skepsis, die hinter dem allen steckt, zernagte zunächst den Glauben. Der gläubige Verstand verlor seine Basis. Die Skepsis brachte auch ihren eigenen Vater, den common sense, in arge Bedrängnis. Wie es der englische Astronom Thomas Digges (1546-1595) mit drei Worten formulierte: "Vulgi opinio error". Zu deutsch: "Die allgemein verbreitete Meinung ist falsch".
Glaube und plebiszitäre Meinung standen zur Diskussion. Um Lichtenberg (leicht modifiziert) zu zitieren:
Für den skeptischen Verstand gilt das Gegenteil: Je selbstverständlicher etwas ist, desto verdächtiger ist es. Der skeptische Verstand hat aber das bisher beste, weil richtigste Bild unserer Welt (den Menschen eingeschlossen) entworfen. Sein Zweifel ist konstruktiv, sein Balanceakt dreifach abgestützt. Wir greifen dazu das Beispiel des der Zahnheilkunde unkundigen Aristoteles auf. Die Widerlegung seiner Doktrin erforderte drei kognitive Leistungen.
Ganz vorne stand die Formulierung von Hypothesen und Begriffen. Die Begriffe "Mann", "Frau" und "Zahn" konnten vom common sense übernommen werden.
Dann kam die skeptische Hypothese: "Mann und Frau unterscheiden sich nicht in der Zahl ihrer Zähne". Damit war eine Nullhypothese formuliert, die Aristoteles zuwider lief.
Als drittes Glied kam etwas ganz Wichtiges: Man prüfte, indem man zählte. Alle benötigten Elemente waren bereits im common sense angelegt. Die relative Richtigkeit, der Fortschritt, die Stimmigkeit des resultierenden Weltbildes entstammte dem Zusammenspiel von Hypothesenbildung und Kontrollen.
Und nun zur Arzneitherapie. Auch hier wird gemessen und gezählt. Die Größen sind zunächst physikalisch oder chemisch definiert (z.B. der Blutdruck oder das Kalium im Blutplasma). Man kann aber auch den Grad einer Depression in Zahlen übersetzen oder die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro 100 Frauenjahre und - in Grenzen - sogar die Lebensqualität.
Sobald man diese Zielgrößen definiert hat, kann man mit geeigneten Protokollen prüfen, ob der Blutdruck sinkt, ob die Gesprächstherapie der Pharmakotherapie bei Depression gleichwertig ist, wieviel besser kontrazeptiv die Pille im Vergleich zur vatikanischen Kontrazeption ist, oder - um beim Thema zu bleiben - ob sich die Leistungen der normalen von denen der besonderen Therapieformen unterscheiden.
Wenn man die Größen nicht vorab definiert, die Hypothesen nicht formuliert hat, kann man die Prüfung nicht planen, geschweige denn auswerten oder nachmachen.
Der gesunde Menschenverstand verlangt: "Ich habe doch erlebt, daß ein Homöopathikum besser ist als Nichtstun. Beweise das Gegenteil." Der skeptische Verstand sagt: "Das mag sein; die Erfahrung halte ich in hohen Ehren. Aber sie kann täuschen."
Deshalb beginnen wir besser mit der Nullhypothese, daß nämlich kein Unterschied besteht. Wenn sie widerlegt ist, sehen wir weiter." Dem sollte der gesunde Menschenverstand beipflichten; denn er wird sich kein Schloß in den Wolken aufschwätzen lassen.
Nicht so der gläubige Menschenverstand. Für ihn hat der Glaube absolute Vorfahrt, und die Wolken sind himmlisch. Kontrollierte Studien, die diesen Namen verdienen, sind auf dem Feld der besonderen Therapieformen nur schwer durchführbar. Man zweifelt nicht, man vermeidet griffige Begriffe, man quantifiziert nichts. Man kann auch - das hängt mit der Unfähigkeit zum Zweifel und zur Quantifizierung zusammen - die Kriterien für Einschluß, Ausschluß, Ziel und Erfolg kaum definieren.
Nicht die Schuld der Schulmedizin ist es, wenn solche Studien so gut wie fehlen oder nichts erbracht haben. Ich wäre zu ihnen bereit, wenn der Versuchsplan verbindlich aufgestellt werden könnte. Aber es gibt mindestens sechs verschiedene homöopathische Schulen; jeder Versuchsplan wäre für die meisten von ihnen unverbindlich. Je schlampiger eine Hypothese formuliert ist, desto schlechter läßt sie sich prüfen.
Zweifel ist hart, Hypothesenbildung anstrengend, wissenschaftliche Arbeit teuer und meist frustrierend. Daher bevorzugen die Vertreter der besonderen Therapieformen kürzere Wege. Ihre "Erfahrungen" (die natürlich keine sind) schöpfen sie aus vier Quellen. Honorig erscheint noch die Intuition (Habermann 1991), deren Ergebnis aber nicht nachgeprüft wird. Ihre "Erfahrungen" entstammen dem Glauben an unrealistische Alternativen.
Dieses Wort sollte man im Zusammenhang mit der Arzneitherapie vermeiden. Wir Pharmakologen haben mit soviel "Alternativen" zu tun: Nicht nur mit alternativer Therapie, sondern auch mit alternativer Diagnostik, Ernährung, mit Alternativen zum Tierversuch, und darüber hinaus mit alternativer Produktion oder Energiegewinnung. Das Wort "alternativ" meint immer das Gleiche: Alternativ ist ein Verfahren, dessen Vorteil gegenüber dem Bestehenden man wünscht, aber nicht belegen kann oder will.
Gerne sprechen die Vertreter der besonderen Therapieformen auch vom Wunder, etwa "Die Wissenschaft steht vor einem Wunder". Man fühlt sich an die Religion erinnert.
Die Wissenschaft trivialisiert hingegen das wunderbar Erscheinende. Sie wird zunächst mittels der Nullhypothese prüfen, ob es ein als Wunder deklarierter Zufall war. Sonst wird eine weitere Bearbeitung herausstellen, daß sich das erstaunliche Ereignis in eine umfassende Theorie einfügen läßt, vielleicht nach deren Modifikation.
Wissenschaftler warten geradezu darauf, daß solche "Wunder" geschehen; denn es ist ihr Brot, Wunder zu trivialisieren. Odo Marquard (1993) hat treffend gesagt, daß die moderne Wissenschaft ohne Häretiker oder Sensationen auskommen müsse, weil ihre Ergebnisse keinen Sinn oder Heilsfolgen einschließen.
Was liegt näher, als zahlreiche gläubige Therapieverfahren zu kombinieren? Der Glaube an ein Wunder bahnt den Glauben an viele Wunder. Ein Beispiel gibt Abb. 1. "Alternative" sind fast immer "Multiuser".
Schließlich verschanzen sich die Vertreter der besonderen Therapierichtungen hinter einer besonders starken Position, die ich Komplexität nennen möchte. Wie will man Schlagworte wie "ganzheitlich", "Stärkung der Abwehrkraft", "Umstimmung", oder gar "Gesundheit", "Harmonisierung" auf ihren Gehalt prüfen? Wer diese Worte verwendet, ist gegen Zweifel gefeit. Wenn aus diesem insgesamt autistisch-undisziplinierten Denken die arzneitherapeutischen Handlungsanweisungen destilliert werden, erscheint die Abstrusität.
Kein besonderes Therapieverfahren, sondern die moderne Biologie und Medizin haben einen alternativen Weg zur besseren Therapie gebahnt; sie haben alte Erfahrungsmedizin ersetzt durch neue Quantifizierung, alten Glauben durch neue Offenheit, alte Autorität durch zweifelnden antiautoritären Umsturz.
Dieser Paradigmenwechsel beginnt zur Zeit der Renaissance, erreicht einen ersten Gipfel mit der Aufklärung und gewinnt um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Vorherrschaft, eine der ganz großen emanzipatorischen Leistungen der Menschheit.
Diese neue Erkenntnistheorie setzt die eigene Fehlbarkeit voraus. Der Fortschritt beruht auf der ständigen Korrektur früherer Irrtümer, im weiteren Sinn auf Selbstorganisation und Selektion (Habermann 1989).
Dadurch unterscheidet sich die wissenschaftliche Medizin von den besonderen Therapieformen, für die das Eingeständnis eines Irrtums tödlich wäre.
Sie besitzt einen nicht mehr einholbaren Vorteil in der Theorienbildung. Die Zuverlässigkeit ihrer Voraussagen ist beachtlich.
Die Erfolge der modernen Arzneitherapie, wie auch die moderne Biologie, wären mit den Sätzen der Homöopathie, der Phytotherapie, der Anthro-posophie nicht erklärbar. Sie sollten den Vertretern der besonderen Therapieformen wie schiere Wunder erscheinen.
Hingegen kann die moderne Medizin sogar die Erfolge der besonderen Therapieverfahren erklären. Sie ist nämlich per Gesetz verpflichtet zu wissen, welchen Anteil ihrer eigenen Erfolge sie dem Mechanismus verdankt, den auch die besonderen Therapieverfahren nutzen.
Wie kann man die Nahtstelle zwischen kritischer und gläubiger Therapie orten und abtasten?
Das Studium des Placebo-Effektes hilft weiter. Er ist wohl die am gründlichsten untersuchte Arzneimittelwirkung überhaupt (hierzu Habermann 1992, Netter et al. 1986, Kroneberg 1982). Placeboeffekte sind diejenigen Fremdstoffwirkungen, die nicht auf chemischen oder physikalischen Kräften beruhen.
Sie sind bei jedem Arzneimittel zu erwarten, unabhängig von der jeweiligen Therapierichtung. Jeder, der bei der Verwendung eines Arzneimittels mitwirkt, ob Patient, Arzt, Angehöriger, Pflegepersonal oder Tierhalter: Er verbindet damit Vorstellungen, Hoffnungen, Befürchtungen; er ist voreingenommen.
Ein therapeutischer Versuch wird am besten zwischen den erwartungsbedingten und den physikalisch-chemisch bedingten Wirkungen eines Arzneimittels unterscheiden, wenn man allen Beteiligten Augenbinden umlegt; dann ist es ein Doppelblindversuch.
Man ist immer wieder erstaunt, wie häufig und massiv die Placebo-Effekte sind.
Sie können, sprechen wir ruhig von weißer Magie, erwünscht sein.
Im wesentlichen sind es Störungen der Befindlichkeit, die auf Placebos ansprechen (Tab. 4). Die Erfolgsquote hängt von vielen Faktoren ab, die eine ganze Vorlesungsstunde füllen: Von der Zubereitung des Mittels (Injektionen und Einreibungen sind wirksamer); von der empfundenen Last der Erkrankung; vom Arzt, der das Mittel verabreicht und dem Patienten zuredet; vom Umfeld (wer in eine entsprechende Praxis geht, rechnet mit erfolgreicher Behandlung); von der öffentlichen Anerkennung, der Werbung, der Empfehlung durch Bekannte. Positive Placebo-Effekte tragen in unterschiedlichem Ausmaß zur Wirksamkeit auch solcher Arzneimittel bei, denen eine pharmakologische Wirkung zukommt.
Erwartungsgemäß ist der Placebo-Beitrag bei "harten" Mitteln, etwa bei Antibiotika, minimal.
Sobald es um die Befindlichkeit geht, ist er erstaunlich hoch. Bei Migränemitteln liegt er um 50 Prozent, sogar bei Opiaten um 20 Prozent. Bei Mitteln der besonderen Therapierichtungen nähert sich sein Anteil der 100 Prozent Marke.
Der niedergelassene Arzt wird bei jeder Arzneitherapie den Placebo-Effekt in
Rechnung stellen müssen. Er wird dessen Ausmaß nicht genau kennen;
denn der Doppelblindversuch ist eine Sache der Forschung und hat in der Praxis
nichts zu suchen. Weil aber der Arzt selbst einer der wirksamsten
Placebo-Faktoren ist, muß und kann er sich immer bemühen, ihn zu
optimieren. Wie wichtig ist ein ermunterndes Gespräch, ein
Händedruck, Handanlegen jeder Art. Wenn der Arzt diesen Effekt nicht
ausnutzt, kann es ihm passieren, daß ein gläubiger Vertreter einer
besonderen Therapierichtung mit seinen pharmakologisch unwirksamen Mitteln
erfolgreicher ist als ein tumber Nutzer pharmakologisch wirksamer Mittel.
Der gut ausgebildete Arzt weiß aber, daß die Placebo-Effekte nur
Befindlichkeiten beeinflussen. Er muß also doppelte Buchführung
betreiben. Den Patienten muß er vom Segen des Placebo-Effekts
überzeugen. Er selbst aber wäge skeptisch ab, was er mit der
pharmakologischen Komponente positiv bewirkt oder negativ anrichtet.
Der Placebo-Effekt ist universell. Fast alle Patienten, die den
niedergelassenen Allgemeinarzt, Internisten, Pädiater aufsuchen, erhalten
ein Rezept. Mindestens die Hälfte würden mit ihren Beschwerden ohne
ein pharmakologisch wirksames Mittel ebensogut oder schlecht fertig werden wie
mit ihm.
Was soll der gut ausgebildete Arzt tun? Die "Rote Liste" enthält
unzählige Placebos oder Mittel, die man wegen ihrer sehr geringen
pharmakologischen Wirkung als Beinahe-Placebos bezeichnen muß. Haben sie
besondere suggestive Kraft, dann werden sie auch Edelplacebos genannt. Auf sie
kann er zurückgreifen.
Er muß sich auch nicht von Homöopathika oder Phytotherapeutika
distanzieren, wenn er sicher ist, daß bei diesem Patienten ein Placebo
genügt und er es tatsächlich benötigt.
Der Arzt sollte aber auch mit der Gabe von Placebos nicht ad libitum gehen,
und zwar aus mehreren Gründen:
Das Placebokapitel habe ich ans Ende meiner erkenntnis-theoretischen
Ausführungen gestellt, denn
Erkenntnistheoretisch stecken die "besonderen" Therapierichtungen in einer
Klemme. Sie postulieren eine jeweils besondere Wirkungsweise, bleiben aber den
Beweis schuldig. Ihre Wirksamkeit am Patienten läßt sich zwanglos
dem Placebo-Effekt zuordnen.
Umgekehrt wird es noch schlimmer: Könnte man mit schulmedizinischen
Kriterien eine besondere Wirkungsweise oder Wirksamkeit einer besonderen
Therapierichtung herausarbeiten, dann verschmölze diese Richtung eben
dadurch mit der Schulmedizin; das Besondere würde trivialisiert, ein
unerträglicher, dem Placebo-Effekt höchst abträglicher Gedanke.
Immer öfter scheint es, die Vertreter der drei besonderen
Therapierichtungen glaubten heute nicht mehr so recht an deren besondere
Kräfte. Liebend gerne nehmen sie Anleihen bei der Schulmedizin auf. Sie
möchten sich einen wissenschaftlichen Anstrich zulegen, weil er heute der
Reputation gut tut und die Plausibilität fördert. Der
Phytotherapeut freut sich, wenn ein Pflanzenextrakt einen minimalen Effekt an
einem mehrdeutigen System besitzt, etwa immunmoduliert oder "umstimmt". Wie
rührend. Der Homöopath reichert seinen Glauben mit Spekulationen zur
Relativitäts- und Quantentheorie, zur Chaostheorie, sogar zur
physikalischen Chemie an. Den Anthroposophen beglückt, daß die
Mistel pharmakologisch wirksame Agentien enthält, auch wenn sie nichts
mit der vorgeblichen zytostatischen Wirksamkeit zu tun haben. Der alte Glaube
bleibt; nur seine Gegenstände werden modernisiert.
Wieviel kostet der Glaube? Die Frage mutet unethisch an. Aber selbst
Religionen kosten Geld, etwa als Kirchensteuer. Warum auch nicht?
Glaubenssätze sind überaus wirksam; sie sind ansteckend; sogar
Kriege können sie auslösen. Wallfahrtsorte leben davon.
Glaubenssätze sind also Fakten, die nicht nur ethisch, sondern auch
anhand ihrer Effizienz bewertet werden können.
Die Effizienz des Placebos, also aller besonderen Therapieformen, bei
Störungen der Befindlichkeit steht außer Zweifel. Wieviel kostet
sie? Wer bezahlt sie?
Zunächst einige Zahlen (s. Tab. 6). Die Aufschlüsselung der für
den Verkehr zugelassenen bzw. angemeldeten Arzneimittel hebt die Vertreter der
"besonderen Therapierichtungen" heraus. Etwa 57 000 Mittel sind derzeit in
Deutschland zugelassen. Davon beanspruchen ca. 30.000 die Zugehörigkeit
zur Schulmedizin und zur Phytotherapie, ca. 21.000 zur Homöopathie und
Anthroposophie, und mehr als 4.000 zur Organotherapie.
Der Anteil der Phytopharmaka an einzelnen Arzneimittelgruppen ist hoch: bei
Laxantien sind es ca. 66 Prozent (hier sind sie tatsächlich wirksam), bei
Gallemitteln etwa 50 Prozent, bei Expektorantien etwa 23 Prozent (Wolffers
1994/1995, Burkhard 1993).
Solange die Mittel äußerlich oder oral gegeben werden, sind ihre
Kosten nicht exorbitant. Schließlich muß ein ordentlicher Preis
verlangt werden. Er befördert den Placebo-Effekt. Ärzte und
Apotheker nahmen schon im Mittelalter viel Geld, als man die Nicht-Placebos
noch an einer Hand abzählen konnte. Sobald injiziert wird, steigen die
Preise, schnell ist man bei Tausenden von DM pro Patient und Jahr. Deutschland
ist der Europameister in Ausgaben für "alternative Verfahren" im
weitesten Sinn (Leserservice 1990).
Manchmal wird argumentiert, die Therapie der besonderen Richtungen sei
billiger. Abgesehen davon, daß sie nur die Befindlichkeit verbessern und
Patienten mit organischen Störungen alsbald der Schulmedizin
überstellt werden: Gute Daten hierzu fehlen (Groh 1991).
Ein anderes häufig gehörtes Argument lautet: Wenn sich die Patienten
wohl fühlen, ist das Geld gut angelegt. Aber neuere Studien bei
Tumorpatienten, die sich entweder nur einer klassischen oder zusätzlich
einer alternativen Nachbehandlung unterzogen, ließen keinen Vorteil in
der subjektiven Lebensqualität erkennen, im Gegenteil: die "Alternativen"
fühlten sich insgesamt schlechter (Cassileth et al. 1991).
Nachfrage erzeugt Angebot. Manche Ärzte werden Sonderangebote
bereithalten, um ihre Wartezimmer zu füllen.
Manche Studenten geben zu, daß sie Lehrveranstaltungen über
"besondere" Therapierichtungen besuchen, damit sie später
konkurrenzfähig sind.
Die Gesamtkosten werden eher steigen.
Sollen solche Therapien durch die Kassen erstattet werden?
Einerseits fordern deren Arzneimittelrichtlinien, daß die Therapie
ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein muß.
Besondere Therapieformen sollten demnach nicht erstattungsfähig sein.
Andererseits steuert die Rechtsprechung der Sozialgerichte auf eine optimale
Therapie im Einzelfall zu. Ihr werden auch solche therapeutischen
Maßnahmen zugeordnet, von denen der einzelne Patient eine deutliche
Besserung erfuhr (Eicher 1993).
Euphemistisch wird oft hinzugefügt, daß die besonderen
Therapieverfahren auch eine besondere, leider "noch nicht" nachgewiesene
Wirkungsweise besäßen.
Wieviel hundert Jahre will man noch warten, bis der Nachweis der Wirksamkeit
erbracht wurde? Auf ihn allein kommt es an.
Würde die Haltung der Sozialgerichte Allgemeingut, dann wäre der
Ruin unseres Gesundheitssystems sicher. Seine Ressourcen sind limitiert und
müssen so eingesetzt werden, daß sie den
größtmöglichen Nutzen für möglichst viele erbringen.
Denjenigen muß man helfen, denen es am schlechtesten geht.
Die besonderen Therapierichtungen spielen schlechte Karten, solange sie den
Anspruch des ungeprüft "Besonderen" zu Geld machen wollen (s. Skeptiker
4/93, S. 106).
Manchmal verstecken sie sich hinter dem Wissenschaftspluralismus, der
Rechtsschutz gegenüber der übermächtigen Schulmedizin verdiene.
Pluralismus kann nicht heißen: Der Schulmediziner muß seine
Behauptungen belegen, der Alternative darf schwätzen, was er will. Ein
solcher Pluralismus wäre ideologischer und kommerzieller Subventionismus.
Es geht um viel Geld für Ärzte, Sanatorien, Apotheker und
mittelständische Unternehmen der pharmazeutischen Industrie.
Nach meiner Auffassung sollten die besonderen Therapieformen wie Religionen
behandelt werden.
Wer Bedürfnis verspürt, mag sie nützen. Der Staat muß nur
vor Gesundheitsschädlichem oder Betrügerischem schützen. Er
darf aber die Sozialversicherung nicht mit dem Glaubensmüll vergangener
Jahrhunderte belasten. Der Gläubige bezahlt mit seiner Kirchensteuer die
Aufwendungen für seine Religion; der Ungläubige wird davon
freigestellt. Auch wer den besondere Therapieformen glaubt, sollte sie selbst
bezahlen.
Wie stellen sich die Patienten, z.B. mit Tumoren (Morant et al. 1991)? Eine
Arbeit aus der Schweiz liefert Zahlen. Meist sind es phytotherapeutische
Maßnahmen; sie werden insgesamt 85x von 83 Patienten genannt (Abb. 13).
13x erscheint Homöopathie, ebenso häufig Mistelextrakt, den man nach
Belieben der Anthroposophie oder der Phytotherapie zuordnen könnte.
Vieles andere gehört zur Magie.
Wie kamen die Patienten darauf ? Etwa jeder Zweite durch Bekannte, die anderen
durch die Medien, und zwar zu gleichen Teilen durch Fernsehen, Zeitschriften
und Bücher (Abb. 14).
Aufschlußreich sind die Beweggründe, die Patienten zu den
besonderen Therapieverfahren hinführen (Abb. 14). Sie möchten zur
eigenen Genesung selbst beitragen, und sie möchten ihre eigene Seele mit
einbringen. Rechnen wir dazu die Nennungen einer "Ganzheitlichen Medizin",
dann drückt sich in etwa der Hälfte der Nennungen das elementare
Bedürfnis des Patienten aus, die eigene Persönlichkeit in den
Heilungsprozeß einzubringen.
Die "Schulmedizin" erfüllt offenbar dieses Pensum nicht. Für
"Wundererzählungen", "sanftere Medizin" und "letzte Hoffnung" hat sie
kein Mandat. Sie verlöre ihre Glaubwürdigkeit.
Gleichwohl: Nur 7 von 211 Nennungen (bei 160 Patienten) bekunden eine
Enttäuschung durch die Schulmedizin. Sie steht also wesentlich besser da
als die politischen Parteien. Nur ganz selten bedeuten die besonderen
Therapieformen eine Hinwendung zum radikal Alternativen; eher dienen sie
zusätzlicher Vorsorge. Kinder fühlen sich bei Gewitter sicherer,
wenn man eine Kerze anzündet - auch in einem Haus mit Blitzableiter.
Wie geht's weiter? Ich stelle vier Sätze auf.
Dieser Zugang zum persönlichen Heil ist genetisch gebahnt und
gesellschaftlich gestützt. Das Leben wäre ohne einen gehörigen
Schuß Irrationalität nicht zu ertragen. Selbst wenn wir die
derzeitigen Formen ausjäten wollten: Daneben würden neue
ausschlagen. Meine Gärtnerei ist rein defensiv. Sie soll Schaden
abwenden, Schaden vom Patienten, aber auch Schaden von unserem
skeptischwissenschaftlichen Denken. Ohne Skepsis könnte eine moderne
Gesellschaft nicht überleben; sie würde in den Fundamentalismus
abgleiten und bankrott gehen.
Andererseits darf man von der sogenannten Schulmedizin nicht Unmögliches
erwarten, also
Die weitaus beste alternative Therapieform wird in keinem Arzneimittelgesetz,
in keiner Approbationsordnung genannt. Es ist die kraftvoll gelebte Religion.
Obwohl sie allen Anforderungen genügt, erhält sie wenig Zulauf, weil
sie ganzheitlich ist, also eine Umstellung des ganzen Menschen fordert, und
nicht mit der Einnahme von Tropfen, mit einer Injektion, einer Akupunktur,
einem anbiedernden Begleitgespräch abgetan ist.
Zu Recht bemüht sie sich weiterhin, die Arzneitherapie als Teil der
Biowissenschaften zu objektivieren. Sobald aber der einzelne Patient das
Zimmer betritt, wird sie subjektiviert und dadurch eine besondere Therapieform
für diesen Patienten. Der schwerste Vorwurf an die Schulmedizin ist es,
den Patienten und seine Befindlichkeit zu mißachten.Wie am Beispiel des
Placebo-Effekts gezeigt, hat sie eine umfassende Theorie erarbeitet, die jede
Form der Arzneitherapie verständlich macht. Warum handelt die
Schulmedizin nicht entsprechend? Befindlichkeitsstörungen dürfen
kein Monopol der besonderen Therapierichtungen sein. Der Patient sollte immer
glauben und er ist fast immer dazu bereit. Viele Ärzte nehmen dieses
Angebot des Patienten nicht ausreichend an.
Die Minderung der objektiven Fehlbarkeit der Schulmedizin wird durch eine
Zunahme ihrer Anonymität kompensiert, leider.
Sie hatten ihre Chance. Die Homöopathie erlebte besondere Zuwendung in
den USA im 19. Jahrhundert und später im Hitler-Deutschland.
Phythotherapie und Organo-therapie wurden seit Jahrhunderten beforscht. Was
sich dabei als Faktum erwies, wurde zum Bestandteil der Schulmedizin, das
"andere" zu Glaubenssätzen verarbeitet. Besondere Therapierichtungen
bleiben eine Fundgrube für ethnologische, medizingeschichtliche,
psychologische und soziologische Studien. Sie schärfen den Blick für
Placebo-Phänomene.
Auf der anderen Seite zogen die Biowissenschaften in den letzten 100 Jahren,
beschleunigt in den letzten 40 Jahren, bezüglich der Stringenz ihrer
Aussagen mit Physik und Chemie nahezu gleich. Durch Vernetzung von Chemie,
Genetik, Informatik, Verhaltenslehre und evolutionärer Betrachtungsweise
entstand ein erdbebenfestes wissenschaftliches Gebäude. Der Wissenschaft
gelang es immer schneller, Anomalien zu integrieren und Fehler auszumerzen.
Trotz mancher Widerstände wurden die Lehren von Semmelweis, Robert Koch,
Mendel, Watson und Crick innerhalb weniger Jahrzehnte in das Bezugsnetz
eingewebt. Das Klischee vom "verkannten Genie" verlor in den Biowissenschaften
des 20. Jahrhunderts seinen Platz. Belletristik und "Alternative" hingegen
brauchen es.
Würde jetzt -mit völlig atypischer Latenz die Richtigkeit eines
einzigen fundamental-alternativen Lehrsatzes belegt, dann wäre nicht nur
ein kleiner Aspekt der Arzneitherapie verändert. Wegen der Kohärenz
aller Naturwissenschaften wäre zunächst die komplette Medizin und
Biologie neu zu fassen. Pflanzen wären homöopathisch zu düngen,
die Wintersaat durch Phytotherapeutik zu kräftigen, die Toxikologie
anthroposophisch auf den Kopf zu stellen (siehe hierzu Anonymus 1993). Dann
wäre eine komplette Neukonzeption der Physik und Chemie bis hin zur
Energiegewinnung, zur Konstruktion von Automobilen oder zur
Informationsübertragung fällig. Aber so schlimm wird es nicht
kommen.
Der Zeitpfeil der Wissenschaft weist immer nach vom. Der Mensch wird
künftig das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Er wird die Vorteile der
skeptischen Schulmedizin konsumieren, aber die Tafel mit alternativen
Blüten garnieren. Er wird sich verhalten wie die Japaner zu ihren beiden
Religionen. Den ernsten Buddhismus brauchen sie bei den
Schicksalsschlägen, wie Krankheit, Alter, Tod. Die freundlicheren Geister
des Shintoismus beschwören sie zu den Höhepunkten, etwa Hochzeit und
Geburt. Erst beide zusammen decken ihren Bedarf.
Vielleicht ging ich für manchen Leser zu weit, indem ich die
arzneitherapeutische Welt in Skepsis und Glaube polarisierte. Ich tat dies, um
Ihren Blick durch Kontrastierung zu schärfen.
Aber es gibt eine gemeinsame Basis. Jeder homöopathisch,
phytotherapeutisch oder anthroposophisch orientierte Arzt muß sich der
schulmedizinischen Diagnostik und Therapie bedienen, wenn es die Situation des
Patienten erfordert.
Jeder Schulmediziner muß seinen Patienten als Person anerkennen, und
nicht als reparaturbedürftigen Defektträger abstempeln.
Das Bild von Escher, das ich zum Abschluß zeige (Abb. 16),
läßt aus einem undifferenzierten Hintergrund zwei
gegensätzliche, aber komplementäre Reihen von Figuren treten.
Die Medizin der Zukunft sollte sie, wie gezeigt, zusammenführen, ohne die
Differenzen zu verwischen. Man erkennt in der Begegnung sich selbst, indem man
den anderen erkennt. Wenn der "Skeptiker" dazu beigetragen hat, bin ich
glücklich.
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7.3 Gesellschaftliche Konsequenzen
7.4 Voraussagen und Vorsorge
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