Dokumentation: Der Fall Forum des Gesundheitsministeriums


17.3.2002

Die URL dieses Files: http://www.ariplex.com/ama/ama_dial/adi661.htm

Dieses File ist ein MIRROR. Es ist ein Teil einer Dokumentation. Das Original dieses Files befand sich in der Web-Site des http://www.dialog-gesundheit.de * Gesundheitsministeriums.

Zum Verständnis dieses Files ist es ZWINGEND erforderlich, die Einleitung dieser Dokumentation zu lesen!

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Die Deutsche Amalgam-Page ist mit dem Gesundheitsministerium weder assoziiert noch sonstwie verbunden.

Die in diesem File gemachten Ausagen dürfen auf keinen Fall bedenkenlos als wahr hingenommen werden! Fragen Sie bitte UNBEDINGT immer einen oder mehrere GUTE Ärzte. Denken Sie daran: Es geht um Ihre Gesundheit! Aus genau diesem Grund wurde diese Dokumentation erstellt!

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Autor Thema:   Expertengutachten
mehner
unregistriert
erstellt am: 21. März 2001 12:48           
Hallo,
was hat den Steuerzahler das Expertengutachten zur Gesundheitspolitik gekostet ?
Eine Frage, die sicher keiner frei heraus
beantworten wird, warum wohl.
Man könnte sonst nach dem wissenschaftlichen Wert und vielleicht auch nach dem praktischen
Nutzen fragen.
MfG mehner

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 21. März 2001 23:43     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Der wissenschaftliche Wert ist, ganz vorsichtig gesagt, extrem gering. Das Werk wimmelt nur so von falschen Grundannahmen, die als Wahrheiten verkauft werden und auf deren Grundlage genau entgegengesetzte Schlüsse gezogen werden. Wer z.B. zunächst ewig lange die Binsenwahrheit hin- und herdikutiert (ohne allerdings irgend einen einzigen Beweis anzuführen, wo tatsächlich Defizite herrschten, sondern nur populistische Behauptungen), daß die Qualifikation der Ärzte gesteigert werden muß, und dann nur einige Seiten später den Schluß bringt, "Es ist unerlässlich, die Weiterbildungskataloge auf ein realistisches und zugleich versor-gungsrelevantes Maß zu reduzieren", also die Reduktion des Umfanges der Facharztausbildung propagiert, erzeugt Heiterkeit. Und genau so haarsträubend fängts an, wenn die Lebenserwartungen von Gesamtdeutschland mit anderen Ländern verglichen werde. Da jedoch in Ostdeutschland die Lebenserwartung erheblich geringer liegt, und dies im Kommunistenregime begründet liegt, kann mit der Gesamtlebenserwartung Deutschlands nicht ernsthaft die Qualität des Gesundheitssystems des freiheitlichen Deutschland verglichen dargestellt werden. Und genau so oberflächlich und fachlich lächerlich gehts weiter, einfach mal selber kritisch lesen.
Seltsam nur, daß das Sachverständigengutachten zu denselben Schlüssen kommt, welche die Politiker schon immer in die Welt posaunt haben. Nur eine Frage, keine Unterstellung: Wurde da etwa etwas bestellt und geliefert?

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 22. März 2001 12:47           
Hallo Dr. Solga,


wir dürfen hierbei aber fairerweise nicht vergessen, dass es sich hierbei lediglich um eine "Kurzfassung" des Sachverständigengutachtens handelt. Insoweit ist zu hoffen, dass die Komplettversion mehr "Hintergrunddaten" liefert.

Von Interesse wird allerdings sein, welche Schlüsse die Politik aus diesem Werk ziehen wird.

...............................

Bemerkenswert ist allerdings der Hinweis ( 3.3 Pkt. 62 ), wo angeregt wird, eine
"verschuldensunabhängige, d.h. schadensorientierte Versicherung mit einer verschuldensunabhängigen Haftung nach skandinavischem Vorbild" einzuführen.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 22. März 2001 14:10     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
da wäre dann abzuwarten, wer da verschuldensunabhängig haften soll. Nach dem online-Handbuch des AOK-Bundesverbandes haben jedenfalls in MC-Modellen die Leistungsträger das Morbiditätsrisiko, und das wird als ganz normal und in Ordnung gesehen.

Aber daß ein wissenschaftliches Gutachten mit einer Gegenüberstellung anfängt, die fatal an die Gegenüberstellung: Zahl der Storchennester in Schleswig-Holstein / Geburtenziffer erinnert,
das ist in der Tat ein bißchen bedenklich.
PR

Dr.C.R.
unregistriert
erstellt am: 22. März 2001 14:11           
Unglaublich, was da durch die Presse rauscht.Jeder 2.Arzt bildet sich angeblich nicht fort, wie ist denn das erhoben worden.Die Statistiken dazu möchte ich nicht überprüfen.Und Herr Scriba aus dem Elfenbeinturm (Universitätsklinik München) ist ja der Oberexperte, soetwas zu beurteilen.(s.Tagesschau).Da waren wohl wieder die richtigen "Sachverständigen" befaßt.Sieht mir hoch politisch aus.Läuft auf Selbstbeteiligung der "mündigen" Patienten raus, die ich eigentlich ganz gut finde.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 22. März 2001 18:48     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Ärzte Zeitung, 22.03.2001
Prävention ist immer gut - ob, warum und wie sie wirkt, weiß keiner
Der Sachverständigenrat und sein Plädoyer für Gesundheitsförderung / Ratlosigkeit bleibt
BERLIN (HL). Ausführlich beschäftigt sich der Sachverständigenrat mit der Prävention und empfiehlt dringend ihren Ausbau. Doch das Gutachten bleibt
bei unbewiesenen und unbelegten Behauptungen - und verirrt sich mitunter in Widersprüche.
Die Behauptung des Sachverständigenrats: "Theoretisch" ließen sich rund 25 bis 30 Prozent der Gesundheitsausgaben in Deutschland durch langfristige
Prävention vermeiden. Das wären immerhin 60 Milliarden DM in der GKV - eine Sensation. Den Beleg für diese Behauptung bleibt der Rat freilich schuldig und
entschuldigt sich mit der "Komplexität der multifaktoriellen Verursachung" von Krankheiten sowie der "multiplen Wirkungen präventiver Anstrengungen". Mit
Wortgedröhn gibt der Rat zu erkennen, daß er nichts weiß.
Gegen das Nichtwissen empfehlen die Experten, "Prävention als Thema in die regionalen und überregionalen Gesundheitsberichte mit aufzunehmen". Und:
"Institutionen- und hierarchienübergreifende Koalitionen" müßten gebildet werden.
Am präzisesten wird der Rat noch dort, wo er darlegt, daß es sich als fruchtbar erweisen könne, Zielgruppen für Prävention zu identifizieren. Das könne
territorial geschehen, das könnten aber auch Menschen in ähnlicher sozialer Lage oder Menschen mit gemeinsamen Risikomerkmalen sein. "Eine konsequente
Zielgruppenorientierung der Prävention führt zu genauerer Beschäftigung mit den - objektiven wie subjektiven - Belastungen und Ressourcen, den durch diese
mitbestimmten Bedingungen gesunden Lebens wie zu klarerer Zugangs- und Interventionsplanung." Doch: Was so bedeutungsschwanger klingt, gibt es
längst - in Form von Kinder- oder Jugendgesundheitsuntersuchungen oder der Kariesprophylaxe, wie der Rat sogar selbst berichtet.
Schließlich lobt der Rat auch die Politik. Es sei ausdrücklich zu begrüßen, daß der Gesetzgeber mit der Neufassung des Paragraphen 20 im SGB V einen neuen
Anlauf zur Gesundheitsförderung unternommen habe. Der Rat ist sich aber absolut sicher, daß fünf DM pro Versicherten zu wenig Geld für
Gesundheitsförderung ist. Woher er das freilich weiß, bleibt sein Geheimnis.
Aber selbst da, wo Prävention offenkundig erfolgreich war, in der Kariesprophylaxe, weiß man nicht, warum und wieso. Auch der Expertenrat weiß nur einen
Rat: Evaluation.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 22. März 2001 18:50     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Ärzte Zeitung, 22.03.2001
Gutachten mit Stilblüten
Mit seinem Gutachten, das der Redaktion der "Ärzte Zeitung" in der Kurzfassung vorliegt, präsentiert der Sachverständigenrat einen ganzen Strauß von
Stilblüten. Die Expertise ist damit auch ein Dokument für sprachliches Unvermögen, für Barrierenbau durch eine ausgrenzende Terminologie, darum auch für
Herrschaftsansprüche, die der Rat verbal bekämpft. Kostproben:

"Der Aspekt ,Gesundheitsförderung' als Ressourcensteigerung läßt sich nicht auf die Prävention beschränken, sondern ist vielmehr funktional in allen
Bereichen der Gesundheitsversorgung zu verorten."
"Gesundheitsrisiken und Gesundheitserwartungen weisen in der Regel erhebliche inverse Gradienten entlang der sozialen Schichtung auf."
"Fehlernährung, Rauchen und Streß zeichnen ebenfalls verantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs."
"Gesellschaftliches und professionelles Leitbild sollte die Ermöglichung erfolgreichen Alterns sein."
"Oberstes Ziel in Gesundheitsförderung und Prävention ist die langfristige Verbesserung der Gesundheit der Zielpopulation."
"Bei der Auswahl geeigneter Ergebnisparameter hat die Verbesserung der Gesundheit der ausgewählten Bevölkerungsgruppe den wichtigsten Rang
unter den möglichen Nutzendimensionen."
"Bislang ist die Stärkung der Rolle des Konsumenten im Gesundheitswesen zwar rhetorisch vorgetragen, aber kaum angemessen entwickelt worden."
"Es könnte zu einer erwünschten (oder unerwünschten) Verlagerung von Gesundheitsleistungen in den Selbstbehandlungsbereich kommen."

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 22. März 2001 19:13           
Aber Herr Seitz,


dieses Werk wurde von Ihren Kollegen gefertigt. Immerhin verdienstvolle Kollegen und allesamt mit Lehrbefugnis ausgestattet. Aber wie gesagt, die Ministerin hat es verstanden und schließt sich dem Gutachten voll an.

Erstaunlich ist allerdings, dass der Bericht nur in einer Kurzfassung und nicht in der Komplettversion vorliegt.
Insoweit hat die Redaktion des Ärzte Blattes wohl etwas "gepennt". Da der SPIEGEL mit dezidierten Zahlen auffwarten kann, ist davon auszugehen, dass dort eine vollständige Ausgabe vorliegt.

Gruß

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 23. März 2001 01:21     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Die Tatsache, daß erst medienwirksame Schlagworte in der Presse kolportiert werden, ohne daß die Öffentlichkeit das prüfen kann, und Wochen später dann erst die Kurzfassung mit wieder neuen unprüfbaren Absonderlichkeiten einehrkommt, ist, wenn es denn nicht politische, also unlautere, Absicht ist, zumindest wissenschaftlich völlig unhaltbar. Dieses Vorgehen schließt jede ernsthafte öffentliche Diskussion aus. Erst sagt man, na warten wir mal das Gutachten ab. Dann kommt die Kurzform, da sagne wir, warten wir mal die ausführliche ab. In der Zwischenzeit agiert die Politik. Alleine schon diese Herangehensweise bei der Veröffentlichung qualifiziert das Werk als wissenschaftlich unhaltbar. Oder können Sie sich einen Redner auf einem wissenschaftlichen Kongreß vorstellen, der eine Untersuchung vorstellt und auf Nachfrage, wie er denn dazu kommt, erklärt, das würde er auf dem nächsten Kongreß verraten? Der würde ausgepfiffen: Und genau so ausgepfiffen gehört alleine schon aus diesem Grund dieses Gutachten. Was ist denn das für eine Demokratie, in der wir nur kleckerweise die Informationen vorgeworfen bekommen? Es ist Sache der Diktaturen, durch Informationsrückhalt zu unterdrücken, nicht der Demokratie.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 23. März 2001 12:28     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
<<dieses Werk wurde von Ihren Kollegen gefertigt. <<

Das ist für mich allerdings eine schlimme Beschimpfung!! Kein kollege würde auch nur annähernd solche Äußerungen veröffentlichen.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 23. März 2001 12:29     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
...ganz zu schweigen von der Gesinnung, die hier zu vermuten ist.

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 23. März 2001 13:24     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
1. Herr Ruf: verdienstvoll war ein pfölzischer Altkanzler auch. Was daraus wurde, kennen wir. Verdienstvoll gewesen zu sein, hindert nicht daran, irgendwann gekauft oder benutzt zu werden.

2. Interessierte sollten doch auch mal den Auftrag der Ministerin mit dem Gutachten vergleichen. Ein Abituraufsatz, der gleichermaßen die Themenvorgaben ignorierte, würde mit Thema verfehlt glatt als 6 durchfallen.

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 23. März 2001 17:03           
Nur bei unserem pfälzischen Altbundeskanzler handelte es sich um ein singulares Ereignis. Aber schauen Sie sich einmal die Seite 15 unter Pkt. 10 etwas genauer an. Demnach findet man hier einen Großteil leitender Ärtze aus allen Bundesländern. Sollten die alle ........ ?

Bezeichnend ist allerdings der Einführungssatz der da lautet:

" Er - der Rat - konnte sich jederzeit auf die fachkundige Information im Bundesministerium für Gesundheit stützen."

...............................

Wenn Thema verfehlt, ist dies doch ein guter Grund dafür, die Rechnung für das Gutachten nicht zu bezahlen.

mehner
unregistriert
erstellt am: 24. März 2001 18:07           
Hallo,
reine Privatmeinung:
1. ja uns liegt nur eine Kurzfassung vor.
Es gehören kaum seherische Fähigkeiten dazu, anzunehmen, daß die Langfassung auch keine erheblich weitergehende Erhellungen bringen wird.
2. Wenn eine SPD Gesundheitsministerin ein
Gutachten verstanden und verinnerlicht hat, ist dies keinerlei Anhalt für dessen wissenschaftliche Qualität, eher schon ein zwingender Hinweis für die Übereinstimmung mit dem politisch bestellten Inhalt.
3. Bisher hat meines Wissens noch niemand, zumindest nicht mit wissenschaftlichen Methoden bewiesen, daß eine Pauschalorientierung auf Krankheitsvorsorge
ökonomische oder wirkliche gesundheitliche Vorteile bringt. Behauptet wird es ja täglich, aber wer hat´s denn bewiesen?
Krankheitsvorsorge kann nur integrativer Bestandteil der Gesundheitspolitik, nicht deren stärkstes Streitross sein.
4.Der Grund für die "Experten"- Aussagen und
die Art, wie sie durch die Politik verwendet
werden wird ist leicht zu sehen. Lesen sie mal Bild " Ist Ihr Arzt wirklich qualifiziert,sie für Ihre guten Krankenkassenbeiträge zu behandeln", sollte er nicht erst mal seinen Beruf vernünftig lernen, bevor er für seine Arbeit auch noch Bezahlung fordert ?.
Sehen sie sich die jünsten Hetztiraden der
BKKén an, die Argumentationsbroschüren mit
die Wahrheit entstellenden, weil vereinfachenden Aussagen für Patienten im Gespräch mit Ihrem Arzt liefern.
Es wird allerdings nichts nützen, wenn die
Karre bis zur Achse im Dreck steckt, auf die
Räder zu schimpfen, daß sie zum Weiterrollen einfach zu schlecht qualifiziert sind.

man kann nur hoffen, daß Räder endlich erkennen, daß es mit dieser Karre kein Weiterkommen gibt und daß auch neuer Anstrich
die Karre nicht beweglicher macht. Wollen die
Räder weiterkommen, müssen Sie darauf bestehen an einem völlig neuen Wagen montiert zu werden.MIT DER ALTEN KARRE GIBT ES KEIN WEITERKOMMEN !
MfG mehner

Klaus Vetter
unregistriert
erstellt am: 26. März 2001 01:10           
"Herr" Ruf, weder unter "Speigel-online" noch in den mir vorliegenden Spiegel-Ausgaben habe ich andere, als in der Kurzfassung des Gutachtens genannte, Zahlen gefunden. Würden Sie, bitte, so freundlich sein, die Ausgabe des Spiegels zu nennen, in der Sie die Zahlen gefunden haben, die Ihrer Meinung nach auf das Vorliegen der vollständigen, der langen, Version des Gutachtens schließen lassen ?
Danke
K. Vetter

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 26. März 2001 11:13           
Hallo Herr Vetter,


es handelt sich hierbei um die SPIEGEL Ausgabe 03 vom 15.01.01 Seite 38.

Was nun die dortigen Aussagen angeht, so habe ich bis heute weder von Lauterbach noch sonstigen hier benamten Medizinern eine Gegendarstellung vorgefunden - was aber nicht unbedingt bedeutet, dass ich diese vielleicht übersehen haben könnte -.

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 26. März 2001 12:35     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
der beschriebene Artike unter http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,112255,00.html. Zahlen stehen dort keine, lediglich Ziffern. Das sind die seit Jahren kolportierten Schätzungen. 2% der Bevölkerung wird im Leben einmal einen Diabetes mellitus erleiden. Wenn mal Altersdiabetes rausnimmt, der im Allgemeinen wesentlich weniger aggressiv ist, bleiben etwa 0,5% der Bevölkerung. Wenn die Zahlen hergenommen werden, sind ein Drittel nur deswegen an der Dialyse oder blind oder amputiert, weil die Ärzte den Zucker nicht erkannt haben? Nicht plausibel!
Glaubt wirklich irgend jemand mit Hirn, daß man einen Blutzuckerwert ÜBERSEHEN kann, wie im Artikel reißerisch dargestellt??? Auf der anderen Seite werden Ärzte gemaßregelt, weil sie angeblich zu viel Labor anordnen? Leute, bleibt mal auf dem Teppich, wenn Ihr hier diese hanebüchenen Ausflüsse geiler Publizisten (leider nur ein Zitat) kolportiert. Von Herrn Ruf hätte ich da Anderes erwartet, als daß er diesen Artikel präsentiert und noch dazu sich demonstrativ wundert, daß gegen so einen offensichtlichen Blödsinn keeine Gegendarstellung erfolgte.
Das ist absoluter Dummfug, seit Jahren als solcher bekannt. Wer würde denn heute sich noch ernsthaft aufregen, wenn jemand behaupten würde, die Erde sei eine Scheibe?

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 26. März 2001 14:46           
Hallo Dr. Solga,


wenn sie den Artikel sich einmal anschauen, werden Sie leicht feststellen, dass es sich hierbei um eine Wiedergabe einer Stellungnahme des Herrn Werner Scherbaum, Klinikdirektor und Ärztlicher Leiter des Deutschen Diabetes Forschungszentrums in Düsseldorf handelt.

Und insoweit erwarte ich eigentlich schon eine Gegendarstellung des Herrn Scherbaum zumindest aber über eine Aufklärung darüber -kann ja auch im Ärzte Blatt erfolgen - wie denn seine Aussage zu verstehen sei.

Es handelt sich ja hierbei nicht um irgendeinen dahergelaufenen dummfug labernden zweitklassigen Hinterhausmediziner sondern immerhin um einen Mediziner der anerkanntermaßen über eine erstklassige nationale und internationale Reputation verfügt.

Und im Artikel spricht er nicht davon, dass der erhöhte Blutzuckerwert nicht erkannt werden würde, sondern davon, dass der erhöhte Blutzuckerwert von den behandelnden Ärzten nicht "ernst genug" genommen würde. Dies ist inhaltlich schon ein kleiner Unterschied.

Es wäre ja auch schlimm, wenn der behandelnde Arzt einen erhöhten Blutzuckerwert nicht erkennen würde. So arges vermute noch nicht einmal ich.

Gruß

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 26. März 2001 21:05     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Ein übernormal hoher Blutzuckerwert ist immer Anlaß zur Intervention, insofern ist hier das Ernstnehmen und Erkennen exakt dasselbe. Falsche Ehrfurcht vor Titeln oder Pöstchen ist in der Diskussion nicht angebracht. Solch hochgradig unplausible Zahlen sind doch zumindest hoch suspekt auf Unwissenschaftlichkeit und Unwahrheit.

Betr. erstklassige nationale und internationale Reputation: als Erstautor hat Scherbaum lediglich 2 (ZWEI!) Arbeiten im Paperchase nachweisbar, eine 1978, eine 1980, ich habe genau so viele im Paperchase. Insgesamt hat Scherbaum an 12 Arbeiten (die oben genannten mitgezählt) mitgewirkt. Ganz schön dünne für 20 Jahre, was? Und nicht eine einzige hat sich mit einem Thema beschäftigt, das auch nur annähernd mit dem zu tun hatte, über das er so vollmundig die Lippe riskiert. Selbst wenn er wollte, er KÖNNTE den Wahrheitsgehalt seiner Worte gar nicht nachweisen, er hat diese Behauptungen nämlich niemals wissenschaftlich nahcweisbar bearbeitet. Scharlatanerie hat viele Mäntelchen, auch so kommt sie daher.

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 26. März 2001 22:06           
Hallo Dr. Solga,


ich hoffe doch, dass eine solche Einlassung auch als Leserbrief beim SPIEGEL landet.

Wenn dem so wäre, wie Sie es hier darstellen, so handelt es sich bei dem Leiter des Deutschen Diabetes Forschungsinstituts um einen Mediziner mit bestenfalls durchschnittlicher Qualifikation. Abgesehen davon, dass dort im Institut ja auch vermutlich ausgebildet wird, mag ich gar nicht über die drohenden Folgen nachdenken.

Wenn ich jetzt noch freundlichst Ihre Einschätzung hinsichtlich Prof. Rahn und der Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Senologie Schreer erhalten könnte, wäre ich ausgesprochen dankbar.

Wenn die Situation dort ja ähnlich wäre, würde dies ja vielleicht erklären, wie Lauterbach dazu kommt, zu behaupten, 50% aller chronisch Kranken in Deutschland würden nicht optimal behandelt werden.

Oder, er vielleicht auch ??

Da hätten wir sie dann also, eine Verschwörung der Politik unter Beihilfe oder besser Mithilfe mittelmäßiger, bestenfalls durchschnittlicher Mediziner zum Nachteil aller niedergelassener Ärzte in Deutschland.

Bemerkenswert und erschreckend zugleich

Seitz
Mitglied
erstellt am: 26. März 2001 22:32     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
<<Ein übernormal hoher Blutzuckerwert ist immer Anlaß zur Intervention, insofern ist hier das Ernstnehmen und Erkennen exakt dasselbe.<<
Hinzuzufügen ist noch folgendes:
Laboruntersuchungen werden üblicherweise morgens nüchtern durchgeführt. der Nüchtern Blutzuckerwert ist aber gerade zu beginn der Erkrankung Diabetes lange Zeit normal. Erkannt wird diese Erkrankung erst durch einen Belastungstest. Dies ist aber keine Routineuntersuchung. Sollte Herr Scherbaum dies vielleicht gar nicht wissen. Als Kliniker hat er ja nur mit manifesten Erkrankungen zu tun.

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 26. März 2001 23:29     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Ach, Herr Ruf, ich zitiere ja die Herren nicht. Vielleicht sollten dann doch eher Sie mal nachfragen, wie valide Ihre Quellen sind. Und da sollten Sie sich ja mal daran erinnern, daß wissenschaftlich arbeiten z.B. auch nicht nur heißt, mit Mühe irgend eine Quelle zu finden, selbst wenn die in sich plausibel wäre. Zur wissenschaftlichen Wahrheit wird eine These erst, wenn sie von Anderen bestätigt wurde. Aber das wissen Sie doch längst. Wäre nur schön, wenn Ihre Beiträge dies widerspigeln würden. Meine Quellen, verlassen Sie sich drauf, sind geprüft, sonst entblöde ich mich nicht, sie zu zitieren. Vielleicht bin ich da aber auch ein Fossil, das in das Klima von Verdächtigung und Verleumdung auf Deibel komm raus nicht so recht passen will.

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 27. März 2001 00:20           
Hallo Dr. Solga,


dass Sie diese Herren nicht zitieren und sich deren Darstellungen schon gar nicht zu Eigen machen ist ja auch verständlich. Insoweit brauchen Sie sich ja auch nicht zu entblöden, da ich in diesem Fall diesen Job gerne übernehme. Im Mittelalter war der Narr der wichtigste Ratgeber des Königs. Und auch das aus gutem Grund. Denn nur der Narr hatte uneingeschränkt Zugang zu den "Mächtigen". Aber wem erzähle ich das ?

Halten Sie mich tatsächlich für so irre, dass ich ernsthaft das glauben könnte was dort niedergeschrieben.

Meinen Sie nicht auch, dass nach Schreer, Deutschland ein Land voller brustlosen Frauen sein müßte ? Jeden Tag sehe ich mit eigenen Augen, dass es so nicht sein kann. Und glauben Sie mir, ich achte darauf.

Meinen Sie nicht auch, dass nach Scherbaum, Deutschland ein Land voller Blinden und amputierten sein müßte ? Wobei man manchmal schon den Eindruck bekommen könnte, von lauter Blinden umgeben zu sein.

Und verehrter Herr Dr. Solga,

in einem Punkt muß ich Ihnen ja nun wirklich widersprechen. Es ist allerhöchste Zeit, dass Sie und Ihre Kollegen den Lauterbachs, Scherbaums, Schreers und v.a. die Grenzen aufzeigen. Alleine der Vorwurf, dass 50% aller chronisch Kranken falsch behandelt werden würden, sollte Grund genug sein. Und wenn Sie und Ihre Kollegen sich hierfür zu schade sind - was ich ja eigentlich sogar verstehen kann - müssen Sie sich aber den Vorwurf gefallen lassen, dass es sich bei den niedergelassenen Ärzten in einer Vielzahl von Fällen um absolute Stümper handelt. Mich müssen Sie vom Gegenteil - da überhaupt nicht notwendig - nicht überzeugen, aber Millionen Leser des SPIEGEL oder angeschlossener Verlage in welchen gleiches publiziert wird.

Meine Meinung was Ärzte generell und die Ärzte in Deutschland im besonderen angeht, ist im Forum bekannt und durch eine Vielzahl von Beiträgen dokumentiert.

Sie sollten darüber einmal nachdenken.


Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 27. März 2001 00:33     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Herr Ruf: Mach ich bestimmt. Ein wenig beruhigt bin ich schon. Hatte schon ernsthafte Sorgen.
Recht haben Sie, daß die Ärzte in Deutschland bisher leider viel zu ruhig waren. Um allen journalistischen Ideen entgegenzutreten, wäre ein Arbeitstag aber kaum ausreichend. Schön wäre es, wenn unsere Vertretungen wie Kammern, Berufsverbände, KVen da aktiv geworden wären. Möglicherweise wäre etwas Sachlichkeit in die Diskussion gekommen, aber sicher bin ich mir da durchaus nicht.
Ich staune schon sehr über die Ruhe der Ärzte auch bei der Diskussion ethischer Fragen ebenso wie die Ruhe der Geistlichen. Beide hätten auf dem Gebiet doch Einiges zu sagen, z.B. Sterbehilfe, Transplantationsmedizin, Gentechnik usw. , eigentlich sind die beiden Gruppen (vielleicht die Philosophen?) diejenigen, die professionell an diese Fragen herangehen könnten. Aber da herrscht Ruhe im Walde. Womöglich kommt doch erst das Fressen und dann die Moral?

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 27. März 2001 01:31           
Hallo Dr. Solga,


das Problem ist, dass es sich bei den von Ihnen angesprochenen Bereichen Sterbehilfe u.s.w. um tatsächlich hochsensible Thematiken handelt. Selbst im Freudeskreis mag sich hieran kaum einer die Finger verbrennen. Einmal ein bißchen quer gedacht und schon findet man sich in einer Ecke wieder mit der man eigentlich nichts zu tun haben möchte.

Ein Beispiel aus einem mir vorliegenden Gutachten.

Zitat:

" Ob ein sofortiger Kaiserschnitt alle später aufgetretenen gesundheitlichen Schäden hätte verhindern können ist allerdings fraglich.

Und jetzt kommts;

Manche Eltern entscheiden sich in solchen Situationen gegen einen Kaiserschnitt in der Hoffnung, dass ein intrauteriner Tod dem Kind schwerste Behinderungen erspart ( und den Eltern eine aufwendige lebenslange Versorgung des Kindes ). Eine solche Haltung muß respektiert werden. Auch heute kennen die Gutachter aus ihrer eigenen Erfahrung mehrere Fälle bei denen Schwangere und ihre Partner oder Familien diese Entscheidung - trotz der enormen Fortschritte in der neonatalen Intensivmedizin in den letzten 10 Jahren - getroffen haben."

Ich will dies nun an dieser Stelle gar nicht weiter kommentieren und lasse diese Worte einfach mal so für sich stehen.

Ja, die Frage ist berechtigt, wo sind hier die Pfaffen und wo sind die Philosophen. Und wie verhält sich dies alles mit einer Eides Leistung des Arztes ? Eine Menge Fragen und alle noch unbeantwortet.

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