Dokumentation: Der Fall Forum des Gesundheitsministeriums


17.3.2002

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Die in diesem File gemachten Ausagen dürfen auf keinen Fall bedenkenlos als wahr hingenommen werden! Fragen Sie bitte UNBEDINGT immer einen oder mehrere GUTE Ärzte. Denken Sie daran: Es geht um Ihre Gesundheit! Aus genau diesem Grund wurde diese Dokumentation erstellt!

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Autor Thema:   P.O.H.S. - kennt das jemand?
Saschi
Mitglied
erstellt am: 10. Februar 2001 17:31     Sehen Sie sich das Profil von Saschi an!   Senden Sie Saschi eine eMail!     
Dieser Beitrag entstand in einer anderen Diskussion, in die er eigentlich nicht hineingehört. Deshalb kopiere ich ihn nun hierher und habe ein paar Fragen dazu:

--------------------------------------

Ich bin von einer sog. Koryphäe auf dem Gebiet der Netzhautoperationen operiert worden, die mir vor der OP ein Rest-Augenlicht von 80% garantiert hat (natürlich nicht vor Zeugen, als ich seinem Oberarzt enthusiastisch von meinen tollen Aussichten erzählte, konnte der sich das überraschte Gesicht nicht verkneifen - gesagt hat er nichts). Heute habe ich auf dem Auge noch ein knapp 30%iges Sehvermögen.
Und natürlich bestand bei dem Operateur jahrzehntelange Erfahrung (Chefarzt).
Wochen nach der mißglückten OP hörte ich zufällig bei der Nachuntersuchung wie einer seiner Assistenten etwas von "unnötiger OP" und "der wollte mal seine neuen 3 Millionen Mark teuren OP-Geräte ausprobieren." zu einem weiteren Kollegen flüsterte (da waren soviele, weil ich als Vorzeigeobjekt für Kollegen und AiPler rumgezeigt wurde...)
------------------------------------------
Daraus ergaben sich folgende Fragen von Teilnehmer Impfling - die Antworten gleich dazu:

>>>1.was war der Anlaß zur Operation ?<<<<
Eine Sehstörung, die von zwei Augenärzten als Streßsyndrom diagnostiziert wurde. Kontrastmitteluntersuchungen ergaben eine Veränderung an der Netzhaut. Sie sollte beobachtet werden. Ein Zufall wollte es, daß der CA sich die Ergebnisse ansah und P.O.H.S. (Presumed Occular Histoplasmosis Syndrome) diagnostizierte - eine Krankheit, die so gut wie nicht in unseren Breiten vorkommt. Er ordnete sofortige OP an.

>>>>2.war die zu erwartende OP evtl. schwierig, oder weshalb haben Sie einen besonders erfahrenen Operateur gesucht ?<<<<
Ich habe ihn nicht gesucht, wg. der Kontrastmitteluntersuchung mußte ich in seine Ambulanz.

>>>>3. Wie wäre Ihr Sehvermögen ohne OP heute?<<<<<
Das weiß keiner - wenn es nur das Streßsyndrom war und keine OP stattgefunden hätte, dann 100%, weil es von selber wieder weggegangen wäre.
Ist es tatsächlich P.O.H.S. gewesen? Auch dann ist es nicht sicher - von 0 - 80% ist alles möglich. Vor der OP sah ich 80%

>>>4. Hat der zitierte CA ihnen wirklich wörtlich eine Garantie für die sichere Aufbesserung des Sehens auf 80 % gegeben, oder nur in etwa so formuliert ?<<<<
Genauer gesagt hat er mir gesagt, daß die OP zum Ziel hat meine verbliebene Sehkraft (s.o.) zu erhalten, und daß er dies nur durch eine Op gewährleisten kann.

>>>>5. hat er ihnen nicht über Risiken der OP berichtet ?<<<<
Auch wenn Sie es nicht glauben: Er hat mir gesagt, daß es sich um einen Routineeingriff handelt und ich mir keine Sorgen machen soll. Daß nichts passieren kann.
Ich war unsicher, denn ich als Laie dachte mir natürlich: Drei Löcher in den Augapfel bohren, Glaskörper entfernen, eine mikrokleine Membran unter der Netzhaut hervorziehen und alles wieder schön zusammenbasteln hörte sich für mich nicht wie Routine an. Aber er bügelte mich geradezu, als ich Bedenken äußerte, ich solle ihm das überlassen, er wüßte, was er tue, ich könne das nicht beurteilen (hat er ja recht, aber Bedenken haben darf ich doch?), und ich solle mir überlegen, ob ich die 80% Sehkraft erhalten möchte, oder blind werden möchte.
Damals war ich jünger, eingeschüchtert - und hab mich operieren lassen...

>>>>6. Ist anzunehmen, daß die Meinung junger
Assistenten und Ärzte im Praktikum die Operation sein unnötig gewesen sicherer ist
als die eines "erfahrenen" Chefarztes ?<<<<
Die beiden Ärzte, die mich vorher untersucht haben waren ein Assistenzarzt - und sein Oberarzt...

>>>7. Ist es wahrscheinlich, daß Assistenzärzte
in Gegenwart der betroffenen Patientin sich über einen Behandlungsfehler Ihres Chefs zuflüstern ? ( wäre zumindest nicht besonders
klug bezüglich des eigenen Fortkommens ).<<<
Wohl wahr - aber sie wußten nicht, daß ich sie hören kann. Ich hatte nach der Nachuntersuchung das Behandlungszimmer verlassen und etwas liegenlassen, kam zurück und konnte mithören...

>>>>8. Wenn Sie den Eindruck haben, daß eine
Operation an Ihnen zum Zwecke der Testung neuer Gerätschaften ohne medizinische Indikation durchgeführt wurde, warum verklagen Sie den CA nicht ? Sie würden in einem Solchen Fall mit Sicherheit gewinnen.<<<<
Ja, meinen Sie? Nun, welche Chance habe ich? Ich habe meine OP-Unterlagen angefordert, und es ist schon erstaunlich wie sehr sie zusammengeschrumpft sind... Seine Untergebenen werden, wie Sie schon richtig angemerkt haben, einen Teufel tun und ihre Äußerungen mit Sicherheit nirgendwo offiziell wiederholen.
Also? Irgendwelche Vorschläge?

>>>Nehmen Sie an, daß wenn dem Chefarzt ein
peinliches Mißgeschick oder ein Behandlungsfehler unterlaufen wäre, er ausgerechtet Sie als Vorzeigeobjekt für
Assistenten und AiP´ler ausgewählt hätte ?<<<
Nein, nicht deshalb - sondern weil P.O.H.S. so selten ist. Ich habe mir das auch nicht eingebildet, denn bei den anderen stationären Patienten hat nicht jeder anwesende Arzt und AiPler mal reingeguckt... bei meiner Visite war immer richtig schön was los...
Andererseits hat er aber behauptet, daß P.O.H.S. häufig in Deutschland vorkommt. Schon komisch?

Und nochwas: Die Membran, also die meinem Auge entnommene Gewebeprobe, die er laut eigener Aussage zu einem Kollegen nach Berlin geschickt hat, um sie analysieren zu lassen, war, wie er sagte, so klein, daß man nichts hatte feststellen können?!
Naja, immerhin war sie groß genug, um sie zu entnehmen und zu verschicken...

Als ich kurz nach der OP noch 8% und ein halbes Jahr nach der OP immerhin 20% sehen konnte, mußte ich mir anhören, daß ich doch froh sein sollte, daß immerhin noch 20% Sehkraft gerettet werden konnten... ??! Und von den gewährleisteten 80% war natürlich keine Rede mehr...
-----------------------------------------

Nun meine Fragen:

Wann verjährt sowas eigentlich? Also wie lange könnte ich theoretisch klagen?

Kann der Operateur verpflichtet werden, sämtliche Unterlagen rauszugeben? (So es sie denn noch komplett gibt...)

Wem gehören diese Unterlagen eigentlich rechtlich gesehen (meine Krankenakte). Der Klinik? Der Krankenkasse? Oder mir?

Wie muß ich vorgehen, wenn ich eine reelle Chance auf Wiedergutmachung haben möchte? 'ne Rechtschutzversicherung wäre sicher nicht schlecht :-/

Danke,

Saschi

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 18:21           
Hallo Saschi,


01) Die regelmäßige Verjährungszeit beträgt nach § 852 BGB drei Jahre. Wobei aber ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass der eigentliche Verjährungsbeginn erst dann beginnt, wenn die betroffene Person Kenntnis vom Schaden sowie von der verursachenden Person hat ( § 852 Abs. 1 BGB ). Theoretisch kann die Verjährungszeit damit auch 10 Jahre betragen, wenn der Geschädigte über den Umstand des Schadens und des Verursachers erst nach 7 Jahren Kenntnis erlangt. Also auf jeden Fall bei einem Rechtsanwalt der in Arzthaftungsverfahren Erfahrung hat, nachfragen und nachrehnen lassen.

02) Selbstverständlich muß der Operateur alle und hier meine ich tatsächlich alle Unterlagen herausrücken. Die Originale darf er behalten. Er muß allerdings einen kompletten Satz Kopien - wer hier die Kosten zu übernehmen hat, ist noch strittig - aushändigen. Die Übernahme der Kosten für die Kopien sollte einem die Sache schon wert sein.

03) Die Frage nach dem Eigentum der vorhandenen Unterlagen ist insoweit irrelevant, da der behandelnde Arzt die Kopien aushändigen muß. Spätestens an diesen dann hoffentlich vollständigen Kopien,erwerben Sie selbstverständlich Eigentum.

04)

a) Alle Unterlagen besorgen

b) auf Vollständigkeit prüfen ( Plausibilitätsprüfung )

c) vernünftigen Rechtsanwalt suchen der Erfahrung hat

d) Schlichtungsstellen auf jeden Fall meiden.

e) Versuchen sich außergerichtlich zu einigen

oder Klage einreichen

f) keine Strafverfahren initieren. Ärzte sind nun mal auch Menschen und Menschen machen Fehler.

g) Rechtsschutzversicherung ist natürlich günstig, aber wenn das Kind einmal in den Brunnen gefallen ist, nicht mehr abzuschließen. Im Ernstfall prüfen lassen, ob PKH ( Prozeßkostenhilfe ) möglich ist.


p.s.

Buchtip: " Praxis des Arzthaftungsrechts "
Ehlers/Broglie HRSG vom Verlag Jehle-Rehm

kostet zwar ungefähr DM 150,00 ist aber sehr umfangreich und auch für Laien verständlich geschrieben.


Gruß

schumacher
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 18:45           
Moin,Saschi!

POHS ist in der Häufigkeit nicht genau anzugeben, die Zahlen schwanken je nach Wissenschaftler. Ursprünglich wurde diese Erkrankung im Bereich der zentralen/östlichen Staaten der USA entdeckt und beschrieben. Hier kommt auch vorwiegend der diese ERkrankung verursachende (?) Keim (Histoplasma capsulatum,ein Pilz) vor.
Für Deine ERkrankung ist aber die genaue Ursache der Netzhautveränderung nur von untergeordnetr Bedeutung.Das Reaktionsmuster des Auges auf Entzündungsprozesse kann sehr einheitliche Folgen fürs Auge haben,egal ob Virus,Bakterium oder Verletzung am Anfang der ERkrankung standen.
Entscheidend ist die Tatsache ,dass offensichtlich Gefahr bestand, dass sich an der Stelle des schärfsten SEhens (Makula)eine entzündliche Folgereaktion entwickelte/drohte as hervorspriessen von neuen Blutgefässen an einer extrem wichtigen Stelle ,eben der Makula. Und genau diesen Prozess kann man in der (nicht KOntrastmittel),sondern Farbstoffdarstellung sehen (Fluoreszenzangiographie).
Zeigen die BIlder eine solche Gefäßbildung (subretinale Neovaskularisationsmembran)in oder neben dem Zentrum?Wenn ja, dann ist tatsächlich ein erhebliches Risiko vorhanden binnen eines Jahres oder kürzer eine hochgradige SEhschärfenminderung zu erleiden, das ist statistisch gesichert.
Man muss sich dann mit dem Patienten hinsetzen und Bilanz ziehen:Was spricht für,was gegen eine Operation.Wo genau liegt die Membran?Gibt es schon Symptome, die eine Verschlechterung anzeigen (Sehen wird schlechter,die Bilder ,die man sieht werden merkwürdig verzerrt,anstatt gerader Linien sieht man Wellenlinien usw.
Kommt man zum Schluss ,daß die Op sinnvoll ist ,kann man davon ausgehen, dass eine "Koryphäe" technisch damit keine Probleme hat. Das Verfahren selbst ist ausgereift und zuverlässig. Gleichwohl ist es natürlich nicht frei von Komplikationen iese Stelle,die Makula ist das "Rechenzentrum" des Auges.Es gibt leider viele Möglichkeiten, warum die Operation gelingt ,die Sehschärfe sich aber trotzdem verschlechtert,dies würde hier zuweit führen.
Die Eckpunkte für Dich sind also :Sicherheit der Diagnose der zentralen Membran: Dies müssen die Bilder der Farbstoffuntersuchung
zeigen, die dem Patienten auf Wunsch (genauso wie die Karteikarte mit den anderen Befunden) ausgehändigt werden muss,bzw. in Kopie (gegen Erstattung der Sachkosten) gegeben werden muss.
Zweitens muss gewährleistet sein,daß Du über die möglichen Risiken der OP aufgeklärt wurdest. Dazu muss es eine unterschriebene Einwilligungserklärung geben, die zur Kartei gehört.
Zuerst würde ich an Deiner Stelle die Bedenken, die Du hast nochmal mit dem behandelnden Arzt besprechen, wo Du gezielt nach dieser Membran fragen kannst.
Bekommst Du keine Auskünfte oder keine Unterlagen kann Dir die Ärztekammer Deines Bundeslandes weiterhelfen.Es gibt Schlichtungsstellen für solche Fälle, wo neutrale und sachkundige Gutachter eine Prüfung (kostenlos für den Patienten) übernehmen. Wenn Du mit deren Auskunft immer noch nicht zufrieden bist,kannst Du immer noch den u.U. kostenpflichtigen Gang über Rechtsanwalt und Zivilprozess gehen.Die Krankenkasse kann über diese Verfahren auch Auskunft geben.
CS

Impfling
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 18:48           
Oh oh Saschi,
nun haben Sie gleich die richtigen Leute auf den Plan gerufen.
Hier bekommen Sie Hinweise von einem, der von
Rechtsberatung und Prozeßkosten lebt.
Dies können Sie deutlich an den Hinweisen auf
keinen Fall Schlichtungsstelle und außergerichtlich antreben erkennen.
Schlichtungsstellen sind unabhändig !
Bei außergerichtlichen Vergleichen geht es nicht um Recht oder Unrecht, sondern nur darum der Haftpflichtversicherung eines Arztes Geld abzunehmen.
Bevor Sie sich Bücher kaufen und sich von
Juristen scharfmachen lassen, würde ich an Ihrer Stelle erst mal zu einem anderen Augenspezialisten gehen und untersuchen lassen. Wenn der Ihnen eine unnötige OP bestätigt können Sie immer noch das Konto eines Rechtsbeistehers aufbessern. Das Sprichwort mit den Krähen ist nämlich ein Unsinn, der Arzthaftpflichtbereich für Juristen mittlerweile ein immer besser werdendes Geschäft.
MfG Ihr Impfling

schumacher
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 18:53           
Moin,Herr Ruf!

Möchten Sie begründen, warum Schlichtungsstellen gemieden werden sollen?
Es ist für den Patienten kostenlos und er ist nicht an den Spruch des Schlichters gebunden.
Ich weiß, dass vielfach die Meinung herscht,dass da die eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. ES ist aber in der Realität ,wenn man sich bemüht seine "Hasskappe" nicht aufzusetzen ,erstaunlich funktionsfähig. Im Gegenteil, man bekommt gratis einen Einblick in mögliche Zusammenhänge und worauf man sich (wenn man die Gericht bemühen will) einstellen oder konzentrierem muss.Der Rechtsanwalt wirds dankend annehmen.
Also,was meinen Sie?
CS

Saschi
Mitglied
erstellt am: 10. Februar 2001 19:43     Sehen Sie sich das Profil von Saschi an!   Senden Sie Saschi eine eMail!     
Hallo Herr? Dr.? Schumacher,

es war in der Tat so, daß sich innerhalb weniger Wochen unmittelbar neben dem Sehnerv Wucherungen gebildet haben. Anhand des Amsler-Tests konnte ich dokumentieren, wie aus der anfänglichen Sehstörung (die von Ihnen genannten Wellen, zB eine Delle im Türrahmen oder Verzerrungen der Monitor-Bildes) mehr und mehr ein "blinder" Fleck wurde, das heißt, ich konnte kurz vor der OP die Nase meines Gegenübers nicht mehr sehen - an ihrer Stelle war ein grauer "Fleck".
Daß bei dieser schnellen Entwicklung Handlungsbedarf bestand, leuchtete mir damals ein.
Mein eigentlicher Augenarzt, der mich zur Angiographie überwiesen hatte, der Assistenz-Arzt, der mich nach der ersten Angiographie untersuchte und mich mit Cortison nach Hause schickte, und der Oberarzt eine Woche später hatten aber alle eine Entzündung vermutet, die als Streßsyndrom auftreten und nach einiger Ruhe ebenso schnell wieder verschwinden konnte.
Deshalb auch meine Irritation darüber, daß der Chefarzt nach einem Blick auf meine Amslertests und Angiographien und nur einem kurzen Blick in mein Auge sofort P.O.H.S. diagnostizierte und die OP empfahl.
Auch sein (überhebliches) Verhalten, fehlende Ausführungen über evtl. OP-Risiken, seine Gewährleistung des Verbleibs der aktuellen Sehkraft und sein barsches Vom-Tisch-fegen meiner Bedenken irritiert mich bis heute.
Ich habe eine Einwilligung unterschrieben - eine halbe Stunde vor der OP, weil ich vor der OP nochmal Fragen an ihn richten wollte. Da hat er mich angeranzt, ich solle endlich unterschreiben, wenn ich nicht blind werden will.
Nicht, daß ich mich unter Druck gesetzt gefühlt hätte, nein, warum denn auch? :-/ Ging ja auch nur um einen "kleinen" Eingriff...
Wie vor den Kopf geschlagen fühlte ich mich dann, als ich von ihm hörte, daß die Membran "zu klein" zum analysieren gewesen sei, und natürlich nach den Äußerungen seiner Ärzte hinter vorgehaltener Hand. Ich war in der Klinik bekannt wie ein bunter Hund, ich war die mit dem Histo-Spot.
Naja, ich lasse mir die Sache durch den Kopf gehen - vielen Dank an alle für die Ausführungen.

Impfling
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 19:49           
Saschi,
denken Sie beim durch den Kopf gehen daran.
Die meisten Streitigkeiten und Mißverständnisse entstehen durch gekränkte
Eitelkeit ( dies meist auf beiden Seiten ).
MfG Impfling

schumacher
unregistriert
erstellt am: 10. Februar 2001 23:31           
Na nur "eitel Eitelkeit" (analog zu eitel Sonnenschein,d.S.) spricht aber nicht aus den vergleichweise sachlichen Worten von Saschi.
Aus der Ferne läßt sich aus der Schilderung eindeutig die Dringlichkeit der Geschichte erkennen:der zunehmend auffällige Amsler Test ist ein Alarmzeichen. Dies kann zwar auch eine Entzündung hervorrufen, aber anhand des Angiogramms ist eine Unterscheidung möglich,nicht immer aber oft.
Wenn im Angiogramm nach Meinung der "Koryphäe" eine subretinale Membran bestand ist die OP eine echte Chance noch was zu retten. Das ist für einen Augenoperateur die "Herztransplantation" des Kardiologen.Im Erfolgsfall hui bei Mißerfolg pfui.
(Ob die OP die einzig sinnvolle Möglichkeit war muss ich mal dahingestellt sein lassen.)
Was mich ärgert ist (so sie denn so stattgefunden hat) die Nonchalance der Aufklärung.Das muss und darf heute nicht sein!Der Patient hat ein Recht auf eine umfassende Aufklärung in aller Ruhe und zwar in aller Regel mindestens einen Tag vor OP.Da hat der Medizin-Profi alle Pflichten seine Eitelkeit vor unwissenden,unsicheren und manchmal auch unverschämten Patienten im Zaum zu halten!Und wenn es eine Koryphäe ist nocheinmal mehr! Wer nur im handwerklichen der Chirurgie eine Koryphäe ist und nicht im menschlichen Umgang mit dem Patienten ist ebendas : ein Handwerker.Und den lass ich mein Häuschen bauen abr nicht an mein AUGE!
CS

Impfling
unregistriert
erstellt am: 11. Februar 2001 10:25           
Herr Schumacher,
sie sind ja ein toller Ferndiagnostiker, oder
sind Sie Seher ? . Sie wissen doch sicher
beides ist nach der Berufsordnung verboten.
Als Heilpraktiker dagegen könnten Sie so tun als wären Sie dabeigewesen.
MfG Impfling

schumacher
unregistriert
erstellt am: 11. Februar 2001 16:23           
Impfling: Der rechtliche Einwand ist deplaziert, da keine Beratung zur medizinischen Behandlung geleistet wird sondern die Daten einer stattgefundenen Behandlung kommentiert werden.
Gibt es diskussionswürdige sachliche Einwände?
CS

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 11. Februar 2001 18:00           
Hallo Herr Schumacher,


mein Einwand Schlichtungsstellen eher zu meiden, rührt eher nicht daher, dass hier noch immer das Prinzip " eine Krähe ..... " vorherrschen würde. Die Gründe hierfür liegen in einem völlig anderen Bereich.

01)

Von denen im Jahre 1993 der Gutachterkommission der Ärztekammer Nordrhein vorgelegten Verfahren ( 657 ) wurden 218 als Behandlungsfehlerhaft vorgefunden, abgeschlossen.439 Verfahren wurden mit dem Ergebnis " Verneinung und/oder nicht feststellbar " abgeschlossen.

Interessant ist hier also die Frage, was mit diesen abgelehnten " Fällen " am Ende denn tatsächlich geschehen ist. Hier die Ergebnisse:

01.1)

6 Verfahren wurden von dem zuständigen Haftpflichtversicherer ohne weiteres und ohne Klageerhebung sofort anerkannt und abschließend reguliert ( Schadenssummen über DM 100.000,00 ).

01.2)

In 56 Verfahren wurde nach Einholung eines für den Betroffenen positiven Gutachtens Klage eingereicht.

01.3)

Die restlichen ehemals abgelehnten Verfahren wurden in keinem Punkt weiterverfolgt ( also kein Gutachten und insbesondere keine Klage ).

Bemerkenswert in diesem Kontext ist die Frage, was der Grund dafür war, dass hier - wo ja immerhin ein Behandlungsfehler ehemals vermutet wurde -, keine Weiterungen, in welcher Form auch immer eintraten. Eine Befragung bei einem Teil der Betroffenen führte zu folgendem - nicht überraschenden -Ergebnis.

Die im Hintergrund agierenden Rechtsschutzversicherer hatten in fast allen vorgefundenen abgelehnten Bescheiden den Rechtsschutz deswegen versagt, da keine hinreichende Erfolgsaussicht hinsichtlich des Prozeßausganges vorliegen würde. Die Betroffenen scheuten in fast allen Fällen das doch sehr beträchtliche Prozeßkostenrisiko und sahen deswegen von weiteren Schritten ( Klage ) ab.

A N M E R K U N G

Besonders interessant ist weiter der Umstand, dass in den von den 218 von der Gutachterkommission festgestellten Behandlungsfehlern,Klage eingereicht werden mußte.

Hier stellt sich dann schon die Frage, ob es wirklich Sinn macht, Schlichtungsstellen und/oder Gutachterkommissionen anzurufen.

schumacher
unregistriert
erstellt am: 11. Februar 2001 22:05           
Moin,Herr Ruf!

Gibt es einen zugänglichen Bericht der ÄK Nordrhein über die Tätigkeit der Schlichtungsstelle?
In Ihrer Intention unterstellen Sie jetzt, daß die Anerkennung als Behandlungsfehler seitens der Schlichtungsstelle nichts wert ist und dass die abgelehnten Fälle "im wirklichen Leben" immer noch die besten Chancen auf Schadenersatz haben, die die Patienten nur nicht nützen können ,da entmutigt.
Ich glaube,Sie wissen wie lang sich ein Prozess "im wirklichen Leben" hinziehen kann.
Die Fälle, die ich mitbeurteilen kann aus der Tätigkeit der Schlichtungsstelle in Niedersachsen wurden im positiven Fall recht schnell reguliert.
Ich werden mich mal kundig machen inwieweit es in Niedersachsen eine "follow-up" Studie auch der abgelehnten Schlichtungsfällle gibt.
CS

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 11. Februar 2001 22:40     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Verehrter "harald Ruf",

das Anrufen einer Schlichtungsstelle macht dann keinen Sinn, wenn man der Meinung ist, daß möglichst viel geklagt werden sollte, koste was wolle.

Richtig interpretiert ?

PR

harald Ruf
unregistriert
erstellt am: 12. Februar 2001 21:33           
Hallo Herr Rapp,


diese Interpretation, mit Verlaub ist falsch.

Ganz im Gegenteil war meine Intention stets die, dass die Betroffenen also Arzt und Patient, hinsichtlch dieser ja für alle Beteiligten belastenden Situation ( auf der einen Seite geschädigt geworden zu sein und auf der anderen Seite die infragestellung der ärztlichen Kompetenz )ein sachlicher und der Dramatik ( für den Patienten ) angemessener Dialog geführt werden muß. Ein großer Anteil der Verfahren die, sei es nun vor den Schlichtungsstellen und/oder später vor den Gerichten, geführt werden, resultieren in sehr vielen Fällen aus einem Mangel oder gar gänzlichem Wegfall dieses notwendigen Dialoges.

Ganz im Gegenteil, spricht sehr viel dafür, dass eine große Anzahl der gerichtsanhängigen Arzthaftungsverfahren nicht stattfinden würden, wenn viele ( nicht alle ) Mediziner mehr Zivilcourage an den Tag legen würden und sich hinsichtlich Ihrer Behandlungsfehler ( die ja immer wieder einmal vorkommen können = auch hier sind ja nur Menschen bei Ihrer Arbeit ) dem Patienten gegenüber offenbaren würden. Abgesehen davon, dass sich die Gerichte und auch die Rechtsanwälte ein Menge Arbeit sparen könnten, hätte auch der Arzt einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Er hätte sich Respekt verdient.

Was nun die Juristen angeht, so sollten Sie sich einmal die Gespräche zwischen Jurist und Opfer ( oder vermeintliches Opfer ) anhören und sich die einzelnen Schicksale einmal etwas genauer anschauen. Diese sind sicherlich nicht lustig. Dies heißt aber auch nicht, dass nicht auch Juristen ( wie bei den Ärzten ) mit beträchtlichen charakterlichen Defiziten ausgestattet sein können. Dies gilt aber auch hier nicht für alle.

Dr. Matthias Solga
Mitglied
erstellt am: 12. Februar 2001 23:46     Sehen Sie sich das Profil von Dr. Matthias Solga an!   Senden Sie Dr. Matthias Solga eine eMail!     
Zitat Ruf: "wenn viele ( nicht alle ) Mediziner mehr Zivilcourage an den Tag legen würden und sich hinsichtlich Ihrer Behandlungsfehler ... dem Patienten gegenüber offenbaren würden. ...hätte auch der Arzt einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Er hätte sich Respekt verdient."

Stimmt vollkommen! Das ist aber nie (oder sehr selten) ein Problem des Arztes. Unsere Haftpflichtversicherungen schließen jegliche Haftung aus, wenn Handlungen des Arztes feststellbar sind, die den Eindruck erwecken, er könnte einen Fehler gemacht haben. Und einen dann ohne Inanspruchnahme der Versicherung eintreffenden Haftpflichtfall könnte kein Arzt wirtschaftlich überstehen. Daher muß ein Arzt schlagartig nach Eintreten eines Fehlers jeglichen Kommentar unterlassen, auch ein Mitgefühl könnte als Zeichen des eingestandenen Fehlers gewertet werden, schon gar eine Entschuldigung. Solange die juristischen und versicherungstechnischen Verhältnisse so sind, wird sich da die Situation eher verschlimmern. Das ist für uns Ärzte -also zumindest für mich- außerordentlich belastend. Patienten sollten dies wissen, bevor sie annehmen, daß ein Arzt, mit dem sie sich bisher gut verstanden haben, sie nach einem Fehler scheinbar fallenläßt.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 13. Februar 2001 00:02     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Hallo Herr Ruf,

wo soll also der möglichst sachliche möglichst entdramatisierende Dialog stattfinden ?

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