Dokumentation: Der Fall Forum des Gesundheitsministeriums


17.3.2002

Die URL dieses Files: http://www.ariplex.com/ama/ama_dial/adi315.htm

Dieses File ist ein MIRROR. Es ist ein Teil einer Dokumentation. Das Original dieses Files befand sich in der Web-Site des http://www.dialog-gesundheit.de * Gesundheitsministeriums.

Zum Verständnis dieses Files ist es ZWINGEND erforderlich, die Einleitung dieser Dokumentation zu lesen!

Die originalen Links in diesem File funktionieren nicht!

Unsere File-Nummern entsprechen dem Aufbau zu dem damaligen Zeitpunkt, als diese Mirror-Seiten als Belegstücke gesichert wurden.

Die Deutsche Amalgam-Page ist mit dem Gesundheitsministerium weder assoziiert noch sonstwie verbunden.

Die in diesem File gemachten Ausagen dürfen auf keinen Fall bedenkenlos als wahr hingenommen werden! Fragen Sie bitte UNBEDINGT immer einen oder mehrere GUTE Ärzte. Denken Sie daran: Es geht um Ihre Gesundheit! Aus genau diesem Grund wurde diese Dokumentation erstellt!

Bitte besuchen Sie auch unsere Nachbarn auf dem http://www.ariplex.com * Antares Real-Estate InfoPlex


*





Senden Sie diese Seite per eMail an einen Freund!
  Foren
  Gesundheit im Dialog
  Leistungseinschränkung bei Krankenkassen unausweichlich?

Ich will ein neues Thema erstellen  Antwort erstellen
Profil | Registrieren | Voreinstellungen | Hilfe | Suchen

nächster neuer Beitrag | nächster älterer Beitrag
Autor Thema:   Leistungseinschränkung bei Krankenkassen unausweichlich?
Werner Schell
Mitglied
erstellt am: 02. November 2000 10:38     Sehen Sie sich das Profil von Werner Schell an!   Senden Sie Werner Schell eine eMail!     
Sehr geehrte Damen und Herren,

zu diesem Thema wurden, beginnend am 1.11.2000, im Forum des Instituts für Pflegerecht und Gesundheitswesen (http://www.wernerschell.de) Texteinstellungen vorgenommen. Danach hat, einer dpa-Meldung folgend, der Präsident des BVA gefordert, den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung zu überprüfen. So müßten bestimmte Leistungen Patienten selber tragen.
Dazu wurde u.a. folgende Antwort in das Forum eingestellt:
„Eine Neuordnung unseres vielfach gegliederten Gesundheitssystems ist sicherlich unausweichlich. Allerdings müssen dabei alle Aspekte der „notwendigen und wirtschaftlichen“ Patientenversorgung bedacht werden. Schnellschüsse und voreilige Erklärungen über Leistungseinschränkungen sollten vermieden werden; dies erwarten wir besonders von den verantwortlichen Politikern. Allein auf Budgetierung zu setzen, erweist sich zunehmend als eine völlig falsche Maßnahme. Die Budgetierung geht, wie auch die Beiträge in diesem Forum immer wieder zeigen, allein zu Lasten der (chronischen/behinderten) Behinderten. Das kann so nicht hingenommen werden!!!
Unserer Meinung sollte zunächst mit aller Sorgfalt analysiert werden, warum sich unser Gesundheitswesen in Schwierigkeiten befindet. Z.B.: demografischer Faktor, medizinischer Fortschritt mit mehr Leistungsangeboten, zu viele Leistungsanbieter (Ärzte), Anspruchsdenken der Patienten und zu wenig Eigenverantwortung (Rauchen und sonstige Drogen, falsche Ernährung, Bewegungsmangel usw.), Doppeluntersuchungen (Röntgen), unnötige Operationen (z.B. Amputationen), Arzneimittelverschwendung in Milliardenhöhe). Auf der anderen Seite muss dann gefragt werden, welche Folgerungen geeignet sind, den festgestellten Schwierigkeiten zu begegnen. Z.B.: mehr Eigenverantwortung, Übernahme von Eigenanteilen Verstärkung des Kostenerstattungsprinzips, Wahlleistungstarife. Bei allem darf der Solidargedanke nicht auf der Strecke bleiben!!!
Wir möchten in diesem Zusammenhang beispielhaft aufmerksam machen auf folgende Artikel in unserem „Rechtsalmanach“, Nr. 18:
- Reformen im Gesundheitswesen
- Andersen-Studie: Bis 2015 werden 600 Krankenhäuser schließen
- „Krankenhaus 2015 - Wege aus dem Paragraphendschungel"
- Reformkommission Soziale Marktwirtschaft: Effiziente Krankenversicherung als Voraussetzung für ein hohes Leistungsniveau im Gesundheitswesen“

Mit freundlichen Grüßen
Team Werner Schell
Team@wernerschell.de (http://www.wernerschell.de)

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 03. November 2000 01:23           
Die Frage ist: wo bleibt das Geld?

Dazu sehen Sie sich doch mal im Buschtelefon http://www.buschtelefon.de/gkve.htm an:
die Krankenkassen nehmen pro Jahr erheblich mehr ein, als sie ausgeben, die Schere klafft immer mehr (1970 20% der Einnahmen für ambulante Betreuung, 1998 noch knapp 14%), die Einnahmen steigen von Jahr zu Jahr, bis 1990 JÄHRLICH um 10% im Schnitt, danach im Schnitt um 8%. Erst, als der Staat begann, sich zu bedienen, stieg das Wachstum nicht mehr so stark. In den Jahren nach der Einheit ist per Saldo ein Plus von 12 Mrd. Mark bei den Krankenkassen geblieben. Das Verwaltungsvermögen geben die Kassen allerdings bei 6 Mrd. Mark an, insgesamt. Angenommen, das Vermögen (wenn es denn stimmt) wäre innerhalb von denselben 10 Jahren zusammengetragen worden : Wo ist der Rest?
Auch Buschtelefon: http://www.buschtelefon.de/gkv.htm
("wofür geben die Kassen ihr Geld aus?").
Bei den Krankenhäusern ist das im Wesentlichen ähnlich.
Fakt: von dem in steigenden Mengen eingenommenen Geldern werden anteilig immer weniger dafür ausgegeben, wofür sie bestimmt sind: für die medizinische Betreuung. Die Zahlen sind im stat. Bundesamt zu haben, das Gesundheitsministerium veröffentlicht auch manchmal Zahlen.

Es ist zu fordern, daß die finanziellen Verhältnisse der Krankenkassen detailliert - bis hin zu den Gehältern der Führungsteagen - schonungslos offengelegt werden. Immerhin sind es Körperschaften Öffentlichen Rechts.
Wenn endlich die Reserven bei den Krankenkassen aufgedeckt sind und der ambulanten Betreuung wieder die 20% Anteil der Einnahmen gegeben werden, die ihr zusteht, braucht kein Patient zuzahlen, keine Arztpraxis zumachen.
Übgrigens: 1 Mrd. Einsatz im Gesundheitssektor erbringt die mehrfache Menge an Arbeitsplätzen als dieselbe Geldmenge in der produzierenden Wirtschaft. Schaut den Krankenkassen mal in die Taschen!

Martin
unregistriert
erstellt am: 03. November 2000 14:13           
Krankenkassenbeiträge und Leistungen


a) Der Versicherte bezahlt für Leistungen (und das mit Arbeitgeberanteil nicht wenig)

b) Aus der Bezahlung von Beiträgen resultieren Leistungen, welche von den Trägern erbracht werden müssen (Gesetz der freien Marktwirtschaft)

c) Werden Leistungen herausgenommen, müssen logischerweise die Beiträge reduziert werden.


Es stellt sich die Frage, ob die Gilde (Ärzteschaft) sich mit der Forderung nach Leistungskürzung bei gleichem oder steigendem Beitragsatz nicht in das eigene Fleisch schneidet:

==> Günstige Angebote von Medikamenten im Internet (Warum 2 Stunden beim Doktor ansitzen, wenn man günstigere Medikamente sich im Internet besorgen kann)

==> Ärtzliche Beratungsleistungen im Internet
teilweise umsonst

==> Ärtzliche Leistungen im Ausland, denn auch dort versteht man sein Handwerk.

Und letztendlich: Dem Beitragszahler reichts,
endlich eine gerechte Leistung zum gerechten marktwirtschaftlichen Preis, statt eine seit dem Mittelalter gewachsene Gilde durchzufüttern.

Berliner Patientin
unregistriert
erstellt am: 03. November 2000 15:12           
hi Martin,
Sie reden ziemlichen Unfug. Bitte studieren Sie die Gesetze der Freien Marktwirtschaft, bevor Sie diese irgendwo erwähnen. Damit ersparen Sie sich Blamagen wie obige Ausführungen.

Retuerk
Mitglied
erstellt am: 03. November 2000 15:23     Sehen Sie sich das Profil von Retuerk an!   Senden Sie Retuerk eine eMail!     
Hallo Martin,
welcher Geist treibt denn Sie?
Verbitterter Krankenkassenmitarbeiter oder welcher Spezies sind Sie zuzuordnen?

>==> Günstige Angebote von Medikamenten im Internet (Warum 2 Stunden beim Doktor ansitzen, wenn man günstigere Medikamente
sich im Internet besorgen kann)<

Na viel Vergnügen, zu Risiken, Nebenwirkungen und Folgen wenden Sie sich dann bitte an Ihre Ärzte vor Ort.

>==> Ärtzliche Beratungsleistungen im Internet teilweise umsonst<

Richtig !! Teilweise, sinn-, zweck- und kostenlos, desweiteren gilt -- Risiken und....
==> Ärtzliche Leistungen im Ausland, denn auch dort versteht man sein Handwerk.

Von drei Aussagen, eine, die man akzeptieren kann.

<Und letztendlich: Dem Beitragszahler reichts, endlich eine gerechte Leistung zum gerechten marktwirtschaftlichen Preis, statt eine seit dem Mittelalter gewachsene Gilde durchzufüttern.<

Na, denn schönes wochenende.

Martin
unregistriert
erstellt am: 04. November 2000 19:53           
Tja, werte Frau Patientin,

Dank EU begunnt sich die Marktwirtschaft doch durchzusetzen, siehe Energieversorger oder Telekommunikation. Aus freier Einsicht werden die wohl nicht billiger.

Zu Ihrer Argumentation, dass ich nur Unsinn fassle, würde ich gerne die Ihrige kennenlernen und zur meinigen machen, wenn sie nur nicht die altbekannte Leier von steigenden Kassenbeiträgen und steigenden Zuzahlungen beinhaltet.

Fakt ist, es muss reformiert werden. Eine nationale Beschränkung der Medikamentation wird sich EU-weit nicht halten lassen. Kassen mit einem Personalaufbau ala AOK, Barmer usw. werden sich gegenüber BKK's nicht halten lassen (vorausgesetzt der Gesetzgeber öffenet den Markt - kein Risikostrukturausgleich mehr). Doppel und Mehrfachuntersuchungen, welche kostenintensiv sind wird es nicht mehr geben usw.
Werte Patientin, aufgrund Ihrer argumentationslosen Antwort vermute ich, dass Sie ein Mitgied der Zunftbruderschft sind und einfach Besitzstandwahrung anstreben.

Nichts für ungut,
Gruss

Seitz
Mitglied
erstellt am: 04. November 2000 20:03     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
Lieber Martin,
Wie hoch schätzen Sie den Anteil versicherungsfremder Leistungen bei den Beiträgen der Krankenversicherung.
Zuerst bei den eigentlichen Leistungen am Kranken sparen oder versicherungsfremde Leistungen ausklammern. Was denken Sie??

m.s.

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 04. November 2000 22:23           
An Martin: Immer wieder: Gleiches Recht für Alle. Marktwirtschaft heißt nämlich auch, wenn weniger gezahlt wird, wird weniger geleistet. Bisher wurde nicht, weil weniger reinkam, weniger geleistet, im Gegenteil. Wenn die Grenze erreicht ist, wird zu überlegen sein, welche Leistungen in der gesetzl. Krankenversicherun nicht mehr geleistet werden. Das hat ja seit Jahren schon eingesetzt: Brillengestelle, Zahnersatz sind nur zwei Beispiele, die Steintherapie beim Harnstein mit Stoßwelle z.B. könnte ambulant gemacht werden, ist aber so uneffektiv, daß das keiner anbietet, sondern daß das stationär gemacht wird. Schon da haben Sie weniger Leistung. Kein Arzt wird medizinische Leistungen, zu denen er verpflichtet ist, verweigern, eine solche Diskussion ist Unfug. Er wird sie womöglich effektiver einsetzen, die Terminvergabe wird z.B. diffiziler werden, Wartezeiten werden nach der notwendig werdenden steigenden Effektivität für den Arzt und nicht für den Patienten gestaltet werden müssen.
Martin, es wurde bisher immer weniger für gleiche und steigende Leistung gezahlt. Für noch weniger gleiche Leistung geht nicht mehr.

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 04. November 2000 22:32           
an Martin:
Schon wieder: gleiches Recht auch für mich. Wenn Marktwirtschaft zwischen den Kassen, dann auch bei uns Ärzten. Wenn der RSA fallen sollte, dann auch Verhandlungen zwischen Ärzten und Kassen ohne Bevormundung. Wollen mal sehen, wo die BKKen dann noch einen Arzt finden, der ihre Patienten für deren Preise behandelt. Ich jedenfalls freue mich auf Markt, her damit, aber für alle!
Für wie blöde halten Sie Patienten, glauben Sie, auch nur einer würde sich zweimal röntgen lassen oder sich einer doppelten Zystoskopie unterziehen? Es gibt keine Doppeluntersuchungen, das ist einfach Unfug.

Peter Rapp
Mitglied
erstellt am: 05. November 2000 00:00     Sehen Sie sich das Profil von Peter Rapp an!   Senden Sie Peter Rapp eine eMail!     
Tja, lieber unregistrierter Martin,

wenn Marktwirtschaft für Sie bedeutet, daß Sie immer mehr immer billiger haben können, dann vergleichen Sie doch einfach mal die Qualität von Lebensmitteln aus einer bekannten Handelskette mit der von Lebensmitteln auf dem Wochenmarkt.

PR

Martin
unregistriert
erstellt am: 08. November 2000 15:57           
Werter Herr Solga, werter Herr Rapp,

was ist eigentlich billig, sind monatliche Aufwendungen von ca. 800.- DM (mit Arbeitgeberanteil billig?
Oder wollen Sie mehr, 100% Beitrag bei 100% Selbstbeteiligung?
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Man kann nicht bei gleichen oder steigenden Beiträgen immer mehr Leistungen herausnehmen. Dasselbe geschieht auch in der Rentenversicherung, Reduktion der Leistung bei gleichen Beiträgen und Erhöhung der Privatvorsorge bedeutet einfach eine Beitragserhöhung.

Eine zu dürftige Bezahlung von Arztleistungen mag der Fall sein und kann ich nicht beurteilen. Aber offensichtlich ist, dass die
alten GK's ihre Beiträge aus der alten Monopolstruktur herleiten, das heisst, Personal- und Geschäftsstellenüberhang. Eine BKK kommt in der Regel mit einer Geschäftsstelle aus, wieviele hat die AOK?
Bei den Stromversorgern hat der Markt bewirkt, dass Überkapazitäten und Personalüberhänge abgebaut werden, d.h. im selben Zuge wurden die Preise günstiger.
Eine Gegenzeichnung beim Arzt für eine Bestätigung der durchgeführten Untersuchungen wäre mit Sicherheit ein Beitrag zur Reduzierung von Falschabrechungen, usw.
Und was die freie, internationale Verkäuflichkeit von Medikamenten betrifft, bin ich dagegen, wenn Antibiotika, Psychopharmaka und diverse schwere 'Geschütze' gemeint sind, dafür, wenn Husten-, Grippemittel und dermatologische Salben gemeint sind.
Unerklärlich ist, warum ein Gemisch aus ein paar Chemikalien so teuer ist, RAM-Bausteine und Prozessoren aus Ihrem PC, welche dem internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sind, zu Ramschpreisen veräüßert werden. Prozessoren setzen Fabriken als Milliardeninvestition voraus und werden in ca. 300-500 Prozesschritten hergestellt.
Also, warum sind Medikamente so teuer? Die Entwicklungskosten können es wohl nicht sein.

PS: Herr Solga, Doppeluntersuchungen und falsche Leistungsabrechnungen gibt es leider in statistisch relevantem Maße.

Seitz
Mitglied
erstellt am: 08. November 2000 16:08     Sehen Sie sich das Profil von Seitz an!   Senden Sie Seitz eine eMail!     
<<PS: Herr Solga, Doppeluntersuchungen und falsche Leistungsabrechnungen gibt es leider in statistisch relevantem Maße.<<

Lieber Martin,
Nennen Sie bitte konkrete Zahlen!


<<was ist eigentlich billig, sind monatliche Aufwendungen von ca. 800.- DM (mit Arbeitgeberanteil billig?<<

Wieviel dieses Betrages wird monatlich für die ambulante Versorgung ausgegeben??

ca 30,- DM

sind 30,- zuviel??

ohne Kommentar

m.s.

Matthias Sokoliuk
Mitglied
erstellt am: 08. November 2000 18:08     Sehen Sie sich das Profil von Matthias Sokoliuk an!   Senden Sie Matthias Sokoliuk eine eMail!     
Hallo Martin

"Bei den Stromversorgern hat der Markt bewirkt, dass Überkapazitäten und Personalüberhänge abgebaut werden, d.h. im selben Zuge wurden die Preise günstiger."

Das ist ein sehr gutes Beispiel dafür, was passiert, wenn man, ohne zu überlegen, zu sehr auf den Grundsatz setzt, dass die freie Wirtschaft alles regeln wird. Die Liberalisierung des strommarktes hat nicht nur zu sinkenden Preisen geführt, sondern auch dazu, dass die Konzerne, die sich jetzt natürlich nach dem Markt richten, den Strom dort einkaufen, wo er billig ist. Und während in Deutschland, wo die Umweltauflagen hoch sind, etliche relativ saubere und sichere Kraftwerke abgeschaltet werden, importieren wir aus der Tschechei schon ebenso so viel Billigstrom, wie das umstrittene (und nur fraglich sichere) Kernkraftwerk Temelin produziert. Gott gnade uns, wenn die Politiker das Kassensystem ebenso umsichtig "sanieren".

Matthias Sokoliuk

Dr. Matthias Solga
unregistriert
erstellt am: 09. November 2000 00:05           
an Martin:

Ihre Behauptung "PS: Herr Solga, Doppeluntersuchungen und falsche Leistungsabrechnungen gibt es leider in statistisch relevantem Maße." ist betreffend die Doppeluntersuchungen definitiv falsch. Halten Sie Patienten wirklich für so doof, daß sie sich zweimal röntgen oder endoskopieren lassen würden? Die Zeiten sind doch seit 30 Jahren vorbei, daß Sie das auch nur einem Patienten verklickern könnten. Selbst beim Ultraschall, wo ich ohne Gefahr für den Patienten mir gerne ein Bild selbst verschaffen möchte, nicht aus Abrechnungsgründen, sondern weil der Schallkopf meine verlängerte Hand ist, fragen die Patienten nach, einfach weils Zeit kostet.

Ansonsten nähern wir uns aber auch schon (gefährlich?, wenn ja, für wen?) an.
Ich möchte gerne, daß von den reichlich bei den Krankenkassen fließenden Einnahmen (s. http://www.buschtelefon.de/gkve.htm) die ambuante Betreuung als Stütze der Medizin nicht, die immer weiter die Krankenhausbehandlungszeiten und -zahlen reduziert, immer weniger (1970 22%, 1988 16% der Beitragseinnahmen) abbekommt. Das ist ungerecht. Begründet ist das durch ein staatlich sanktioniertes Quasi-Monopol-Krankenkassensystem, da haben Sie völlig Recht. Wir wollen nicht mehr Beiträge, wir wollen nur einen gerechten Anteil von den Einnahmen.
Gegenzeichnung beim Arzt ist zwar bürokratischer Irrsinn, aber -und das sollte die Politik erkennen- eine prima Gelegenheit für mich, darzustellen, mit welchen Dumpingpreisen wir arbeiten müssen, denn natürlich werde ich mir nicht auch noch diese Arbeit aufdrücken lassen, ohne nicht wenigstens argumentative Vorteile zu bekommen. Also ich würde eine solche Quittung begrüßen, dann könnte ich den Patienten gut darstellen, wo ich mich befinde.

Seit einiger Zeit beteilige ich mich bei klinischen Prüfungen von Medikamenten. Um z.B. ein bekanntes Mittel lediglich für eine andere Indikation freizugeben, ist ein irrsinniger Aufwand für eine klinische Prüfubng erforderlich, deren Aufwand bis vor Kurzem noch mein Vorstellungsvermögen bei Weitem überstiegen hat. Der Aufwand für die Meidkamentenprüfung ist aus gesellschaftlichem Sicherheitsinteresse so groß, soll er geringer sein, sollte die Gesellschaft ihre Sicherheitsgrenzen neu überdenken.
Trotzdem haben Sie Recht: die AM-Preise sind völlig unverständlich. Warum z.B. können zwei unterschiedlich hergestellte Präparate gegen Prostatakarzinom GENAU 1423,- DM kosten, warum gibt es etwa 15 chemisch exakt dieselben Schmerzmittel, die allesamt GENAU 3,29 in der Herstellung kosten. Nun denkt man, daß die eine Firma so und die ander anders kalkuliert - abe in diesem Markt wird abgeschöpft, solange und soviel es geht, da ist nichts mit Markt, da herrscht ein Kartell, in dem Pharmafirmen, Großhandel und Apotheker verdienen, nur ich verdiene gar nichts dran. Der einzige, aber der zahlt, wenn eine imaginäre Grenze überschritten ist, bin ich. Kein Anderer. Ungerecht! Úns sieht man in unzähligen Prüfschritten bei nahezu jeder Tätigkeit bis in die tiefsten Ecken meiner Hosentaschen, die Politik aber kann sich nicht einmal zu einer Positivliste durchringen. Warum muß ich dem Patienten erklären, daß ein Medikament für ihn zu teuer ist? Wenn die Versicherung dafür nicht zahlen kann oder will, soll die doch erklären: dieses oder jenes Medikament zaheln wir nicht. Ich bin es satt, der schwarze Peter für Alles zu sein.

Zu den falschen Leistungsabrechnungen:
die gibt es. Aber sowohl in dieser als auch in jener Richtung, und durchaus selten in primär betrügerischer Absicht. So ist bekannt, daß ein Arzt etwa 5% der erbrachten Leistungen vergißt, zur Abrechnung einzureichen. Andererseits sind in Berlin sog. Falschabrechnungen in 4 Jahren im Betrag von etwa 7 Mio. Mark aufgedeckt. Das sind bei 6000 Ärzten in Berlin pro Jahr DM 290 pro Jahr. Die eben erwähnten 5% vergessenen Leistungen entsprechen DM 20.000. Es werden also ungefähr 100 mal mehr Leistungen vergessen als ungerechtfertigt zuviel abgerechnet.

Übrigens 1.: 14% von DM 800 sind DM 112 pro Monat, die gehen in die ambulante Behandlung für Sie. Zuviel? zuwenig? Das kommt wohl auf den Standpunkt an. Aber: etwa DM 130 bleiben bei der Krankenkasse! Anteilig gerecht?
Übrigens 2.: mit DM 5714,28 Gehalt haben Sie knapp dreimal so viel Einkommen vor Steuern wie ich.

Alle Zeiten sind GMT (DE)

nächster neuerer Beitrag | nächster älterer Beitrag

Administrative Optionen: Beitrag schliessen | Archivieren/Bewegen | Beitrag löschen
Ich will ein neues Thema erstellen  Antwort erstellen
Gehe zu:

Kontakt | http://www.dialog-gesundheit.de

Powered by: Ultimate Bulletin Board, Version 5.44a
© Infopop Corporation (formerly Madrona Park, Inc.), 1998 - 2000.
Deutsche Übersetzung von thinkfactory.



*

[ zur Einleitung der Dokumentation ]


hier geht's weiter !
[ Das Amalgam-Zentrum ]


Copyright Inhalt © der jeweilige Autor
Copyright laut Datenbank-Richtlinie © 2002 Gesundheitsministerium
Copyright Dokumentation © 2002
Aribert Deckers
and
Copyright Dokumentation © 2002
Antares Real-Estate

Jegliche Weiterverwendung der Texte der Amalgam-Page ist verboten.
Verlage dürfen sich wegen der Nachdruckrechte per Email an mich wenden.
Aribert Deckers